Tatsächlich dauert ein Jahr nicht bloß 365 Tage, sondern 365 Tage und etwas weniger als sechs Stunden. Würde man das ignorieren, wäre Sommer irgendwann im Dezember und wir feierten eine heiße Weihnacht. Was für eine Konfusion! Deshalb hat Papst Gregor XIII. Ende des 16. Jahrhunderts den Schalttag eingeführt – den 29. Februar. Ihn gibt es in allen Jahren, deren Zahl durch vier teilbar ist, nicht jedoch durch 100 – mit Ausnahme von Jahren, die durch 400 teilbar sind, weshalb 2000 ein Schaltjahr war, 2100 aber keines sein wird. Und deshalb lesen Sie Geschichten wie diese hier im Blog auch nur alle vier Jahre. Oder weil Sie danach googeln.
Vom 29. Februar kann man lernen, von Zeit zu Zeit etwas zurückzugeben, weil sonst wichtige Ordnungen aus den Fugen geraten. Oder weil man eine sonst eine gute Chance verpasst, an Status zu gewinnen. Selbstlosigkeit zahlt sich aus, fanden etwa die Psychologen Charlie Hardy und Mark Van Vugt von der Universität Kent heraus. Dazu teilten sie ihre Probanden in Gruppen ein, in denen einige Mitglieder Spenden und Schenkungen machten. Bei einer Gruppe wurden diese öffentlich gemacht, in der anderen nicht. Effekt: Die Gruppe, deren Spendierfreudigkeit bekannt war, erhielt höhere Zuwendungen. Zudem genossen die Altruisten in ihrem Team ein höheres Ansehen und wurden öfter zu Gruppenleitern gewählt. In einem Anschlusstest waren sie sogar die begehrteren Partner. Die Selbstsüchtigen dagegen wurden geächtet.
Anders formuliert: Erfolg verpflichtet. Zum Beispiel dazu, jenen zu helfen, die einem selbst nicht helfen können; jemandem einen Gefallen zu gewähren, der sich nicht auszahlen wird; Schwache in seiner Freizeit zu unterstützen, gerade weil sie sich nie revanchieren werden. Immer nur in reiche, berühmte oder mächtige Menschen Zeit, Kraft und Fürsorge zu investieren, ist nicht gut für den Charakter – obgleich die Reichen, Berühmten und Mächtigen oft diejenigen sind, die am ehesten Hilfe benötigen. Aber das ist eine andere Geschichte. Die heutige Geschichte ist, dass gelegentliches Geben erfolgreich macht – und glücklich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
1. Kommentar
Simone Janson
29.02.08 um 11:58 Uhr
“Bei einer Gruppe wurden diese öffentlich gemacht, in der anderen nicht. ” – das zeigt doch sehr schön, dass es nicht nur um Altruismus geht, sondern auch darum selbigen publik zu machen. Nur: Ist das dann noch Altruismus?
2. Kommentar
Jochen Mai
29.02.08 um 12:05 Uhr
@Simone: Der kleine, aber feine Unterschied ist: Sie haben ihre Großzügigkeit nicht selbst an die große Glocke gehängt: “Es wurde bekannt gemacht” – aber nicht von ihnen. Und in diesem Fall ist der Altruismus wohl durchaus gegeben. Zudem: Das Ganze ist Teil eines Experiments, in dem nicht der Altruismus selbst oder dessen Motivation getestet werden sollte, sondern dessen Wirkung.
3. Kommentar
Menachem
01.03.08 um 01:23 Uhr
Die Frage ist für mich, wie konnte es so weit kommen, das ursprüngliches so weit in den Hintergrund gerückt ist, dass es erst durch Untersuchungen wieder sichtbar wird. Das macht mich nachdenklicher, als das Untersuchungsergebnis.
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