Vorstellungsgesprächs Arten: Die Unterschiede
In Deutschland gibt es nicht nur das eine typische Bewerbungsgespräch, sondern mehrere Arten von Vorstellungsgesprächen. Die Formate und Typen reichen von klassischen Einzelgesprächen über strukturierte Interviews mit festem Fragenkatalog bis hin zu offenen Gruppeninterviews oder aufwendigen Testverfahren wie dem Assessment Center.
Je nachdem, was Sie im Jobinterview erwartet, sollten Sie darauf spezifisch vorbereiten, um im Bewerbungsprozess zu brillieren. Welcher Interviewtyp Sie erwartet, lässt sich manchmal schon vorab an wichtigen Merkmalen ablesen…
Wichtige Merkmale der der Interviewtypen
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Dauer
Ein klassisches Vorstellungsgespräch dauert in der Regel 30-45 Minuten. Telefon- oder Videointerviews können auch kürzer ausfallen. Dauert das Gespräch mehrere Stunden oder einen ganzen Tag, spricht man eher von einem Assessment Center.
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Fragen
Die meisten Fragen im Vorstellungsgespräch sind berufsbezogen und prüfen fachliche Erfahrungen oder persönliche Soft Skills. Bei Programmierern oder Ingenieuren kommen jedoch auch schon mal sogenannte Brainteaser oder Fermi-Fragen zum Einsatz, um das logische und systematische Denken zu testen. Teils nutzen Personaler sogar Stressfragen, um Bewerber aus der Reserve zu locken.
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Teilnehmer
Das Gros der Gespräche findet unter vier Augen mit einem Personaler statt. Teils sitzen den Kandidaten aber auch künftige Kollegen und Vorgesetzte gegenüber. In Gruppeninterview kommen sogar noch Mitbewerber dazu (siehe: N-Effekt)
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Ort
Klassischerweise findet ein Vorstellungsgespräch in den Büroräumen des künftigen Arbeitgebers statt. Einige Interviewtypen weichen davon bewusst ab, etwa bei einem Bewerbungslunch oder Treffen in der Lobby eines Flughafens oder Hotels. Achtung: Meist ist das verbunden mit einem Verhaltenstest!
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Kommunikationskanal
Nicht jedes Auswahlgespräch wird heute persönlich geführt. Schon seit der Corona-Pandemie sind Telefoninterview und Videointerview auf dem Vormarsch. Sie sparen Zeit und Reisekosten, haben aber auch ihre spezifischen Tücken.
Im Folgenden stellen wir die 10 wichtigsten Vorstellungsgespräch Arten im Detail vor und geben Tipps zur jeweiligen Vorbereitung oder erklären, was dort alles auf Sie zukommen kann.
Perfekt aufs Vorstellungsgespräch vorbereiten!
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1. Das klassische Vorstellungsgespräch
Das klassische Vorstellungsgespräch kennen die meisten: Es dauert zwischen 30-45 Minuten, findet meist persönlich und am Ort des Arbeitgebers statt und besteht im Wesentlichen aus sieben Phasen – inklusive Vor- und Nachbereitung. Der eigentliche Vorstellungsgespräch Ablauf wiederum hat stets fünf Phasen:
Eine gründliche Vorstellungsgespräch Vorbereitung macht schon 60 % des Joberfolgs aus. Dazu gehört, dass Sie sich nochmal über das Unternehmen, dessen Hintergrund, Markt, Werte und Produkte informieren sowie Hintergründe zu den Anwesenden recherchieren. Bereiten Sie sich ebenfalls auf unterschiedliche Formate vor, und üben Sie Ihre Selbstpräsentation sowie Antworten auf typische Fragen. Trainieren Sie zusätzlich Ihre Körpersprache, wählen Sie am Tag selbst ein angemessenes Outfit und planen Sie eine pünktliche Anreise.
Die Begrüßung prägt den ersten Eindruck nachhaltig. Stellen Sie sich hierzu mit Vor- und Nachnamen vor, lächeln Sie und halten Sie dabei Blickkontakt zu Ihrem Gegenüber. Ein kräftiger Händedruck vermittelt Selbstsicherheit. Danach folgt meist noch kurzer Smalltalk. Wichtig ist, dass Sie dabei nie jammern oder über die Anreise klagen. Immer positiv bleiben – und erst setzen, wenn man Ihnen einen Platz anbietet.
