Social-Media-Mythen-01
Ob man jetzt von Content Marketing oder Content Strategien spricht - Social Media gehören immer dazu. Sie sind aus einer runden Online-Strategie nicht wegzudenken. Allen voran die Big Player: Facebook, Twitter, Youtube, Google+, Pinterest. Allesamt bieten diese sozialen Netzwerke spezifische Vor- und Nachteile. Und natürlich müssen Unternehmen auch nicht überall vertreten sein, wichtiger ist eine strategisch sinnvolle Auswahl der passenden Kanäle für den jeweiligen Zweck. Genau an der Stelle aber halten sich einige Social Media Mythen besonders hartnäckig. Noch immer. Es wird Zeit, mit diesen Irrtümern aufzuräumen...

Social Media Irrtümer und vermeidbare Fehler

Social-Media-Mythen-02Die Geschichte der Social Media ist auch eine Geschichte voller Mythen und Missverständnisse. Oft stecken dahinter Vorurteile, Unkenntnis und vage Ängste. Die aber verleiten manches Unternehmen zu Fehleinschätzungen oder gar veritablen Fehlern im Online-Auftritt. Zwei Klassiker tauchen dabei - leider - immer noch recht häufig auf:

  • Halbherziges Engagement

    Vor allem mittelständische Unternehmen scheuen hier vermeintlich große Investitionen. Also wird ein Kollege aus der Kommunikation oder dem Marketing halbtags dazu abgestellt, Motto: Du machst jetzt bitte auch noch Social Media. Budget gibt's keins, allenfalls eine Schulung. Und weil Konzept und Strategie überhaupt nicht ausgearbeitet sind, viele (unnötige) Anfängerfehler gemacht werden, bestätigt sich nur, was viele Chefs vorher angenommen haben: Social Media werden überschätzt, funktioniert ja doch nicht. Fehler! Denn was so letztlich nur bewiesen wurde, ist: halbherziger und unstrategischer Aktionismus zahlt sich nie aus. Das Thema ist inzwischen einfach zu komplex, als dass es mit einer Facebook-Seite und einer Halbtagsstelle mal eben so abzuarbeiten wäre.

  • Angst vor Shitstorms

    Auch diese Sorge kommt vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen: Was, wenn uns die Fans und Leser kritisch sehen und das dann öffentlich machen? Zugegeben, das kann unangenehm werden. Aber erstens: Öffentlich machen können die Kunden ihren Unmut auch so schon - und viele machen das auch längst, sodass die (rhetorische) Frage eher ist: Geschieht das besser überall im Netz, oder doch besser auf unserer Seite, wo wir das moderieren können. Zweitens: Es ist noch kein Unternehmen jemals an einem Shitstorm gescheitert oder in die Insolvenz gegangen. Jedenfalls nicht wegen des Shitstorm. Eher gingen manche gestärkt aus dem Gewitter hervor, weil sie daraus gelernt haben und heute besser kommunizieren oder sogar mit ihren Kunden in einem regen Dialog stehen. Der Frosta-Chef Felix Ahlers sagt zum Beispiel:

    Durch das Blog wird Frosta glaubwürdiger und transparenter. Wir gewähren dadurch einen Blick hinter die Kulissen unserer Arbeit und es unterstreicht, dass wir uns über einen kritischen Austausch mit unseren Kunden freuen.

Zugegeben, manch langlebige Social Media Mythen enthalten einen wahren Kern und waren an irgendeinem Punkt ihrer Entstehung berechtigt. Heute aber sind sie nur noch das: alt und überholt. Andere Mythen stützen sich auf neue Studien, die jedoch falsch interpretiert oder aus dem Kontext gerissen werden. Auch nicht besser. Zeit mit den verbreitetsten Irrtümern und Denkfehlern aufzuräumen...

Frühwarnsystem für die Kommunikation

Social-Media-Fehler-CoverSo viel über Social Media geschrieben und diskutiert wird: Auch diese Vorurteile und Fehleinschätzungen halten sich hartnäckig. Die folgende Liste kann Ihnen dabei erkennen, eigene Irrtümer zu erkennen und - als eine Art Frühwarnsystem - das eigene Kommunikationsverhalten zu hinterfragen und zu reflektieren. Die Liste mit 65 klassischen Social Media Fehlern können Sie HIER gratis als PDF herunterladen.

