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Studienabbrecher. Dieser Begriff kommt für manch ehemaligen Studenten - und leider auch Personaler - einem Stigma gleich. Eine Frage drängt sich unweigerlich auf und wird im Vorstellungsgespräch dann auch garantiert gestellt: "Warum haben Sie Ihr Studium abgebrochen?" Wer jetzt keine schlagfertige Antwort parat hat, sieht alt aus - und lässt (zu) viel Spielraum für Spekulationen. Die gute Nachricht: Eine überzeugende Antwort muss nicht schwer oder kompliziert sein. Doch dafür müssen sich Studenten zuerst über ihre Gründe und Motivation für den Studienabbruch klar sein. Dann lassen sich auch skeptische Personaler überzeugen.

Studienabbruch: Ehrliche Selbstreflexion ist nötig

Bevor sich Studenten Gedanken über eine schlagfertige Antwort fürs Vorstellungsgespräch machen können, gilt es in vielen Fällen jedoch, den ersten Schock des Studienabbruchs zu überwinden. Natürlich treffen die meisten Studenten die Entscheidung selbst - finanzielle Gründe und familiären Druck mal außen vor gelassen - dennoch fühlen sich viele direkt nach dem Studienabbruch als Versager. Das ist jedoch völlig unnötig, denn als Studienabbrecher sind Sie ganz sicher nicht allein. In manchen bachelorstudiengänge liegt die Abbrecherquote gar bei 30 Prozent.

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So schlimm ist ein Studienabbruch gar nicht. Dennoch bleibt die Frage:

Wie lässt sich ein Studienabbruch im Lebenslauf und/oder Vorstellungsgespräch optimal verkaufen?

Ein Grundsatz steht dabei vor allen sachlichen Gründen: Übernehmen Sie die Verantwortung für die Entscheidung und reden Sie sich nicht heraus. Ausreden klingen in den wenigsten Fällen überzeugend, übermitteln jedoch eine klare Botschaft: Sie selbst sehen den Studienabbruch als Fehler und bereuen ihn. Die Entscheidung war nicht durchdacht oder überlegt.

Mit dieser Botschaft werden Brüche im Lebenslauf - die sonst kein Problem darstellen - zum Bewerbungsnachteil. Welcher Arbeitgeber will schon Mitarbeiter, die impulsiv und unüberlegt entscheiden und ihre Entscheidung erst dann bereuen, wenn der Schaden bereits entstanden ist?

Anders sieht es jedoch aus, wenn Sie gute Gründe anführen können und diese selbstbewusst präsentieren. Dann zeigen Sie, dass der Studienabbruch überlegt war - und für Sie die beste Option darstellte.

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Gute Gründe für den Studienabbruch

Zugegeben: Schlechte Noten, weil Sie nie gelernt haben und die Exmatrikulation ohnehin nur noch eine Frage der Zeit war, sind kein guter Grund. Den sollten Sie sich verkneifen, selbst wenn es der Wahrheit entspricht. Aber dahinter stecken vielleicht andere Gründe, die einen Studienabbruch deutlich besser rechtfertigen:

