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26 von Jochen Mai am 22. Oktober 2007 → Artikel in Reputation
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Raus damit! – Wie man Daten im Netz löscht

AngstEin Drittel. Jede dritte Suchanfrage im Netz soll sich Schätzungen zufolge bereits um Personen drehen: Wer ist etwa Peter Müller? Was hat er bisher gemacht, gesagt, geschrieben? Wen kennt er? Sollte ich ihn oder er mich kennen?

Ich hatte in diesem Blog schon an einigen Stellen über Egogoogeln, Googlability oder Online-Reputationsmanagement geschrieben, stets mit dem Tenor: Achte auf das, was über dich im Netz steht, denn es prägt entscheidend deinen Ruf!

Das Problem am Internet ist jedoch: Es vergisst nicht. Was einmal drin steht, bekommt man so schnell nicht wieder heraus.

Zwar gibt es kostenpflichtige Dienste, wie etwa ReputationDefender, die dabei helfen sollen, alte Jugendsünden aus dem Web zu tilgen. Dazu versuchen sie – gegen eine Gebühr von rund 30 US-Dollar – digitale Altlasten sowie deren Urheber oder Verbreiter ausfindig zu machen und verlangen von diesen anschließend die Informationen zu löschen. Gleichzeitig räumen die Datendetektive aber ein, dass das nicht immer gelingt. Tatsächlich sind etwa Betreiber von Foren oder Blogs keineswegs rechtlich gezwungen, Einträge oder Kommentare zu löschen, solange diese keine Beleidigungen, üble Nachrede oder Verleumdungen enthalten. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom März 2007 (VI ZR 101/061) kann der Betroffene vom Betreiber einer solchen Seite die Löschung eines Eintrags nur verlangen, wenn dieser seine Ehre verletzt. Der Betreiber wiederum muss dieser Forderung nachkommen, sobald er von dem Text Kenntnis erlangt. Also etwa, nachdem er eine entsprechende Hinweismail gelesen hat. Dabei ist egal, ob er die Identität des Verleumders kennt oder nicht.

Aber selbst damit muss das heikle Material noch lange nicht verschwunden sein. Seit Google das Cache (vulgo: Kasch) erfunden hat, eine Art digitale Fotokopie jeder Webseite, können so auch längst gelöschte Einträge später noch nachverfolgt werden. Zwar kann man Google per Webseite bitten, unliebsame Einträge aus dem Cache zu löschen, doch gelingt das allenfalls in fünf Prozent der Fälle. “Wir sind nicht die Internet-Polizei”, sagt Google-Sprecher Stefan Keuchel. Prompt gelöscht werde nur bei klaren Verstößen gegen deutsches Recht.

Der erste Schritt ist deshalb immer, sich an den Seitenbetreiber zu wenden. Und auch hier gilt: Eine freundliche Bitte per Mail wirkt in der Regel effektiver als eine mit wüsten Beschimpfungen gespickte Drohung. Erst wenn der Inhalt dort entfernt ist, hat es Sinn Google eine Mail zu schicken, damit die Daten auch aus dem Cache gestrichen werden. Das kann jedoch bis zu vier Wochen dauern. Zwar lassen sich eigene Einträge im Web mit Dateien versehen, die Suchmaschinen abweisen oder täuschen. Auch das Cache kann man mithilfe dieser Bot-Blocker löschen, weil die Suchroboter keinen Schnappschuss mehr anlegen. Aus dem Suchindex sind Altlasten so allerdings auch nicht verschwunden, so dass dort zumindest noch eine ganze Weile die Anlaufzeilen des ursprünglichen Eintrags ausgegeben werden. Womöglich ist das immer noch zuviel bei übler Nachrede. Mit der Zeit wandern diese blinden Einträge im Index zwar immer weiter nach hinten, beschleunigen lässt sich dies aber nur durch aktive Gegenmaßnahmen – sprich: das Streuen und Verlinken eigener und neuer Positiveinträge.

Das ist sowieso die bessere Alternative. Drum: Achte auf das, was über dich geschrieben werden könnte, bevor es im Netz steht!



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1. Kommentar

Marcel
23.10.07 um 07:43 Uhr

Wer ist etwa Peter Müller?
Meinst Du den hier?

2. Kommentar

Jochen Mai
23.10.07 um 09:35 Uhr

@Marcel: Hahaha, nein. Aber der illustriert das auch ganz gut…

3. Kommentar

Kai Müller
23.10.07 um 10:44 Uhr

Es ist übrigens keinesfalls so, dass Inhalte, die ein Seitenbetreiber löscht, nicht mehr wieder zu finden sind. Über den Dienst Archive.org und dessen “Wayback Machine” kann man sich den Verlauf von Websites ansehen. Bei Archive.org werden alle Daten wie ein BackUp gespeichert…

Ganz weg bekommt die ungeliebten Texte also nie, deshalb kann es nur eine vorbeugende Maßnahme geben: Nachdenken und danach etwas im Netz veröffentlich – nicht umgekehrt…

4. Kommentar

Jochen Mai
23.10.07 um 11:07 Uhr

@Kai: Stimmt. Aber die Mühe machen sich dann wirklich nur noch eingefleischte Rechercheure. Wenn die Einträge aus den Indizes und dem Cache getilgt sind, ist schon eine Menge Boden gewonnen.

5. Kommentar

Andreas
23.10.07 um 11:09 Uhr

Hast du das, was du da schreibst, jemals selbst praktiziert?

Ich bin selbst in diesem Bereich tätig und habe verschiedene Geschichten mitverfolgen können, bei denen es darum ging, Verleumdungen oder Unwahrheiten aus den Google-Suchergebnissen zu entfernen.

“Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom März 2007 (VI ZR 101/061) kann der Betroffene vom Betreiber einer solchen Seite die Löschung eines Eintrags nur verlangen, wenn dieser seine Ehre verletzt.” ist zwar soweit richtig, allerdings ist das nationales Recht. Das kann natürlich hilfreich sein, wenn in einem deutschen Forum entsprechende Postings auftauchen.
Sobald aber von einer ausländischen E-Mail-Adresse (und die kann jeder in 30 Sekunden bei einem beliebigen Freemailer anlegen) Beleidigungen auf einem ausländischen Server erscheinen, gilt das nicht mehr.

Ich kenne einen konkreten Fall, bei dem es um anonyme Verleumdungen in Usenet-Postings ging, die über anonyme Remailer gepostet wurden. Das Usenet wird auf zig Servern gespiegelt und dadurch auch im Netz verfügbar gemacht. Unter den Suchergebnissen waren Server in den USA, in Israel, in China usw., die wiederum auf diversen Domains gespiegelt werden und da besteht schlicht und einfach null Chance, das zuverlässig löschen zu lassen.

Glücklicherweise haben aber die meisten Firmen mittlerweile erkannt, dass mit dem Internet sehr viel Schindluder getrieben wird und sehen diese Ergebnisse nicht mehr als Grundlage für die Bewertung von Bewerbern.

6. Kommentar

Steffen
23.10.07 um 11:10 Uhr

Der beste Schutz ist, sofort zu wissen, wenn irgendwo was zu einem selbst veröffentlicht wurde. Dann kann man evtl. noch schnell was tun (gegensteuern, rechtliche Schritte, Löschung) bevor sich das Ganze erstmal ausgebreitet hat. Nach diesem 1. und wichtigsten Schritt kann man dann drüber drüber nachdenken, durch ein eigenes, optimiertes Profil den Ruf aktiv zu verbessern. Und sich natürlich von Suchergebnissen abzugrenzen, die zwar zum eigenen Namen (z.B. auch Peter Müller), nicht aber zur eigenen Person gehören.

Übrigens Herr Mai: Haben Sie denn schon auf yasni nach Peter Müller geschaut?

7. Kommentar

Jochen Mai
23.10.07 um 11:17 Uhr

@Andreas: Ja, ich habe einmal testweise ein komplettes Blog gelöscht und dessen Inhalt aus dem Netz getilgt. Es geht. Zugegebenermaßen war das aber auf Deutschland beschränkt.

8. Kommentar

Kai Müller
23.10.07 um 12:55 Uhr

@Steffen: Ich habe gerade mal auf yasni nach “Kai Müller” gesucht. Da liefert in meinem Fall Google die weitaus treffenderen Ergebnisse :)

9. Kommentar

Gerhard Zirkel
23.10.07 um 17:29 Uhr

Das größte Problem an der Geschichte sind sicherlich nicht die böswilligen Verleumdungen, denn die dürften doch eher die Ausnahme sein.

Zudem werden solche Verleumdungen, wie schon erwähnt wurde, zumeist auf ausländischen Projekten veröffentlicht. Der Betreiber eines deutschen Projektes wird so etwas schon aus Eigeninteresse zeitnah löschen. Zudem sind Personalchefs durchaus in der Lage eine Verleumdung zu erkennen.

