Was ist los, Jochen? Was machst du gerade? Wie geht es dir? Facebook begrüßt einen neuerdings mit persönlichen Fragen, die natürlich dazu animieren sollen, Entsprechendes zu posten. Einen Status sofort. Eine Meldung gleich. Etwas Belangloses danach. Die Halbwertzeit solcher Nachrichten ist entsprechend begrenzt. Sollte man meinen. Ein Tweet beispielsweise besitzt im Schnitt eine Aufmerksamkeitsspanne von gerade mal einer Stunde. Dann ist er im Gezwitscher der anderen verhallt. Denkste! Psychologen um Laura Mickes von der Universität von Kalifornien in San Diego kommen jetzt zu dem Ergebnis: Facebook- und Twitter-Nachrichten bleiben länger im Kopf als wir meinen.

Klar, Grundlage dieser Erkenntnis waren wieder ein paar Experimente. Bei einem davon sollten 48 Probanden, eingeteilt in drei Gruppen, unterschiedliche Texte lesen. Gruppe A las 100 Statusmeldungen auf Facebook; Gruppe B schmökerte sich durch 100 Sätze aus irgendwelchen Sachbüchern; Gruppe C schaute sich derweil 100 Gesichter an. Danach wurde es spannend: Laura Mickes und ihre Kollegen absolvierten mit den Teilnehmern einen Gedächtnistest, um zu sehen was und wie viel sie sich gemerkt hatten.

Sie ahnen es: Gruppe A erinnerte die meisten Informationen – und das auch noch unabhängig davon ob die Statusmeldungen lang oder kurz, emotional oder, nun ja, langweilig waren.

Zweites Experiment, jetzt mit 180 Probanden. Diesmal sollten diese versuchen, sich drei klassische Satztypen zu merken: die Überschrift eines typischen Nachrichtenartikels, eine Passage aus dem Artikel selbst oder einen Leserkommentar dazu. Resultat: Die Kommentare memorierten die Probanden deutlich besser als die Überschriften. Aber schlechtesten blieb der Artikelinhalt haften.

Gedächtnistraining: Warum behalten wir Statusmeldungen so gut?

Aber woran liegt das, dass wir uns Statusmeldungen oder Tweets besser merken als klassische Nachrichten? Laura Mickes und ihre Kollegen haben dazu eine Vermutung: die natürliche Sprache. All diese spontan ventilierten Zustände, Meinungen, Gefühle werden nicht lange durch die Phrasendreschmaschine geschicht. Da wird die Sprache einfach beim Wort genommen und klick – schon ist es online. Ganz natürlich eben.

Hinzu kommen – je nachdem – auch die interessanteren, persönlicheren Themen, vielleicht sogar auch die Beziehung zu dem Absender (die in den obigen Experimenten allerdings nicht gegeben war).

Die Erkenntnis daraus (vielleicht auch für Journalisten und Blogger): Spontaner und natürlicher schreiben. Dann behalten sich die Leser das auch.

Oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht?