Tipps, Apps und Techniken für Heimarbeiter
Angestellt oder selbstständig: Das Home Office ist ein besonders beliebter Ort für Büroarbeiter. Zugleich ist es ein Ort unbegrenzter Möglichkeiten - und Ablenkungen. Um die Heimarbeit zum Erfolg zu machen, bedarf es daher spezieller Tools und Techniken. Karrierebibel hat die wichtigsten für Sie gesammelt. 5 Tipps, 5 Techniken und 5 Apps für Heimarbeiter ...

Heimarbeiter: Faul oder fleißig?

Rund 40 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland könnten problemlos ins Home Office verlegt werden. Zu diesem Schluss kam eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Februar. Problem: Vielen Arbeitgebern gefällt das Konzept nur bedingt. Gründe: Eine übertriebene Präsenzkultur und allgemeines Misstrauen in die Mitarbeiter.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Heimarbeit gut durchdacht und gestaltet werden muss. Ja, sie kann tatsächlich missbraucht werden, zum Füßehochlegen verleiten, im selbstverordneten Chaos enden. Umso wichtiger, die richtigen Tools und Techniken in der Tasche zu haben.

Komprimiert für Heimarbeiter: Die 5 wichtigsten Techniken, die 5 wichtigsten Tipps und die 5 wichtigsten Apps, mit denen Sie sich ganz prima im Home Office einrichten können ...

5 Techniken für Heimarbeiter

  1. ALPEN-Methode

    Sie hilft ganz vorzüglich bei der Tagesplanung. ALPEN ist ein Akronym, das Sie gut organisiert durch den Tag bringt. Das A steht für den ersten Tagesordnungspunkt: Aufgaben aufschreiben. L bedeutet: Länge einschätzen. P ist die Pufferzeit: Denn wer sich zu viele Aufgaben mit zu hohem Zeitbedarf zumutet, kommt schnell in Teufels Küche. Daher nicht jede Minute durchtakten, sondern nur ca. 60 Prozent des Tages verplanen. Die Erfahrung zeigt, dass der Rest der Zeit unterwegs verloren geht - an Mails, Spiele, Snacks, Telefonate. E steht für: Entscheidungen priorisieren. Das Wichtigste zuerst, Unwichtiges zuletzt oder gar nicht. Und N steht für Nachkontrollieren. Das steht am Ende des Tages an. Unerledigte Aufgaben jetzt auf morgen schieben.

  2. Pomodoro-Technik

    Die Pomodoro-Technik bringt Ihnen einen Produktivitätsschub. Der Tag wird per App (oder auch Stoppuhr) in kleine Etappen eingeteilt. Zum Beispiel 25 Minuten arbeiten, dann fünf Minuten Pause machen, wieder 25 Minuten Vollgas, fünf Minuten Nichtstun. Oder 45 Minuten durchackern und danach zehn Minuten verschnaufen. Die große Mittagspause natürlich trotzdem mitnehmen. Vorteil: Die Pausen verleihen einen Saft-und-Kraft-Schub, geben neue Energie für die nächste Schicht. Das ist - Sie werden sehen - deutlich produktiver als Fließbandarbeit ohne Verschnaufpause.

  3. 72-Stunden-Regel

    Sie könnte man als dezenten Reminder zur Selbstdisziplin umreißen. Grundgedanke: Alle Aufgaben, die Sie sich vornehmen, müssen Sie innerhalb der nächsten 72 Stunden zumindest begonnen haben. Danach sinkt die Chance nämlich auf nahezu null, dass Sie sie jemals vollenden werden. Den Recruiter anmailen, die Initiativbewerbung schreiben, die eigene Homepage basteln, ein Profil bei Karrieresprung anlegen, was auch immer. Wer sich die 72-Stunden-Faustformel hinter die Ohren schreibt, sagt der Prokrastination den Kampf und schiebt und spornt sich selbst an. Und - jetzt wird's denglisch - committed sich.