10 typische Social Media Mythen und vermeidbare Fehler

  1. Social Media bieten kostenlose Reichweite.

    Hier wird leider Ursache mit Wirkung verwechselt. Es stimmt: Social Media bieten eine potenziell riesige Reichweite, die sich grundsätzlich auch ohne Werbung und allein durch guten Content erreichen lässt. Doch das hat seinen Preis: Das Entwickeln von Zielen und Zielgruppen, von Kanal-Konzepten und Content Strategien braucht Zeit und Expertise - eventuell auch durch externe Berater (schon um sich Lehrgeld zu sparen). Und es kostet Personal und Budgets. Wer hier schnelle Erfolge erwartet, benötigt noch mehr Geld. Denn guter Content fällt nun mal nicht vom Himmel. Irgendwer muss ihn produzieren. Dazu braucht es handwerkliche Erfahrung oder Schulungen. PR und gute Kommunikation gibt es schließlich auch nicht zum Nulltarif. Aber das Potenzial, die unmittelbare Messbarkeit, das Feedback wiegen die anfänglichen Investitionskosten deutlich auf. Es ist aber eher ein Marathon, als ein Sprint.

  2. Social Media sind immer ein Dialog-Angebot.

    So pauschal stimmt das nicht. Ja, soziale Beziehungen und damit Kommunikation und Dialog stehen bei Social Media im Vordergrund, daher ja auch der Begriff "Social" Media und nicht "Sales" Media. Aber der Ansatz ist nicht alternativlos: Längst haben sich Social Media - Blogs und Hilfe-Foren - weiterentwickelt. Und so gibt es hierbei inzwischen auch reine Ratgeber- oder Unterhaltungs-Kanäle, News-Ticker oder Vertriebsangebote. Entscheidend ist lediglich, dass man den jeweiligen Ansatz klar kommuniziert und beispielsweise nicht so tut, als wolle man einen Dialog führen, wenn man nur informieren will. Zwar bleibt so einiges Potenzial brach liegen, das kann aber auch eine zunächst sinnvolle Strategie im Rahmen der verfügbaren Ressourcen sein.

  3. In den Social Media verlieren wir die Kontrolle.

    Gegenfrage: Welches Unternehmen konnte zu welchem Zeitpunkt hierzulande jemals die Kommunikation der Massen kontrollieren? Kritischen und unabhängigen Journalismus gab es auch vor Social Media schon. Und seit jeder Bürger die Chance hat, eigene Inhalte - sei es in einem eigenen Blog oder in sozialen Netzen - zu publizieren, wäre es nur töricht, zu glauben, irgendetwas kontrollieren zu können. Die Kontrolle ist längst verloren. Was Unternehmen aber sehr wohl tun können: Sie können Teil der kommunizierenden und für sie relevanten Zirkel sein und so an Glaubwürdigkeit und Einfluss gewinnen. Und sie können, statt nur zu reagieren, Gespräche führen - buchstäblich. So erkannte etwa der Nestlé-CEO Paul Bulcke schon vor einiger Zeit:

    In der digitalen Welt haben Sie nicht mehr stundenlang Zeit, um eine Antwort auf Kritik zu formulieren. Hier haben wir vielleicht
 etwas zu lange damit gezögert, uns zu verteidigen. Heute streben wir den proaktiven Dialog an, wir legen unseren Standpunkt von
uns aus dar, nicht erst, wenn Kritik aufkommt.

  4. Social Media Agenturen und Berater sind überflüssig.

    Zugegeben, als Social Media Berater ist man selbst an der Stelle nicht unparteiisch. Und wer ein gut ausgebildetes und kompetentes Social Media Team im Unternehmen hat, kann sich hier manches sparen. Aber: Gerade am Anfang werden die meisten (und später teuersten) Fehler gemacht - aufgrund mangelnder Erfahrungen, zu ausgeprägter Binnensicht, wenig Wissen über Tools und Trends. Berater haben hier in der Regel einen breiteren Horizont, können dabei helfen die richtigen Kanäle und Konzepte auszuwählen und Anfängerfehler zu vermeiden. Aber auch später noch können Berater und Agenturen dabei unterstützen, Strategien zu verfeinern, Kanäle weiterzuentwickeln und Teams zu trainieren und neue Mitarbeiter schulen und so die vorhandenen Kräfte zu entlasten. Denn: Wer Wachstum will, muss natürlich auch mitwachsen können. Der Vollständigkeit halber: Das andere Extrem gibt es als Mythos aber auch. Unternehmen lagern ihre Online-Kommunikation in den Social Media vollständig an eine Agentur aus, Motto: Dann müssen wir uns nicht drum kümmern. Fatal! Eine Agentur ist erstens kein Selbstläufer und zweitens weit weg. Authentische und glaubwürdige Inhalte müssen immer auch vom Unternehmen selbst kommen, sonst fehlt ihnen die Seele. Übrigens: Die meisten Nutzer haben ein gutes Gespür dafür, welcher Kanal von Agenturen und Dienstleistern bespielt wird und wo wirklich Mitarbeiter zu ihnen sprechen...