  • Neue Neigungen. Ein Studium, so verschult Bachelor und Master auch sind, bietet immer auch die Chance über den Tellerrand der eigenen Studienrichtung hinaus und in die eine oder andere Vorlesung hinein zu schauen. Womöglich haben Sie dabei entdeckt, dass andere Studieninhalte und Studiengänge viel eher Ihren Talenten und Neigungen entsprechen. Oder Sie haben dabei ganz neue Interessen entwickelt. Menschen verändern sich, ebenso Lebensziele und Schwerpunkte. Entsprechend haben Sie Ihre Ausbildung dieser - leider etwas verzögerten - Einsicht konsequent angepasst.
  • Falsche Vorstellungen. So eine Massenuni kann einem ganz schön Angst einflößen. Gestern war man noch Teil eines Stufenverbands, heute nur noch anonyme Prüfungsnummer. Und die Anforderungen sind gänzlich anders als erwartet: Da wollte man doch eigentlich (Volks-)Wirtschaft studieren und findet sich in einem verknappten Mathematikstudium mit zahlreichen Formeln, Variablen und Integralrechnung wieder. Warum dann nicht doch lieber Politik oder Sozialwissenschaften studieren? Oder aber Sie haben gemerkt, dass Sie das Studium völlig überfordert. Solange Sie glaubhaft zeigen können, dass Sie dies für den angestrebten Job ausschließen können (weil der andere Anforderungen hat), sollten Personaler damit kein Problem haben.
  • Private Gründe. Auch die sind legitim, wenn sie nicht den Anschein einer Laune erwecken. Eine längere Krankheit, ein Unfall, ein Pflegefall in der Familie - all das können Gründe sein, die zum Abbruch des Studiums führen. Und sie sind völlig okay, denn darauf hatten Sie keinerlei Einfluss. Wichtig ist dann nur, dass Sie zumindest noch mal aufzeigen, dass Sie sich die Entscheidung gegen das Studium trotzdem nicht leicht gemacht haben. Und es sollte deutlich werden, dass die privaten Probleme gelöst sind und sich nicht negativ auf Ihren künftigen Job auswirken werden.

Die ersten beiden Begründungen sind allerdings überzeugender, wenn Sie Ihr Studium innerhalb der ersten drei Semester abbrechen. Erst kurz vor dem Examen festzustellen, dass Ihre Interessen eigentlich ganz woanders liegen oder Ihnen Mathe nicht wirklich zusagt, wirft die Frage auf, ob Sie bis dahin überhaupt etwas studiert haben und tatsächlich tagsüber in der Uni waren...

Studienabbruch: Wirklich der beste Weg?

PDF-DokumentEin Studienabbruch ist zwar kein Beinbruch, muss jedoch auch nicht immer die beste Option darstellen. Vor allem dann, wenn Sie keinen Ausweg mehr sehen, sollten Sie sich die Zeit nehmen und Ihre Situation analysieren.

Um Ihnen Analyse und Entscheidung zu erleichtern, haben wir eine Checkliste mit 66 Fragen, die Sie sich vor dem Studienabbruch stellen sollten, zusammengestellt. In einem gesonderten Artikel gehen wir zudem auf Pro und Kontra eines Studienabbruches ein.

Zudem sollten Sie vor dem Studienabbruch auch einen Blick auf mögliche Alternativen werfen. Die wichtigsten sind:

  • Fachwechsel: Haben Sie beispielsweise festgestellt, dass Sie mehr Interesse an den Inhalten eines anderen Studiengang haben, lohnt sich ein Versuch. Doch um sicher zu gehen, dass Sie sich keine falschen Vorstellungen machen, sollten Sie sich vor einem Wechsel mit der Prüfungsordnung des neuen Studiengangs auseinandersetzen und einige Veranstaltungen besuchen.
  • Direkter Einstieg in den Job: Einige Studenten haben bereits während des Studium als Werkstudent oder Freelancer gearbeitet und mit der Zeit gemerkt, dass sie viel mehr Energie in diese Tätigkeit stecken als in ihr Studium. Irgendwann haben sie sich ganz dieser Tätigkeit gewidmet. Der Einstieg kann über ein Traineeprogramm oder über ein Praktikum funktionieren.
  • Duales Studium: Hat Ihnen der Praxisbezug in Ihrem Studium an der Universität gefehlt, könnte ein Duales Studium das Richtige für Sie sein. Es bietet sowohl die Vermittlung der theoretischen Inhalte als auch ihre direkte Anwendung im Betrieb.
  • Auslandserfahrung: Eine Zeitlang im Ausland zu verbringen, dort neue Erfahrungen zu sammeln und sich darüber klar zu werden, was Sie wirklich wollen, kann Impulse für eine Neuorientierung geben.

Wie kann ich meinen Studienabbruch bei Xing oder Linkedin verkaufen?

