Ich schrieb ja schon, dass ich in den nächsten Wochen über Themen schreiben möchte, die ich hier sonst so gar nicht behandele. Ferienzeit, kein Sommerloch. Mir tut die Abwechslung gut – Ihnen vielleicht auch.
In dem Zusammenhang hat sich heute bei Twitter eine sehr lebhafte Diskussion entwickelt. Auslöser war meine Bemerkung, dass es heute Schulzeugnisse gibt. Und ich habe vor, meinem Sohn dafür heute abend ein kleines Taschengeld zu geben. Nennen Sie es Belohnung, Zeugnisgeld oder Prämie – die Meinungen dazu gehen dennoch stark auseinander.
Die einen sagen – natürlich völlig zu Recht – die Höhe des Betrags hängt vom Alter des Kindes ab. Andere sagen: Das hängt von den Noten ab und schlagen eine Art Prämiensystem vor: für ein “sehr gut” drei Euro, für jedes “gut” zwei Euro, für ein “befriedigend” ein Euro. Darüber hinaus nichts – oder Schimpfe (oder so). Wieder andere sagen: “Ich habe selber auch nie etwas bekommen und trotzdem gute Noten geschrieben”. Das Ganze entwickelt sich zusehens zu einer fast philosophischen – und damit vielleicht auch jobrelevanten – Frage, nämlich: Ist Geld als Motivation förderlich oder eher nicht?
Um die Diskussion nicht ausschließlich bei Twitter zu führen (das verrauscht ja auch Vieles), setze ich sie hier fort und lade Sie herzlich ein, mitzudiskutieren. Wer weiß, vielleicht beeinflussen Sie damit sogar die Prämie meines Sohnes heute abend (Der liest das Blog vom Papa übrigens ab und zu mit, seien Sie also bitte nett!).
Hier ein paar Stimmen aus dem Twitter-Orbit:
Eine Umfrage gibt es auch dazu:







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Silke
Ich finde, dass Kinder ruhig für ihre Leistungen belohnt werden können bzw. sogar sollten. Wie – das kann ganz unterschiedlich aussehen. Grundsätzlich würde ich es nicht von Noten abhängig machen. Das kann äußerst unfair enden, weil dem einen das Wissen geradezu zufliegt, während andere richtig hart dafür büffeln müssen.
Im Endeffekt glaube ich, dass die Wirkung von Zeugnisgeld verpufft. Wir reden hier von einer einmaligen/zweimaligen Zahlung im Jahr. Viel mehr motiviert Anerkennung und Lob für die vielen kleinen Leistungen im Jahr.
Wenn aber ein Zeugnis belohnt werden soll, finde ich gemeinsame Aktivitäten besser – z.B. ein Ausflug ins “Abenteuerland”, denn der stärkt das Verhältnis in der Familie und bleibt lebhaft in Erinnerung.
Anett
Geld für Leistung? Wann soll das beginnen – im Babyalter, wenn der erste Turm gebaut wurde; in der Kita beim Basteln der schönsten Laterne; in der ersten Klasse beim ersten Sternchen im Schulheft? Und welche Leistungen soll bezahlt werden – Zeugnisnoten, Abfall rausbringen, Schuhe putzen, Sieg beim Sportverein?
Und gilt dieses Prinzip auch umgekehrt? Papa bekommt nen Euro vom Sprössling fürs Essen kochen und Mama fürs nächtliche Abholen in der Disco?
Für mich hat dieses Geld-für-Leistung-Prinzip in der Familie nichts zu suchen. Dieses Prinzip lernen die Kinder wesentlich besser bei ihrem ersten Ferienjob u.ä. kennen. Und wenn dieses Prinzip einseitig praktiziert wird, bewegt sich der Sprössling am Ende nur noch, wenn es auch “Lohn” gibt.
Aufmerksamkeit für das Zeugnis ist ganz klar wichtig, egal bei welchen Noten. Wenn eine Belohnung unbedingt sein muss, kann das z.B. der Besuch auf dem Reiterhof / der Go-Kart-Bahn sein oder der Kinobesuch mit Wunschfilm. Andererseits: warum wird zwei Mal im Jahr so ein Aufriss gemacht? Ist die Zwei für das Referat in dem Fach, in welchem mein Kind sonst auf einer Vier steht, weniger wert, nur weil das Referat nicht im Zeugnismonat gehalten wurde?
Momentan scheint die grösste Belohnung für meine Kinder noch immer mein Strahlen und meine Freude zu sein. Aber da mein Grösster (erst) 12 Jahre ist, kann sich das in ein zwei Jahren vielleicht schon ändern – wer weiss. ;-)
Marcel Ackermann
Zeugnisgeld gabs bei mir immer von den Großeltern, von den Eltern selbst nicht – und das Konzept finde ich auch sehr gut. Die Eltern sollten besser mit Lob belohnen und was schönes mit ihren Kindern machen. Und über ein kleines Taschengeld von den Großeltern freut man sich dann ja auch ;)
Anderes Konzept was für mich, wenn ich mal Kinder habe, auch gut vorstellbar wäre: Die Kinder mit mir verhandeln lassen. Also begründen warum sie welche Belohung bei welchen Note haben, so lernen sie gleich verhandeln/argumentieren :)
Jochen Mai
Einige der hier geäußerten Haltungen sind aber sehr schwarz-weiß. Das klingt so als ob es nur Geld ODER Liebe, Lob, Lächeln, etc. gäbe. Dabei gibt es doch beides! Das Eine tun, das andere nicht lassen. Zeugnisgeld ist doch nur ein zusätzlicher Bonus. Eine Belohnung für erbrachte Leistung, ein zusätzlicher (!) Ausdruck von Stolz auf den Erfolg.
