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Meditation ist Mumpitz oder höchstens ein Zeitvertreib für esoterische Spinner, glauben immer noch viele, vor allem wissenschaftlich und technisch geprägte Vertreter des höheren Managements. "Stimmt aber nicht", sagt Dan Harris, Journalist und Moderator von "Good Morning America". In seinem launigen, aber durchaus informativen Buch: "Wie ich die entscheidenden 10% glücklicher wurde". Sein Fazit: Meditation ist in erster Linie eine Gehirnübung. Aber eine ausgesprochen nützliche. Sie kann das Leben nicht um 180 Grad drehen oder um 100 Prozent besser machen. Aber eine Steigerung von mindestens 10 Prozent ist sehr wohl drin – und das ist ein ganz entscheidender Unterschied...

Hör auf die Stimme? Hauptsache, der Kopf ist leer!

Im Gegensatz zu Mark Foster und Felix Jaehn, die aktuell mit dem Song "Stimme" propagieren, dem inneren Ratgeber, also dem Bauchgefühl zu folgen – hat Harris den Ansatz, seinen eigenen Kopf komplett leer zu kriegen. Und zwar sowohl von dem, was der kleine Bedenkenträger in seinem Ohr von sich gibt als auch vom ablenkendem Geschwafel, das sich mit allerlei Nebensächlichkeiten beschäftigt und damit den Blick auf den aktuellen Augenblick verstellt.

Genau das hat dem früheren Kriegsreporter immer wieder Chancen verbaut und seine Lebensqualität geschmälert, wie er schreibt. Nur war ihm das eben nicht immer bewusst.

Erkannt hat er dies erst vor wenigen Jahren, als er über seine berufliche Tätigkeit mit diversen spirituellen Lehrern, Psychotherapeuten und Philosophen in Kontakt kam, die dem Mann mit der "Aufmerksamkeitsspanne eines sechs Monate alten Golden Retrievers" das Wesen der Meditation nahe brachten.

Gelassenheit erreichen: 10 Prozent glücklicher werden

Dan-HarrisBevor der adrette und nach außen hin meist gut gelaunte Harris diesen Punkt erreicht, muss er allerdings eine lange Strecke zurücklegen – und der Leser mit ihm.

Gut 120 Seiten lang lässt er uns teilhaben am wechselvollen Geschehen im Nachrichtengeschäft, wo für Adrenalinjunkies nur die Arbeit zählt und Drogen als natürliches Mittel zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit gesehen werden. Ein Beruf, in dem jeder Schritt von Vorgesetzten und Kollegen mit Argusaugen beobachtet wird und jeder Fehltritt die Karriere beenden kann, noch bevor sie richtig begonnen hat.

Hier tummelt sich der zu diesem Zeitpunkt Mittdreißiger, als er im Rahmen von Beiträgen über und Interviews mit prominenten Religionsführern und Denkern auf Eckhart Tolle trifft, der ihm aufzeigt, dass sein Denken besessen ist von Vergangenheit und Zukunft, was sich negativ auf die Gegenwart auswirkt.

Harris schildert das so:

Es bedeutet, sich mit der Ist-heit des Augenblicks anzufreunden. Mit der Ist-heit dieses Augenblicks? Wen wollte der Typ da verarschen? Behauptete er allen Ernstes, dass er nie mieser Laune war? Dass ihn nie irgendwas störte? Wie konnte er hier vor der Kamera sitzen und so etwas erzählen? Natürlich klang das faszinierend, aber das gilt auch für das Fliegenlernen. Also Sie sagen nicht, dass man herumsitzen und alles über sich ergehen lassen sollte, dass man es hinnehmen sollte, wenn einen jemand im Straßenverkehr blockiert. Sie sagen vielmehr, wir sollten verstehen, dass es das ist, was eben jetzt passiert. Und dass Sie dann tun, was nötig ist, meinte er und unterbrach mich dieses Mal. Sein Tonfall wirkte plötzlich ungewohnt munter: Machen Sie den gegenwärtigen Augenblick zum Freund statt zum Feind.

Der Begegnung mit Tolle folgt ein Treffen mit Deepak Chopra, dem spirituellen Vertrauten der Prominenten von Madonna bis Lady Gaga, der ihm mitgibt: "Wenn Sie vollkommen präsent sind, dann sehen Sie, dass jede Situation, egal ob sie nun angenehm oder unangenehm ist, wieder vergeht. Dann existiert nur noch der gegenwärtige Moment."

Nach diversen Reportagen und Berichten, die der Journalist über die Selbsthilfeszene und verschiedene New Age Gurus dreht, taucht eine der großen Schlüsselfiguren im Leben von Dan Harris auf: Mark Epstein. Der Psychotherapeut wird ihm zum Freund und führt ihn behutsam an den Buddhismus heran, den der TV-Mann bisher aufgrund eines Kindheitstraumas in einem Yogakurs mit fünf Jahren vehement abgelehnt hatte.

