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6 von Jochen Mai am 29. August 2008 → Gastbeitrag in Büro
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Aufstand der Rabenmütter – Warum überfürsorgliche Mutterglucken nerven

Ein Gastbeitrag von Jutta Hoffritz

Jutta_HoffritzJutta Hoffritz ist studierte Volkswirtin, gelernte Journalistin und schreibt seit zehn Jahren für die ZEIT. Sie hat einen Mann mit zwei Töchtern geheiratet und einen Sohn geboren. RabenmutterNachdem die großen Mädchen gut erzogen in ihr Leben traten, machte sie erstmals Bekanntschaft mit den verschiedenen aktuellen zeit- und nervenraubenden Pädagogiktrends. Im August 2008 erschien beim Droemer Knaur Verlag ihr Buch „Aufstand der Rabenmütter – Warum Kinder auch ohne Baby Yoga und Early English glücklich werden“ zu dem auch der dieser Gastbeitrag gehört.

Warum Kinder auch ohne Baby-Yoga und Early-English glücklich werden

Als Japans Kronprinz Anfang der neunziger Jahre eine Karrierefrau heiratete, wurde das als Zeitenwende gefeiert. Die jungen Japaner jubelten. Sie hofften, das Paar werde zur Modernisierung eines Landes beitragen, in dem sich Männer buchstäblich zu Tode arbeiten und Frauen nach dem ersten Kind den Beruf aufgeben. Fehlanzeige: Masako – vorher weltgewandte Diplomatin – lernte bald, sich bei öffentlichen Auftritten hinter dem Gatten zu halten. Hauptaufgabe einer Prinzessin bleibt es – auch das musste die Harvardabsolventin lernen – dem Kaiserhaus Kinder zu schenken.

Die Arme! Nach acht Jahren Ehe erst brachte sie ein Kind zu Welt. Ein Mädchen! Um Ablenkungen auszuschalten, belegte man die Mutter mit einem Auslands-Reiseverbot. Ein männlicher Erbe musste her! Masako trat daraufhin auch im Inland selten auf. Der Grund: sie war nicht etwa schwanger, sondern schwer depressiv!

Was lehrt uns diese traurige Geschichte vom anderen Ende der Welt?

Deutschland ist wenig fruchtbar. Wir fragen uns seit Jahren warum. Es gibt nur wenige Länder, die sich noch schwerer tun mit der Vermehrung. Japan gehört dazu. Auch Italien, Spanien und Polen finden sich am unteren Ende der Geburtenstatistik – was uns noch stärker verwundert. Sind das nicht streng katholische Länder? – Länder, in denen das Vorbild der Mutter Gottes Frauen Opferbereitschaft lehrt?

In Wirklichkeit ist es eher umgekehrt. Je höher das Mütterlichkeitsideal, desto niedriger sind die Fruchtbarkeitsraten. Nicht in den Horten der Tradition, sondern da wo die Gesellschaft moderner ist, da werden viele Kinder geboren.

Deutschland ist ein modernes Land. Frauen dürfen sich bilden, alle Berufe ausüben – sogar Kanzlerin werden. Aber auch Deutschland sitzt in der Anspruchsfalle. Frauen können nach den Sternen greifen, solange sie kinderlos sind, wenn sie Mütter werden, ist es mit vielen Freiheiten vorbei.

Rabenmutter ist ein deutsches Wort!

Mütter, die weiter ins Büro gehen, müssen sich viele Fragen gefallen lassen. Ob sie ihr Kind denn so gar nicht vermissen? Ob sie auch Zeit haben fürs Baby-Schwimmen und den musikpädagogischen Krabbelkreis. Das Kümmern und Kosen ist auch im Kanzlerinnen-Land Frauensache. Und es ist ein 24-Stunden-Job. Wie sollte Mama sonst auch Zeit finden für den Erwerb der Spezialkompetenzen gehobener Mütterlichkeit? Von der Säuglingsmassage übers Tragetuchtragen zum allergenarmen Kochen fürs Kleinkind nebst Möhrenschaben – eine Unzahl von Kursen widmet sich all dem mit typisch teutonischer Gründlichkeit.

Die Mütterbeschäftigungsindustrie ist kreativ. Sie erfindet immer neue Trends: Englischunterricht etwa wird inzwischen ab dem dritten Lebensmonat angeboten. Rund 25.000 Kinder bundesweit sind bei Helen-Doron-Early-English eingeschrieben. Unter Pädagogen ist es höchst umstritten, ob Babys davon profitieren, wenn sie studentische Hilfskräfte und frühpensionierte Fremdsprachenkorrespondentinnen stundenweise mit Vokabeln traktieren. Doch egal, der Pisa Schock hat uns Eltern im Mark gerührt.

