Wer am Terminal D des Kölner Flughafens landet, wird in der Empfangshalle mit zwei Lebensformeln konfrontiert, die die Domstädter erstaunlich resistent gegen Krisen machen. Die erste lautet: Et kütt, wie et kütt. Die zweite: Et hätt noch immer joot jejange. Dahin muss man erst einmal kommen!

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ – Eher ist es diese Erkenntnis, die vielen den Schlaf raubt, sie in Unruhe und manchmal sogar in Rage versetzt. Derart vom Affekt getrieben, lassen sich aber weder gute Entscheidungen treffen noch Erfolge genießen. Dazu braucht es vor allem eines: Gelassenheit.

Die bereits von den antiken Griechen verehrte Tugend hat mit fehlendem Temperament genauso wenig zu tun wie mit Unterlassung oder Phlegma. Vielmehr setzt der Gelassene darauf, seine Begierden und Emotionen in Schach zu halten, um, wie der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca bemerkte, am Ende befriedigt festzustellen, „dass der Geist dem Körper überlegen ist“.

Oder anders formuliert: Gelassenheit ist Einstellungssache. Sie mäßigt den Hitzkopf wie sie den Enttäuschten aufmuntert oder den Verzweifelten geduldig nach vorn blicken lässt. Sie schenkt ihnen das, was der Hedonist Epikur einmal die „ungestörte Seelenruhe“ nannte. Und die ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.

Das Kölsche Grundgesetz

Das sogenannte Kölsche Grundgesetz ist voll von gelassenen Lebensweisheiten und erlernter Ruhe, die die Domstädter bis heute zu ebenso gemütlichen wie geselligen und generell fröhlichen Zeitgenossen macht:

Kölsches Gebot
Übersetzung
Et es, wie et es.

Sieh’ den Tatsachen ins Auge – es ist, wie es ist.
Et kütt, wie et kütt.

Hab keine Angst vor der Zukunft -
sie kommt sowieso.
Et hätt noch immer joot jejange.

Lerne aus der Vergangenheit, alles wird gut.
Wat fott es, es fott.

Hör auf, alten Dingen nachzutrauern.
Et bliev nix, wie et woor.

Sei offen für Neues.
Kenne mer nit, bruche mer nit,
fott domit.

Bleibe Neuem aber auch
kritisch gegenüber.
Wat wellste maache?

Nimm die Dinge nicht so schwer.
Maach et joot, ävver nit zo of.

Hab Spaß, aber achte auf deine Gesundheit.
Wat soll dä Quatsch?

Nenne die Dinge beim Namen – erst recht Unsinn.
Drinkste eine met?

Sei stets gastfreundlich und gesellig.

Die Lehre daraus: Erst wer sich selbst beherrscht, kann das Leben genießen. Erst wer Ruhe und Gleichmut ausstrahlt, wirkt souverän, überlegt und überlegen. Ganz im Gegensatz zum Wüterich.

Aus der Hirnforschung weiß man inzwischen: Unter extremem Stress gerät das Frontalhirn derart in Unruhe, dass an Empathie, Analyse, Improvisation nicht mehr zu denken ist. Unser Geist verkürzt drastisch die Informationsmenge, die er verarbeiten muss und greift auf primitive Urprogramme zurück: Flucht, Angriff, Erstarrung. So jemand taugt nicht zum Vorbild und steht schon sich selbst im Weg.

Gelassenheit ist Entscheidungssache – und eine Frage des Trainings

Die schlechte Nachricht ist: Gelassenheit wird einem nicht angeboren, man muss sie trainieren. Selbstbeherrschung und Lebenserfahrung bilden dazu jeweils ein Drittel. Das letzte Drittel ist die Sicht der Dinge: Wie wir uns selbst betrachten, den Beruf oder unsere Situation bewerten – all das beeinflusst unser Handeln. Und da es dazu keinen objektiven, schon gar keinen generellen, sondern nur einen individuellen Maßstab gibt, bleibt es allein uns überlassen, wie wir entscheiden.

Wobei die Erfahrung der Kölner lehrt: Was passiert, passiert – und am Ende geht es doch irgendwie immer gut aus.

Apropos: Mit dem obigen Video verabschieden wir uns in eine kurze Weihnachtspause und sagen vor allem DANKE! Danke für ein erfolgreiches und ereignisreiches Jahr. Danke für Ihr wachsendes Interesse an uns – auf allen unseren (Social Media) Kanälen. Danke für Ihre Treue, die wertvollen Anregungen und Kommentare. Und für das Jahr 2013 wünschen wir Ihnen von Herzen: jeden Tag noch mehr Erfolg!