Die kurze Selbstvorstellung sollte nie länger als 3-5 Minuten dauern und ist grundsätzlich ein freier Vortrag – nie ablesen! Sprechen Sie hierbei lebhaft und zeigen Sie Energie und Körperspannung. Bleiben Sie fokussiert und sachlich und betonen Sie zu mehr 60 % wichtige Qualifikationen, Erfahrungen oder Alleinstellungsmerkmale – ohne nur den Lebenslauf zu wiederholen. Aufgebaut wird die Selbstpräsentation idealerweise nach dem Muster: „Ich bin – ich kann – ich will“.
Das Vorstellungsgespräch dient in erster Linie zum gegenseitigen Kennenlernen. Dazu stellen Personaler viele unterschiedliche Fragen. Hören Sie aufmerksam zu und machen Sie sich ruhig Notizen. Bleiben Sie bei Ihren Antworten unbedingt ehrlich und authentisch und erzeugen Sie keine Widersprüche zum Lebenslauf. Erklären Sie eine mögliche Wechselmotivation, ohne sich zur rechtfertigen und schaffen Sie bei den Antworten einen möglichst starken Unternehmensbezug. Genannte Stärken sollten für die angestrebte Stelle relevant sein (Beispiele nennen!); mit Schwächen gehen Sie wiederum stets reflektiert und konstruktiv um. Reagieren Sie auf Stressfragen stets souverän und gelassen. Und wenn Sie nicht sofort eine Antwort wissen, bitten Sie ruhig um Bedenkzeit.
Haben Sie immer 2-3 Rückfragen – oder mehr. Nutzen Sie eigene Fragen, um mehr über die Erwartungen des Unternehmens zu erfahren und überlegen Sie sich Fragen zu Entwicklungsperspektiven, z.B: „Wie definieren Sie Erfolg für diese Position?“, „Was erwarten Sie von einem idealen Kandidaten?“, „Was zeichnet Ihre besten Mitarbeiter aus?“ Ebenso können Sie bei den Rückfragen auf Ihre Notizen eingehen. Tabu sind jedoch Fragen zu Urlaub, Benefits oder Überstunden – wirkt nicht motiviert. Stellen Sie auch keine „dummen Fragen“, die Sie hätten vorher recherchieren können.
Bedanken Sie sich am Ende für das angenehme Gespräch und sprechen Sie alle Anwesenden nochmal mit Namen an. Verabschieden Sie sich höflich und professionell und werden Sie dabei nicht hektisch – Sie fliehen nicht! Fragen Sie noch nach den weiteren Schritten oder wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können. Danach verlassen Sie das Gebäude und sind nett zu allen (!) Mitarbeitern – auch dem Pförtner!
Reflektieren Sie in der Vorstellungsgespräch Nachbereitung das Jobinterview zeitnah und lernen Sie daraus, was Sie zukünftig besser machen können. Überlegen Sie, ob Sie den Job weiterhin wollen und wenn ja: Schicken Sie ein Dankschreiben nach 24-48 Stunden – oder ziehen Sie Ihre Bewerbung zurück. Falls Sie nichts mehr hören: Frühestens nach 2-3 Wochen dürfen Sie nachfassen. Ansonsten bleiben Sie bitte weiterhin aktiv auf Jobsuche und informieren Sie sich über weitere Stellenangebote!
2. Internes Bewerbungsgespräch
Das interne Vorstellungsgespräch ist verführerisch: Man kennt sich seit Jahren, hat mit dem Chef in spe womöglich schon ein paarmal zu tun gehabt und besitzt eine interne Reputation. Anders als bei externen Interviews kauft keiner die Katze im Sack. Und genau das ist das Problem: Viele Kandidaten verlassen sich hierbei auf bisherige Erfolge und Leistungen. Tatsächlich aber punkten Sie im internen Interview vor allem mit einschlägigen Weiterbildungen und relevanten Soft Skills, oft aus dem Bereich Teamführung und Projektmanagement. Ein bewährter Tipp ist, vorab Fürsprecher im Unternehmen zu rekrutieren – idealerweise auf Führungsebene – sowie die eigene, positive Entwicklung aufzuzeigen, sodass der nächste Schritt perfekt dazu passt.
