Influencer-BlogMan kann von Blogs halten, was man will, ihr zunehmender Einfluss aber lässt sich nicht wegdiskutieren. 86 Prozent der Meinungsführer im Internet bloggen – größtenteils schon seit fünf Jahren oder länger. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der sogenannten Influencer pflegt sogar zwischen zwei und fünf Blogs gleichzeitig. Das Entscheidende daran aber ist: Immer öfter sind es Blogs, die Kaufentscheidungen beeinflussen, so das Ergebnis des Digital Influence Report 2013 (PDF) – und zwar noch vor Facebook, Foren oder Youtube-Filmen…

Insgesamt wurden für die Studie rund 6000 Influencer, 1200 Konsumenten und 150 Markenmanager befragt. Die Zahlen sind also nicht ganz unerheblich – und sprechen eine deutliche Sprache: Zwar orientieren sich Kunden am meisten auf Online-Shops (56 Prozent) und Markenseiten (34 Prozent) vor einem Kauf. Doch schon auf Platz 3 liegen mit 31,1 Prozent die Blogs beziehungsweise das, was Blogger über Produkte schreiben. Erstaunlich: Online-Magazine (20 Prozent) und Nachrichtenseiten (7 Prozent) spielen bei Kaufentscheidungen kaum eine Rolle (siehe auch die folgende Grafik).

Kaufentscheidung-Blogger

Groß ist nicht besser: Welchen Einfluss die Community hat

Interessanterweise glauben 54 Prozent der Konsumenten, dass kleinere Communities größeren Einfluss haben und umgekehrt. Interessant ist das vor allem deshalb, weil viele Marken vor allem daran interessiert sind, GROSSE Fanzahlen und Fanseiten aufzubauen und dafür auch keine unerheblichen Summen ausgeben.

Community-Größe

Vielleicht sollte hier auch ein strategisches Umdenken in mehr kleine und gut gemachte Blogs einsetzen, statt in möglichst große Communities, die am Ende nur jene anlocken, die (negative) Aufmerksamkeit suchen oder doch nur einen Haufen inaktiver Mitglieder mitschleppen, statt einer vitalen und engagierten Gemeinschaft.

Apropos…

Robert “Bob” Cialdini, ist nicht nur ein angesehener Experte und langjähriger Forscher auf dem Gebiet der psychologischen Einflussnahme, sondern auch ein ebenso erfolgreicher Autor. Die Psychologie des Überzeugens ist einer seiner kurzweiligen Bestseller und beschäftigt sich unter anderem mit der Psychologie des Verkaufens (was ein weiteres Steckenpferd von Cialdini ist). Die Kernaussage ist allerdings wenig schmeichelhaft: Wir Menschen sind allzu leicht und bis in die Haarspitzen manipulierbar. Auch als Klick-Surr-Effekt bekannt oder Reiz-Reaktions-Muster. Heißt: Es braucht nicht viel, und wir funktionieren beziehungsweise reagieren genauso, wie wir sollen.

Laut Cialdinis Forschungen sind es vor allem sechs Parameter, die Menschen zu Meinungsführern oder eben Influencern machen. Es sind die…

Die sechs Prinzipien der Beeinflussung

Wenn jemand andere beeinflussen kann, dann vor allem weil diese Menschen glauben, …

  • … die Person sei ein glaubwürdiger Experte (Autorität).
  • … die Person ist ein angenehmer Zeitgenosse (Sympathie).
  • … sie schulden demjenigen irgendetwas (Reziprozität).
  • … dem nachzugehen passe zu ihren eigenen Werten (Konsistenz).
  • … die Empfehlung ist eine gerade populäre (Konsens).
  • … die Information sei besonders selten oder schwer zu bekommen, eine Art Geheimtipp (Verknappung).

Wenn damit aber erklärt werden kann, was einen Influencer einem ebensolchen macht, bleibt immer noch die Frage, ob diesen praktisch auch für sich und seine Zwecke gewinnen kann. Oder etwas spitzer gefragt: Wie lässt sich der einflussreichen Manipulator zurück manipulieren? In der Fachsprache heißt das übrigens Influencer-Marketing.

auch hierzu finden sich einige Empfehlungen im Netz. Ich wiederum empfehle diese…

Drei Wege, wie Sie Influencer für sich gewinnen:

  1. Wertschätzen. Leute, die es im Netz zu Anerkennung und Einfluss gebracht haben, sind nicht zufällig sogenannte Influencer – sie haben hart dafür gearbeitet und können meist auch eine entsprechende Kompetenz vorweisen. Respektieren Sie das und danken Sie diesen Leuten für ihre Einschätzung – auch wenn Sie Ihnen nicht gefällt. Letztlich wollen Sie den Einfluss dieser Leute nutzen. Es wäre also schizophren, diese Kompetenz nicht zu würdigen.
  2. Informieren. Meinungsführer leben ganz oft davon, relevante Informationen als erste verbreiten, Produkte als erste testen und an bestimmten Leuten näher dran sein zu können als alle anderen. Unterstützen Sie das, indem Sie solche exklusiven Vorab-Infos anbieten oder Influencer gezielt zu sogenannten Sneak-Previews oder Produkttests einladen. Sie bauen damit nicht nur eine vertrauensvolle Beziehung auf, sondern sammeln zugleich wichtige Reziprozitätspunkte.
  3. Fragen. Bitten Sie Meinungsführer um Rat. Nicht nur, weil es ihnen schmeichelt, sondern weil Sie tatsächlich davon profitieren können, wenn Sie deren Ideen oder Verbesserungsvorschläge ernst nehmen oder gar umsetzen. Influencer kennen ihre Zielgruppe meist sehr gut – und da das offenbar auch Ihre Zielgruppe ist oder werden soll, wäre es dämlich diese Expertise zu ignorieren. Wenn Sie danach etwa mit einem neuen Produkt loslegen, haben Sie bereits eine Fanbase und einen wichtigen Verbündeten, denn es war ja sein Rat, der dem Ding das gewisse Etwas verliehen hat.