Zauberer werden: Dan Berlin über den Trick mit der Selbstständigkeit

Ein paar Kartentricks hier, eine Illusion dort, ein Münztrick oder eine unterhaltsame Täuschung – professionelle Zauberer nutzen viele Tricks, um ihr Publikum zu verblüffen, zu beeindrucken und zu unterhalten. Der Begriff „Zauberer“ (oder „Magier“) ist allerdings kein geschützter Begriff, jeder kann sich so nennen und sich als Zauberkünstler selbstständig machen. Viel schwerer ist es allerdings ein erfolgreicher Zauberer zu werden, der auch davon leben kann. Der Düsseldorfer Zauberkünstler und Alleinunterhalter, Dan Berlin, lebt seinen Traum inzwischen seit acht Jahren. Grund genug, ihn nach seinem Werdegang zu fragen…

Zauberer werden: Dan Berlin über den Trick mit der Selbstständigkeit

Der Trick Zauberer zu werden: Interview mit Dan Berlin

Hallo Dan, kann man vom Zaubern leben?

Oh ja, und zwar ziemlich gut. Es gibt wenige Magier die den Mut haben, hauptberuflich zu zaubern. Aber Menschen zum Lachen und Staunen zu bringen, macht extrem viel Spaß. Die verdutzen Gesichter zu erleben und die lockere Interaktion mit dem Publikum, ist einfach nur herrlich.

Wann hast du mit der Zauberei begonnen?

Im Jahre 2002 arbeitete ich noch in einem IT Job, der mit überhaupt nicht gefiel. Mein Arbeitskollege verblüffte mich damals aber schon oft in der Pause mit kleinen Tricks. Ich wollte unbedingt wissen, wie das geht und bestellte mir mein erstes Zauberbuch. Das veränderte mein ganzes Leben. Ich war damals extrem schüchtern und nicht sehr beliebt. Dank der Zauberei hatte ich plötzlich ein Werkzeug an der Hand, um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ich bekam auf einmal Aufmerksamkeit, Lob und Anerkennung. Ich, der kleine, schüchterne Dan… Meine ersten Tricks waren dann Kartentricks. Überall wo ich hinging sagte ich: Zieh mal eine Karte…

Ist es leicht, Menschen heute mit Zauberei zu begeistern?

Das Wichtigste bei der Zauberei ist nicht der Trick, sondern die Präsentation und deine Persönlichkeit. Ich versuche mich mit den Menschen in Sekunden zu verbinden und eine Art Freund zu werden. Da ich die meisten Auftritte durch Empfehlung bekomme, scheint das gut anzukommen. Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Zauberer auf der Bühne zu sehen, der trocken und steif seine Tricks abspult.

Was haben deine Eltern und Freunde damals zu deinem Jobwechsel gesagt?

Ich wollte einen Traumjob haben und etwas tun, wo ich komplett aufgehe. Meine Eltern und Freunde waren natürlich extrem skeptisch. Für sie war es eher Wunschdenken, dass das mit der Zauberei klappt. Doch ich hatte einen festen Willen und wollte es unbedingt schaffen. Aber wenn man sich ganz auf eine Sache fokussiert und fest an sich glaubt, dann ist alles möglich.

Wie sieht dein Alltag heute aus?

Ich bin ein extrem disziplinierter Mensch und stehe nicht – wie manch andere Kollegen – erst um 10 Uhr auf. Mein Wecker klingelt um 7 Uhr. Ich treibe morgens direkt Sport und habe eine Morgenroutine, wo ich meditiere, visioniere und meine Glaubenssätze durcharbeite.

Es ist extrem wichtig, immer an seiner Persönlichkeit zu arbeiten, große Ziele zu haben, diese sich immer wieder zu vergegenwärtigen, und an seine Visionen zu glauben.

Ich schreibe mir täglich meine Ziele auf und arbeite dann in den ersten vier Stunden die wichtigsten Aufgaben ab. Ich lagere viele Aufgaben aus, um mich auf das wesentliche zu konzentrieren. Nachmittags oder abends habe ich dann entweder Auftritte, gehe zum Sport oder verbringe Zeit mit meiner Freundin. Die Wochenenden sind immer ausgebucht mit Auftritten und sonntags ist dann oft Zeit zum entspannen.

Wie man in deinem Blog gut nachlesen kann, bist du inzwischen seit acht Jahren als Zauberkünstler selbstständig. Hattest du einen Lehrer oder Vorbilder?

Es gibt viele gute Magier in der Szene, die man als Laie gar nicht kennt. Ich liebe Comedy-Zauberei, weil dabei zwei Kunstformen vereint werden: das Lachen und das Staunen. Daher konzentriere ich mich auf Mentoren die nicht nur magisch, sondern auch sehr witzig sind.

Viele Tricks habe ich mir über Bücher beigebracht. Anfangs bin ich zwei Jahre nonstop mit meiner Show um die Welt gereist. Durch die Straßenzauberei lernte ich nicht nur, dass ich davon leben kann. Ich habe auf meinen Weltreisen mein Wissen auch mit anderen Magiern ausgetauscht.