Viel gewichtiger sind hirnlose Forenpostings oder solche mit eindeutigen politischen Botschaften (gewollt oder ungewollt). Denn die Leute die das betrifft haben meist nicht die geringste Ahnung was sie sich da angetan haben.

Hat man dann nichts im Netz was bei den Suchmaschinen davor gelistet ist, hat man ein Problem. Deshalb entweder erst denken und dann schreiben oder selbst so viele starke Projekte ins Netz stellen, dass alles andere daneben untergeht.

Gerhard Zirkel

10. Kommentar

Jochen Mai
23.10.07 um 17:41 Uhr

Das Problem an einer Online-Verleumdung ist nicht, dass der Personaler sie nicht erkennen könnte. Das Problem ist, dass er denken könnte, es sei vielleicht auch etwas Wahres dran. Merke: Ein bisschen Dreck bleibt immer hängen.

11. Kommentar

Steffen
24.10.07 um 15:58 Uhr

@Kai: das ist schade. Das Feedback der Meisten ist gerade umgekehrt …

Wäre toll, wenn Sie mir kurz schreiben könnten, was genau an den Suchergebnissen in Ihrem Fall bei yasni fehlerhaft war bzw. was bei Google wir falsch rausgeworfen haben (da wir deren Ergebnisse ja eigentlich nur erweitern/ergänzen und neu sortieren).

12. Kommentar

Kai Müller
24.10.07 um 17:32 Uhr

Ich habe ja nicht geschrieben, dass die Ergebnisse fehlerhaft sind, sondern dass bei Google meine Seite als erste unter meinem Namen gelistet wird. Wer nun der “richtige” Kai Müller ist, darüber müssen sich andere den Kopf zerbrechen. Quasi ein Fass ohne Boden :)

13. Kommentar

SaschDaily
21.01.08 um 16:22 Uhr

Für mich gibt es hier einen wichtigen Punkt. Ich habe ein privates Weblog, das sehr anonym gehalten ist. Wenn nicht einer große Nachforschungen anstellt, sollte niemand – auch meine Angestellten und Chefs – herausbekommen, dass ich dahinter stecke.
Nun hat jemand einen Link zu meinem Blog gesetzt und hat meinen Namen dazu eingetragen – nicht böswillig. Und nun erscheint bei Google-Eingabe meines Namens an erste Stelle mein Blog. Der Link, bzw. der Name dazu, ist herausgenommen worden. Wie lange dauert es, bis diese Verbindung auch in Google verschwunden ist?

Gruss
Sascha

14. Kommentar

Jochen Mai
21.01.08 um 16:31 Uhr

@Sasch: Weia, das ist übel. Und Künstlerpech. Rechne mal mit mindestens zwei Wochen. Das Problem ist: Das Cache passt Google relativ zügig an. Aber die Trefferlisten, bzw. die Reihenfolge verändert sich schwerfäliger. Kannst du das private Blog nicht für eine Woche “wegen Wartungsarbeiten” in Offline-Quarantäne schicken?!

15. Kommentar

SaschDaily
21.01.08 um 16:54 Uhr

Das habe ich jetzt gemacht und habe auch ein Google-Tool gefunden, das es erlaubt, bestimmte Links von einem Suchbegriff zu trennen, beziehungsweise den Link zu dem Suchbegriff zu löschen. Erfahrungsberichte sprechen von 24h, bis das geschehen. für diese Zeit habe ich mein Blog dicht gemacht. Mal sehen!

16. Kommentar

Jochen Mai
21.01.08 um 16:59 Uhr

Bei mir hat es einmal deutlich länger gedauert. Aber halt mich bitte auf dem Laufenden! Vielleicht wäre das auch ein schöner Erfahrungsbericht für das Blog hinterher?! Das andere natürlich…

17. Kommentar

SaschDaily
22.01.08 um 08:18 Uhr

Aus welchem Grund auch immer – die Anträge sind für 2 von 2 Links abgelehnt worden, obwohl der Link direkt zu meinem Blog noch nie in Verbindung mit meinem Namen hätte sich finden lassen. Aber auch der zweite Link wurde abgelehnt, obwohl der Link zu meinem Blog nun nicht mehr mit meinem Namen versehen ist.
Das kann ja heiter werden…

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