Mitarbeitersuche: 8 Argumente für Alleinerziehende
Neue Mitarbeiter werden mittlerweile überall gesucht: Im großen Pool der alleinerziehenden Mütter und Väter suchen die Personaler aber dann doch nicht ganz so intensiv. Das Etikett "alleinerziehend" wirkt auf die Unternehmen jedenfalls nicht wie ein Aphrodisiakum, eher wie eine Knoblauchkette. Zeit, dass sich daran etwas ändert. Wir haben starke Argumente gesammelt, die für Alleinerziehende sprechen.

Alleinerziehende: Nein, danke!

Gegen Alleinerziehende auf Jobsuche gibt es auf Arbeitgeberseite so manche Bedenken. Alleinerziehende ...

  • seien unflexibel
  • fallen häufig aus
  • sind ungenügend qualifiziert

Das mag in vielen Fällen sogar stimmen.

Alleinerziehende werden ohnehin gerne mal bemitleidet. Oder einfach ignoriert. Während viele Betriebe wie gewohnt die Leier des Fachkräftemangels runterbeten, bleiben viele Alleinerziehende nach wie vor in der ersten Bewerbungsrunde kleben. Das passt erstens nicht zusammen. Und zweitens gibt es auch starke Argumente, die für Solo-Mütter und -Väter sprechen. Mitleid gehört jedenfalls nicht dazu.

Alleinerziehend: Fast 3 Millionen

Rund 2,7 Millionen Alleinerziehende gibt es in Deutschland, ca. 2,3 Millionen davon sind Frauen. Ein Großteil arbeitet bereits, häufig in Teilzeit. Beispiel Nordrhein-Westfalen: Hier gibt es nach den jüngsten Zahlen aus dem Arbeitsmarktreport NRW insgesamt 569.000 Alleinerziehende, davon waren 345.000 erwerbstätig. Damit sind alleinerziehende Frauen sogar häufiger berufstätig als "gemeinsamerziehende".

Dennoch bilden sie weiterhin ein großes, teilweise ungenutztes Arbeitskräftereservoir. 84,4 Prozent der arbeitslosen Alleinerziehenden in NRW sind zwischen 25 und 50 Jahre alt, befinden sich prinzipiell also im besten Arbeitsalter.

Zeit also für einen Appell: Es gibt gute Gründe, auf Alleinerziehende zu setzen, ihnen zu vertrauen, Verantwortung zu übertragen. In erster Linie diese ...

8 Argumente, die für Alleinerziehende sprechen

  1. Organisationsfähigkeit

    Alleinerziehende jonglieren täglich mit Tagesmutter und Krippe, mit Oma und Papa, Kindergarten und Nanny. Das schult die Fähigkeit, den Alltag bestmöglich zu planen, zu organisieren, zu strukturieren. Eigenschaften, die sich auch im Arbeitsalltag gut machen.

  2. Verantwortung

    Zu glauben, jeder Alleinerziehende verfüge qua Lebenssituation über ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl, wäre sicherlich Unsinn. Aber: Viele Solo-Eltern mussten tatsächlich lernen, mit Verantwortung umzugehen, Verantwortung auch für andere Menschen zu übernehmen. Einen solchen Reifeprozess durchlaufen zu haben, schadet auch im Berufsalltag nicht. Und könnte sogar ein Vorteil gegenüber denen sein, die von kleinauf mit allen Annehmlichkeiten durchs Leben gingen und stets nur um ihren eigenen Orbit kreisten.

  3. Motivation

    Viele Alleinerziehende haben eine Zeit der Arbeitslosigkeit hinter sich - mal länger, mal kürzer, mal freiwillig, mal ungewollt. Die Motivation, danach beruflich durchzustarten oder sich weiterzubilden, dürfte das in den meisten Fällen befeuern. Abgesehen davon sind sie oft alleinige Broterwerber der Familie - was eigentlich schon Motivation genug ist.

  4. Bildung

    Der Bildungsstand wächst auf breiter Front. Vor allem Frauen, die den Großteil der Alleinerziehenden ausmachen, haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten massiv aufgeholt. Der Fundus an gut qualifizierten Müttern ist also groß. Auch wenn er zweifelsohne noch größer sein könnte, denn wahr ist auch: Noch immer gibt es zu viele Frauen ohne abgeschlossene Berufsausbildung. In NRW trifft dies gar auf 63 Prozent der arbeitslosen alleinerziehenden Frauen zu.

  5. Loyalität

    Noch immer sind viele alleinerziehende Frauen dankbar, wenn sich ein Arbeitgeber überhaupt dazu erweicht, ihnen eine Chance zu geben. Als Almosensammler aufzutreten ist im Grunde der falsche Ansatz, aber leider für viele Realität. Daraus erwächst aber auch etwas Positives: Dankbarkeit und Loyalität dem Chancengeber gegenüber. Das ist heute nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Und wird es aller Voraussicht nach in Zukunft noch viel weniger sein.

  6. Erfahrung

    Der eine oder andere Betrieb soll den wachsenden Stellenwert des Faktors Familie ja schon registriert haben. Wie binden wir Mitarbeiter mit Kindern fester an uns? Benötigt unser Haus eine eigene Kita? Welche zeitgemäßen Arbeitszeitmodelle sind auch für uns eine Überlegung wert? Alleinerziehende verfügen über Know-how auf diesem Gebiet. Sie sind Wissensquellen mit großem Erfahrungsschatz, können wertvollen Input liefern, wenn es um familiäre Belange im Betrieb geht. Ressourcen, die man anzapfen sollte.

  7. Budgetplanung

    Die Gleichung passt noch immer: Kinder = Wohlstandsverlust (zumindest, was den materiellen Wohlstand angeht). Ein schlechter Scherz, wenn man sich vor Augen führt, dass die Graue-Köpfe-Republik Deutschland vor lauter Wirtschaftskraft langsam aber sicher ausstirbt. Das "Gute" daran: Die meisten Alleinerziehenden leben nicht im goldenen Käfig und können sich ganz praktisch in die finanziellen Zwänge von Menschen (und Unternehmen) hineindenken. Das kann helfen, auch im Betrieb das große Ganze im Blick zu behalten.

  8. Verdienst

    Jetzt wird es fast schon pathetisch. Aber sei's drum: Alleinerziehende haben einfach einen Job verdient. Alleine schon deshalb, weil durch ihre Kinder dazu beitragen, den Laden (Staat) mehr oder weniger am Laufen zu halten und ihm eine Zukunft zu geben. Wenn nur deutlich mehr Unternehmen das auch so sehen - und honorieren - würden.

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