  4. Kreativer Spaziergang

    Mindmapping oder Brainwriting - alles schön und gut. Die vermutlich simpelste aller Kreativitätstechniken aber ist der schön-schnöde Spaziergang. Wer sich bewegt, kommt mit guten Ideen im Gepäck zurück. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Wichtig dabei: Nicht joggen oder nordisch walken, sondern ganz gemütlich gehen. Tipp für Homeworker: Regelmäßig neue Routen abgehen, durch Stadt und Park, von 15 bis 45 Minuten Länge - je nach Zeitbudget - um neue Eindrücke zu gewinnen und den Kopf durchzulüften. Nach dem Mittagsessen ist für gewöhnlich ein guter Zeitpunkt.

  5. Feierabend-Gebot

    Das, frei nach Karrierebibel, Feierabend-Gebot erscheint so einfach, fällt aber oft so schwer. Es besagt, nach dem letzten Häkchen auf der To-do-Liste Stift und Laptop auch wirklich zur Seite zu legen. Schreibtisch aufräumen, Geräte abschalten, vielleicht sogar das Handy, am besten direkt rüber in die Küche zum Abendessen. Ein Signal setzen, das klar macht: Jetzt ist Feierabend - und zwar für den Rest des Tages. Gar nicht erst auf die Idee kommen, noch mal schnell dies oder das zu machen.

5 Tipps für Heimarbeiter

  1. Weiterbildung

    Als Heimarbeiter sind Sie nicht zwingend selbstständig, vielleicht aber schon. In dem Fall wäre relevant: Sie sind für Ihre Weiterbildung selbst zuständig, kein Arbeitgeber steckt Ihnen die Tickets für die Fachkonferenz im Vorbeigehen zu. Weiterbildung ist einerseits ein unmittelbarer Zeit- und Geldverlust, andererseits eine Investition in die Zukunft. Empfehlenswert für zuhause: MOOCs und Online-Learning-Angebote von (kommerziellen und nicht-kommerziellen) Anbietern wie Coursera, Edx, Iversity, HPI, Khan Academy oder Codecademy. Planen Sie pro Monat - wenn es Ihr Kalender zulässt - einige Stunden dafür ein.

  2. Pausen

    Zuhause stecken Sie in der Zwickmühle. Die Verführung durch TV, Kühlschrank, Smartphone und Co. ist allgegenwärtig. Auf der anderen Seite müssen oder wollen Sie möglichst viel Arbeit in eine möglichst kurze Zeitspanne quetschen. Der Spagat zwischen Übereifer und Müßiggang - ein echtes Kunststück. Gewöhnen Sie sich am besten eine Tages-Routine an, die regelmäßige Päuschen beinhaltet. Pausen machen leistungsfähiger - und erhöhen wiederum die Fähigkeit zu konzentriertem, diszipliniertem Schaffen. Querverweis an dieser Stelle auf die bereits erwähnte Pomodoro-Technik. Sie kann dabei helfen.

  3. Fitness

    Die Digitalisierung geht auch an der Fitnessbranche nicht spurlos vorüber. Immer mehr Online-Fitnesskurse und -Apps sprinten ins Netz, ob Sie Gymondo oder Freeletics heißen, mit Daniel Aminati oder Detlef "D" Soost als virtuellem Fitnessguru beworben werden (dabei handelt es sich um kostenpflichtige Angebote, es gibt aber natürlich auch Gratis-Apps und -Videos). Ein Trend, der Heimarbeitern zugute kommt. Täglich zehn bis 30 Minuten für Heimsport reservieren. Hält Sie fit und - denn Sie müssen die Wohnung ja nicht einmal verlassen - lässt sich wunderbar in die Tagesroutine integrieren. An dieser Stelle darf auch der Hinweis nicht fehlen: Sitzen macht krank.

