Frauen und Technik? Doch das geht! Bereits über 210.800 Frauen nahmen ein Hochschulstudium auf, davon gehören über 20.000 Studienanfängerinnen zu den Ingenieurwissenschaften, wie das Statistische Bundesamt (beziehungsweise die Initiative Komm-mach-MINT) für das Studienjahr 2009 registrieren konnte. Das ist sicher auch ein Verdienst des jährlichen Girls’Day, der heute zum zehnten Mal stattfindet. Die promovierte Physikerin und Bundeskanzlerin Angela Merkel übernimmt dieses Jahr die Schirmherrschaft, sie möchte Mädchen ermutigen, sich stärker für die sogenannten MINT-Fächer zu entscheiden. Denn in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik mangelt es, trotz Initiativen wie dieser, nach wie vor an weiblichem Nachwuchs.

Konkret haben sich die Zahlen im Zeitraum zwischen 1993 bis 2008 laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes in den MINT-Fächern so entwickelt:

  • Mathematik: Interessanterweise tauchen erstmals im Jahr 1997 überhaupt Mathematikerinnen in der Statistik auf. Seit 2005 ist ihr Anteil diesem Feld auf etwa ein Sechstel gestiegen und bisher konstant.
  • Informatik: Der Anteil der Informatikerinnen steigt seit 1993, wenn auch unstetig. Etwa ein Drittel der Erwerbstätigen im IT-Bereich sind heute bereits weiblich.
  • Naturwissenschaften: In den Chemieberufen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, nur etwa ein Viertel der Erwerbstätigen sind weiblich. In der Physik ähneln die Zahlen denen der Mathematik. In physikalisch-technischen Berufen fehlen Frauen gänzlich. Ganz anders ist das Bild in den biologisch-technischen Berufen: Hier arbeiten zu zwei Drittel Frauen.
  • Technik: Egal ob Bau-, Elektro- oder Fertigungstechnik – nur etwa ein Fünftel der Berufstätigen in diesen Branchen sind weiblich.
  • Erst vor kurzem sorgte eine Initiative der Deutschen Telekom für mediales Aufsehen: Bis 2015 sollen bei dem Unternehmen 30 Prozent der Führungskräfte weiblich sein – im mittleren Management ebenso wie im Top-Management. Das Mittel dazu: eine Frauenquote. Die Idee ist mehr als umstritten, die meisten Manager und Managerinnen sind dagegen. Die Frage, die sich daran anschließt: Hätten Frauen, die eines der MINT-Fächer studieren, denn bessere Chancen ins Management aufzusteigen? Die kaum befriedigende Antwort: ungewiss. Laut einer aktuellen Hoppenstedt-Studie sind derzeit nur etwa vier Prozent aller Ingenieurswissenschaftler im Management weiblich. Das spricht nicht gerade für bessere Aufstiegschancen. Immerhin: Bei den Naturwissenschaftlerinnen sieht das etwas besser aus: 12,7 Prozent der Führungskräfte mit diesem Fachhintergrund sind Frauen. Die Hoppenstedt-Studie stellt allerdings auch fest: Bisher finden sich Frauen in Führungspositionen eher in den Bereichen Personal, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Und sieht man sich die Verläufe der Frauenanteile im Management an, so wird deutlich, dass Frauen scheinbar nicht überall willkommen sind…

    Frauenanteile im Management

    Vor allen in Konzernen und im Top-Management werden Frauen scheinbar benachteiligt…

    …kleine und mittlere Unternehmen dagegen sind deutlich offener für Frauen in Management-Positionen:

    Mehr Frauen – mehr Erfolg?

    Bevor das folgende falsch verstanden wird: Wir sind unbedingt für Gleichberechtigung, für transparente Auswahlverfahren und das Qualifikationsprinzip, das denjenigen oder diejenige befördert, die am besten für den Job geeignet ist. So gibt es laut Initiatorin des European Women’s Management Development International Network (EWMD) Gabriele Hantschel Untersuchungen, die zeigen würden, dass sogenannte Mixed-Leadership-Unternehmen deutlich erfolgreicher arbeiten: Positive Auswirkungen auf das Betriebsergebnis würden schon erzielt, wenn mindestens drei Frauen die Unternehmenskultur des Vorstands beeinflussen. Die Innovationskraft in gemischten Teams sei bei einer ungefähren Gleichverteilung der Geschlechter am höchsten.

    In dem Zusammenhang wird immer wieder auch eine Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey zitiert, wonach Unternehmen mit dem größten Frauenanteil im Vorstand (im Vergleich zu solchen ohne weibliche Manager) eine bis zu 48 Prozent höhere Umsatzrendite erzielen würden. Daraus wird dann meist die Einführung einer Frauenquote abgeleitet. Diesen Schluss halten wir für falsch.

    Wir wollen gar nicht abstreiten, dass Unternehmen mit Frauen an der Spitze genauso erfolgreich (oder besser) wirtschaften als Unternehmen mit einem ausschließlich männlichen Vorstand. Nur: Das muss keine Folge einer Geschlechterauswahl sein. Was die McKinsey-Studie nämlich nicht analysiert ist, ob die Unternehmen mit höherem Frauenanteil einfach nur ein besseres Auswahlverfahren für Top-Besetzungen eingeführt haben, bei dem – unabhängig vom Geschlecht – die besten Kandidaten an die Spitze gelangen. Und in der Tat: Unternehmen mit dem besten Mitarbeitern erzielen höchstwahrscheinlich auch die besten Ergebnisse. Es kann also durchaus sein, dass sich in den untersuchten Unternehmen zunehmend bessere Manager und Managerinnen eingefunden haben, weil diese den Old-Boys-Network-Sumpf trocken gelegt haben. Zudem ist ein solcher Unternehmenserfolg nie nur Sache eines kleinen Vorstands allein – es ist Teamarbeit, der Job der gesamten Belegschaft. Insofern ist eher anzunehmen, dass jene Unternehmen mit 48-prozentig höherer Umsatzrendite einfach nur bessere Mitarbeiter eingestellt haben und dabei weniger auf Geschlechterproporz achten, als auf Qualität und bessere Auswahlverfahren.

    Zugegeben, noch immer liegt hierzulande der Frauenanteil im Top-Management bei bescheidenen drei bis sechs Prozent und etwa zwanzig Prozent innerhalb der ersten und zweiten Führungsebene (Hoppenstedt-Studie). Das ist zu wenig und sollte sich dringend verbessern. Der Girl’sDay kann dazu einen Beitrag leisten, die größere Wirkung erwarten wir allerdings von Auswahlverfahren und Karriereprogrammen (auf allen Ebenen), die blind sind gegenüber Attributen wie Herkunft, Seilschaft und Geschlecht und umso mehr Leistung, Talent und Eignung berücksichtigen.