“Gierige Banker klagen Millionen-Prämie ein – Kennen die denn keinen Anstand?”, fragt die BILD-Zeitung heute groß auf Seite 1. Übrigens völlig zurecht. Ein solcher Akt, noch dazu in diesen Zeiten, offenbart die Gier und Gewissenlosigkeit auf den Chefetagen. Doch auch in den Fluren darunter sieht es nicht besser aus. So offenbart eine aktuelle Studien, dass die Diebstähle durch Mitarbeiter in den Unternemen deutlich zugenommen haben, wie das Wall Street Journal berichtet.
About 20% of employers polled last month said workplace theft has become a moderate to very big problem recently, according to a survey from the Institute for Corporate Productivity Inc., in conjunction with HR.com.
24 Prozent der Befragten registrierten einen Anstieg beim Klau von Büro-Utensilien oder Waren, 18 Prozent monieren, dass ihre Mitarbeiter zunehmend in die Kasse greifen. Aber auch untereinander machen die Kollegen vermehrt lange Finger und greifen schon mal heimlich in die Geldbörse des Büronachbarn. Die Täter sind übrigens keinesfalls gering Qualifizierte oder Geringverdiener. Eine Pricewaterhouse-Studie aus dem Jahr 2007 kommt zu dem Ergebnis, dass in 85 Prozent der Fälle die Diebe männlich sind, 44 Prozent sind zwischen 31 und 40 Jahre alt und 38 Prozent haben mindestens einen Bachelor, 12 Prozent sogar einen postgraduierten Abschluss.
Der Grund dafür ist oft recht simpel: Die Betreffenden fühlen sich vom Unternehmen ausgenutzt und unfair behandelt – und sorgen per Selbstjustiz für Ausgleich, Motto: “Das hab ich mir verdient!” Andere nehmen sich an der eingangs schon erwähnten Schamlosigkeit der Manager ein Vorbild. Der Fisch stinkt nun mal vom Kopf.
Trotzdem: Im Büro zu stehlen, ist kein Kavaliersdelikt. Es ist mindestens Leichtsinn, eher aber schlicht Wahnsinn. Wer dabei erwischt wird, riskiert im günstigsten Fall eine saftige Abmahnung. In diesen Zeiten ist jedoch die fristlose Kündigung wahrscheinlicher. Und auch Arbeitsrichter kennen dabei keinen Pardon. Obendrein ist damit die Reputation nachhaltig beschädigt. Wer einmal als Büro-Langfinger aufgefallen ist, wird sich mit einer Bewerbung schwer tun – erst recht, wenn der neue Arbeitgeber beim alten nachfragt. Zwar schreibt die Gewerbeordnung vor, dass ein Arbeitszeugnis oder eine mündliche Referenz stets „wahr und gleichzeitig wohlwollend“ sein muss. Das gilt aber nicht für justiziables Fehlverhalten, wie Untreue oder Diebstahl. Das darf erwähnt werden. Der Chef kann dafür sogar harte Formulierungen verwenden. Denn falls der nächste Arbeitgeber so getäuscht wird, einen Betrüger einstellt und Schaden erleidet, kann er auf Schadenersatz klagen. Unternehmen, die schwerwiegende Leistungsmängel eines Ex-Arbeitnehmers verschweigen, machen sich also regresspflichtig.







Gerhard Zirkel
Oftmals liegt dieses Verhalten daran, dass man in den meisten Unternehmen keinen Chef beklaut, dem man noch in die Augen sehen muss, sondern einen unübersichtlichen Wust an verschiedensten Investoren die ohnehin viel zu viel Geld bekommen – ein vermeintlich opferloses Verbrechen also.
Dazu kommt dann die Unzufriedenheit über die eigene Situation, viele Menschen gehen einer Tätigkeit nach in der sie weder Sinn noch Zukunft sehen. Es soll sogar Angestellte geben, die unbewusst darauf hinarbeiten erwischt zu werden – nur um aus der ewigen Tretmühle des sinnlosen Arbeitsalltags herauszukommen. Ein Hauch von Abenteuer sozusagen.
Natürlich kein sehr nachhaltiges Verhalten, denn ohne Job wird das Leben nur noch trübsinniger :)
Gerhard Zirkel
Frank Hamm
Der Krankenstand und die Fluktuationsrate bei Mitarbeitern werden oft als Anzeichen für die Zufriedenheit der Mitarbeiter, ja sogar für die Unternehmenskultur herangezogen.
Aber die Diebstahlquote eignet sich offensichtlich ebenfalls gut als Unternehmenskulturbarometer ;-)
Gerhard Zirkel
@Frank Hamm
Nur dass die Diebstahlquote in der Regel schwerer zu ermitteln ist :) – abgesehen von den wirklich großen Dingern
Gerhard Zirkel
Roland Kopp-Wichmann
In meinen Persönlichkeitsseminaren arbeite ich nach dem Prinzip “Das Symptom ist die Lösung.” Lösung für einen inneren Konflikt. Insofern stimme ich der Ausgleichsthese von Herrn Mai zu, dass der stehlende Mitarbeiter sich zu kurz gekommen fühlt, sich aber andererseits nicht traut, selbstverantwortlich zu handeln. Also ein Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen oder um eine Gehaltserhöhung, andere Arbeitsbedingungen etc. an zufragen. Wenn all das nichts bringt: “Love it, change it or leave it!”.
Insofern stimme ich auch Herrn Zirkel zu, dass manche Klauer erwischt werden wollen, wie der Brandstifter unter den Feuerwehrmännern, um etwas an der ihm unerträgliche erscheinenden Situation zu ändern.
Klauen verschafft ja auch jede Menge Adrenalin und kann den tristen Büroalltag emotionale sehr beleben.
Die mangelnde Identifikation mit dem Unternehmen spielt bei manchem sicher auch eine Rolle, insofern ist die Diebstahlquote ein originelles Barometer für das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter.
Auf der anderen Seite ist bekannt, dass die Mehrheit der Bundesbürger bei der Steuererklärung schummelt. Und da spielen vermutlich dieselben Motive eine Rolle.
akaflo
“Vermehrter Diebstahl von Mitarbeitern” – da habe ich erst mal gestutzt. Wer klaut denn Mitarbeiter? Ich dachte, Firmen stünden eher vor dem Problem, dass sie zu viele hätten … :)
Thematisch verweise ich gern auf “Tatort Kleinunternehmen” (http://www.akademie.de/direkt?pid=52111)
Karl-Heinz Wenzlaff
Witzige Überschrift, Jochen! Ich dachte es ginge um Headhunter und hatte Galeeren voller afrikanischer Sklaven auf dem Weg nach Amerika vor Augen … “Diebstahl durch Mitarbeiter” trifft es vielleicht genauer, hätte mich aber nicht aus dem Feedreader hier her gelockt.
Mit bloggenden Grüßen
Karl-Heinz aka Blogtrainer
Jochen Mai
@akaflo / @Karl-Heinz Wenzlaff: Da haben Sie beide absolut recht. Das war Hohlspiegel-verdächtig. Habs geändert. Andererseits: Schön, wenn eine ungewöhnliche Überschrift den ein oder anderen Leser dann doch anlockt… :))
Gerhard Zirkel
Ach, das war gar keine Absicht? :)
Gerhard Zirkel