Waldorf oder Montessori, Kommunal oder Konfessionell, mit musikalischer oder motorischer Frühförderung? Jeder der Kinder hat, kennt die Debatte, spätestens, wenn es um den Kindergarten geht. Das klingt, als ob wir die Wahl hätten. In Wirklichkeit fehlt es an Betreuungsplätzen. Deshalb gibt es Mütter, die hauptberuflich zu diesem Thema theoretisieren. Sie setzen die Standards in Erziehungsfragen. Und der Standard stieg Jahr um Jahr, während die Geburtenzahl sank.

Diverse Familienminister mühten sich redlich den Trend zu brechen. Das Resultat: 1,3 Kinder pro Frau. Dann kam Ursula von der Leyen und irgendwas war anders. Zunächst mal vor allem das: die Frau selbst hat Kinder – und zwar sieben! Sie ist das beste Beispiel dafür, dass auch Mütter Karriere machen wollen und können – wenn man sie lässt. Sie sagte: „Die Frage ist nicht, ob Frauen arbeiten werden. Sie werden arbeiten. Die Frage ist, ob sie Kinder haben werden – oder nicht.“ Kurz darauf setzte sie den Krippen-Ausbau durch.

Das war überfällig! Es gibt in Deutschland nämlich schon heute mehr Rabenmütter als viele ahnen mögen. Während sich insgesamt weniger Frauen für Kinder entscheiden, wollen umgekehrt mehr von ihnen im Job bleiben. 61 Prozent aller Mütter sind laut Statistik berufstätig!

Eine silent majority, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie machen nicht so tolle Karrieren wie Ursula von der Leyen. Es gibt bis heute kaum Ministerinnen oder Verbands-Chefinnen und keine einzige Frau im Vorstand der DAX-Konzerne.

Man hört nicht viel von Deutschlands Rabenmüttern. Sie sind vollauf beschäftigt, den Alltag mit Kind zu organisieren. Sie treten selten in Talkshows auf. Meist haben sie nicht mal Zeit, sie anzuschauen. Irgendwer muss schließlich die Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Und natürlich haben die Rabenmütter ein schlechtes Gewissen. Auch darum melden sie sich so selten zu Wort. Heimlich grübeln sie, ob ihr Kind ohne Baby-Yoga wirklich zu einem glücklichen Menschen werden kann. Aber sie denken auch darüber nach, wieso Fremdbetreuung anderswo funktioniert und ausgerechnet in deutschen Kinderseelen irreparable Schäden verursachen soll.

In der gängigen Mutter-Kind-Literatur finden sie keine Antwort. Die Ratgeber leben vom Hang zum Immer Neu, Immer Mehr und Immer Besser. Doch das bringt uns nicht weiter. Das Vollzeit-Mutter-Ideal führt auf direktem Wege in die Ein-Kind-Familie. Deutschland gilt als kinderfeindlich – doch faktisch leiden wir unter Übermütterlichkeit.

Bisher werden die Diskussionen am Sandkastenrand stets von einer bestimmten Sorte Muttis dominiert: von den Mein-Kind-kann-gar-nicht-ohne-mich-Märtyrerinnen. Die Rabenmütter haben bei all dem immer geschwiegen. Zu Unrecht: Denn egal, wie man es betrachtet – im regionalen Vergleich, historisch oder naturwissenschaftlich: Rabenmütter sind besser als ihr Ruf!

Fragt man Vogelkundler nach dem Phänomen „Rabenmutter“, so erntet man Kopfschütteln. Unter Fachleuten sind Raben nämlich nicht etwa für nachlässige, sondern für besonders umsichtige Brutpflege bekannt! Nach der Nestphase soll es vorkommen, dass die Jungen die Eltern aus Bequemlichkeit weiter um Futter anbetteln – und ignoriert werden. Dieses – durchaus pädagogische – Verhalten brachte die Raben zu Unrecht in Verruf!

Modernen Menschenmüttern geht es nicht besser. Wer es wagt, über den Nestrand zu blicken, steht unter Verdacht. Dabei ist die Vollzeit-Mutterschaft erst eine Erfindung des 18. und 19. Jahrhunderts. Davor haben Frauen immer zum materiellen Wohl der Familie beigetragen: Melken, Buttern, Ernten, … Von der 35-Stunden-Woche oder gar dem Teilzeit-Job heutiger Raben-Mütter konnten Kinder früher nur träumen.

