Präsentationstechniken-Rede-Vortrag-Tipps
Es gibt Vorträge, die hallen noch lange nach. Andere verhallen mit ihrem Ende - und das ist auch gut so: stundenlanges Gelaber ohne Struktur, miese Folien, Null Substanz - solche Reden und Referate stammen aus der Vorhölle der Präsentationen. Sicher, manches hat mit Talent zu tun. Das sind aber allenfalls 20 Prozent. Die restlichen 80 Prozent sind reines Handwerk, gutes Präsentieren lässt sich lernen und trainieren - mit den richtigen Präsentationstechniken...

Der Inhalt muss stimmen - die Verpackung aber auch

Natürlich muss die Substanz stimmen. Aber ein guter Inhalt allein, sorgt noch lange nicht dafür, dass der Funke überspringt. Das Drumherum - wie Sie auftreten und präsentieren, welche (rhetorischen) Hilfsmittel, welche Folien, Bilder und interaktiven Elemente Sie einsetzen - ist mindestens die halbe Miete. Allerdings auch keine Raketenwissenschaft. Die meisten Präsentationstechniken bestehen aus relativ simplen Tipps und Tricks.

Die wichtigste Frage am Anfang: Wer ist meine Zielgruppe?

Bevor Sie Ihre Powerpointpräsentation planen und anlegen, sollten Sie genau wissen, was Ihre Zuhörer erwarten und verstehen.

Folgende Fragen sollten Sie daher mit dem Gastgeber oder Veranstalter vorab klären:

  • Wie groß ist das Publikum?

    Es macht einen Unterschied, ob Sie vor 30 oder 300 Menschen präsentieren. Im ersten Fall ist der Vortrag viel persönlicher und intimer und Sie können beispielsweise mehr dialogische Elemente einsetzen.

  • Welche Vorkenntnisse haben die Zuhörer?

    Auch wenn Sie einen Fachvortrag halten sollen - nichts ist schlimmer als ein Redner, der nur kauderwelscht und an seiner Zielgruppe vorbei redet. Was soll daran in Erinnerung bleiben? Zwar sollte die Sprache immer einfach und verständlich sein, aber natürlich macht es einen Unterschied, ob Sie bei Adam und Eva anfangen müssen oder erst beim Neuen Testament.

  • Was ist das Interesse der Zuhörer?

    Haben sie womöglich für dieses Event Eintritt bezahlt - oder ist es eine Pflichtveranstaltung des Unternehmens? Letztlich entscheidet dies über die Aufmerksamkeit und Lust des Publikums, Ihrem Vortrag zu lauschen. Je geringer das Interesse ausfällt, desto unterhaltsamer muss die Präsentation sein.

  • Wie lange darf/soll der Vortrag dauern?

    Die Faustregel lautet: Man kann über alles reden, nur nicht über 45 Minuten. Danach sinkt die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums rapide. Aber auch wenn der Vortrag länger oder kürzer dauert, sollten Sie in dieser Zeit zum Ende kommen. Peinlich sind Redner, die von der Bühne moderiert werden müssen, weil sie schon überzogen und längst noch nicht alle Folien gezeigt haben. Ihre Präsentation sollte also exakt auf den Punkt kommen und in der Zeit bleiben. Das lässt sich perfekt vorher üben und dabei die Zeit stoppen.

  • Welche Ausstattung hat die Bühne?

    Es ist Ihre Bühne, aber Sie müssen diese auch füllen können. Daher ist zum Beispiel wichtig zu wissen, ob Sie ein Headset haben (und sich daher frei auf der Bühne bewegen können) oder durch das Mikro an ein Rednerpult gefesselt sind. Auch die Bühne selbst, die Bestuhlung des Raums und dessen Größe spielen eine Rolle. Je weiter Sie von Ihrem Publikum buchstäblich abgehoben sind, desto mehr müssen Sie den Kontakt zu Ihren Zuhörern aufbauen - etwa durch Zwischenfragen, Abstimmungen oder direkte Ansprache.

Präsentationstechniken: Tricks und Rhetorik-Kniffe

Damit Ihre Rede überzeugt und in Erinnerung bleibt, müssen Sie Ihre Zuhörer von der ersten Minute an fesseln. Wichtige Elemente dazu sind:

  • Die Überraschung.

    Beginnen Sie Ihren Vortrag niemals mit Dank ("Schön, dass Sie heute hier so zahlreich erschienen sind...") oder anderen typischen Anmoderationen. Langweilig! Tun oder sagen Sie lieber etwas völlig Unerwartetes, das aber auf Ihren Inhalt hinführt und beziehen Sie Ihr Publikum ruhig dazu mit ein: "Was denken Sie: Wie kann ein Redner dafür sorgen, dass ihm sein Publikum zuhört?"

