Ein Gastbeitrag von Gabriele Bauer
Manchmal scheint das Leben einfach nicht fair. Sie ist eine tolle Frau, die schon viel geschafft hat und das Leben genießen können sollte. Nur ist es ihr in diesem Moment nicht möglich: Ihr Blick ist leer, ihr Kopf gesenkt und ab und zu beginnt sie ein wenig zu zittern. Aus jedem ihrer Worte wird die Verzweiflung hörbar, die sie in genau diesem Augenblick empfindet.
Kurz: Sie ist ausgebrannt.
Alles begann mit einer komplizierten Liebesbeziehung. Viele durchweinte Nächte haben ihr Nervenkostüm geschwächt und dazu geführt, dass sie nur noch wenig Kraft und Konzentration für ihre Arbeit aufbringen konnte. Es kam, wie es in solchen Fällen häufig kommt: Nach einer angemessenen Schonzeit haben die Kollegen das letzte Quäntchen Verständnis für die private Misere verloren und waren nicht länger bereit, sich mit häufigen Flüchtigkeitsfehlern und unerledigten, weil vergessenen Aufgaben, zu arrangieren.
Das blieb dem Chef natürlich auch nicht verborgen. Mangelnde Leistung und häufige Fehlzeiten führten schließlich zur Kündigung.
Und jetzt, am Ende des Lieds, sitzt sie vor einem Scherbenhaufen, der früher das schöne und kostbare Gefäß eines gut funktionierenden Lebens war. Sie fühlt sich wertlos. Sie sagt, sie hat es nicht geschafft. Sie hat Angst, fühlt sich einsam und leidet unter Depressionen, während ihr Körper mit Schmerz und Schlaflosigkeit reagiert.
Burnout hat viele Gesichter
Die Ursachen, die zu einer Stresserkrankung führen, sind so verschieden wie die Menschen selbst: Eine schwierige Lebenssituation, ein Schicksalsschlag oder eine herbe Enttäuschung kann jeden Menschen treffen. Zusätzliche Stressoren wie ein ungerechter Chef, unverständige Kollegen oder ein unvorsichtig gewählter (oder nicht vorhandener) Lebenspartner, sind kurzfristig nicht zu verändern und können Belastung im Alltag verstärken.
Eine unmenschliche Gesellschaft? Steter Leistungsdruck? Keine Zeit für Entspannung? Sind ausschließlich die äußeren Umstände schuld an den steigenden Zahlen der Burnout Betroffenen? Das wäre einfach! Bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass häufig innere Defizite und Belastungen zum Ausbruch des Burnout-Syndroms beitragen. Wie sich im Beispiel oben lesen lässt, war Liebeskummer der ursprüngliche Auslöser, der eine Abwärtsspirale in Bewegung setzte.
Ein Einzelfall? Leider nein.
Nach der Belastung in Beruf und Karriere stehen Beziehungsprobleme an zweiter Stelle der häufigsten Stressauslöser. Im Fall der Frau spielten zusätzlich Verletzungen in der Kindheit eine bedeutsame Rolle für die Entstehung der Krankheit. Zwar löst aber eine komplizierte Liebesbeziehung längst nicht bei allen Menschen eine belastende Stresserkrankung aus. Doch schlummern in jedem von uns Erfahrungen, die durch einen passenden Auslöser zu jeder Zeit wieder an die Oberfläche gespült werden könnten.
Während das Burnout Syndrom früher vorwiegend bei Menschen in beruflichen Führungspositionen (Managerkrankheit) auftrat, sind heute auch viele junge Menschen betroffen. Die Krankheit zieht sich unabhängig von Alter, Herkunft, Bildung oder Einkommen, durch alle Personengruppen. Über die Ursache der Ausbreitung gibt es nur wenige brauchbare Erkenntnisse aber unzählige Theorien und Vermutungen. Die Möglichkeiten auszubrennen oder nicht auszubrennen sind unbegrenzt.
Persönlichkeit, Charakter, Eigenschaften und die Wahrnehmung des eigenen Selbst und der anderen Menschen, sind wichtige Faktoren, die den Ausbruch einer Stresserkrankung begünstigen oder eben verhindern können. Ebenso gibt es Stressoren, die sowohl im Außen als auch im Innen entstehen können. Ein typisches Beispiel ist der, beim Burnout-Syndrom fast immer auftretende Stressfaktor “Leistungsdruck”.
