Stefan Reinartz: Vom Fußballprofi zum Gründer

Stefan Reinartz hat 163 Spiele in der Fußball-Bundesliga auf dem Buckel. 2009 feierte der Rheinländer sein Debüt für Bayer Leverkusen, wechselte 2015 zur Eintracht nach Frankfurt. Mit nur 27 Jahren gab der Mittelfeldmann im Mai 2016 – nach einer Vielzahl verletzungsbedingter Rückschläge – sein vorzeitiges Karriere-Ende bekannt. Einen Popularitätsschub erfuhr der Name Reinartz während der Fußball-EM in Frankreich. Mehmet Scholl betete die von Reinartz mitentwickelte Packing-Datenanalyse im Live-TV rauf und runter, macht so auch dessen Kölner Startup Impect bekannt. Impect will Vereine und Scouts mit Daten beliefern. Wie fühlt sich das Leben nach dem Fußball an? Karrierebibel hat Stefan Reinartz nach seinen ersten Eindrücken gefragt.

Stefan Reinartz: Vom Fußballprofi zum Gründer

„Veränderung ist etwas Gutes“

Herr Reinartz, während der EM war das so genannte Packing in aller Munde. Wer hatte eigentlich die Idee dazu?

Die Idee „Gegner überspielen“ und die daraus entwickelte Gesamtmethodik Packing ist von Jens Hegeler und mir im Januar 2014 entwickelt. Zu dem Zeitpunkt war es für uns eher eine wissenschaftliche Herausforderung, die ersten Kennzahlen im Fußball zu entwickeln, die eine Aussagekraft aufs Endergebnis haben. Aus dieser Idee heraus hat es sich im Laufe der Zeit einfach ergeben, ein Startup zu gründen.

Wie gefällt Ihnen denn Ihr neuer Arbeitsalltag als Startup-Gründer?

Da ich jetzt erst seit Kurzem in meiner Rolle bin, kann ich noch nicht von einem Alltag sprechen. Auch wenn es vielleicht komisch erscheint: Mir macht es im Moment deutlich mehr Spaß, Dinge zu entwickeln als auf einem Fußballplatz herumzurennen.

Startups scheinen ja ohnehin bei Fußballern in Mode zu sein. Philipp Lahm investiert fleißig in Startups, Marcell Jansen kokettiert ebenfalls seit geraumer Zeit damit. Ist das tatsächlich ein Trend unter Fußballprofis?

Vorweg: Unser Interesse liegt darin, unsere eigene Idee zu verwirklichen und nicht darin, Geld in fremde Startups zu investieren. Dass Lahm oder Jansen einen Trend unter deutschen Fußballern setzen, wie es beispielsweise schon unter den US-Sportlern üblich ist, halte ich schon für möglich.

Aber irgendetwas vermissen Sie am Profidasein doch bestimmt auch, oder?

Am meisten Spaß hat es gemacht, bei gutem Wetter und gutem Rasen gepflegten Fußball zu spielen – am besten im Stadion. Und nach gewonnenen Spielen mit den Mitspielern etwas zum Feiern zu haben. Das obligatorische Auslaufen oder Training sonntagmorgens hätte nicht immer sein gemusst. Auch fehlte es mir etwas, eigene Ideen ausprobieren zu dürfen, da heutzutage Spieler eher zu funktionieren haben.

Werden denn Fußball-Profis überhaupt auf das Leben danach vorbereitet?

Fußballer werden kaum vorbereitet. Ich denke, dass sowohl Vereine als auch Berater oder das direkte Umfeld des Spielers noch besser auf ihn einwirken könnten.

Welchen Tipp würden Sie einem talentierten Jugendlichen geben, der von einer Fußballerkarriere träumt?

Dass er sich sich das beibehält, was ihn am Anfang auf den Bolzplatz gezogen hat: den Spaß am Spiel.

Und welchen Rat einem Fußballer, der kurz vor seinem Karriere-Ende steht und noch keinen Plan B hat?

Natürlich mehr Karrierebibel lesen. (lacht)

Das können wir unterstreichen. Wie ist es denn bei Ihnen eigentlich um das Thema Studium bestellt?

Ich habe vor ein paar Jahren ein Psychologie-Studium an der Fernuniversität Hagen begonnen, aber bislang leider noch nicht beendet. Ich wünsche mir schon, dass ich das im Laufe der Zeit nachholen kann.

Zum Schluss noch die klassische Bewerberfrage: Wo sehen Sie sich in 20 Jahren?

Hoffentlich inmitten eines spannenden Entwicklungsprozesses. Ich glaube nicht daran, dass man heutzutage noch einen Job über zig Jahre machen kann und sollte. Veränderung ist etwas Gutes.

Herr Reinartz, danke für das Gespräch.

[Bildnachweis: Impect, © Eduard Bopp Sportfotografie]
14. Juli 2016 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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