Der Teilzeit-Job ist ein weibliches Phänomen und er ist auch ein deutsches Phänomen. In wenigen anderen Ländern wird so viel gesplittet wie hierzulande. Das hat die Bertelsmann-Stiftung herausgefunden. Gut möglich, dass wir ohne Teilzeit heute nicht 61 Prozent berufstätiger Mütter hätten. Allerdings hat das Gesetz, das die Sache 2001 verbriefte, keinen Babyboom gebracht. Im Gegenteil. Angeführt wird die Geburtenstatistik weiter ausgerechnet von Ländern, in denen Frauen vorwiegend volle Tage arbeiten: Schweden, Dänemark, Finnland, Norwegen (je 1,8 Kinder pro Frau), sowie USA und Frankreich (je 2,1)!

Man fragt sich, wie schaffen die das? Und man lernt, in fast allen dieser Länder gibt es Ganztagsschulen und Kinderkrippen. Haben die Mütter dort keine Gewissensbisse? Offenbar nicht! In Frankreich etwa beunruhigt Eltern nichts mehr, als die Idee, Kinder zu verzärteln. Das Rabenklischee kennt man nicht, jenseits des Rheins. Frankreichs Schreckensbild ist die mère poule, die überfürsorgliche Mutterglucke!


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1. Kommentar

Jimbo
29.08.08 um 08:35 Uhr

Es ist nunmal in der Psyche des Kindes verankert, dass die Mutter die naheste Person ist. Es ist tief in uns drin, von ihr aus entsteht das Leben, von der Mutter sind wir alle entstanden. Deshalb ist es verdammtnochmal auch wichtig, dass sich die Mama in den ersten Jahren gefälligst um uns kümmert.

Und alle Frauen die das nicht schnallen sind nicht reif für ein Kind. Ich meine schauen Sie sich die ganzen missratenen kleinen Fratzen doch an. So kann das nicht weitergehen. In der Schule wird einem jeder noch so dämliche Mist beigebracht. Von Hypertenusen über Zellteilung. Aber an den wenigsten Schulen wird richtig wichtiges Zeug über Pädagogik und Psychologie des Menschen gelehrt.

Und deshalb verkümmern talentierte Kinder vor der Glotze, weil Mutti und Papi Karrieregeil hinter dem Geld hereifern und das Au Pair Mädchen nur gebrochen Deutsch spricht und in den meisten Fällen nicht viel Interesse an der Forderung und Förderung des kleinen Sprösslings hat, weil es eben nur ein “Job” ist.

Jeder der ein Kind in die Welt setzt sollte über wichtiges Grundwissen und eine Menge Zeit verfügen. Ansonsten sollte er/ sie es bleiben lassen. Scheiß auf die Geburtenrate, da sterbe ich lieber aus.

2. Kommentar

Silke
29.08.08 um 11:28 Uhr

Zusammenfassend: Ich finde diesen Beitrag einseitig.
Ich bin selber Mutter von zwei Söhnen und arbeite teilzeit. Der Begriff “Rabenmutter ” erscheint mir heute veraltet. In meinem Bekanntenkreis spricht keiner davon, dass eine berufstätige Mutter eine Rabenmutter sei. Im Gegenteil: Man zieht den Hut vor den Müttern, die es schaffen sich so weit zu organisieren, dass sie arbeiten können. Das Problem liegt für mich eher darin, dass das Betreuungssystem in Deutschland für Krabbelkinder immer noch sehr dürftig ist. Die Ganztagsschule wird in NRW in jeder Stadt angeboten. Aber oft reichen diese Betreuungszeiten noch nicht aus. Denn welcher Full-Time-Job einschließlich der Fahrzeit ist von 8.00 bis 16.00 Uhr zu erledigen? Eltern müssen notgedrungen auf Tagesmütter zurückgreifen. Das kostet viel Geld. Ein Grund mehr für Mamas nur teilzeit zu arbeiten.

Ich frage mich immer, was für ein Leistungsdruck auf Eltern und damit auch den Kindern ruht, dass z.B. Englisch für Säuglinge so einen Zulauf hat (Meine Vermutung ist, dass auch nur Eltern mit einem gewissen Einkommen finanzielle Mittel für solche Kurse hat!). Eltern meinen oft alle Angebote von Anfang an mitnehmen zu müssen, damit aus ihren Sprösslingen einmal etwas wird. Dabei rückt in den Hintergrund, wie wichtig das Spiel für ihre Kleinen ist. Einfach nur auf dem Spielplatz toben, Legosteinen zusammenbauen, eigene Bilder malen fördert Kinder genauso.
Und ich frage mich, was in unserem Bildungssystem so schief läuft, dass die Eltern ihr Vertrauen in Schule verloren haben. Ich denke, wenn wir kleinere Schulklassen und mehr Lehrpersonal hätten, so dass jedes Kind wirklich dem Anspruch nach individuell gefördert wird, wären Eltern wesentlich gelassener.

