Wer auch nur ein klein wenig im Internet unterwegs war, kam in den letzten Tagen an Facebooks neuem Design nicht vorbei. Als Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf der f8-Konferenz die Neuerungen bekannt gab, war das Medien-Echo gewaltig. Timeline – so der Name des neuen Designs – soll zwar erst in den kommenden Wochen für alle Nutzer zur Verfügung stehen, mit einem Trick lässt es sich jedoch schon jetzt aktivieren. Doch was bringt das neue Design mit sich? Welche Konsequenzen hat es für Nutzer und Unternehmen? Genau diese Fragen beantworten wir heute in unserem Guide zum neuen Facebook-Design.

Die Aktivierung


Um das neue Design schon jetzt zu aktivieren, müssen Sie eine Applikation in Facebook erstellen. Das ist nicht kompliziert, folgen Sie einfach den folgenden Schritten. Die einzige Voraussetzung: Ihr Profil muss bestätigt sein, Sie müssen also entweder eine Mobilnummer oder eine Kreditkarte hinterlegt haben.

  1. Rufen Sie die Developer-Seite von Facebook auf. Bitte hier entlang.
  2. Legen Sie jetzt eine neue Applikation an, Name und Namespace spielen absolut keine Rolle, die App wird sowieso nicht veröffentlicht.
  3. Nachdem Sie die App erstellt haben, klicken Sie bitte auf den Punkt “Open Graph” und weisen der App eine Rolle zu. Welche ist dabei völlig egal. Fehlermeldungen können Sie getrost ignorieren.
  4. Speichern Sie das Ergebnis ab. Wenn Sie jetzt Ihr Profil aufrufen, bekommen Sie die Möglichkeit geboten, das neue Timeline-Design – im Deutschen heißt es “Chronik” – zu aktivieren.

Erste Schritte


Direkt nach der Aktivierung wird Ihnen eine Tour durch das neue Design angeboten, diese können Sie allerdings jederzeit abbrechen. Nach der Lektüre unseres Artikels brauchen Sie diese ohnehin nicht mehr. Am oberen Seitenrand wird Ihnen die Meldung angezeigt, dass die neue Ansicht nur für andere Entwickler sichtbar ist, normale Nutzer sehen nach wie vor Ihr altes Profil. Interessantes und wichtiges Detail: Facebook gibt Ihnen ein Datum vor, ab dem Ihre Chronik automatisch für alle Nutzer veröffentlicht wird.

Wenn Sie das vermeiden wollen, müssen Sie das neue Design wieder deaktivieren. Das erledigen Sie einfach in dem Sie die von Ihnen zu Beginn angelegte Applikation wieder löschen.

Das Konzept

Das Konzept hinter dem neuen Design ist sowohl mit dem englischen Begriff Timeline als auch mit der deutschen Übersetzung Chronik gut beschrieben, wobei es im Deutschen der Begriff Lebenslauf noch besser träfe. Von der Geburt – genauer gesagt dem eingegebenen Geburtsdatum – bis zum aktuellen Tag werden alle Aktivitäten und Fotos auf einem Zeitstrahl dargestellt. Kurz zusammengefasst will Facebook das Leben seiner Nutzer noch stärker als bisher dokumentieren und für Freunde einsehbar machen. Facebook selbst erläutert das Konzept anschaulich im folgenden Video und auf der dazugehörigen Homepage.

Die Neuerungen

Auf den ersten Blick wirkt die neue Optik etwas überladen, viele Informationen werden auf einer Seite präsentiert. Nach kurzer Eingewöhnung wirkt das Design jedoch ansprechend, wobei das sicherlich Geschmacksache ist, die Reaktionen im Netz schwanken zwischen völliger Begeisterung und rigoroser Ablehnung.


Neben der neuen Struktur fällt auch das neu gestaltetet Profilbild auf. Das zentrale Bild hat eine Größe von 706×264 Pixel, das links angezeigt kleinere Bild ist quadratisch und hat eine Größe von 102×102 Pixel. Ihr Profil können Sie jetzt mit noch mehr Informationen befüllen, das reicht von der Ausbildung über Gesundheit und Wohlbefinden, die aktuelle Lebenssituation bis hin zu einschneidenden Lebensereignissen wie Geburten oder Todesfälle. Alle Angaben sind natürlich freiwillig. Übrigens: Je weiter Sie in der Zeit zurück gehen, desto stärker komprimiert Facebook die Informationen und zeigt nur noch die wichtigsten Ereignisse und Aktivitäten an.

