Vortrag-mit-Twitterpublikum
Präsentieren, Vorträge und Keynotes halten - das gehört nicht nur zu meinem Beruf - für viele Freelancer, Barcamp- oder Konferenzteilnehmer ist es Teil des Alltags und der Akquise. Doch hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert: So blicken die Redner zwar auch weiterhin in strahlende Gesichter, doch leuchten die heute vor allem, weil sie von den Bildschirmen ihres Smartphones oder Tablets erhellt werden. Es gehört längst zum Usus, Vorträge per Social Media live zu dokumentieren und zu kommentieren. Für die Keynote-Speaker bringt das einige neue Herausforderungen mit sich...

Wie präsentieren vor einem twitternden Publikum?

Vor allem der Kurznachrichtendienst Twitter dominiert die Konferenzräume. Kaum ein Event, eine öffentliche Rede, die nicht per Tweet und Hashtag ein Echo bekämen. Das bedeutet aber zugleich, dass Sie als Vortragender damit rechnen müssen, dass alles, was Sie sagen und zeigen, zugleich danach bewertet wird, ob es mit-teilbar ist. Manche Menschen im Publikum warten geradezu auf die erste twitterbare Pointe...

Stell Dir vor, es ist Vortrag und keiner guckt zu. Im Extrem kann es sogar passieren, dass dem armen Speaker auf der Bühne kaum noch jemand zusieht, egal wie sehr sich dieser abmüht. Stattdessen schauen alle nur gebannt auf ihren Display, den sogenannten Second Screen, und die Live-Kommentierung der Sitznachbarn und dessen, was gerade geschieht.

Das birgt zugleich Gefahren und Herausforderungen:

  • Sätze, die aus dem Zusammenhang gerissen und getwittert werden, können verkürzt und so falsch wiedergegeben oder missverstanden werden. Trotzdem sieht es erst einmal so aus, als hätten Sie das so gesagt.
  • Während des Vortrags haben Sie kaum eine Chance, darauf einzugehen oder Aussagen richtig zu stellen. Je nachdem kann also bereits eine lebhafte Diskussion im Publikum und an den Empfangsgeräten draußen entbrannt sein, noch bevor Sie Ihre letzte Folie auflegen und reagieren können.
  • Auch Fragen, die aufkommen, können Sie nur zeitversetzt beantworten. Es sei denn, es gibt so etwas wie eine Twitterwall. Die allerdings dann wieder zusätzliches Interaktions-Talent vom Redner verlangt.

Umgekehrt gibt es ebenso zahlreiche Chancen. Denn einem guten Redner eilt nicht nur ein entsprechender Ruf (in Social Media) voraus. Er oder sie kann das Publikum und die Reichweite virtuell um ein Vielfaches steigern. Vorausgesetzt, Sie bauen solche interaktiven Elemente bewusst in Ihre Keynote ein. Die folgenden Tipps sind nicht einfach ausgedacht, sondern bewährte Erfahrungswerte aus mehr als vier Jahren auf diversen Konferenzen und Vortragsbühnen...

In der Hitze des Getwitters: Wie sich Ihr Vortrag virtuell verbreitet

  1. Twitterbare Sätze verwenden

    Bauen Sie in Ihren Vortrag gezielt Folien ein, auf denen nicht mehr als ein twitterbarer Satz steht. Und Ihr Twittername als Absender. Also zum Beispiel: "Pointen auf Folien mit nicht mehr 120 Zeichen - so geht multimediales Präsentieren heute. (@karrierebibel)". Der Trick ist, hierbei nicht die vollen 140 Zeichen auf Twitter auszureizen, sondern nur maximal 120 (oder weniger) zu verwenden. So bleibt den Zuhörern noch Platz für Hashtags und einen kurzen Kommentar.

    Ein Beispiel...

  2. Pointierte Bilder einbauen

    Rechnen Sie damit, dass Ihr Publikum heute Teile des Vortrags mitfilmt oder einzelne Folien fotografiert und anschließend auf sozialen Netzwerken teilt - vornehmlich auf Twitter, Facebook, Google+, Youtube. Das lässt sich allerdings auch provozieren - indem Sie besonders provokante Bilder, Kuriositäten oder Pointen in eine Folie packen. Wichtig ist dann, auch den nächsten Punkt nicht zu vergessenn...

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  3. Profildaten einbauen

    Sorgen Sie dafür, dass mindestens Ihr Hauptprofil in Social Media auf jeder Folie sichtbar ist - zum Beispiel als Link-Adresse, als Profil-Alias (@karrierebibel) oder beides. So werden auch Menschen auf Sie aufmerksam, die die Bilder noch lange nach Ihrem Vortrag im Netz finden oder einem der Zuhörer im Netz folgen.

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  4. Bildrechte und -hinweise nicht vergessen

    Gerade wenn Sie mit Fotos und Bildern in Ihrem Vortrag arbeiten, die nicht von Ihnen sind, sollten Sie auf die Folien unbedingt auch einen Bildnachweis einfügen - nicht erst am Ende des Vortrags in einer Art Schlussfolie. So gehen Sie sicher, dass wenn einzelne Foto-Kopien (im Wortsinn) Ihrer Folien im Netz geteilt werden, auch die Bildrechte geklärt sind. Es kann natürlich auch sein, dass Zuhörer Fotos von Ihnen oder Ihrer Keynote machen, die Sie gerne hinterher verwenden möchten. Auch hier sollten Sie vorher die Rechte klären und fragen, ob Sie das dürfen. Die meisten sagen natürlich "Ja", fragen sollten Sie dennoch.

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  5. Zuhörerfragen beantworten

    Es kann gut sein, dass Zuschauer Ihnen noch während des Vortrags Fragen schicken - etwa an Ihr Twitter-Profil. Diese sollten Sie hinterher beantworten oder sich für Komplimente und Lob bedanken. Nicht nur, weil das guter Stil ist. Sie erweitern so meist auch Ihr Netzwerk.

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  6. Informationen zur Verfügung stellen

    Gerade wenn sich bestimmte Fragen im Anschluss an die Keynote häufen, kann es sinnvoll sein, Teile des Vortrags oder sogar alle Folien und einen kurzen Artikel dazu später ins Netz zu stellen. Das geht wunderbar und kostenlos mit Slideshare. Die Slides lassen sich zudem auch wieder in einem Blog einbetten und twittern...

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