  • Die Frage.

    Apropos: Stellen Sie gleich zu Beginn eine Frage ans Publikum. Das kann eine Suggestivfrage sein ("Sind Sie es nicht auch leid, dass...?"). Die Technik eignet sich aber auch, um dem Vortrag eine Klammer zu geben: Stellen Sie dieselbe Frage zu Beginn und am Ende der Präsentation und dokumentieren Sie so den Gesinnungswandel im Publikum.

  • Die Provokation.

    Überhöhen Sie Ihre Kernthese oder -aussage zum Extrem, das schafft Reibungsfläche, aber eben auch Aufmerksamkeit: "Wer nicht netzwerkt, findet keinen Job."

  • Der Vergleich.

    "Vorträge sind wie Stau: Man würde gerne abkürzen, kommt aber nicht raus." Vergleiche, Gleichnisse, Metaphern, Parabeln - all diese Rhetorikelemente haben den Charme, dass Sie Ihr Publikum zum Nachdenken zwingen. Sie müssen die übertragene Botschaft zunächst selber entdecken - und das inspiriert und gibt den Zuhörer zugleich eine Art Erfolgserlebnis. Voilà, schon sind Sie sympathisch.

  • Die Geschichte.

    Auch persönliche Anekdoten sorgen für Abwechslung und Aufmerksamkeit. Vor allem, wenn Sie diese mit einer Prise Humor und Selbstironie würzen ("Sie werden nicht glauben, was mir gerade im Hotel passiert ist..."). Solche Einsprengsel verhindern zudem, dass sich das Publikum im Wust der Zahlen, Daten, Fakten verliert und langweilt.

Typische rhetorische Stilmittel

  • Die Anapher beeindruckt durch eine kontinuierliche Steigerung: "Sie bekommen nicht einen Aal, nicht fünf Aale, sondern 20 Räucheraale für 20 Euro!"
  • Die Antithese setzt vor allem auf Provokation durch einen bewussten Gegensatz: "Sie dachten, das war schon alles? Sie denken falsch!"
  • Die Hyperbel erzeugt Aufmerksamkeit durch Übertreibung: "Bei manchen dieser angeblich neuen Ideen klebt immer noch Dinosaurierscheiße am Schuh..."
  • Der Klimax funktioniert ähnlich wie die Anapher hat aber eher das Format einer dramaturgischen Geschichte: "Was als Panne begann, entwickelte sich zu einem Produkt, dass die gesamte Branche revolutionierte..."

Tipps für Sprache und Stimme

Ein berühmtes Bonmot lautet: Willst du große Dinge sagen, verwende einfache Worte.

Es ist ein Irrglaube, man könnte andere mit Fachchinesisch und langen Schachtelsätzen beeindrucken. Sie verlieren so nur Überzeugungskraft und den Kontakt zu Ihren Zuhörern. Ein guter Vortrag glänzt durch einfache, kurze Hauptsätze, die zudem mehr Verben als Substantive enthalten. Betonen Sie bitte diese Verben: Die meisten Redner legen das Gewicht auf Substantive. Falsch! Verben, insbesondere aktive, regen das Gehirn wesentlich stärker an und machen den Vortrag spannend.

Wird es kompliziert, verwenden Sie statt Fachbegriffen lieber anschauliche Beispiele und Bilder in Ihrer Präsentation. Diese Folien sind ja dazu gedacht, Ihren Vortrag zu unterstützen - sie dürfen ihn nur nie ersetzen! Technische Themen ohne Metaphern, Vergleiche, Parabeln lebhaft darzustellen, ist ungefähr so einfach wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Das war übrigens eine Metapher.

Aber auch Ihre Stimme und Sprachmelodie kann enorme Spannung erzeugen. Heben und senken Sie Ihre Stimme ab und an und werden Sie mal lauter und leiser, selbst kurzes Flüstern ist erlaubt. Das steigert die Wirkung Ihrer Aussagen enorm. Hauptsache, Sie variieren und machen auch mal Pausen.

Falls Sie mit einem Redemanuskript arbeiten: Machen Sie sich darin entsprechende Zeichen und Markierungen,

  • wo Sie eine kurze Pause machen,
  • welches Wort Sie betonen,
  • wo Sie eine Reaktion des Publikums erwarten - und wie Sie darauf reagieren.

