Hater: Lieben Sie Ihre Kritiker!

Was haben Unternehmen, die ihre Produkt und Leistung online präsentieren, Freelancer und Bewerber, die sich mit ihren Stärken und Schwächen positionieren und Blogger, die regelmäßig Artikel veröffentlichen, gemeinsam? Richtig, sie alle haben Hater. Menschen, die alles kritisieren, eine Mir-doch-egal-ich-bin-dagegen-Haltung einnehmen und sich zu (fast) jedem Beitrag negativ äußern. Sie können nerven, das Community Management vor Herausforderungen stellen und die Kommentaratmosphäre vergiften. Doch egal, was Sie tun: Lieben Sie Ihre Hater und Kritiker! Sie sind unschätzbar wertvoll…

Hater: Lieben Sie Ihre Kritiker!

Hater und Kritiker: Indikator für erfolgreiche Kommunikation

Quelle: shutterstock/Robert KneschkeLassen sich Hater und Kritiker vermeiden? Die naheliegende Antwort lautet nein, doch ganz so einfach ist es nicht. Sie können – egal ob als Unternehmen, Freelancer oder Bewerber – die Angriffsfläche durchaus minimieren, Konflikte weitgehend vermeiden und sich so Kritiker und Hater vom Hals halten. Dieser Ansatz hat nur einen Nachteil: Sie werden dadurch austauschbar, können kein klares Profil aufbauen und werden ganz sicher keine Reichweite erzielen.

Klare Profile zeichnen sich durch Ecken und Kanten, durch persönliche Facetten, Stärken und Schwächen aus. Unternehmen zeigen, dass sie auf ihre Produkte, ihre Mitarbeiter und ihre Erfolg stolz sind. Bewerber und Freiberufler machen deutlich, wo ihre Stärken liegen, was sie besonders gut können und bereits geleistet haben – und wo ihre Schwerpunkte und Präferenzen zu finden sind. Sie zeigen auch, dass sie ihre Grenzen kennen.

All das macht angreifbar, bietet Konfliktpotenzial und wird manche Netzwerkpartner, potenzielle Kunden und Arbeitgeber abschrecken, andere dafür jedoch anziehen und auf Sie aufmerksam machen. Durch ein klares Profil kann das gelingen – und Hater anziehen. Dieser Zusammenhang zeigt schon, dass Hater einige Chancen bieten, denn sie können…

  • … ein Indikator für erfolgreiche Kommunikation sein.
  • … andere Menschen auf Ihr Unternehmen und Ihre Person aufmerksam machen.
  • kleine Shitstorms anzetteln, von denen Sie schlussendlich profitieren.
  • … Ihnen als Reflexionsanlass dienen.
  • … Ihnen auch wichtiges Feedback liefern.

Nein, nicht alle Hater sind wichtig oder können produktiv genutzt werden, manche wollen einfach nur trollen und werfen sinnlose Kommentare in die Runde. Doch selbst diese bieten eine Chance: Einen respektvollen Umgang zu üben.

Nutzen Sie Hater für Ihre Sichtbarkeit

rido/123rfCommunity Manager und Mitarbeiter von Social Media Teams mögen jetzt ein wenig genervt sein, doch Hater und Kritiker bieten fast jeden Tag die Chance, den Umgang mit kritischen Kommentaren zu trainieren und eine respektvolle Ansprache zu üben. Respektvoll darf jedoch nicht mit duldsam verwechselt werden. Zu einem guten Community Management gehört auch, respektvoll aber klar und professionell Grenzen zu setzen und unpassende Kommentatoren höflich aber bestimmt zur Ordnung zu rufen. Völlig unpassende Kommentare, die gegen die – hoffentlich vorhandenen – Netiquette oder Kommentarregeln verstoßen, können auch gelöscht werden.

Hater müssen jedoch nicht unbedingt Gegner bleiben. Gelingt es Unternehmen, Hater in Fans zu verwandeln, schaffen sie sich dadurch leidenschaftliche Fürsprecher, die für das Unternehmen aus eigenem Antrieb werben. Gary Vaynerchuck, der mit seinem Artikel auf medium.com auch Inspiration für diesen Artikel war, schreibt dazu:

It’s on me to create context for you. I don’t expect you to go down the rabbit hole of my content and figure me out. It’s on me to try to get to you. Not the other way around.

Hater können also auch als Herausforderung gesehen und genutzt werden. Sie stellen die bestehende Kommunikation und Strategie oft in Frage. Das kann anstrengend sein, bietet jedoch immer auch die Chance zur Reflexion, Verbesserung und Weiterentwicklung.

Darüber hinaus können Hater kleine Shitstorms auslösen – und so hervorragende Werbung für Sie und Ihr Unternehmen oder Ihr Blog machen. Denn Shitstorms werden völlig zu Unrecht gefürchtet. Die meisten sind das berühmte Stürmchen im Wasserglas und bringen sehr viel mehr neue Reichweite und (positive) Sichtbarkeit als Probleme.

Das gilt zumindest dann, wenn die Vorwürfe unbegründet sind oder vom Unternehmen umgehend abgestellt und die Veränderungen klar kommuniziert werden. So können Hater Unternehmen und Bloggern auch den Spiegel vorhalten und auf Versäumnisse hinweisen, die bisher übersehen wurden. Schmerzhaft, jedoch wertvoll und wichtig.

Hater und Kritiker können für Unternehmen, Blogger und Bewerber unschätzbar wichtige Reflexions- und Sparringspartner sein, neue Impulse setzen und Übung bieten. Gary Vaynerchuck schließt seinen Artikel mit einer Aussage, die sich alle Community Manager, Bewerber, Blogger und Unternehmen immer wieder zu Herzen nehmen sollten. Denn gute Kommunikation ist immer perspektivisch und strategisch ausgelegt und entfaltet ihre volle Wirkung erst im Lauf der Zeit:

So, I respect you. And I hope, after this, you respect me a bit too. If not, that’s cool. I’ll see you in 2023 and we can revisit this conversation then.

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[Bildnachweis: PathDoc, Robert Kneschke by Shutterstock.com, rido by 123rf.com]
29. April 2015 Autor: Christian Mueller

Christian Müller ist Coach und freier Autor. Bei der Karrierebibel schreibt er vor allem über Themen zu Social Media, Studium und Ausbildung.

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