Im Übrigen macht es psychologisch keinen Unterschied, ob man mit Geld oder mit Kino, Ausflügen oder sonstwas belohnt. Es bleibt ja bei dem Prinzip: hier Leistung, da Prämie. Und dass man nicht einfach nur stumm einen Schein übergibt, sondern mit dem Kind darüber redet, ist doch auch klar.
Anett
Hallo Jochen,
ich weiss nicht, in welchem der drei Kommentare du Geld ODER Liebe liest – ich les das da nicht.
In der Art der Belohnung gibt es schon Unterschiede. Einen gemeinsamen Ausflug machen nach Wunsch des Kindes heisst Zeit miteinander verbringen, Spass haben. Einen Schein rüberschieben dauert keine Minute und ist jederzeit wiederholbar. Ein Familientag ist in den meisten Familien nicht so oft realisierbar. Insofern sehe ich andere Belohnungen als den Geldschein als höherwertiger an.
Was mich jedoch wirklich irritiert ist, dass “Stolz auf den Erfolg” in Euro ausdrückbar ist.
Und vielleicht ist es auch noch interessant zu wissen, wie Kinder selber damit umgehen / was ihnen lieber ist. Das ist mit Sicherheit, je nach Alter und Veranlagung, auch sehr unterschiedlich.
Liebes Grüßle,
Anett
Jochen Mai
Hallo Anett,
naja, der Satz “Für mich hat dieses Geld-für-Leistung-Prinzip in der Familie nichts zu suchen” klingt schon ein bisschen nach Entweder-Oder-Haltung, eben sehr absolut. Das klingt so als könne man sich nur zwischen Geld oder anderen Belohnungen entscheiden. Und das ist nicht wahr. Es sind Ferien, da gehe ich mit meinen Kindern natürlich auch ins Kino, wir fahren in den Urlaub, machen draußen eine Wasserschlacht (alle gegen Papa) und spielen Agenten oder mit Lego (hatte ich erwähnt: ich habe nur Jungs?). Das steht also gar nicht zur Debatte, und war auch nicht die Frage.
Die Frage war: Gibt man für ein Zeugnis ein Extrageld – und wenn ja, wie viel?
Im Übrigen: Wenn du mit deinen Kindern zur Belohnung einen Ausflug machst oder ins Kino gehst, drückst du deinen “Stolz auf Erfolg” auch in Euro aus – nur indirekter. Die Botschaft ist aber dieselbe: Gute Leistung wird belohnt. Wir können gerne darüber diskutieren, ob diese Botschaft eine gute ist oder nicht. Aber du solltest nicht so tun, als gäbe es da einen enormen Unterschied, zumal es ja – wie gesagt – gar nicht darum geht ob man nur Geld oder nur Lebenszeit verschenkt. Kinder differenzieren das sowieso nicht aus. Sie merken, wenn ich gute Noten schreibe, sind Mama und Papa stolz auf mich und dann machen wir schöne Dinge. So oder so spüren sie da einen Ursache-Wirkung-Zusammenhang.
Marius
Ich habe die 10 Klasse abgeschlossen. Und ich habe kein Geld bekommen. Na und? ich will auch keines. Wenn ich etwas shoppen gehen will,m gehe ich oft mit meinen Eltern, um zu shoppen und einen schönen tag zu haben. Und nein, ich verbringe den tag nicht nur mit meinen eltern, weil ich neue Klamotten – oder was weiß ich – brauche. Ich finde das ist auch schön, einfach nur mal so Klamotten anzuprobieren, neue Technik auszuprobieren, usw. ohne dann etwas zu kaufen.
Ich habe vielleicht ganz andere Sichtweisen als andere in meinem Alter, aber ich sehe das es funktioniert. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern und meiner Schwester. Meine Erziehung war lieberal. Und ich selbst nutze das nicht aus. Und das merken auch meine Eltern, was wiederum die Erziehung lieberal lässt/liberaler machen lässt.