3. Kommentar

Heike
29.08.08 um 19:00 Uhr

Also ich finde die Aussagen des Textes nicht. Sind die im Titel angegebenen Dinge nun “Beschäftigungstherapie für Babys” die man weglassen soll?
Man mag ja über Baby Yoga geteilter Meinung sein, aber Englisch zu lernen ist sicher etwas gutes und je früher man anfängt desto besser.
Ist man nun eine (von dem ursprung der Wortes auch umstrittene) Rabenmutter wenn man sowas fördert?
Und natürlich ist die Vernüpfung von Babybetreuung und Arbeit immer schwer und die angebotenen Betreuungsmöglichkeiten für Kinder sind halt nicht besonders groß Wer Geld hat, kann sich da natürlich mehr leisten -aber man darf auch nicht vergessen, dass eben in vielen Familien beide Elternteile ganztägig arbeiten müssen um überhaupt genug Einkommen zu haben um halbwegs vernünftig leben zu können. Gerade da sind kostenlose Kinderkrippen etc. absolut notwendig – aber eben furchtbar selten zu finden.

4. Kommentar

Jutta Hoffritz
08.09.08 um 17:08 Uhr

@jimbo: klar ist die Mutter (der Vater, nicht zu vergessen!) die wichtigste Bezugsperson . Und sie bleiben es auch, selbst wenn sie ihr Kind nicht rund um die Uhr betreuen, sondern zwischendurch mal ein paar Stunden im Büro oder sonst wo dem Broterwerb nachgehen. Zu keiner Zeit, gab es Vollzeiteltern. Immer wurden sie zwischendurch von Omas, Tanten, Geschwistern beim Betreuen abgelöst, einfach weil die Menschen in der Mitte des Lebens die schwere Arbeit im Stall und auf dem Feld verrichten mussten. Heute gibt es zusätzlich Tagesmütter etc. die einspringen, wo Verwandtschaft fehlt. Den Kindern schadet das nicht. Wenn sie die Chance haben, zu ihren Betreuern einen Bezug aufzubauen, also nicht willkürlich herumgereicht werden, schadet das nicht Im Gegenteil: Kinder profitieren schon in Babyalter davon, wenn sie außer der Mutter und dem Vater noch zusätzliche Bezugspersonen haben.

@sevenjobs: Danke für die Zusammenfassung!

@silke: Tatsächlich ist der Mangel an Betreuungsmöglichkeiten wohl unser Hauptproblem. Mal ganz abgesehen von der Mutterperspektive, hätten wir in Deutschland wohl weit weniger Pisa- und andere Probleme wenn es mehr Kitaplätze gäbe. Kinder die heute in einer Ein- oder Maximal Zweikindfamilie großwerden finden dort am ehesten die Dorfangeratmosphäre in der Kinder früher groß wurden. Eine Studie der FU Berlin zeigt, dass jedes zusätzliche Jahr in einer ganz normalen Kindertageseinrichtung die Chance später ins Gymnasium oder in die Realschule zu gehen um acht Prozent erhöht. Das heißt das was durch den Plätzemangel an der breiten Basis versäumt wird, ist durch Eliteprogramme wie Early English kaum wettzumachen.

@heike: Mir geht es in dem Rabenmütterbuch um zwei Dinge:

1. Die ganze Frühförderung ist nicht so toll, wie uns das die Anbieter von EarlyEnglish, Fasttrackids, etc einreden wollen. Kleine Kinder lernen eigentlich nur Dinge, die sie sinnlich und situativ ansprechen. Das heißt Flashcard-Vokabelunterricht bringt in der Zielgruppe ab dem vierten Monat extrem wenig.

2. Fremdbetreuung ist nicht so schlecht wie sparsame Politiker und selbstbewusste Vollzeitmütter behaupten. Ganz im Gegenteil. Weil Kinder von zusätzlichen Bezugspersonen ganz besonders aber vom Kontakt mit anderen Kindern profitieren, bringt Kita allerhand für Sprach- und Sozialkompetenz. Wie oben bereits erwähnt: Eine Studie der FU Berlin zeigt, dass jedes zusätzliche Jahr in einer ganz normalen Kindertageseinrichtung die Chance später ins Gymnasium oder in die Realschule zu gehen um acht Prozent erhöht. Ergo: gerade Frühförderfans sollten nicht Fremdförderung nicht zu gering schätzen. Wenn Kinder rechtzeitig einen Kitaplatz bekommen, wo gesungen, vorgelesen, gematscht und getanzt wird, bringt das mehr als Bildungstourismus in der Babytrage, wo das Kind sich an ständig wechselnde Gruppen gewöhnen muss.