  5. Social Media lohnt sich nur für große Unternehmen.

    Falsch! Aber so was von... Gerade kleine und weniger bekannte Unternehmen können hiervon am stärksten profitieren. Denn das Internet kennt zunächst keine Größenvorteile aufgrund der Unternehmensgröße in der realen Welt. Konzerne mögen größere Budgets haben, die besseren Inhalte haben sie deshalb noch lange nicht. Mehr noch: Zahlreiche bloggende Handwerker machen längst vor, dass sie mit kleinem Einsatz (aber viel Leidenschaft) teilweise mehr Reichweite erzielen als Konzerne wie Daimler oder Bayer. Der Familienunternehmer, Malermeister und Vollblut-Blogger, Matthias Schultze, sagt sogar selbst:

    Ich kann es mir heute nicht mehr leisten, kein Internetmarketing und Social Media Marketing zu betreiben. Ein durchaus spannendes Thema, wenn man bedenkt, wie Kunden heute nach Dienstleistungen suchen. Für uns hat es sich mehr als gelohnt, denn ohne diese wichtige Unternehmensentscheidung, würde es uns heute so nicht geben. Der harte Marktkampf hätte mich dazu getrieben, das Unternehmen zu schließen. Im Jahr 2014 haben wir es aber geschafft, 600.000 Euro Umsatz allein auf diesem Weg einzufahren. Ein einmaliges Ergebnis im Handwerk deutschlandweit.

  6. Ein Blog brauchen wir nicht, Facebook reicht.

    Vereinzelt mag das stimmen. Wahr ist aber auch: Auf Facebook, Twitter, Google+, Pinterest, Youtube, Xing oder Linkedin sind Unternehmen immer nur Untermieter. Dort gelten die Regeln und AGB des Vermieters. Um im Sprachbild zu bleiben: Ja, es wohnen dort mehr interessante Menschen, in der Bude ist mehr los als auf einem eigenen neuen Blog, aber es gibt dort auch mehr Krawall und der Vermieter kann jederzeit die Hausordnung umschreiben und die Miete erhöhen. Überdies wissen Sie nie, ob nicht morgen schon drei Blocks weiter ein neuer Wohnkomplex entsteht, der viel attraktiver ist. Und dann ziehen alle um – und Sie stehen da, mit Ihrer 500.000 Euro teuren Penthouse-Wohnung, die niemanden mehr interessiert. Erinnern Sie sich noch an Myspace, Second Life, die VZ-Netzwerke? Das alles waren mal angesagte Social Media Plattformen. So manches Unternehmen hat dort viel Geld investiert. Was sind deren Dependancen dort heute noch wert? "Corporate Blogs sind aus dem Portfolio der Kommunikation nicht mehr wegzudenken", ist beispielsweise Professor Ansgar Zerfaß vom Institut für Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig überzeugt. Blogs sind ein Bestandswert, eine Investition in ein Eigenheim, das zwar beim Aufbau etwas länger braucht, sich aber langfristig viel mehr auszahlt. Oder wie Jörg Wassink, Sprecher des Softwareanbieter Sage, sagt:

    Im Zuge der veränderten Kommunikationslandschaft haben wir vor zwei Jahren gesagt, dass wir ein Corporate Blog, das "Sage Mittelstandsblog" benötigen, um mehr Platz für unsere Themen zu haben. Heute nutzen wir dieses Blog als
 Content Hub für unsere Geschichten, die sich verkürzt gesagt damit beschäftigen, was es heißt, Unternehmer zu sein. Unser Blog ist jedoch eher eine Corporate Publishing Plattform, die wir nutzen, um unsere Themen über diesen Kommunikationskanal zu verbreiten und sie stark in den sozialen Netzwerken spielen zu können.

  7. Im B2B-Bereich lohnen Social Media nicht.

    Auch das ist so ein Mythos - und falsch. Natürlich sind die Ziele und potenziellen Reichweiten hier andere. Lohnen kann sich das aber allemal. Gerade weil B2B-Unternehmen seltener in der Öffentlichkeit stehen und als Arbeitgeber weniger bekannt sind als große Konsumentenmarken, können sie enorm von einem Engagement in den Social Media profitieren, Kunden binden und Talente anlocken. Charles Schmidt, vom Flaschenabfüllanlagen-Hersteller Krones sagt:

    Wir denken, dass heute – vor allem im B2B-Bereich – ein Unternehmen nur dann
 langfristig erfolgreich sein kann, wenn Führungskräfte und Mitarbeiter zu 
authentischen Markenbotschaftern werden. In unserem Blog schreiben fast
 ausschließlich Mitarbeiter der Krones AG. Glatte Marketinginhalte finden Sie bei uns nicht. Im Gegensatz zu unserem Engagement auf einem Sozialen 
Netzwerk wie beispielsweise Facebook, auf dem wir nur Gast sind, stellt der 
Krones-Blog eine Heimat für unsere Online-Inhalte dar. Er ist Content-Hub und
Zentrum unserer Social Media Aktivität. Die höhere Informationsdichte, eine lange Verfügbarkeit sowie die Durchsuchbarkeit der Inhalte (auch für Suchmaschinen), sind zusätzliche Faktoren die für den Einsatz eines Blogs sprechen. Und unser Engagement zahlt sich jeden Tag aus: Hier bekommen wir viel Feedback in Form von Mails, Posts und User Generated Content.
 Unsere Erfahrung ist, während Marktbegleiter noch an Ihrer Strategie feilen, sind wir bereits erfolgreich unterwegs, und passen unser Vorgehen iterativ an.

  8. Guter Content verbreitet sich von selbst.

    Dieser Irrtum ist vor allem bei Corporate Bloggern als auch bei Bewerbern weit verbreitet. Zwar werden von ihnen teils hervorragende Inhalte und exzellente Artikel veröffentlicht, die aber kein Mensch liest. Sie schreiben unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber warum? Content findet seinen Weg zu Lesern eben nicht auf magische und automatische Weise, sondern durch gezielte Verbreitung und ein gut ausgebautes Netzwerk. Neben dem Erstellen guter Inhalte ist daher das Verbreiten der Artikel - zumindest anfangs - mindestens genauso wichtig. Werbung und Anzeigen können die Verbreitung flankieren, sie ersetzen aber auch nicht gutes Content Marketing etwa auf Facebook oder Twitter.

  9. Agenda Surfing bietet die besten Chancen.

    Agenda Surfing steht dafür, aktuelle Trends und Nachrichten-Themen für sich zu kapern und zu nutzen. Weil also zum Beispiel gerade alle Welt über das Thema "Weltkaffeetag" schreibt, springen Sie auf den Zug auf und verfassen ebenfalls einen Beitrag dazu (samt passendem #Hashtag), münzen den aber auf Ihr Produkt oder Unternehmen um. Kann man machen, machen aber viele andere auch. Es ist eine Messer, das stumpf wird, je öfter Sie es nutzen. auch birgt Agenda Surfing einige Risiken, die nicht vernachlässigt werden sollten: Nutzen Unternehmen beispielsweise solche Themen unsensibel oder wird ihre Beteiligung als Einmischung empfunden, reagieren Nutzer darauf empört bis ablehnend. Unternehmen sollten angesagte Themen nur mit äußerster Vorsicht und nur mit viel Fingerspitzengefühl anfassen. Ein Video der US-amerikanischen Comedy-Show Last Week Tonight - Sie finden es hier - zeigt auf unterhaltsame Weise, was beim Agende Surfing alles schief gehen kann.

  10. Unsere Mitbewerber nutzen das auch nicht.

    Gut so! Dann können Sie noch die ersten im Markt und in der Branche sein. Das gibt Ihnen einen innovativen Vorsprung und senkt gleichzeitig die Eintrittskosten. Eine Verfolgungsjagd wäre schließlich teurer. Der Vorsprung, den Sie hier erarbeiten, ist von unschätzbarem Wert. Nehmen Sie beispielsweise nur das Coke-Magazin Journey. Schon an der URL erkennen Sie, dass es bereits die Kommuikationszentrale der Marke in Deutschland geworden ist - die Inhalte stehen noch vor dem Produkt. Gute Idee - aber für Pepsi beispielsweise eine, die kaum noch umsetzbar ist, ohne als unkreativer Nachahmer dazustehen. Einer muss den ersten Schritt wagen - der Lohn dafür ist aber auch die maximale Aufmerksamkeit.

Sicher gibt es noch viele weitere Social Media Mythen. Eines aber ist genauso sicher: Social Media sind kein Hype, der vorbei geht. Sie haben schon in den vergangenen Jahren überdeutlich an Einfluss gewonnen und wachsen täglich weiter. Einzelne hippe Plattformen mögen wechseln oder wieder verschwinden, die vernetzte soziale Kommunikation aber nicht. Und während manche immer noch nach einem ROI - dem Return On Invest - suchen, übersehen sie, dass es auch die COI gibt - die Costs Of Ignorance.

[Bildnachweis: Jo karen, aarisham by Shutterstock.com]