Anett
schmunzel …. nein, Jochen, das ist nicht absolut. Was mir dabei durch den Kopf ging, ist die Tatsache, dass in manchen Familien die Kinder tatsächlich Geld für Hilfe im Haushalt bekommen und natürlich Zeugnisgeld (mit festen Beträgen für entsprechende Noten). Dieses Geld-Leistungs-Prinzip (und die Betonung liegt auf Geld) gibt es bei mir nicht, auch nicht für Zeugnisse. Belohnung an sich gibt es natürlich, denn selbst ein Knuddel, ein Bussi, ein Lob etc. für eine Leistung des Kindes sind Belohnungen :-)
Mir scheint, dass du meine Meinung so auffasst, als würde ich dir Herzlosigkeit im Umgang mit deinen Kindern unterstellen. Dem ist nicht so. Natürlich sind auch Eltern, die Zeugnisgeld geben, liebevoll und verbringen Zeit mit ihren Kindern. Und ich verurteile keinen Elternteil für die Gabe von Zeugnisgeld. Du hattest nach Meinungen gefragt – ich habe die meinige geschrieben, ohne dabei ein Urteil über andere zu fällen.
Tut mit leid, falls du dich angegriffen gefühlt haben solltest (was für ein deutsch), das war nicht meine Absicht. Und wie ich oben schon angedeutet habe, werde ich mich bald damit auseinandersetzen müssen, ob ich nicht doch davon abrücke, das Geld-Leistungs-Prinzip aussen vor zu lassen. Spätestens dann, wenn mein Grosser ankommt:”Och nee, Mama, muss ich wirklich mit dir ins Kino gehen – das ist peinlich.” (“Gib mir lieber Geld und ich gehe mit meinen Kumpels ins Kino.”)
Liebes Grüßle,
Anett
Jochen Mai
Liebe Anett,
ich habe mich nicht angegriffen gefühlt. Ich weiß ja, was ich für meine Kinder tue und wie sie zu mir stehen. Ich sah mich eher in der Rolle des Anwalts für alle, die ihren Kindern Zeugnisgeld geben und deinen Kommentar (in der Tat) als Verurteilung hätten auffassen können. Das wollte ich zumindest nicht unwidersprochen stehenlassen. Aber das ist ja im Laufe dieser kleinen Diskussion auch klar geworden, deshalb bin ich dir auch für die ausführlichen Zeilen sehr dankbar.
Michael (Eifelpfeil) Kieweg
Für meine Schwester und mich gab es Zeugnisgeld (long ago and far away) nur von den Großeltern und da war es eher so eine Art Alibi für sie, uns etwas zuzustecken. Denn mit dem Zeugnis als Begründung, konnten die Eltern nicht mehr so ohne weiteres sagen: “Verwöhnt die Kinder nicht so.”
Allerdings hatte das zeugnisgeld durchaus auch negative Aspekte. Es gab eine klare Liste, wieviel Geld es für welche Note gab und wieviel Geld für welche Note wieder abgezogen wurde. Ab 4 ging es in’s Minus…..
Unser Sohn hat nie explizit Zeugnisgeld bekommen, aber bei einem guten Zeugnis sind die Alten hat zugänglicher, was Wünsche des “Kleinen” angeht. Das gilt aber auch, wenn er in anderen Dingen mehr als normale Hilfsbereitschaft oder “außergewöhnliches” Entgegenkommen zeigt oder eben nicht zeigt.
Ich bitte ihn mir in der Werkstatt beim Aufräumen zu helfen, er sagt: “Nö, kein Bock.” Das ist erstmal oK, aber er läuft halt Gefahr, daß bei seiner nächsten Bitte (Kannst du mich nachXY fahren?) die Antwort genauso lautet.
In der Familie sollten die “Konten” im Großen und Ganzen ausgeglichen sein…..
Olaf
Auch ich hab in der Kindheit letztendlich “Zeugnisgeld” in Form von Geschenken der engeren Verwandten bekommen – hab das aber nia als Zeugnisgeld aufgefasst.
Bei den eigenen Kindern hat ein Versuch, eine schlechtes Fach durch ein versprochense Zeugnisgeld irgendwie zu retten gar nix gebracht.
Wahrscheinlich ist es von Kind zu Kind unterschiedlich ob dadurch irgendeine Motivation ausgelöst werden kann , aber generell halte ich es auch für bedenklich ein Geld-für-Leistung Prinzip überhaupt einzuführen. Besondere Leistungen stimmen die Eltern (und Verwandten) sowieso meist spendierfreudiger und werden in irgendeiner Form auch belohnt (das können auch mal ein paar Euro für Extra-rasenmähen etc. sein) aber ein Finanzsystem für Noten aufzubauen ist sicher mehr als übertrieben.
Roland Kopp-Wichmann
Das Problem mit dem Zeugnisgeld ist wie mit den Incentives im Vertrieb. Das Anfangen ist leicht, aber man kommt schwer wieder raus, d.h. konkret, man muss die Dosis erhöhen. Und wehe, das gilt mehr bei Incentives, nach Bracelona und Dubai geht’s aus Sparsamkeit nur noch in den Harz.
Wenn man mit Belohnungen anfängt, muss man eben meistens die Dosis erhöhen, sonst wirken sie bald nicht mehr. Das ist beim Zeugnisgeld natürlich leichter finanzierbar, wenn man niedrig genug anfängt.
Das mit der notwendigen Dosiserhöhung ist übrigens auch ein funktionales Argument, das gegen Ohrfeigen bei der Erziehung spricht.
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