CouchDie Optimierung des Selbst, über die ich in diesem Artikel schrieb, findet vor allem Ausdruck in der steigenden Nachfrage nach einem persönlichen Coach. Wer zum Coach geht, tut etwas gegen seine Defizite, wird aktiv und schmiedet – unterstützt – sein eigenes Glück. Er drückt damit aus, dass er sich selbst optimieren möchte und dafür bereit ist, entsprechende Kraft und Mittel zu investieren. Und falls der Arbeitgeber gar den Coach bezahlt, dann heißt das nichts weniger als: Wir wertschätzen dich! Aber wir glauben, das kannst du noch besser! Worin freilich ein subtiler Betrug liegt, weil allenfalls der Weg das Ziel sein kann. Wirklich perfekt wird man ja nie.

Nun habe ich Sie, liebe Leser, gefragt, wie Sie das sehen. Lassen Sie sich vielleicht selbst coachen? Und falls ja, wonach wählen Trainer ihre Trainer aus? Aber auch die umgekehrte Perspektive interessierte mich: Sind Sie schon einmal gecoacht worden? Waren Sie damit zufrieden? Was würden Sie anders machen – oder genauso wieder?

Inzwischen haben einige Leser geantwortet, und ich finde, die Statements sind mindestens eine Beachtung, wenn nicht gar eine weitere Diskussione wert. Aber lesen Sie selbst:

Andrea sagt:

Coaching ist Weiterbildung! Und ich glaube dass sich da in den letzten Jahren (Jahrzehnten) viel geändert hat. Früher war immer das Gefühl da “Hab ich nicht nötig”, damit gebe ich zu, dass ich allein nicht klarkomme, andere schaffen es auch ohne externe Hilfe. Inzwischen wird eher darauf geschaut: Was will ich erreichen? Was muss ich dazu können? Wie sollte ich dazu selbst sein? Und Coaching wird als wirkliche Bildungsmöglichkeit angesehen. Leider ist es halt in vielen Fällen doch das Geld, dass intensiveres Coaching verhindert. Billig ist es nicht. Aber wenn man die eigenen Misserfolge damit verhindert, wird es sich immer auszahlen, sich ernsthaft coachen zu lassen.

Happy-Buddha sagt:

Durch meine neue Tätigkeit habe ich auch das Coachen kennen gelernt (und auch zu schätzen). Anfangs war ich recht skeptisch, aber mitlerweile weiß ich es zu schätzen. Natürlich nur wenn es seriös ist und nicht nach dem Motto: Tschaka, du schaffst es!

CDV sagt:

Ich habe mich vor wenigen Monaten coachen lassen, und es hat mir an einer entscheidenden Stelle ordentlich weiter geholfen. Der externe Blickwinkel ist so wichtig. Meine Vermutung und vielleicht waghalsige These ist: Der Coaching-Boom ist auch ein Ergebnis unserer Schul- und Studienlandschaft, die schon in der jüngeren Vergangenheit und heute vielleicht noch gerade das Wissen vermittelt (hat), aber nicht mehr das Selbstbewußtsein und die Komptenz für eigene Entscheidungen. Insbesondere bei meinen Kunden (Klein- und MIttelstand) erlebe ich sehr oft, dass es zu häufig nur um das Erhalten des Erreichten geht, nicht um wirkliche Verbesserung. Die Frage “Was muß ich besser machen?” wird gar nicht gestellt. Es könnte ja sein, das dabei auffällt, dass auch etwas falsch gemacht wurde. Und mit der Kritikfähigkeit ist es bei dieser Klientel nicht sonderlich gut bestellt.