Da im neuen Facebook-Design die gewohnte Pinnwand nicht mehr vorhanden ist, werden Meldungen wie “XY ist jetzt mit S befreundet” im neuen Ticker dargestellt, eine Leiste die am rechten Seitenrand mitscrollt und alle kleineren Meldungen aufnimmt.


Eine der größten Neuerung betrifft die Facebook-Apps. Aktuell müssen Apps jedes Mal nach der Erlaubnis des Nutzers fragen, um dessen Aktivitäten zu veröffentlichen. Mit der neuen Entwicklungsfunktion Open Graph reicht Applikationen eine einmalige Zustimmung des Nutzers. Nach dieser Zustimmung werden alle Aktivitäten des Nutzers in einer Applikation automatisch geteilt. Wer diese Aktivitäten sehen kann, lässt sich nach wie vor in den Privatsphäre-Einstellungen regulieren. Auch der bekannte Like-Button wird mit der neuen Entwickleroption Facebook Gestures grundlegend überarbeitet. Entwickler haben mit der Änderung die Möglichkeit, den Button mit jedem beliebigen Verb zu benennen. Es könnte also durchaus Buttons mit “Gerne Gehört”, “Schmeckt super” oder “Herausfordern” für Spiele geben.

Falschmeldung zum Thema “abonnieren”

Bitte tue mir einen Gefallen und bewege Deine Maus über meinen Namen hier, warte bis das Kästchen geladen hat und dann bewege Deine Maus über den “Abonniert”-Link. Bitte dann das Häkchen bei “Spiele” und “Kommentare und “Gefällt mir” rausnehmen. Ich möchte lieber nicht, dass meine Kommentare bei Postings von Freunden und Familie öffentlich gemacht werden!

Solche und ähnliche Meldungen grassieren aktuell auf Facebook. Das Problem: Sie sind schlicht und ergreifend falsch. “Abonniert” ist lediglich ein neuer Sprachgebrauch und bedeutet nur, dass der Nutzer nicht blockiert ist. Likes und Kommentare sind nach wie vor nur so sichtbar, wie es in den Privatsphäre-Einstellungen festgelegt ist.

Die (möglichen) Konsequenzen

Auch wenn aktuell noch unklar ist, wie sich die Facebook-Fanpages verändern werden, lassen sich jetzt schon einige mögliche Konsequenzen aus den Veränderungen ableiten.

Für die Nutzer wird es teilweise Überraschungen bringen, da durch das Timeline-Design Informationen dargestellt werden, die der Einzelne bereits vergessen hatte. Aus der Perspektive der Benutzerfreundlichkeit ist die neue Optik jedoch ein deutlicher Fortschritt, da unwichtige Statusmeldungen und auch Werbung im Ticker zusammengefasst werden. Noch vorsichtiger als bisher sollten Nutzer allerdings bei der Wahl der Applikationen vorgehen, denn nach einmaliger Zustimmung teilen die Applikationen die Aktivitäten des Nutzers automatisch.

Für Unternehmen und Marken wird vor allem das Schalten von Werbung schwierig, denn aktuell sieht es so aus, dass diese im Ticker landen und damit kaum noch wahrgenommen werden dürften. Die Entwicklungsoptionen Open Graph und Facebook Gestures bieten andererseits vermehrt Möglichkeiten, interaktive Anwendungen zu entwickeln und dadurch Nutzer stärker zu beteiligen und an eine Marke zu binden. Unternehmen sollten jedoch bereits heute damit beginnen, sich ein zu Ihrer Marke oder Produkten passendes Verb zu überlegen, mit dem Sie Ihre Buttons beschriften können. Denn diese individuell benannten Buttons werden garantiert umfassend genutzt.

Fazit

Alles in allem ist die neue Timeline- oder Chronik-Oberfläche mehr als nur ein optisches Facelifting. Die Benutzerfreundlichkeit wird gesteigert und das Design ansprechender gestaltet. Allerdings sammelt Facebook durch die Neuerungen noch mehr Daten über den Nutzer und macht diese für Applikationen leichter zugänglich. Wie bisher wird der Nutzer auch weiterhin bewusst abwägen müssen, wie viele Daten er für welchen Mehrwert zur Verfügung stellt.

Was halten Sie von der neuen Timeline-Oberfläche und den Neuerungen? Nutzen Sie das neue Design bereits? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare hier und natürlich auch auf Facebook