Die meisten Redner sprechen ohnehin zu schnell - aufgrund ihrer Nervosität. Als Faustregel können Sie sich merken: Wenn Sie sich auf der Bühnen latent zu langsam vorkommen, ist es für die Zuhörer genau richtig.

Extra-Tipp: Machen Sie twitterbare Aussagen

Extra-Tipp-IconDa heute in so ziemlich jedem Publikum mindestens eine Person sitzt, die Sie möglicherweise mit Ihrer Rede zitiert und twittert, sollten Sie im Vorfeld Ihrer Präsentation ein paar twitterbare Aussagen einplanen. Also knackige Thesen oder Sätze von nicht mehr als 140 Zeichen. Sie erfreuen so nicht nur die anwesenden Twitterati, sondern steigern auch noch Ihre Reichweite.

Präsentationstechnik im Wortsinn: technische Hilfsmittel

Wer einen Vortrag hält, hat heute reichlich Auswahl beim Einsatz diverser Visualisierungsmittel und -methoden. Typische technische Hilfsmittel sind:

  • Laptop, Präsentationsfolien (Powerpoint, Keynote, Prezi), Beamer
  • Flipcharts
  • Overhead-Projektor
  • Tafeln/Whiteboards
  • Moderationswände, Pinnwände

All diese Werkzeuge lassen sich auch kombinieren und dramaturgisch während der Rede abwechseln. Doch muss der Vortrag deswegen nicht unbedingt besser werden, im Gegenteil: Sie sind eben nur das - Hilfsmittel. Die Hauptrolle spielt immer der Präsentierende selbst.

Hinzu kommt, dass manche der Werkzeuge spezifische Nachteile haben:

  • Schreiben Sie auf Flipcharts oder Tafeln und entwickeln dabei Ideen, kostet das wertvolle Vortragszeit.
  • Beim Schreiben oder zeichnen drehen die meisten ihrem Publikum den Rücken zu. Wer dann weiterredet, spricht de facto zum Flipchart, nicht mehr mit seinen Zuhörern.
  • Falls Ihre Schrift unleserlich und Ihre Zeichnungen, nunja, bescheiden sind, wirkt die Präsentation sofort weniger kompetent.
  • Und zu viele dieser Hilsmittel verwirren die Zuhörer nur und lenken vom eigentlichen Inhalt ab.

Beim Einsatz all der Mittel und Methoden kommt es auf die Reihenfolge an. Falsch ist: erst projizieren, dann vorlesen. Dann hört Ihnen keiner mehr zu, weil jeder mit Lesen beschäftigt ist. Hören die Leute wiederum danach, was sie schon wissen, schalten sie ab.

Deshalb sollten beispielsweise Ihre Präsentationsfolien nur kurze Stichworte oder einprägsame Zahlen beinhalten, die Sie genau dann einblenden, wenn sie im Vortrag erwähnt werden. Nicht vorher, nicht danach.

Bei Flipcharts oder Pinnwänden verhält es sich etwas anders: erst sagen, dann schreiben. Niemals Zettel oder vorbereitete Flipchartblätter nur ablesen. Das führt den Sinn und Zweck dieser Werkzeuge ad absurdum. Der ist hierbei ja gerade, Thesen, Argumente oder Schlussfolgerungen schrittweise und im Verlauf des Vortrages zu entwickeln, statt sie fertig zu projizieren.

Extra-Tipp: Blickkontakt halten!

Extra-Tipp-IconHalten Sie stets Blickkontakt zu Ihrem Publikum. Psychologische Studien konnten längst zeigen: Wer überzeugen will, muss mindestens 90 Prozent seiner Redezeit Augenkontakt zum Publikum halten. Idealerweise zeigen Sie dabei auch noch eigene und starke Emotionen. Keine Bange: Das macht sie nur authentischer - und je mehr Sie von Ihrem Thema überzeugt sind, desto eher springt auch der Funke über. Falls Sie anfangs noch zu schüchtern sind, um Ihren Zuhörern in die Augen zu sehen, gibt es einen Trick: Blicken Sie knapp über die Menge hinwegsehen. Den Unterschied merkt kein Mensch – Sie müssen nur regelmäßig mit den Augen über alle Kopfe fliegen.

PS:

Eine Präsentation endet nie mit dem Ende des Vortrags! Oft kommen danach noch ein paar Fragen aus dem Publikum oder aber Sie gehen von der Bühne und werden danach noch angesprochen. Während dieser Zeit bleiben Sie unter Beobachtung. Halten Sie also die Körperspannung, bleiben Sie wach und interessiert und gehen Sie auf die Menschen ein. Andernfalls riskieren Sie, dass man die Rede zuvor als bloße Show wahrnimmt.


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