3. Strukturiertes Interview
Um größtmögliche Vergleichbarkeit und eine objektive Auswahl zu ermöglichen, wählen einige Arbeitgeber das strukturierte Interview. Dieses kann in jeder Form der hier genannten Vorstellungsgespräch Arten ablaufen – die häufigste Form ist das klassische Vorstellungsgespräch oder Telefoninterview. Das Besondere am strukturierten Interview: Jedes Gespräch läuft mit jedem Kandidaten exakt gleich ab – gleicher Ablauf, gleiche Struktur, gleiche Fragen. Daher auch der Name. So wird es hinterher leichter, die Unterschiede zwischen einzelnen Bewerbern zu sehen und zu bewerten. Das strukturierte Interview wird oft bei Jobs angewendet, die feste Abläufe haben oder bei Bewerbern, die sich kaum in den Qualifikationen unterscheiden.
4. Telefoninterview
Statt vor Ort beim Unternehmen werden heute zunehmend vorab Telefoninterviews geführt. Dafür sollten Sie unbedingt einen ruhigen Ort wählen, an dem Sie ungestört sind und es keine Hintergrundgeräusche gibt. Diese werden als besonders störend empfunden und können Sympathiepunkte kosten. Ablauf und Fragen bei der telefonischen Bewerbung orientieren sich am klassischen Bewerbungsgespräch. Einziger Unterschied: Die Gesprächspartner sehen sich nicht, Körpersprache und Mimik haben weniger Einfluss, umso mehr aber die Stimme. Tipp: Lächeln Sie viel und bewusst – das hört man! Und es macht Sie sofort sympathischer. Trinken Sie vorab ausreichend stilles Wasser, auch das ölt die Stimme.
5. Videointerview
Das Videointerview ist ein digitales Vorstellungsgespräch: Sie sitzen Ihrem Gesprächspartner nicht direkt gegenüber, sondern führen das Videointerview zuhause von Ihrem Computer, Laptop oder Tablet aus. Meistens sitzend an einem Schreibtisch. Ablauf und Fragen entsprechen auch hierbei meist dem klassischen Vorstellungsgespräch. Die Finessen liegen jedoch in der Technik:
- Achten Sie vorab auf eine stabile Internetverbindung
- Testen Sie Software, Kamera und Mikrofon
- Wählen Sie den optimale Bildausschnitt
- Sorgen Sie für einen neutralen Hintergrund
- Auch Licht und Beleuchtung sollten Ihnen schmeicheln
- Kümmern Sie sich um einer ruhige, störungsfreie Umgebung
- Ziehen Sie ein angemessenes, professionelles Outfit an
- Schauen Sie die Kamera, nicht auf den Bildschirm
Eine Sonderform des Videointerviews ist das zeitversetzte Videointerview. Hierbei gibt keinen direkten Gesprächspartner oder Dialog. Stattdessen loggen sich Bewerber auf einer Plattform ein, beantworten im Wechsel Fragen per Video vor der Webcam. Anders als im persönlichen Gespräch bekommen Sie also mehr Bedenkzeit. Dafür fehlt das unmittelbare Feedback.
6. Assessment-Center
Das Assessment Center (kurz: AC) ist ein strukturiertes Auswahlverfahren, mit der Unternehmen sowohl die fachliche Eignung als auch die sozialen Kompetenzen von Kandidaten beurteilen. Assessment Center dauern zwischen 1-3 Tagen und bestehen meist aus vier typischen Phasen:
- Postkorbübung
- Intelligenztest
- Konzentrationstest
- Präsentation halten
- Einzelassessment
- Fallstudie
- Fact-Finding-Übung
- Gruppendiskussion
- Planspiele
1. Selbstpräsentation
Die Bewerber stellen sich bei der AC-Selbstpräsentation kurz vor, beschreiben die bisherige Laufbahn, wichtige Kompetenzen und vor allem die Motivation für die ausgeschriebene Stelle und den Arbeitgeber.
