Erfolgsclub: Was Sie von Bayern München lernen können

Deutschlands Vorzeigeverein: Der FC Bayern München feiert heute seinen 115. Geburtstag. Das ist auch für uns ein Grund, mal genauer hinzuschauen. Was macht dieses Gebilde aus dem Fußball-Kosmos so einzigartig? Können wir womöglich etwas von ihm lernen? Ja, können wir. Doch, wirklich. Jetzt hören Sie doch erst mal zu. Hier sind die Argumente: Diese Lektionen erteilt uns der FC Bayern München.

Erfolgsclub: Was Sie von Bayern München lernen können

Erfolgsclub: Nachahmer gesucht

Okay, das wird jetzt nicht jeder gerne hören. Aber es ist wahr: Bayern München ist ein Vorbild. In vielerlei Beziehung sogar, auch für Sie. Ob Sie sich für Fußball interessieren oder nicht. So, jetzt ist es raus.

Sicher, wahr ist auch, dass der Klub dann und wann arrogant wirkt. Großkotzig. Unsympathisch. Machtbewusst. Nicht zuletzt hat Übervater und Hobby-Zocker Uli Hoeneß ein großes Stück Glaubwürdigkeit verspielt. Aber das Vorurteil, das Bayern München die Ausgeburt des Teufels, ein Verein mit großem Scheckbuch, aber ohne Herz und Seele ist, gilt es an dieser Stelle ein für allemal zu widerlegen.

Dieser Klub hat uns im Laufe seiner Historie Lektionen erteilt. Ganz besondere Charakteristika an den Tag gelegt, die uns im Berufs- und Privatleben auch gut zu Gesicht stehen (oder stehen würden).

Ja, das dürfen Sie gerne als eine Art Huldigung betrachten. Und uns auch gerne wissen lassen, wenn Sie das alles völlig anders sehen (und das werden sicherlich einige). Also ruhig her mit den Gegenargumenten! Aber zuvor kommen hier …

5 Eigenschaften, die Bayern München zum Vorbild machen

  1. Familiarität

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    Der Profi-Fußball gilt gemeinhin als Haifischbecken. Das ist in München sicher nicht anders. Aber ein bisschen vielleicht doch. Jedenfalls ist der Klub bekannt dafür, sich um altgediente Spieler zu kümmern, auch nach dem Karriere-Ende, ohne das gleichzeitig mit großartigem PR-Tamtam auszuschlachten. Das gilt auch und vor allem für abgestürzte Ex-Kicker mit privaten Problemen, ausgebrannt, arbeitslos oder alkoholkrank. Der Verein beweist: Man muss nicht zu Unmenschen mutieren, um erfolgreich zu sein. Frage: Können Sie sich vorstellen, dass sich Ihr Arbeitgeber um Sie schert, wenn Sie mal nicht mehr die Knochen hinhalten?

  2. Pioniergeist

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    Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Auch der FC Bayern hat viele Unzulänglichkeiten, Makel, Schwächen. Mangelnder Pioniergeist gehört aber nicht dazu. Manager Uli Hoeneß professionalisierte früh den Verein, baute moderne Strukturen auf, brachte neue (Merchandising-)Ideen aus Übersee mit, die den Klub in der Folge zum Marktführer und Innovationstreiber machten. Den Mut, Experimente zu wagen, legt der FC Bayern bis heute an den Tag. Und dieser Mut wird oft belohnt, manchmal aber auch nicht (man denke nur an die Verpflichtung von Trainer Jürgen Klinsmann 2008). Wenn der Verein aber nicht früh Weitblick bewiesen und die Weichen richtig gestellt hätte, dann würde der Deutsche Meister heute vielleicht Schalke 04 heißen.

  3. Finanzdisziplin

    Zadorozhnyi Viktor















    Kleine Erinnerungshilfe: Der Erfolg ist dem Klub nicht in den Schoß gefallen. Kein Mäzen, kein Scheich, kein Oligarch sitzt in der Loge. Anfang der 80er stand der Verein sogar kurz vor dem finanziellen Ruin. Seitdem wurde aus dem Münchner ein Weltklub aufgebaut – durch harte Arbeit, clevere Transfers und wirtschaftliches Geschick. Erst die Einnahmeseite erhöhen, dann die Ausgaben steigern. Rücklagen bilden. Nicht auf Pump leben. Mit Augenmaß investieren. Wenn Sie ein Gründer sind, der ins Risiko gehen und investieren muss, könnte dieser Rat natürlich schwer zu befolgen sein. Aber zumindest im Privaten ist diese Herangehensweise nicht ganz verkehrt.

  4. Toleranz

    Peter Scholz















    Im September 2014 lief der Streifen „Landauer – Der Präsident“ in Münchner Kinos an. Bayern-Fans hatten die Initiative ergriffen, um dem ersten jüdischen Vereinspräsidenten ein filmisches Denkmal zu setzen. Landauer war bis zur NS-Machtergreifung Bayern-Präsident, wurde verfolgt, nach der Reichspogromnacht ins KZ Dachau gesperrt, floh danach in die Schweiz, verlor vier Geschwister im NS-Terror – und wurde von den Bayern-Spielern bei einem Freundschaftsspiel in Zürich 1943 trotz der Anwesenheit von Gestapo-Leuten herzlichst auf der Tribüne begrüßt. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er erneut als Bayern-Präsident installiert. Diese Episode der Vereinsgeschichte ist, trotz der jüngsten Bemühungen, nur wenigen bekannt. Und sie zeigt: Dieser Verein ist auf dem Weg nach oben nicht über Leichen gegangen. Und das sollten Sie übrigens auch nicht, nicht mal im übertragenen Sinne.

  5. Charakter

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    Ein Satz, den jeder kennt: „Verstell dich nicht, sei einfach du selbst!“ Halten will sich freilich niemand daran. Wir spielen im Vorstellungsgespräch etwas vor, geben uns im Büro als jemand aus, der wir nicht sind, täuschen Chef und Kollegen, um aufzusteigen. Auch der FC Bayern könnte versuchen, es allen recht zu machen. „Echte Liebe“ auf die Homepage schreiben. Macht er aber nicht. Das Beste aus sich herausholen, fürs Team alles geben, aber trotzdem zu sich und zum eigenen, fehlerbehafteten Charakter stehen. Bleibt nur noch dies: Herzlichen Glückwunsch zum 115. Geburtstag!

27. Februar 2015 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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