Um es gleich vorweg zu sagen: Es ist weder fair noch politisch korrekt, dafür aber ein Fakt. In den USA werden Übergewichtige zunehmend am Arbeitsplatz diskriminiert. Und ich vermute, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das auch hier passieren wird (wenn es nicht sogar längst geschieht). Denn die Klischees und Vorurteile, die sich dahinter verbergen, sind hüben wie drüben diesselben: Wer dick ist, ist selbst schuld. Vermutlich ist er auch noch faul, träge sowieso. Dicke sind gutmütig, aber wehleidig und schon gar nicht ehrgeizig. Wer dick ist, ist frustriert, Essen ist für ihn Ersatzbefriedigung. Weil das aber eine Flucht ist, sind Dicke auch nicht belastbar. Dazu sind sie meist selbst unglücklich mit ihrer Figur, ändern das aber nicht. Also sind sie auch nicht durchsetzungsstark, zielstrebig, konsequent. Und so weiter, und so weiter…

Das sind Stereotypen, keine Frage, die viele vielleicht nicht aussprechen, aber insgeheim denken. Mit entsprechenden Konsequenzen: So sind einer Umfrage zufolge zwei Drittel der Befragten überzeugt, dass jemand für seine Figur selbst verantwortlich ist. Hinzu kommt:

  • Über 60 Prozent der Menschen mit Gewichtsproblemen beklagen bereits, dass sie deswegen verspottet oder gar diskriminiert wurden. 55 Prozent glauben gar, das Problem sei inzwischen ähnlich gravierend wie Sexismus und Rassismus.
  • Knapp 80 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass Körpergewicht in der Gesellschaft eine zunehmend wichtige Rolle einnimmt; 50 Prozent denken dasselbe über dessen Einfluss am Arbeitsplatz.
  • Nahezu jeder Vierte gab an, dass ihm sein Gewicht bereits Aufstiegschancen verbaut hätte.
  • Jeder Fünfte glaubt, dass er aufgrund seiner Körperfülle von Kollegen unterschätzt wird.

Genährt werden die Ressentiments gegenüber Dicken sicher auch durch Untersuchungen aus der Medizin und Intelligenzforschung, die etwa zeigen, dass regelmäßiger Sport nicht nur Muskeln aufbaut und Fett verbrennt, sondern auch das geistige Leistungspotenzial verbessert und die Produktivität erhöht. Und da ist ja auch etwas Wahres dran: Wer seinen Körper vernachlässigt, kann dauerhaft keine Top-Leistungen bringen. Vielmehr steuert er zielsicher in den Burnout – mental wie körperlich. Und Jugendsünden holen einen spätestens im Alter ein.

Doch trotz Bodymassindex und Kleidergröße-Null-Kult – das Körpergewicht und die Figur sagen nichts über das Potenzial eines Mitarbeiters aus. Nicht mal über dessen Charakter. Trotzdem sollten Übergewichtige vom ersten Tag an alles daran setzen, dem Klischee entgegenzuwirken, dass sie matt, morsch und mangelhaft wären. Zeigen Sie mehr als andere Elan und Einsatzfreude. Und vielleicht auch, dass Sie sich durchaus um Ihren Körper kümmern. Das ist – wie gesagt – nicht fair. Aber es ist die einzige Chance, mit Vorurteilen aufzuräumen. Wie mit anderen übrigens auch.