2. Übungen
Die ersten Übungen konzentrieren sich auf verschiedene Aufgaben, die später auch im Job relevant sein können, oft handelt es sich um Konzentrationstests, Intelligenztests und Tests zur Problemlösung. Beispiele:
3. Rollenspiele
Die weiteren Rollenspiele und Übungen stellen praktische Aufgaben sowie das Sozialverhalten der Kandidaten in den Fokus. Hier zeigen sie nicht nur ihre Arbeitsweise, sondern Teamfähigkeit, Führungskompetenzen und Durchsetzungsvermögen. Beispiele:
4. Feedback
In der letzten Phase erhalten Teilnehmer in einem persönlichen Abschlussgespräch Feedback zu den Leistungen. Typisch ist dabei auch eine Selbsteinschätzung durch Bewerber.
7. Gruppeninterview
Nicht immer sind Sie der einzige Kandidat, der im Gespräch anwesend ist. Bei einem sogenannten Gruppeninterview findet die Unterhaltung gemeinsam mit anderen Bewerbern statt, die alle denselben Job wollen. Sie sind also Konkurrenten. Eine schwierige Situation, die bewusst zu mehr Druck führen soll. Achtung: Selbstbewusstsein ist dabei zwar wichtig, zu großes Konkurrenzverhalten aber schädlich. Wer dann fehlende Teamfähigkeit zeigt und die Ellenbogen ausfährt, ist raus. Gerade wenn im Gruppeninterview eine Aufgabe gemeinsam gelöst werden soll, ist es wichtig, die jeweiligen Stärken zu erkennen, zu nutzen und so zum Ergebnis zu kommen.
8. Stressinterview
Für Bewerber ist es der mitunter schwierigste Interviewtyp. Es hat aber durchaus Sinn, wenn es später um einen stressigen Job geht – etwa als Fluglotse. Beim Stressinterview werden Kandidaten gezielt unter Druck gesetzt und aus dem Konzept gebracht. So werden beispielsweise heikle Fragen zum Lebenslauf gestellt, um Bewerber zu verunsichern und zu sehen, ob sie auch unter Druck ruhig und souverän bleiben. Erfolgreich sind Sie bei diesem Interviewtyp, wenn Sie durchweg besonnen, kontrolliert und professionell bleiben. Zeigen Sie, dass Sie mit Druck gut umgehen können, vertreten Sie selbstbewusst Ihren Standpunkt und betonen Sie Ihre Stärken.
9. Bewerbungsessen
Der Personaler lädt Sie nicht zum Vorstellungsgespräch, sondern zum Bewerbungsessen ein? Das ist zwar selten, kommt aber vor allem bei Führungskräften oder Positionen mit Außenwirkung und viel Kundenkontakt vor. Denn hierbei werden gleich die guten Manieren mitgetestet. Auch beim Essen ist Vorsicht geboten. Tomatensauce und weiße Hemden oder Blusen sind natürliche Feinde. Außerdem sollten Sie sich von der Atmosphäre nicht täuschen lassen: Alles wird genau beobachtet – auch der Umgang mit Kellnern und Personal! Siehe: Wie Charles Schwab Bewerber aussortiert.
10. Auswahltag
Der Auswahltag ist eine moderne Form des klassischen Assessment Centers. Dabei müssen Bewerber zahlreiche Aufgaben, Tests und Übungen absolvieren und werden dabei von Personalern genau beobachtet. Die meisten Tests haben mit dem späteren Berufsalltag zu tun und lassen sich deshalb gut vorbereiten. Ein Charakteristikum von Auswahltagen ist, dass darin Situationen aus dem Berufsalltag simuliert werden. Das ermöglicht den Personalern, die Bewerber zu beobachten und festzustellen, wie sie arbeiten oder wie sie unter Stress reagieren. Das Wichtigste: Bereiten Sie sich auf diese Vorstellungsgespräch-Art genauso gründlich vor wie auf ein typisches Interview – und seien Sie am Tag vor allem authentisch und ganz Sie selbst.
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