5. Kommentar

Ein Vater
23.04.10 um 15:16 Uhr

Was soll man zu diesem Artikel noch sagen? Es gibt wohl genug Aussagen aus Studien, die belegen, daß Fremderziehung zu massiven seelischen Defiziten führt. Mangelndes Einfühlungsvermögen etc., und alles was daraus langfristig an schwereren Konsequenzen folgt.
Es ist hoch anzurechnen, wenn eine werdende Mutter trotz zu erwartenden Anstrengungen ihre Verantwortung gegenüber ihrem Kind nicht in die Tonne tritt, aber daraus kann man keinesfalls einen Freifahrtschein für alle ableiten, die sich eher freiwillig gegen die psychische und seelische Grundversorgung ihres Kindes entscheiden!
Hier wird jedoch aufgrund zusammengewürfelter Einzelaussagen ein solcher Freifahrtschein angepriesen. Und das, vordergründig betrachtet, hochgradig zielgruppenorientiert platziert! Zum Glück weiß die Mehrheit der Internetnutzer heutzutage, daß das Internet sehr geduldig ist.

Wer kennt nicht aus seiner eigenen Kindheit Fälle, wenn Kinder keine Grenzen akzeptierten, ein völlig unangemessenes, verzogenes Verhalten zeigten – und “zufälligerweise” war die Mutter bei diesen Kindern fast nie zu Hause, und Omi hatte die Erziehung an der Backe. Soll das etwa besser werden, wenn völlig Fremde die Erziehung übernehmen? Die bald nicht mal mehr ein deutliches Wort an das Kind richten dürfen, ohne sich strafbar zu machen, und die wichtige Erfahrung von Grenzen dem Kind nicht mehr vermitteln können?
Im Prinzip kann jeder, den es wirklich interessiert, sich über die sicher zu erwartenden Folgen von Fremderziehung ausführlich und zuverlässig informieren. Nur schade, daß diejenigen, die ihre Meinungen öffentlich vor Publikum kundtun, scheinbar nicht sonderlich interessiert sind – und dieses Desinteresse auch noch öffentlich proklamieren!

Auf vorherrschende temporäre Meinungen wie z.B. in Frankreich zu verweisen, halte ich für wenig räpresentativ, denn wenn man dies auch in Bezug z.B. auf studentisches Leben tun würde, könnte das nach hinten losgehen: Vor einiger Zeit war in den Medien zu lesen, daß in Studentenverbindungen an französischen Elite-Hochschulen gängige Formen von Mutproben darin bestanden, Vergewaltigungen nicht nur durchzuführen, sondern das auch per Film zu belegen. Und das war noch VOR dem aktuellen Handy-Video-Boom, daher war das Filmen noch mit höherem Aufwand verbunden als heutzutage.
Man sollte in Deutschland durchaus deutlich mehr von anderen Ländern lernen, als das bisher getan wird. Nur heißt “Lernen” nicht immer zugleich auch “Übernehmen”!

Ich selbst habe ein kleines Kind, das sich tagsüber auch immer wieder mal bei guten Bekannten sehr wohl fühlt. Aber der Gedanke, den elterlichen Kontakt weitgehend durch den emotional begrenzten Kontakt zu einer zunächst fremden Person zu ersetzen, erfüllt mich einfach nur mit Grauen, wenn ich an das Seelenleben des Kindes denke – vor allem auch, wenn man schon im weiteren Umfeld mit ansehen kann, wie sehr allein schon eine tendenziell distanzierte Mutter zur seelischen und geistigen Verwahrlosung ihrer Kinder beiträgt. In dem speziellen Fall blickt man schon jetzt dem ca. 2-3 Jahre alten Kind nur noch in leblose Augen. Und diesen Standard halte ich für recht nahe an dem Standard, den eine beruflich motivierte Erziehung in vielen mittelmäßig positiven Fällen annehmen würde.
Wenn die Eltern im Alter wieder allein auf sich gestellt sind, weil sie auch “nur ein paar entfernte Bekannte” aus Sicht ihres empfindungsschwachen Kindes sind und es versäumt haben, ihm eine gesunde Verwurzelung zu ermöglichen, bleibt in der “Entfaltungsbilanz” am Ende nicht viel Positives übrig. Aber so weit voraus denkt man ja auch wieder nicht so gerne…

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