Was sind die Gründe für Nervosität im Vorstellungsgespräch?
Nervosität im Vorstellungsgespräch ist zunächst ein gutes Zeichen: Das Interview ist Ihnen nicht egal, der Job umso wichtiger. Der Körper reagiert also ganz normal mit Stress, Anspannung und Aufregung.
Hinzu kommen jedoch meist weitere Ursachen und Gründe, die Unruhe und Lampenfieber noch zusätzlich steigern können. Dazu gehören bei vielen Bewerberinnen und Bewerbern:
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Große Erwartungen
Wer schon mehrere Bewerbungsabsagen kassiert hat, hofft umso mehr, dass es doch bitte dieses Mal klappt. Die Erwartungen sind hoch, vor allem an sich selbst. „Jetzt bloß keinen Fehler machen!“, denken viele und steigern den Stress damit zusätzlich.
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Finanzielle Not
Je länger die Arbeitslosigkeit und Jobsuche dauert, desto leerer wird das Konto. Wer unbedingt einen Job und ein Einkommen braucht, erzeugt ebenfalls Druck. Oft bricht diese Nervosität im Vorstellungsgespräch dann aus.
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Mangelnde Vorbereitung
Eine gründliche Vorstellungsgespräch Vorbereitung ist das A und O. Sie macht gut 60 Prozent des späteren Erfolgs aus. Wer auf typische Fragen keine Antworten weiß oder unvorbereitet eine Selbstpräsentation halten soll, ist entsprechend nervös.
Die ersten Tipps gegen Ihre Aufregung ergeben sich bereits aus diesen Ursachen: Nehmen Sie den Druck raus, erwarten Sie nicht zu viel und bereiten Sie sich umso gründlicher vor! Auf der Karrierebibel finden sie mehr als 100 kostenlose Ratgeber, Checklisten und Trainings zum Bewerbungsgespräch. Nutzen Sie diese als mentale Unterstützer im Vorfeld!
Symptome: Wie zeigen sich Nervosität und Aufregung?
Medizinisch ist Nervosität ein Zustand der innerer Unruhe: Der Körper schüttet massenhaft Adrenalin aus, was den Herzschlag beschleunigt. Im Idealfall mobilisiert das Energiereserven, im schlechtesten Fall kommt es zum gefürchteten Blackout.
Erste Anzeichen und typische Symptome für steigende Aufregung sind Herzrasen, Erröten, Zittern und Schweißausbrüche. Hinzu kommen teils auch Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme. Wichtig ist dann, sich nicht auf diese Symptome zu konzentrieren, weil das den Effekt eher noch verstärken kann – bis hin zur Selbstblockade.
Unbeliebte nervöse Gesten im Vorstellungsgespräch
Unsere Körpersprache verrät, was wir fühlen. Gerade im Vorstellungsgespräch kann dies ein Nachteil sein, wenn es zu nervösen und nonverbalen Signalen kommt, die dann von Ihren fachlichen Qualifikationen ablenken.
Bei unseren Umfragen unter Personalern, konnten wir ein paar Gesten und Verhaltensweisen, die Personaler im Vorstellungsgespräch ungerne sehen und zugeben, Bewerber deshalb auch schon mal negativer zu beurteilen:
- Fehlender Blickkontakt
- Kein Lächeln
- Zappeln, fummeln, nesteln
- Schlaffe Körperhaltung
- Schlaffer Händedruck
- Arme verschränken
- Mit den Haaren spielen
Was kann ich gegen Nervosität im Vorstellungsgespräch tun?
Auch wenn Sie alle unsere Tipps berücksichtigen: Die Nervosität wird nie ganz verschwinden. Aufregung und Adrenalin ganz normal und auch keine Schwäche, sondern eine natürliche, körperliche Folge des Stressreaktionssystems, die sogar Ihre Sinne schärfen und Leistungsfähigkeit steigern kann. Damit daraus aber keine Blockade wird, können Sie Ihre Nervosität mit diesen Tipps und Tricks senken:
1. Vorbereitung
Je gründlicher Sie sich auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten, desto mehr sinkt die Nervosität. Beschäftigen Sie sich vorab mit typischen Fragen im Vorstellungsgespräch, dem üblichen Ablauf in 5 Phasen, überlegen Sie sich clevere Rückfragen und üben Sie Ihre Selbstvorstellung. All das gibt Ihnen die nötige Sicherheit, sodass Sie so schnell nichts aus der Ruhe bringt – nicht einmal Stressfragen.
2. Pünktlichkeit
Nichts verursacht mehr Stress, als in letzter Minute oder gehetzt anzukommen. Schlimmer: zu spät kommen! Planen Sie daher ausreichend Zeit für die Anreise zum Vorstellungsgespräch ein. So haben Panikattacken und Peinlichkeiten gar keine Chance. Kalkulieren Sie dazu mögliche Verspätungen von Bus oder Bahn ein und planen Sie Alternativ-Routen.
3. Kleidung
Schon die Auswahl der richtigen Kleidung im Vorstellungsgespräch kann Ihre Nervosität senken. Tragen Sie ein Outfit, das zur Position passt und in dem Sie sich wohlfühlen. Die Kleidung sollte bequem sein, aber immer noch professionell bleiben. Informieren Sie sich vorab über den Dresscode der Branche, dann fühlen Sie sich allein dadurch selbstsicherer.