Xing-ProfilAlle bisher genannten Argumente helfen Ihnen vor allem im Bewerbungsgespräch, also wenn Sie die Chance haben, im persönlichen Dialog mit dem Personaler Zweifel auszuräumen oder auf seine Rückfragen einzugehen.

In einem Online-Profil ist das deutlich schwieriger. Der Platz hierfür ist knapp und Sie müssen in einer Art eleganten Vorwärtsverteidigung Einwände kontern, die noch gar keiner geäußert hat. Schwer, zugegeben.

Aber nicht unmöglich. Denn wenn der Rest des Lebenslaufs passt, wird man Sie deshalb nicht voreilig aussortieren (und falls doch: deren Pech!). Fügen Sie das kurze Studienfach-Intermezzo also durchaus selbstbewusst ein und erklären Sie es mit den oben genannten Argumenten in kurzen Stichworten.

Achten Sie dabei bitte darauf, dass...

  • ... Sie sich in der Beschreibung Ihres Studienabbruches nicht rechtfertigen sondern diesen nur darstellen und erläutern.
  • ... Tonalität und Schlagworte zu Ihrem restlichen Profil und Portfolio passen.
  • ... deutlich wird, wie Sie nach dem Studienabbruch weiter gemacht haben und das es für Sie die best mögliche Entscheidung war.

Wollen Sie Ihr Xing-Profil weiter optimieren, finden Sie in unserer Checkliste die passenden Tipps. Sowohl für Online Profile als auch für Lebenslauf und Vorstellungsgespräch gilt: Alle genannten Argumente funktionieren nur, wenn Sie nach Ihrem Studienabbruch die neue Richtung konsequent weiterverfolgen.

Eine beständig durchgezogene neue Richtung zeigt, dass Sie den für Sie passenden Weg - egal ob Traineeprogramm, Selbstständigkeit oder einen anderen Ansatz - gefunden und sich richtig entschieden haben. Dann wird deutlich: Der Studienabbruch war ein notwendiger und wichtiger Schritt in Ihrem Werdegang, der Sie auf den richten Weg gebracht hat.

Prominente Beispiele für Erfolg ohne abgeschlossenes Studium

Wenn Sie angesichts Ihres Studienabbruches an Ihren Zukunfts- und Berufschancen zweifeln, können wir Sie beruhigen. Im Folgenden finden Sie einige berühmte Persönlichkeiten, die es trotz Studienabbruch zu etwas gebracht haben.

  • Bertold Brecht: Er schrieb sich zwar in Medizin in München ein, unterbrach sein Studium jedoch kurze Zeit später, um sich auf seine literarische Tätigkeit konzentrieren zu können.
  • Michael Dell: Er ließ sich von seinen Eltern zu einem Medizinstudium in Texas drängen. Doch bereits während des Studiums verbrachte er mehr Zeit mit dem Handel von IBM-Rechnern als mit dem Studieren. Daraufhin schmiss er sein Studium und gründete die Firma Dell.
  • James Cameron: Einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods. Er begann Physik zu studieren, brach das Studium jedoch mit 20 Jahren ab und begann seine Karriere im Filmgeschäft mit dem Einwerfen von Werbeplakaten.
  • Anke Engelke: Sie versuchte es mit Anglistik, Romanistik und Pädagogik in Köln und war entschlossen Lehrerin zu werden. Bereits als 12-Jährige begann ihre Karriere in den Medien bei Radio Luxemburg. Nach der Zwischenprüfung brach sie das Studium ab. Zu dieser Zeit arbeitete sie bereits beim Südwestfunk in Baden-Baden und war kaum noch in Köln.
  • Günther Jauch: Er brach sogar zwei Studiengänge ab. Erst studierte er erfolglos Jura und brach dieses Studium dann zugunsten einer journalistischen Ausbildung in München ab. Diese schloss er ab und arbeitete für den bayrischen Rundfunk. Zeitgleich nahm er das Studium der Politikwissenschaft und Geschichte an der LMU in Müchen auf. Doch nach einem Wechsel zum Zeitfunk blieb ihm für sein Studium keine Zeit mehr und er beendete es ohne Abschluss.
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