Kai-Jürgen Lietz sagt:

Was wäre ich für ein Coach, wenn ich nicht selbst hin und wieder in einen anderen Coach investieren würde? Allerdings suche ich mir dabei immer Spezialisten aus. Was sollte mir jemand bringen, wenn er sich einfach Coach nennt, ich aber etwas für meine Positionierung tun möchte. Für diesen Fall hatte ich übringens vor ein paar Jahren ein Coaching bei einem Positionierungsspezialisten wahrgenommen. Zuvor hatte ich ein Buch von ihm gelesen und an einem Workshop teilgenommen. Mit anderen Worten, ich habe mich persönlich vorher von seiner Kompetenz und Kompatibilität überzeugt. Nach meiner Ansicht muss der Coach einem eben auch persönlich liegen, die Chemie muss stimmen. Wichtige Kriterien sind für mich:
1. Fachliche Kompetenz. Was will ich von jemandem, von dem ich nichts lernen kann? Wer in seinem Fach gut ist, hat auch etwas mitzuteilen. Also gibt es Bücher, Fachbeiträge in Zeitschriften oder sogar einen Blog in dem ich mich vorab informieren kann.
2. Coaching Kompetenz. Kann man eigentlich nur persönlich erleben. Zertifikate und Referenzen sagen nicht wirklich etwas aus. Ich frage deshalb auch ganz offen nach einer unverbindlichen Doppelstunde. Das kann dann schon kostenpflichtig sein, finde ich aber für die persönliche Chemie recht störend.
3. Kompatibilität und Chemie. Es gab schon einmal ein Coaching bei einem fähigen Coach, das ich abgebrochen habe, weil ich das Gefühl hatte, ihm geht es nur ums Geld. Ich kann da nur von mir ausgehen. Aber ein Coach sollte doch ein aufrichtiges persönliches Interesse an seinen Klienten mitbringen und nicht nur nach Euro-Zeichen klassifizieren. Das Thema Chemie ist generell schlecht mit Kriterien zu hinterlegen. Das ist wohl Geschmackssache.
4. Aufwand und Ertrag. Wenn ich ein Thema mit einem Coach bearbeite, dann erwarte ich auch, dass es einen Return on Investment gibt. So setze ich teilweise verschiedene Ziele, die ich mit einem Wert für mich taxiere. Das Coaching sollte sollte sich maximal im Faktor 1:10 dazu bewegen. Wenn es länger dauert und teurer wird, scheint der Coach sein Handwerk nicht zu beherrschen. Das ist mir allerdings noch nicht passiert. Aber theoretisch würde ich dann das Coaching abbrechen und mir einen besseren Coach für die anderen Ziele suchen.
5. Tägliche Kündigung. Der Coach muss bei mir akzeptieren, dass ich jederzeit aufhören kann.

Armin sagt:

Schwierig, sich bei dem Thema nicht in Sprechblasen zu verlieren. Für mich als Coach besteht die große Herausforderung darin, nach Aufbau eines Vertrauensverhältnisses über die Phase des “Sich-Strukuriert-Auskotzens” hinaus zu kommen. In dieser Analysephase tritt “nur” ein psychohygienischer Effekt ein, der kurzfristig befreiend wirkt, aber nach relativ kurzer Zeit in alte Fahrwasser führt. Des Pudels Kern ist im nächsten Schritt, zu verbindlichen, umsetz- und überprüfbaren Maßnahmen zu kommen. Bei der Formulierung dieser operationalisierten Entwicklungsziele erlebe ich viele “Eiertänze”. Es reicht nämlich nicht, das Ziel nur anzuvisieren. Irgendwann muss man springen. Letztlich geht es um Nachhaltigkeit. Leider ist der Begriff schon überstrapaziert.

Menachem sagt:

Ich habe keine griffigen Argumente gegen das Coaching, aber für mich fühlt sich das nach dem stromlinienförmig angepaßten Mensch an. Ich könnte mir auch eine andere Werbung dazu vorstellen: “Hast du einen Freund – oder coachst du noch?” Ich will damit sagen, wie sehr sich die Werte verändern, die Leistungsgesellschaft das Entpersonalisierte forcieren, deren Motor wiederrum wir alle selber sind.