Beim Netzwerken lässt sich so einiges falsch machen. Anrempeln zum Beispiel. Das kennt man vor allem in seiner digitalen Form – Kontaktanfragen auf Xing oder Linkedin laufen häufig so: Sie bekommen eine automatische Mail von XY, der sie gerne zu seinen Kontakten hinzufügen möchte. Keine Zeilen dazu, keine Selbstvorstellung, keine Begründung. Da fragt man sich: Will derjenige einfach nur sein digitales Rolodex erweitern oder einen wirklich kontaktieren? Das Pendant dazu bei einem realen Treffen wiederum hieße wohl überrumpeln. Mag sein, dass da einer von seiner Idee, Vision oder seinem Produkt begeistert ist. Aber sein neuer Kontakt ist es (noch) nicht. Mit der Tür ins Haus zu fallen und davon ungebeten zu erzählen, obwohl man sich noch gar nicht richtig kennt (!), ist menschlich zwar entschuldbar. Dann aber gleich Einschätzungen zu verlangen, Unterstützung, Publicity, … Das geht zu weit! Oberste Regel beim Netzwerken: Erst geben, dann nehmen. Und zu allererst: Vertrauen aufbauen!

Natürlich gibt es noch viele weitere Tipps zum Netzwerken. Trotzdem bekomme ich immer wieder die Frage gestellt: Was ist der wichtigste Tipp beim Netzwerken?

Ganz ehrlich, ich finde die Frage gut, aber sie führt auf die falsche Fährte.

Beim Netzwerken gibt es nicht den EINEN Weg oder nur DIESE EINE richtige Methode. Es gibt viele gute Methoden, um Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Aber leider gibt es bei diesem Thema eben auch einige Missverständnisse.

  • Manche denken zum Beispiel: Beim Netzwerken geht es darum, möglichst viele Menschen kennenzulernen. Das ist falsch.
  • Andere denken: Beim Netzwerken geht es darum, mithilfe seiner Kontakte Karriere zu machen. Auch das ist falsch. Wer so denkt, verwechselt Ursache mit Wirkung.

Kontaktmaximierer oder Beziehungspfleger?

Beim Netzwerken geht es in erster Linie um Beziehungen. Echte Beziehungen. Netzwerken bedeutet, neue Menschen kennenzulernen – und sich für sie wirklich zu interessieren. Und nur wer diese Beziehungen pflegt, gewinnt daraus irgendwann einmal das sprichwörtliche Vitamin B. Wer beim Netzwerken also immer nur an den Vorteil denkt, den er daraus eines Tages ziehen könnte, der verhält sich wie ein Arbeitnehmer, der immer nur daran denkt, wie er möglichst viel verdienen kann – und nicht wie er seinen Job besser machen kann. Und solche Leute scheitern früher oder später.

Doch zurück zur Ausgangsfrage.

Wenn es also beim Kontakteknüpfen darum geht, echte Beziehungen zu beginnen, kann der wichtigste Punkt nur der sein:

Halten Sie Ihre Versprechen!

Was immer Sie zusagen, machen Sie es auch. Daran werden Sie letztlich gemessen. Wenn Sie sagen: „Ich rufe Sie morgen an!“, dann rufen denjenigen auch am nächsten Tag an. Und wenn Sie sagen: „Ich werde mich mal umhören“, dann hören Sie sich bitte um und melden Sie sich auch dann zurück, wenn nichts dabei herausgekommen ist. Bei solchen Versprechen geht es um mehr als einen Gefallen: Es ist der Lackmustest Ihrer Vertrauenswürdigkeit. Es beweist, ob Sie dem anderen wirklich helfen wollen, sich wirklich für ihn und seine Belange interessieren. Oder ob Sie das nur behaupten und ein reiner Kontaktmaximierer sind.

Achso: Auch das gibt es beim Netzwerken natürlich: Ablehnung. Manchmal will der andere eben nicht. Oder es ist demjenigen zu viel, auch noch mit Ihnen Bande zu knüpfen. Nehmen Sie das nicht persönlich – und werden Sie bitte NIE persönlich. So mancher reagiert auf das Nein, Danke beleidigt und gereizt, macht Vorwürfe oder wird gar beleidigend (habe ich selbst schon ein paar Mal erlebt). Riesenfehler! Erstens, weil es nur bestätigt, dass das Nein die richtige Entscheidung war. Zweitens, weil der derart Drangsalierte das hinterher weitererzählen könnte. Und raten Sie mal, wie gut sich mit einem solchen Ruf netzwerken lässt?! Eben.