HemdJedes junge Unternehmen durchläuft klassische Zyklen mit ganz eigenen Problemen. Viele Gründer unterschätzen das, knapp die Hälfte aller Startups ist deshalb nach fünf Jahren bereits wieder vom Markt verschwunden. Häufigste Ursache: Managementfehler.

Anfangs ist die Euphorie noch groß. Die Geschäftsidee wird mit viel Elan und Fleiß realisiert, die Gründer improvisieren, optimieren. Der Laden wächst. Ebenso die Zahl der Mitarbeiter und Kunden. Spätestens dann braucht es formelle Strukturen und ersten Hierarchieebenen. Der Chef kann nicht mehr alles alleine entscheiden und entfernt sich dabei gleichzeitig von seinen Mitarbeitern. Eine gefährliche Phase, denn damit verflüchtigt sich auch das typisch chaotische Startup-Klima, das so viele reizt. Die Gründer müssen jetzt zeigen, was sie als Unternehmer auf dem Kasten haben.

Besonders Naturwissenschaftler stolpern dann über ihre eigene Technikverliebtheit. Sie verwenden viel Zeit für das Verbessern der Produkte, aber der kaufmännische Part bleibt auf der Strecke. Dabei sind Vertrieb und Marketing gerade für die Schöpfer völlig neuer Produkte maßgeblich. Damit das Unternehmen nicht strauchelt, sollten Gründer an diesen fünf Punkten arbeiten:

  1. Chaos. Alles über 30 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr ist nach Meinung von Experten kritisch. Kaum ein Startup kann damit mithalten. Überall fehlen plötzlich Personal, Räume, Infrastruktur und häufig auch der Überblick. Hier ist es besser auch einmal Aufträge abzulehnen oder eilige Aufträge mit freien Mitarbeitern zu überbrücken. Hauptsache die Pioniere verlangen ihrem Personal nicht das Letzte ab. Ein Unternehmen dauerhaft unter Volllast zu fahren, mindert immer die Produktivität der Mitarbeiter.
  2. Delegieren. Anfangs haben die Gründer alles selbst entschieden, deshalb leiden viele später an Kontrollwut. Sie wollen jedes Detail selbst regeln und vergraulen sich so erstklassige Mitarbeiter. Wer nicht lernt Verantwortung abzugeben, dem wächst irgendwann alles über den Kopf – das Chaos ist wieder perfekt. Es führt nun mal kein Weg daran vorbei: Unternehmer müssen sich gute Leute suchen, diesen Macht übertragen und sich so entlasten. Die strategischen Entscheidungen können ja weiterhin bei den Chefs verbleiben. Zwei Risiken bleiben allerdings: Durch neue Hierarchieebenen und regionale Vertriebsstrukturen entstehen leicht Provinzfürsten. Deren Versuchung ist groß, egoistische Ziele zu verfolgen. Und: Teamgründungen sind zwar sinnvoll, weil man sich gegenseitig ergänzt. Streitigkeiten über künftige Strategien oder eine gerechte Arbeitsverteilung können aber das Team sprengen. Daher: Kompetenzen vorher klären!
  3. Liquidität. Spätestens in der so genannten Evolutionsphase hat das Unternehmen eine Größe erreicht, in der die Bereiche Finanzen, Vertrieb, Projektsteuerung und Personalentwicklung ausgebaut werden müssen. Dazu braucht es Geld. Lässt dann auch noch die Zahlungsmoral der Geschäftspartner zu wünschen übrig und macht die Bank Zicken, kann es mit der Liquidität eng werden. In der Phase werden Startups leicht zu Übernahmekandidaten. Zur Abwehr oder um nicht auf halber Strecke zu verdursten, müssen dann kurzfristig neue Finanzquellen erschlossen werden. Zu spät! Hier hilft nur vorsorgen: Ein solides Controlling sorgt dafür, zeitnah über Liquidität, Forderungen und Verbindlichkeiten auf dem Laufenden zu bleiben. Zudem sollte man schon im unternehmerischen Kindesalter über spätere Kapitalquellen sinnieren und Puffer einplanen. Nicht jede Ausstattung muss gekauft werden – Gebrauchtes mieten reicht anfangs auch und hält den Schuldenberg unter Kontrolle.
  4. Bürokratie. Mit dem Wachstum setzt jeder Betrieb sehr schnell Fett an. Bürokratie entsteht, die sich vornehmlich selbst verwaltet. Der Laden verliert dadurch an Glanz und Schlagkraft. Da hilft nur eins: Diätieren. Interne Kommunikation verbessern, überflüssige Bereiche abbauen, zur Not auch das Personal.
  5. Abhängigkeit. Wer legt schon mit fünf Großkunden los? Also herrscht anfangs oft eine Art Frondienst für einen Hauptkunden. Springt der ab oder kommt der selbst in Bedrängnis, gerät das eigene Unternehmen rasant in Schieflage. Schützen kann sich davor nur, wer seine Mitarbeiter nicht nur abwickeln lässt, sondern jeden zu mindestens zehn Prozent am Tag auf Kundenakquise schickt. Je breiter die Kundenbasis, desto gesünder entwickelt sich nun mal das Unternehmen.