Ein überzogener Wunsch nach eigener Perfektion oder Verhaltensweisen, die von inneren Zwängen geprägt sind, können denselben Druck erzeugen, wie ein straffes Arbeitspensum, das unter permanentem Zeitmangel zuverlässig erledigt werden soll.
Kampf gegen mächtige Windmühlen
Was sich bei fast allen Betroffenen wiederholt und gleicht, ist das unangenehme Gefühl, wie Don Quijote gegen übermächtige Windmühlen kämpfen zu müssen. „Obwohl ich wirklich alles versucht habe, verbessert sich nichts“, höre ich häufig von Betroffenen. Sie erleben das Gefühl der eigenen Ohnmacht und eine Übermacht des scheinbar nicht zu bewältigenden Alltags. Die Verantwortung für Scheitern oder Misserfolg wird dabei häufig auf andere Menschen oder äußere Umstände übertragen.
Wie lassen sich mächtige Windmühlen schrumpfen?
Gegen das Gefühl von Machtlosigkeit hat sich ein intensiver Blick nach innen bewährt. Dazu ist es nötig, die Vielzahl an Ablenkungen, die aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken sind, für einen kurzen Zeitraum auszublenden.
Tiefe Entspannung ermöglicht dem Betroffenen schnell und wirkungsvoll aus dem, sich unablässig drehenden, Gedankenkarussell auszusteigen. Gemeinsam mit Nahrung und Stimulation für sinnliche Wahrnehmungen (sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken) entsteht in relativ kurzer Zeit wieder eine Verbindung zu eigenen Gefühlen. Die übermächtigen Windmühlen beginnen zu schrumpfen, wenn die Aufmerksamkeit wieder auf positive Selbstwahrnehmung und Selbstwert gelenkt werden kann.
Vorbeugen ist besser als ausbrennen
Eine grundsätzlich entspannte Lebenseinstellung, die Besinnung auf sich und eigene Bedürfnisse, sowie ein stabiles Selbstwertgefühl schaffen wertvolle Schutzmechanismen gegen die äußeren Bedrohungen der „Volkskrankheit“ Burnout. Wer frühzeitig Alarmsignale erkennt und beachtet, kann Schaden begrenzen oder gar vermeiden. Daher ist es wichtig sich mit den Symptomen und dem Verlauf zu beschäftigen:
Auf den ersten Blick lässt sich eine beginnende Burnout Erkrankung schwer erkennen. Von außen betrachtet, zeigen Betroffene zu Beginn der Erkrankung sogar große Einsatzbereitschaft und starken Leistungswillen. Innere Belastung wird meist durch Ablenkung (wie beispielsweise gesteigerte Aktivitäten oder übertriebenen Konsum von Genussmitteln) verdrängt. Unangenehme Gefühle, Anspannung und innerer Druck werden äußerlich häufig von einer undurchschaubaren Fassade kaschiert. Häufig wird Burnout erst bemerkt, wenn der Betroffene sich auf sozialen Rückzug begibt. Das anhaltende Gefühl „keine Zeit“ zu haben und der „freiwillige“ Verzicht auf zwischenmenschliche Kontakte und Vergnügungen, sind ein häufiges Warnsignal für innere Belastung.
Typische Belastungen des Burnout-Syndroms sind:
- Chronische Müdigkeit (auch nach Ausschlafen oder Urlaub)
- Häufige Infekte (Erkältungen, Grippe)
- Distanzierung zu Beruf und/oder Privatleben
- Körperliche Symptome, wie anhaltende Schmerzen, Störungen des Blutkreislaufs, Herzrasen, Schwindel, Tinitus
- Psychische Belastungen, wie Ängste, Stimmungsschwankungen, Depressionen, innere Leere oder Langeweile
- Kognitive Veränderungen, wie Konzentrationsschwäche, Entscheidungsschwierigkeiten, Unlust, Selbstzweifel
Wirkung und Verlauf:
- Anhaltende Müdigkeit und Verlust der Erholungsfähigkeit prägen häufig den Krankheitsbeginn. Viele Betroffene schildern das Gefühl, „nicht mehr richtig auf die Füße zu kommen“. Körpereigene Abwehrkräfte werden dadurch geschwächt.
- Schlafstörungen, Schmerzzustände, Infekte und kognitive Leistungseinschränkungen, wie Konzentrationsstörung, Wahrnehmung des eigenen Leistungsverlusts oder das Gefühl der inneren Leere bestimmen den weiteren Verlauf.
- Die Veränderung von Selbstbild und Gefühlswelt mündet oft in Resignation und Verlust von Selbstwertgefühl. Am Ende droht ein Zusammenbruch des bisherigen Lebenskonzepts. (Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Konkurs, Verlust des Partners etc.).