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Erste Schritte in die Welt der Achtsamkeit

Jetzt nimmt die Sache Fahrt auf: Aus Neugier probiert Harris die Sache mit der Meditation, lernt dann bei einem Kongress die RAIN-Technik kennen, die ihm erlaubt durch einen inneren Abstand mitten durch Schmerz, Angst, oder Probleme zu gehen, ohne sich davon überwältigen zu lassen.

RAIN ist ein Akronym und steht für...

  • Recognize (erkennen)
  • Allow (erlauben)
  • Investigate (untersuchen)
  • Non-identification (nicht identifizieren)

Was folgt, ist die ausführliche Schilderung des ersten "Retreats" - einer zehntägigen Auszeit mit festen Regeln und dem Ziel, innerlich zur Ruhe zu kommen und vielleicht so etwas wie Erleuchtung zu erfahren.

Genau hier, etwas mehr als nach der ersten Hälfte des 320-Seiters, wird klar, warum sich die Lektüre auch für Skeptiker lohnt: Schritt für Schritt erlebt der Leser jeden Zweifel mit, der sich bei Harris einstellt, hat aber auch Teil an der Erkenntnis, die aus dem, was er tut, erwächst.

Es ist eine große Herausforderung, der sich der damals 39-jährige stellt: 10 Tage lang nicht lesen oder mit anderen reden (abgesehen von kurzen Einzelgesprächen mit den Lehrenden), niemanden ansehen, alles in Zeitlupe und mit Bedacht tun (gehen, essen, stehen, pinkeln, ...). Wecken ist um 5 Uhr früh und 10 Stunden am Tag wird meditiert.

Fast körperlich meint man die Schmerzen beim Sitzen zu spüren, die Frustration beim Gefühl des Versagens, weil sich die erhofften Regungen nicht einstellen. Dann, nach fünf Tagen der Durchbruch, gefolgt von einem Rückfall, doch am Ende steht die Erkenntnis: Es geht! Jeder kann Glück "von innen" kommen lassen und muss nicht darauf warten, dass es "passiert".

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Praktischer Nutzen

Doch Dan Harris wäre nicht der Fernsehjournalist, der er ist, würde er die erlebte Offenbarung nicht mit anderen teilen wollen. Als man ihn zunächst nicht ernst nimmt, liefert er den Skeptikern mit dem Slogan "10 Prozent glücklicher durch Meditation" ein handfestes Argument - wiewohl man sich natürlich über die Messbarkeit streiten kann.

Was allerdings unbestritten ist sind die Studien zu den gesundheitlichen Vorzügen von Meditation und Achtsamkeit, durchgeführt an Universitäten, in Schulen, Gefängnissen und beim Militär.

Auch Unternehmen wie Google setzen diese Technik ein und es ist für Harris nicht schwer, Rockstars zu finden, die in persönlichen Statements kund tun, wie sie mit Hilfe der Meditation ihr Lampenfieber besiegen konnten.

So verbreitet er das, was zu einer persönlichen Mission geworden ist, weil er an die Kraft der Veränderung glaubt, und nutzt alle Techniken auch selbst. Allerdings geht er diesbezüglich zunächst noch einmal in die Irre, verliert seinen Biss, wird (beruflich und persönlich) immer träger, bis ihn im Juli 2011 die Erkenntnis wie ein Blitz trifft: Ehrgeiz ist nicht verboten!

Die Sufis haben dafür ein Sprichwort: "Lobe Allah, aber binde trotzdem dein Kamel an." In anderen Worten: Es ist super, eine transzendente Sicht zu entwickeln, aber lass dich nicht übers Ohr hauen.

Harris' Tipp: Sei kein Arsch

Um nun allen Skeptikern, die den wechselvollen Erlebnissen des Dan Harris bis hierhin gefolgt sind, auch etwas Praktisches an die Hand zu geben, hat er eine Liste angefertigt mit 10 Punkten für den "Unternehmer-Samurai" - von "Sei kein Arsch" bis "Was zählt wirklich".

Damit – und mit den im Anhang ausführlich dargestellten diversen Tipps und Techniken (Achtsamkeitsmeditation, Body Scan, Gehmeditation, Mitgefühlsmeditation (Metta), Offenes Gewahrsein) sollte jede und jeder ein Instrument für mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben, privat und beruflich, zu haben.

Ach ja: zu schwierig und keine Zeit gilt nicht – Training macht den Meister (wie beim Erlernen einer Fremdsprache), und fünf Minuten am Tag sind für den Anfang bereits genug.

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[Bildnachweis: Jochen Mai, dtv]