Kaum gepostet, zieht die Meldung, die Infografik, das Foto oder Video auch schon seine Kreise – wird getwittert, gefacebookt, geplusst. Das volle Programm. Marketingfachleute träumen regelmäßig von einem solchen viralen Erfolg einer Kunde, die schneller im Netz rum ist, als sie Katze im Sack sagen können. Aber warum ist das so? Warum überhaupt verbreiten sich Informationen derart rasant in sozialen Netzwerken? Drei Saarbrücker Informatiker sind der Sache nun genauer nachgegangen und konnten einen mathematischen Beweis dafür liefern – samt überraschender Erklärung.

„Faszinierend“, nennt Tobias Friedrich, Co-Autor der Studie, das Ergebnis. Bisher habe man nur vermutet, dass das unkontrollierte Wachsen von sozialen Netzwerken eine Struktur fördere, über die sich Informationen schneller verbreiten als sonstwo. Tatsächlich aber gäbe es ein Beziehungsgefüge, das sie jetzt auch „mathematisch nachweisen“ konnten, das derlei virale Propaganda enorm fördert. Zusammen mit seinen Kollegen Benjamin Doerr, Honorarprofessor für Algorithmen und Komplexität an der Saar-Uni, und dessen Doktoranden Mahmoud Fouz wies Friedrich nach, dass sich Informationen in Social Media noch schneller verbreiten, als in Netzwerken, in denen jeder mit jedem kommuniziert, oder deren Struktur völlig zufällig gewachsen ist.

Der eigentliche Clou an Social Media sei das Zusammenspiel zwischen sehr gut und gering vernetzten Personen: Eine gering vernetzte Person habe zwar „viel schneller ihre wenigen Kontakte informiert“, sagt Friedrich. Es sei jedoch nachweisbar, dass sich unter solchen Kontakten immer sehr gut vernetzte Personen befinden, die wiederum von sehr vielen Personen angefragt würden. Und eben durch dieses Zusammenspiel werde in rasender Geschwindigkeit jeder über die Neuigkeit informiert.

Um das Beziehungsgeflecht in einem realen sozialen Netzwerk zu abstrahieren, nutzten die Forscher sogenannte „Preferential Attachment Graphs“ als Netzwerk-Modell. Es beruht auf der Annahme, dass sich neue Mitglieder eher mit bereits bekannten Personen vernetzten als mit unbekannten. Der Kommunikation legten sie ein Modell zugrunde, nach dem jede Person in gleichen Zeitabständen Informationen abfragt und angefragt wird, niemals aber erneut bei dem zuvor genutzten Kontakt. Der mathematische Beweis indes ummfasst rund zwölf Seiten. Wer sich das Mathe-Monster reinziehen will – hier der Link zum PDF.