Mittel gegen Windmühlen
Meine persönliche Erfahrung zum Thema Burnout stammt aus täglicher Praxis im Umgang mit menschlicher Anspannung und tiefer Entspannung. Oft finden Menschen schon im Anfangsstadium zu mir, weil sie sich eine bessere Strategie im Umgang mit ihren Chefs, Kollegen oder Lebenspartnern erhoffen. Das gibt mir oft die Möglichkeit schon frühzeitig in den Verlauf positiv einzugreifen und Leid zu minimieren.
Meine Therapie zur Vorbeugung und Behandlung der Burnout Erkrankung, mit der ich bereits viele positive Ergebnisse im Kampf gegen mächtige Windmühlen erzielen konnte, besteht aus folgenden Bausteinen:
- Tiefe Entspannung auf der Alpha-Ebene (Beruhigung der Gehirnwellenfrequenz auf 10Hz)
- Subjektive Stimulation der Sinneskanäle mit Imagination und Visualisierung im tief entspannten Bewusstseinszustand.
- Gespräch mit Blickwinkel auf Persönlichkeit, Charakter, Verhaltensweisen und Erforschung von seelischen Grundbedürfnissen.
- Entwicklung von Strategien zur Verbesserung der individuellen Stressfaktoren.
Einen großen Vorteil dieser Behandlungsform sehe ich darin, dass bereits nach sehr kurzer Zeit erste positive Verbesserungen für den betroffenen Menschen fühl- und sichtbar werden. Gute Gefühle und positive Selbstwahrnehmung steigern die eigene Lust am gesund werden und genau das ist eine wichtige Voraussetzung für das Ziel der Behandlung. So oder so – ich wünsche Ihnen gute Gesundheit und viel Kraft für Ihre ganz persönlichen Herausforderungen!

Über die Autorin
Gabriele Bauer ist Trainerin, Entspannungstherapeutin und Heilpraktikerin aus Ebenhausen – und bloggt regelmäßig über die Themen Burnout und Stress.







gabaretha
Vielen Dank lieber Jochen.
Ich habe heute meinen Blogbetrieb mal präventiv auf diese Seite umgeleitet.
http://gaba-ultramind.blogspot.com/2011/10/achtung-umleitung.html
Besser und besser!
Phil
Einer der besten Beiträge den ich über Burn Out seit langem gelesen habe. Vorallem weil in der Einleitung mal nicht von der Standard-Burn-Out Person ausgegangen wird, die sich zu viel Arbeit aufgehalst hat und in den Augen vieler eine Teilschuld an ihrer Situation trägt. Sondern, dass aus einer Situation heraus die NICHT planbar ist (z.B. eben den Verlust des Partners), keine Kapazitäten mehr übrig bleiben. Und da eben diese Aufgaben von denen man weiß, dass man sie eigentlich problemlos erledigt auf einmal scheitern, kommt dann noch der Zweifel an der eigenen fachlichen Kompetenz hinzu (die ja aber eigentlich genau die Gleiche ist wie vorher). Tja, und wenn dann noch einige Zeit vergeht, ist es enorm Schwierig so jemanden wieder Vertrauen in sich selbst beizubringen…
Deswegen nochmal Danke für den super Beitrag da er vielleicht einigen betroffenen zeigen kann, dass ihr scheitern nicht an ihren Fähigkeiten lag, sondern an einem Umstand der von ihnen nicht kontrollierbar war. Einer mir nahe stehender Person hat er jedenfalls sehr geholfen…
gabaretha
Hallo Phil, vielen Dank, Dein Kommentar freut mich sehr. Ich denke, dass die Zuweisung von Schuld sowieso niemandem zum Vorteil geraten kann. Durch Schuld (weder eigen noch fremd) wird niemand gesund. Schuld (wie auch Scham) erzeugt meist nur weitere psychische Probleme und eins ist sicher: Niemand der von einer Stresskrankheit betroffen ist, ist das gern oder absichtlich.
Wie Du richtig schreibst ist das Vertauen in sich selbst (also Selbstvertrauen) sehr wichtig für einen neuen Beginn. Mein Tipp für die Person, die Dir nahe steht ist, dass er/sie die eigene Aufmerksamkeit auf die eigenen Sinneswahrnehmungen lenkt. Sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen stärkt die positive Selbstwahrnehmung und damit das eigene Selbstwertgefühl.
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