4. Selbstbewusstsein
Machen Sie sich bewusst: Die Einladung zum Vorstellungsgespräch ist ein Kompliment. Ihre Bewerbung hat bereits überzeugt und damit Ihre fachlichen Qualifikationen. In den meisten Fällen geht es jetzt nur noch darum, ob es auch menschlich passt. Das gilt aber für beide Seiten – auch für Sie. Stärken Sie also Ihr Selbstbewusstsein, indem Sie in das Interview nicht als Bittsteller gehen, sondern als Leistungsanbieter, der prüft, ob auch das Gegenangebot stimmt.
5. Stressauslöser
Bekämpfen Sie im Vorfeld und in der Vorbereitung gezielt mögliche Stressauslöser und Schwachstellen: Haben Sie ein Studium abgebrochen? Wurde Ihnen gekündigt? Was ist Ihre Wechselmotivation? Was sind Ihre größten Schwächen? Rechnen Sie mit Fragen dazu und bereiten Sie entsprechende Antworten vor. Das beruhigt unmittelbar.
6. Bewegung
Bewegung wirkt sofort entspannend und senkt den Stress. Natürlich können Sie nicht mitten im Vorstellungsgespräch aufstehen und herumlaufen – aber vorher: Reisen Sie zum Beispiel 30 Minuten früher an und machen Sie einen kurzen Spaziergang um den Block oder nehmen Sie im Gebäude die Treppe statt des Aufzugs. Ein Geheimtipp gegen einen Blackout im Vorstellungsgespräch ist übrigens: Wackeln Sie mit den Zehen! Das sieht im Schuh niemand, baut aber ebenfalls sofort Stress ab.
7. Aufmerksamkeit
Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit. Wenn Sie merken, dass Sie gedanklich verkrampfen, fokussieren Sie bitte nicht auf Ihre Nervosität, sondern fokussieren stattdessen gezielt weg von sich selbst – etwa hin zu Ihrer Umgebung: Konzentrieren Sie sich zum Beispiel auf das Gesicht und die Augenfarbe Ihres Gegenübers, kleine Fältchen oder das Muster der Kleidung. Es hilft sogar, kurz an einen „rosa Elefanten“ zu denken! Wichtig ist allein, dass Sie sich von der aufsteigenden Angst ablenken.
8. Ehrlichkeit
Ein netter Personaler weiß, dass Sie aufgeregt sind. Ihre Nervosität beweist ihm nur Ihr Interesse und Ihre Ernsthaftigkeit. Versuchen daher nicht, Ihre Aufregung zu verstecken oder zu überspielen. Sollten Sie ins Stocken geraten oder haben Sie den Faden verloren, dann sprechen Sie das offen und ehrlich an, dass Sie nervös sind. Das wirkt menschlich und macht sympathisch (siehe: Pratfall-Effekt). Schon das Aussprechen entschärft die Situation. Die meisten Personaler haben dafür Verständnis – Sie sind ja nicht in einer Prüfung!
9. Durchatmen
Nervosität beeinträchtigt die Atmung. Betroffene neigen dann zur flachen Brustatmung und steigern so eher noch die Symptome. Bewusstes Atmen in den Bauch hilft, die Anspannung abzubauen. Nehmen Sie sich dafür kurz vor dem Bewerbungsgespräch ein paar Minuten Zeit und absolvieren Sie die Atemübung der sogenannten 4-6-8-Methode (auch: Stern-Methode: Legen Sie dazu Ihre Hand auf den Bauch und atmen Sie nur durch die Nase tief ein, dabei gedanklich bis 4 zählen; die Luft anhalten und bis 6 zählen; schließlich langsam durch den Mund ausatmen und bis 8 zählen. Das Ganze wiederholen Sie mindestens fünf Mal. Mit dieser Übung können Sie Nervosität im Vorstellungsgespräch ganz einfach wegatmen.
10. Ankermethode
Diese Technik hilft enorm dabei, in stressigen Situationen zu entspannen. Sie basiert auf der sogenannten Reizreaktionskopplung: Für die Methode pressen Sie Daumen und Zeigefinger aufeinander und denken dabei intensiv an ein positives Erlebnis. Die positive Assoziation wird nun mit dem Druck der Finger gekoppelt. Wenn Sie das zuvor zuhause ein paarmal üben, reicht im Bewerbungsgespräch allein dass (unauffällige) Zusammendrücken der Finger – und die Nervosität lässt nacht.
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Ihr Mindset macht den Unterschied
Nicht wenige Bewerberinnen und Bewerber denken an ihren Gesprächspartner im Vorstellungsgespräch als jemanden, der ihr Gegner ist und sie mit kritischen Fragen unter Druck setzen oder aus dem Konzept bringen will. Wer schon so ins Vorstellungsgespräch geht, findet dort tatsächlich keine Freunde und Verbündeten. Verändern Sie in dem Fall unbedingt Ihr Mindset und sehen Sie im Gespräch eine Chance zum Dialog auf Augenhöhe.
Auch Personaler sind bloß Menschen, die ihren Job machen. Indem Sie selbstbewusst, gut vorbereitet und authentisch ins Vorstellungsgespräch gehen, nehmen Sie der Situation den Schrecken. Mit einer positiven inneren Haltung und unseren bewährten Tipps können Sie Ihre Nervosität vor und im Vorstellungsgespräch senken und souverän überzeugen. Dabei wünschen wir Ihnen: viel Erfolg!
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