Dank Google, Facebook, Xing & co. sind wir alle kleine Hobby-Stalker geworden. Wir googeln uns selbst, und wir googeln andere – etwa bevor wir mit ihnen Geschäfte machen, sie einstellen oder uns mit ihnen auf einen Café Latte treffen. Diese Art des Stalkings ist in der Regel noch völlig harmlos. Wir haben uns längst daran gewöhnt und reagieren darauf mit Online-Reputations-Kosmetik oder Personal Branding. Aber es gibt freilich noch eine andere Art des Stalkens, eine aufdringliche, lästige und im Extrem gar terroristische.
Was ist Stalking?
Das Englische Wort stalking stammt aus der Jägersprache und bedeutet so viel wie jagen, verfolgen oder hetzen. Im Deutschen steht es für nachstellen, verfolgen, Psychoterror. Die Polizei definiert Stalken indes so: „Das beabsichtigte und wiederholte [obsessive] Verfolgen und Belästigen eines Menschen, so dass dessen Sicherheit bedroht und er in seiner Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt wird.“ Seit März 2007 ist Stalking ein Straftatbestand (§ 238 StGB) und kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe bestraft werden.
Wer an Stalker denkt, hat in der Regel sofort das Bild eines Mannes im Kopf. Und es stimmt ja auch: Die Mehrheit derjenigen, die anderen derart nachstellen ist männlich. Im Netz wurde ich jetzt jedoch auf einen interessanten Artikel und eine Studie aufmerksam, die sich mit dem Phänomen des weiblichen Stalkings auseinandersetzt. Auch wenn es keiner genau sagen kann, so wird der Anteil der Frauen unter den Stalkern immerhin zwischen sechs und 26 Prozent taxiert. Oder anders formuliert: Jeder vierte Stalker ist eine Frau.
Zugegeben, das Thema ist vielleicht ein bisschen abseitig, kann aber enorme Auswirkungen auf den Job, die Psyche und die Gesundheit haben. Und die neuen Daten sind nicht uninteressant…
Es ist nicht viel bekannt über Stalkerinnen. Die Studie selbst basiert nur auf einer Datenbasis von 1005 Stalkern, nicht viel also. Unter ihnen waren gerade mal 143 Frauen. Allerdings durchaus auch einige gewaltbereite, wenn auch weniger als unter den Männern. Falls Frauen jedoch aggressiv werden, sind sie dabei wesentlich emotionaler als Männer. Auch richtet sich ihre Gewalt dann häufiger gegen die Familie oder die Freunde ihrer Opfer. Insbesondere wenn es sich bei der Person um einen Ex-Liebhaber handelt (Wer erinnert sich nicht an den Film “Eine verhängnisvolle Affäre“?).
Den Daten zufolge ist die typische Stalkerin Single, getrennt lebend oder geschieden, Mitte 30, und leidet unter starken Gefühlsschwankungen. Ihr Psychoterror richtet sich meist gegen Bekannte, Fremde oder Prominente, seltener gegen ehemalige Sexualpartner (falls doch, finden sich in dieser Gruppe aber eben die gewalttätigsten Stalkerinnen). Ebenso wenig stellen Frauen – im Gegensatz zu Männern – Personen in ihrer direkten Nachbarschaft oder näheren Umgebung nach, zudem ist ihre Art der Kommunikation eher freundlich und liebvoll, sie tarnen ihre Zudringlichkeit eher der Suche nach Hilfe oder Rat oder eben mit Liebesbekundungen. Jedenfalls am Anfang. Und Stalkerinnen traktieren ihr Opfer im Durchschnitt 17 Monate lang. Das ist freilich nur ein statistischer Mittelwert. Insgesamt, so stellen die Forscher fest, sind Frauen in ihren Nachstellungen viel beharrlicher und ausdauernder als Männer.
Dafür ist die Kontaktfrequenz zu ihrem Opfer weniger hoch. Stalkerinnen belästigen ihre Zielperson sporadischer, zum Teil nur einmal im Monat oder nur alle zwei bis drei Monate. Und sie bedienen sich dabei deutlich seltener als Männer dem Spiel über Bande oder über eine dritte Person. Heißt: Sie mailen Ihr Opfer direkt an, schreiben Briefe, faxen, schicken wiederholt Geschenke. Umgekehrt suchen sie seltener als Männer den direkten persönlichen Kontakt und brechen auch deutlich seltener in die Wohnung ihrer Opfer ein. Soweit die Studienfakten.
Was man gegen StalkerInnen tun kann
Der erste und wichtigste Rat: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Verfolger die Lust an seinem Spiel verliert. Zum Einen, indem Sie die Situation deeskalieren und Ihren Peiniger nie spüren lassen, dass der Terror irgendeine Wirkung auf Sie hätte. Zum Anderen, indem Sie sofort (!) klar und unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass seine Annäherungsversuche nicht mögen, ebenso wenig wie weiteren Kontakt zu ihm. Danach hilft in der Regel nur noch beharrliches Ignorieren, da jede andere Reaktion dem- oder derjenigen doch nur Hoffnung macht, Ihr Nein könnte in Wahrheit ein Ja sein.
Darüberhinaus empfehlen Experten:
- Dokumentieren Sie sämtliche Beweise gegen den Stalker, die Sie später bei einer juristischen Lösung benötigen könnten: E-Mail, Briefe, Aufsagen auf dem Anrufbeantworter. Da manche gewaltbereite Stalker aber auch vor einem Einbruch nicht zurückschrecken, deponieren Sie die Beweisstücke am besten bei einem Freund.
- Weihen Sie Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen und den Chef ein. Das sind wichige Verbündete. Die Öffentlichkeit schränkt den Stalker zudem in seinen schadhaften Optionen ein.
- Schalten Sie rechtzeitig die Polizei ein und erstatten Sie Anzeige – zur Not gegen unbekannt. Lassen Sie sich nicht abwimmeln: Die Anzeige dokumentiert etwa bei einem späteren Prozess ebenfalls ihre Wehrhaftigkeit.
- Werden Sie von einem Stalker im Auto verfolgt, fahren Sie direkt zur nächsten Polizeidienststelle. Gut, wenn Sie ein Smartphone dabei haben und den Peiniger im Rückspiegel filmen (insb. dessen Nummernschild!).
- Eskaliert die Sache, müssen Sie Vorsichtsmaßnahmen treffen: eine Telefon-Fangschaltung beantragen etwa sowie keine Post und Pakete von unbekannten Absendern mehr annehmen, E-Mail-Adressen wechseln. Zudem können Sie beim Amtsgericht eine „Einstweilige Verfügung/Schutzanordnung“ gegen den Täter beantragen.
- Falls Sie spüren, dass Sie der Psychoterror zunehmend belastet, sprechen Sie im Freundeskreis offen darüber und suchen Sie sich ärztliche und psychologische Hilfe und Rat.