  4. Akquise

    Noch ein wichtiger Punkt für selbstständige Heimarbeiter: Vergessen Sie die Neuakquise nicht. Das geht im Klein-klein des digitalen Alltags gerne unter, denn Sie haben mit Ihren Auftraggebern bereits alle Hände voll zu tun. Strategisch planen aber ist besser als auf Sicht zu fahren - und sich hinterher über die Flaute wundern. Zum Neukunden führen dabei fast so viele Wege wie nach Rom: Über Business-Netzwerke wie Xing und Linkedin, Bewerberprofile bei Karrieresprung, über Anrufe, Mails, Tweets. Halten sie wenigstens alle zwei Monate Ausschau nach Neukunden. Wenn Sie gerade auf dem Trockenen sitzen, natürlich häufiger.

  5. Ortswechsel

    Heimarbeit bedeutet nicht, tagtäglich auf dem gleichen Stuhl am gleichen Schreibtisch sitzen zu müssen. Regelmäßige Ortswechsel bieten die Möglichkeit zum Austausch, zur Inspiration, zum Ausbrechen und Experimentieren. Optionen: Co-Working-Space, Café, Elternhaus, Garten, Balkon, ICE (nette Anregung eines Lesers). Wichtig aber: Überlegen Sie sich vorher relativ genau, wann Sie sich wo positionieren. Sich von Café zu Café treiben lassen - das ist zwar wunderbar romantisch, aber nicht zielführend - zumindest nicht während Ihrer kostbaren Arbeitszeit.

5 Apps für Heimarbeiter

  1. Slack

    So etwas wie das In-Tool für die Arbeit. Macht es möglich, Dokumente gemeinsam zu bearbeiten und mit Gruppen oder Einzelpersonen zu chatten. Google Drive und Dropbox lassen sich integrieren. So sind Sie auch remote immer mittendrin im Geschehen. Je nach Arbeitskonstellation tun es WhatsApp, der Facebook Messenger und Viber aber auch - oder der Kommunikations-Klassiker schlechthin: Skype.

  2. Wunderlist

    Damit überführen Sie die ALPEN-Methode erfolgreich in die Praxis. Eine To-do-Liste zum: Aufgaben notieren, priorisieren, synchronisieren - und erledigte Aufgaben abhaken. Letzteres sollten Sie sich ohnehin nicht nehmen lassen. Der psychologische Effekt: groß. Abhaken motiviert und beschert Erfolgserlebnisse.

  3. Sunrise Calendar

    Der Kalender auf dem Mac oder Smartphone verrichtet solide Dienste. Ein Terminplan für Fortgeschrittene macht Ihr Zeitmanagement aber womöglich noch besser, noch durchdachter. Kalendereintrag mit einer Einladung an die Teilnehmer verbinden. Check. Dienste wie Facebook, Evernote, Foursquare, Linkedin usw. integrieren. Check. Dem Termin einen Ort zuweisen. Check. Wiederkehrende Termine anlegen. Check. ...

  4. Evernote

    Mittlerweile ebenfalls ein Klassiker: Mit Evernote halten sie unterwegs Notizen fest, können sie hinterher am PC, Laptop oder sonstwo im Netz wieder abrufen. Auch Fotos und andere Dokumente lassen sich so vernünftig aufbewahren. Die können Sie mit Titeln oder Tags versehen und Ihr Notiz-Chaos insgesamt zähmen. Auch als To-do-Liste nutzbar.

  5. Timesheet

    Unterstützt Sie bei der Arbeitszeiterfassung. Wichtig, wenn Sie für Projekte oder Kunden eine genaue Zeitabrechnung machen müssen. Einfach Projekt dem jeweiligen Kunden zuordnen. Programm starten - die Zeit läuft - und für eine Pause anhalten. Anhänge und Notizen können den Aufgaben zugeordnet und die Reports anschließend an den Auftraggeber versendet werden.

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