Erfahrung & Kompetenz: Bitte nicht gleichsetzen!
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube: Wenn man etwas nur lange genug macht, wird man mit der Zeit immer besser. Aber kann das wirklich so einfach sein und mit mehr Erfahrung kommt automatisch auch die Kompetenz? Leider nein, denn selbst aus jahrelanger Erfahrung entsteht nicht zwangsläufig größeres Wissen und bessere Fähigkeiten - besonders dann nicht, wenn die Zeit nicht genutzt wurde, um Neues dazu zu lernen. Wir zeigen, warum Sie Erfahrung und Kompetenz nicht grundsätzlich gleichsetzen können und wie es Ihnen dennoch gelingt, von Ihrer Erfahrung zu profitieren und sich weiterzuentwickeln...

Erfahrung bringt nicht immer Kompetenz

Erfahrung SpruchStellen Sie sich vor, Sie arbeiten bereits seit einigen Jahren bei einem Arbeitgeber und benutzen seit jeher die gleiche Software, um Ihre täglich anfallenden Aufgaben zu erledigen und das gelingt Ihnen auch ohne Probleme. Würden Sie also von sich selbst behaupten, über eine hohe Kompetenz im Umgang mit dem Programm zu verfügen?

Der erste Gedanke tendiert häufig zu einem Ja natürlich, schließlich arbeite ich seit Ewigkeiten mit dem Programm und benutze es jeden Tag. Diese Einschätzung ist zwar nachvollziehbar, besonders da die eigenen Fähigkeiten ohnehin gerne einmal überschätzt werden, aber dadurch nicht weniger falsch. Selbst jahrzehntelange Arbeit führt nicht zwangsläufig zu einer größeren Kompetenz, denn es kommt immer darauf an, was Sie in dieser Zeit gelernt haben.

Um beim genannten Beispiel zu bleiben: Als Sie begonnen haben die Software zu benutzen, haben Sie den Umgang mit den elementaren Funktionen erlernt, die Sie für Ihre Aufgaben benötigen. Das kann beispielsweise die Verwaltung von Datenbanken oder auch die Bearbeitung von Kundenaufträgen beinhalten. Diese benutzen Sie nun seit dem Tag Ihrer Einstellung, aber steigt dadurch wirklich Ihre Kompetenz?

Ihr Umgang mit den Funktionen, die Sie bereits zu Anfang gelernt haben, hat sich wahrscheinlich verbessert, doch etwas Neues haben Sie nicht lernen können. Man könnte auch sagen, Sie haben zwar Routine in Ihrer täglichen Arbeit entwickeln, an Ihrer Kompetenz hat sich über die Jahre allerdings nichts verändert.

Was das für Sie bedeutet

Was das für Sie bedeutetDas Beispiel verdeutlicht, dass Erfahrung Ihnen am Arbeitsplatz helfen kann, aber nicht zwangsläufig für größere Kompetenz in einem Bereich sorgt. Dafür können Sie nur selbst sorgen, in erster Linie durch entsprechendes Verhalten. Doch das Wissen, dass Erfahrung nicht gleich Kompetenz ist, bringt zwei wichtige Erkenntnisse mit:

  • Erfahrene Mitarbeiter sind nicht immer kompetenter. Lange Berufserfahrung wird häufig - gerade von älteren Kollegen - mit einer größeren Kompetenz gleichgesetzt. Das ist aber eben nicht immer der Fall und teilweise bringen junge Kollegen in einigen Bereichen das größere Wissen und Verständnis mit, obwohl es ihnen nicht zugetraut wird.
  • Sie lernen nicht automatisch durch Ihre Erfahrung. Wenn das Selbstbewusstsein stimmt, werden die eigenen Fähigkeiten häufig über dem Durchschnitt eingeschätzt und das gilt auch bei der Kompetenz. Dennoch sollten Sie hinterfragen, ob Sie sich nur auf Ihre Erfahrung berufen oder tatsächlich Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten erweitert haben.

Wissen Erfahrung Kreativität Grafik

Wie Sie Erfahrung in Kompetenz verwandeln können

Ob es Ihnen gelingt, Ihre Erfahrung in Kompetenz umwandeln zu können, haben Sie glücklicherweise größtenteils selbst in der Hand. Voraussetzung dafür ist die bereits erwähnte Erkenntnis, dass Kompetenz nicht von allein kommt und die Motivation, sich über eine lange Zeit weiterzuentwickeln. Mit diesen drei einfachen Tipps erarbeiten Sie sich wirklich neue Kompetenzen, anstatt nur Erfahrung zu sammeln.

  1. Bleiben Sie offen für Neues.

    Nur weil Sie etwas auf eine Art gelernt haben, bedeutet das nicht, dass diese auch dem besten Weg entspricht. Bleiben Sie auch nach mehreren Jahren noch offen für neue Ansätze und verrennen Sie sich nicht in Routinen. Damit das gelingt, sollten Sie bisherige Herangehensweisen hinterfragen und bereit sein, Neues auszuprobieren.

  2. Lernen Sie dazu.

    Mit der nötigen Offenheit ist der erste Schritt bereits getan. Nun kommt es darauf an, auch wirklich etwas dazuzulernen. Um noch einmal zum Anfangsbeispiel zurückzukommen: Wenn Sie neue Funktionen der Software ausprobieren und erlernen, wenden Sie diese auch gleich zu einer schnelleren Bearbeitung der Kundenaufträge an. Auf diese Weise lernen Sie neue Fähigkeiten, die Ihre Kompetenz tatsächlich steigern.

  3. Haben Sie keine Angst vor Fehlern.

    Wo etwas ausprobiert wird, gehören Fehler dazu. Davon sollten Sie sich aber nicht abschrecken lassen. Nur durch Rückschläge und die daraus gewonnenen Erkenntnisse lässt sich der richtige Weg finden. Wer aus Angst nur bei dem bleibt, was er schon kennt, kann auch keine Kompetenz entwickeln.

Kompetenz kann Erfahrung nicht immer ersetzen

Kompetenz kann Erfahrung nicht immer ersetzenVerstehen Sie diesen Artikel bitte nicht falsch. Es geht nicht darum, die Bedeutung von Erfahrung - insbesondere in Form von Berufserfahrung - zu schmälern. Es soll lediglich der Irrglaube behoben werden, dass mit steigender Erfahrung auch automatisch die Kompetenz kommt.

Es gibt sogar Bereiche, in denen Erfahrung nicht zu ersetzen ist, selbst wenn die Kompetenz noch so groß ist:

  • Umgang mit Kunden. Auch die größte Kompetenz in Sachen Kundengespräch hilft nicht weiter, wenn man es plötzlich mit einem schwierigen Kunden zu tun bekommt. Ein Kollege, der damit hingegen schon Erfahrung hat, weiß in dieser Situation, was zu tun ist.
  • Abläufe im Unternehmen. Erfahrene Mitarbeiter entwickeln ein Gespür für die Dinge, die bei Ihrem Arbeitgeber vorgehen. Sie wissen, wie mit Problemen umgegangen wird und haben oft wichtige Kontakte zur Führungsetage.

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