Unternehmen kommunizieren über die Sozialen Netzwerke mit Ihren Kunden und potentiellen Mitarbeitern, Marken erreichen Ihre Fans über Facebook, Twitter, Google+ und andere Kanäle und Lehrer nutzen Social Media als Ergänzung zum Unterricht. Die Beispiele machen deutlich: Social Media sind in fast allen Lebensbereichen angekommen. Für die Nutzer bietet diese hohe Durchdringung viele Vorteile, doch die Vielzahl an Möglichkeiten bringt auch Verantwortung und neue Fragestellungen mit sich. Eine Frage wird – meiner Meinung nach – viel zu oft vernachlässigt: Wo ziehen Sie die Grenze in den Sozialen Netzwerken? Ist es in Ordnung, wenn sich Kollegen untereinander “befreunden”? Wie reagieren Sie, wenn Ihr Chef einen Freundschaftsantrag stellt? Wie gehen sie damit um, wenn Fans der Unternehmensseite bei Ihrem privaten Profil einen Freundschaftsantrag stellen? Meist wird diesen Fragen wenig Beachtung geschenkt, doch spätestens wenn es durch unklare Grenzen zu Problemen kommt, taucht das Thema auf der Agenda auf. Patentlösungen gibt es nicht, dennoch lassen sich viele Probleme bereits im Vorfeld vermeiden.
Warum Grenzen wichtig sind
Das Problem fehlender oder unklarer Grenzen in den Sozialen Netzwerken scheint auf den ersten Blick nicht gravierend zu sein. Warum sollte ein Mitarbeiter etwas dagegen haben, dass seine Kollegen mit ihm – beispielsweise auf Facebook – befreundet sind? Warum sollte ein Mitarbeiter, der die Fanseite des Unternehmens betreut, einen Fan nicht auf seinem privaten Profil als Freund hinzufügen? Meine Antwort: Weil solche unklaren Grenzen die Kommunikation nachhaltig verändern und erschweren.
Kollegen und Vorgesetzte – Wo ziehen Sie die Grenze?
Das Beispiel der Kollegen, die sich untereinander vernetzen, kennen Sie vielleicht von Ihrem eigenen Arbeitsplatz. Wenn das Verhältnis der Kollegen untereinander gut ist und alle Beteiligten damit einverstanden sind, ist ein Freundschaftsantrag in einem Sozialen Netzwerk kein Problem. Doch schon wenn ein anderer Kollege – mit dem Sie sich vielleicht nicht so gut verstehen – Sie ebenfalls als Freund hinzufügen will, können Probleme entstehen. Lehnen Sie diesen Freundschaftsantrag ab? Wenn ja, wie begründen Sie dann, dass Sie Kollege Mayer angenommen, Kollege Schmidt aber abgelehnt haben? Führt das vielleicht zu Spannungen am Arbeitsplatz?
Angenommen, Ihr Chef stellt Ihnen auf Facebook einen Freundschaftsantrag. Nehmen Sie diesen an? Falls ja, überlegen Sie sich ab diesem Zeitpunkt vielleicht drei mal, was Sie schreiben und welche Fotos Sie hochladen. Denn Sie haben immer im Hinterkopf: Mein Chef liest mit und bestimmte Dinge gehen ihn nichts an. Lehnen Sie seinen Freundschaftsantrag ab, müssen Sie ihm die Gründe dafür erklären.
Wo Sie die Grenze bei Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten ziehen, müssen Sie für sich entscheiden. Wichtig ist meiner Meinung nach jedoch, dass Sie sich konsequent an Ihre selbst auferlegte Regel halten. Dann weiß jeder, woran er bei Ihnen ist. Unternehmen sollten sich aus diesen Entscheidungen allerdings heraushalten, denn hierbei handelt es sich um den privaten Bereich der Mitarbeiter. Und in diesen sollten Firmen nicht eingreifen.
Unternehmen und Fans – Hier sind Guidelines gefragt
Anders sieht es aus, wenn es um Fans eines Unternehmens geht. Bei den meisten großen Unternehmen werden die Mitarbeiter vorgestellt, die auf der Fanpage oder dem Twitter-Account kommunizieren. Das gehört zum guten Ton und ist die Grundlage für eine transparente und sympathische Kommunikation zwischen einem Unternehmen – oder einer Marke – und den Fans. Für die Kommunikation auf der Unternehmensseite sollte es ohnehin Guidelines für die Mitarbeiter geben, doch diese sollten auch den Fall abdecken, dass Fans den Mitarbeitern auf deren privaten Profilen Freundschaftsanfragen stellen. Aus meiner Sicht sollten die Mitarbeiter diese Anträge ablehnen. Sicher müssen Sie die Ablehnung dann auch begründen – sonst ist der Fan möglicherweise enttäuscht oder wütend – doch die Grenze zwischen privat und beruflich sollte hier gewahrt bleiben.
Denn als Mitarbeiter kommunizieren Sie auf der Fanpage natürlich anders als auf Ihrem privaten Profil. Das Sie auch dort nicht über Ihr Unternehmen herziehen, setze ich an dieser Stelle voraus, doch vielleicht sehen Sie nicht alle Themen aus der gleichen Perspektive wie Ihr Arbeitgeber. Wenn ein Fan einerseits Ihre Stellungnahme auf der Fanpage und dann andererseits Ihre private Aussage zu einem Thema liest, wird ihm die Differenz zwischen den beiden Positionen auffallen. Für den Fan mag das kein Problem sein, für Sie jedoch schon. Denn sollte dieser Fan von Ihrem Unternehmen enttäuscht sein, kann er die Unterschiede zwischen Ihrer privaten Meinung und Ihren Aussagen auf der Fanpage dort in einem Beitrag oder Kommentar öffentlich anprangern. Stellt er das geschickt an, so kann er damit der Glaubwürdigkeit der Unternehmenskommunikation massiv schaden. Neben einem möglichen Shitstorm müssten Sie als Mitarbeiter dann auch Ihrem Chef erklären, wie es dazu kommen konnte.
Nachvollziehbare Grenzen sind notwendig
Die oben erwähnten Beispiele lassen sich beliebig ausbauen. Unklare oder – schlimmer – inkonsequent angewandte Regeln können die Kommunikation erschweren und der Reputation eines Unternehmens schaden. Firmen und Mitarbeiter sollten sich daher die Zeit nehmen und nachvollziehbare Regeln aufstellen und diese auch kommunizieren. Vielleicht ziehen Sie diese Grenze für sich selbst ja bereits intuitiv?
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