Vom Wissensaustausch allein findet man aber noch nicht seine Kunden…

Das ist richtig. Als ich von meiner Weltreise wieder kam, bekam ich für sechs Monate den Gründerzuschuss vom Staat. Dieser hat mir den Beginn in die Selbstständigkeit enorm erleichtert.

Eine wichtige Marketingregel sagt, gehe daraus und zeige den Leuten dass es dich gibt. Das habe ich ebenfalls getan: Ich habe fast jeden Abend in Restaurants gezaubert und meine Visitenkarten verteilt. Sechs Monate später musste ich nie wieder Akquise betreiben.

Wie lange braucht es, um sich einen entsprechenden Ruf als Magier aufzubauen?

Gute Frage. Das Thema Markenbranding und Markenaufbau ist wirklich spannend. Je öfter du auftrittst, desto mehr Leute sprechen natürlich über dich. So entsteht ein Ruf über die Stadtgrenzen hinaus. Es gibt aber nur wenige Zauberer, die sich auf eine Sache spezialisiert haben. Ein positives Beispiel ist Simon Pierro mit seiner iPad-Zauberei.

Nutzt du Social Media für dein Marketing?

Social Media sind definitiv ein wichtiges Tool. Ich nutze YouTube, Facebook und Instagram hauptsächlich, um Auftrittsfotos und Videos von meinen Reisen zu präsentieren. Darüberhinaus vermarkte ich so auch meine Online-Zauberkurse. Das ist inzwischen ein weiteres Standbein von mir.

Ist die Konkurrenz unter professionellen Zauberkünstlern groß?

Es gibt weinige Zauberer, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Durch YouTube gibt es immer mehr Menschen, die auf die Zauberei aufmerksam werden und die es wenigstens hobbymäßig betreiben. Hier in Nordrhein-Westfalen gibt es schon viele gute professionelle Zauberkünstler. Ich habe mich mit ein paar von denen zusammengeschlossen, und wir empfehlen uns immer gegenseitig weiter, wenn der Eine mal nicht kann. Gemeinsam ist man stark.

Mal aus der Trickkiste gesprochen: Was würdest du anderen raten, die sich ebenfalls mit dem Zaubern selbstständig machen wollen?

Egal, mit was du dich selbstständig machst: Du brauchst viel Disziplin, Mut, und Durchhaltekraft. Man sollte auf jeden Fall einiges über das Thema Marketing lernen, gute Kunststücke beherrschen, lernen wie man Menschen schnell für sich gewinnt und dann so oft wie möglich raus gehen, Leute verblüffen und fleißig Visitenkarten verteilen.

Gibt es noch Tricks bei denen du denkst: Wow – wie geht das denn?

Klar. Ich liebe es genauso, verblüfft zu werden. Daher will ich gar nicht alle Geheimnisse der Zauberkunst kennen. Illusionisten wie David Copperfield, den ich vor zwei Jahren in Las Vegas live erlebt habe, faszinieren mich immer wieder aufs neue. Auch die TV Magier wie zum Beispiel Dynamo zeigen kreative und neue Tricks, die auch mich immer wieder zum staunen bringen.

Wie reagierst du auf die Frage: Wie funktioniert das?

Ich sage entweder: Keine Ahnung, ich versuche auch schon seit Jahren herauszufinden wie das geht oder ich sage: Ich esse jeden Tag Gemüse.

Was machst du, wenn mitten in der Show einer deinen Trick erklärt?

Es kommt ganz auf die Situation an. Da ich mein Publikum gerne in meine Show miteinbinde, gehe ich oft auf den Kommentar ein, und wir führen eine humorvolle Diskussion. Mir ist diese Situation aber noch nie passiert. Wenn dein Publikum dich mag, passiert so etwas eigentlich nicht.

Ist dir ein Trick schon mal richtig in die Hose gegangen?

Eigentlich passiert so etwas nicht. Wenn durch irgendeinen blöden Zufall doch mal etwas schief geht, gibt es immer einen Plan B. Als Zauberkünstler ist man immer im Vorteil, da das Publikum nicht weiß, was passiert. Somit ist man selber immer zwei Schritte voraus und kann die Situation in die dementsprechende Richtung lenken.

Was bedeutet für dich Erfolg?

Erfolg ist ein breit gefächerter Begriff den man in mehrere Ebenen unterteilen kann. Ich finde es wichtig, nicht nur beruflichen Erfolg zu haben sondern auch privaten. Das heißt ausgiebige Zeit für die Freundin, für Freunde und Familie sowie ein positiver Fokus auf das Business. Da ich früher in der Schule ein Außenseiter war und oft gehänselt wurde, habe ich in mir jetzt viel Power, es allen zu zeigen. Es macht mir Spaß, für meinen Erfolg zu arbeiten und ich bin stolz darauf, was ich schon erreicht habe.

Dan Berlin, wir danken für das Gespräch.

[Bildnachweis: Dan Berlin]
16. Dezember 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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