Bewerbungsgespräch Fragen und Antworten Bewerbungsgespräch Outfit
Ein Bewerbungsgespräch ist bereits die halbe Miete: Offenbar haben Sie und Ihre Bewerbung das Unternehmen neugierig auf Sie gemacht. Jetzt geht es darum, noch auf den letzten Metern zu überzeugen. Nervosität und Unsicherheit spielen immer mit hinein: Wie bereite ich mich am besten vor? Welches Outfit ist für ein Bewerbungsgespräch geeignet? Welche Fragen kommen auf mich zu? Diesen Fragen und mehr gehen wir in diesem Artikel nach...

Bewerbungsgespräch: Allgemeine Hinweise

Einem Bewerbungsgespräch voraus geht die schriftliche oder die elektronische Bewerbung, häufig in Form einer Online Bewerbung oder als E-Mail-Bewerbung.

Denkbar sind zwei Formen, wie ein Bewerbungsgespräch ablaufen kann. Entweder in der klassischen Variante, in der Sie zum Unternehmensstandort eingeladen werden und ein Präsenzinterview haben oder aber als Vorstellungsgespräch via Skype beziehungsweise einem vergleichbaren Medium, bei dem Sie nicht vor Ort anwesend sein müssen.

Die Größe des Personenkreises in einem Bewerbungsgespräch - auch Jobinterview, Vorstellungsgespräch oder Einstellungsgespräch genannt -, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise richtet sie sich nach der Betriebsgröße, aber auch, ob der Bewerber schwerbehindert ist.

Je nachdem werden dann noch Betriebsrat und/oder Schwerbehindertenvertretung hinzugezogen. Allgemein lässt sich sagen, dass die Anzahl der Vertreter des Unternehmens mit der Wertigkeit der Stelle steigt, das heißt, der Aufwand für einen Spezialisten ist deutlich höher als für einen Auszubildenden.

Bewerbungsgespräch Vorbereitung: Informationen einholen

Meist liegen zwischen der Einladung zu einem Bewerbungsgespräch und dem Termin selbst nur wenige Tage. In dieser Zeit gilt es sich auf den großen Tag richtig vorzubereiten. Das bedeutet vor allem viel Recherchearbeit; sofern Sie das nicht bereits beim Verfassen der Bewerbung erledigt haben, sollten Sie folgende Fragen für sich klären:

  • Woher kommt das Unternehmen, wo liegen die Firmenstandorte (gegebenenfalls: Mutter-/Tochterfirma)?
  • Wo steht das Unternehmen momentan wirtschaftlich?
  • Wie viele Angestellte gibt es?
  • Welche Ideale und Werte verkörpert das Unternehmen?
  • Plant das Unternehmen demnächst zu expandieren?

Fragen wie diese helfen Ihnen dabei, sich eine Meinung über das Unternehmen zu bilden und im Bewerbungsgespräch den Eindruck zu erwecken, dass Sie wissen wovon der Personaler redet. Idealerweise informieren Sie sich umfassend auf der Unternehmenswebsite über Ihren potenziellen Arbeitgeber. Darüber hinaus können auch Unternehmensseiten auf Facebook oder Twitterprofile eine Hilfe sein.

Zu der Vorabrecherche gehört auch unbedingt, dass Sie den genauen Ort in Erfahrung bringen, um auf jeden Fall pünktlich zu sein. Wer ein Vorstellungsgespräch im Wohnort hat, hat einen gewissen Heimbonus, allerdings empfiehlt es sich auch hier großzügig Zeit für den Weg einzuplanen, da der genaue Gebäudeteil, die Etage et cetera möglicherweise doch gesucht werden müssen.

Müssen Sie hingegen zum Bewerbungsgespräch in eine andere Stadt, sollten Sie Staus und Verspätungen bei Reisen mit der Bahn unbedingt einkalkulieren und nötigenfalls einen Zug vorher nehmen oder einen Tag früher anreisen und im Hotel übernachten.

Bewerbungsgespräch Kleidung: Passendes Outfit

Teil dieses ersten Eindrucks ist Ihre äußere Erscheinung. Es versteht sich von selbst, dass eine gepflegte Erscheinung unerlässlich ist und positiv bewertet wird. Dazu gehören neben den Basics der Körperhygiene (Dusche am Morgen) saubere Hände und Nägel, ein ordentlicher Haarschnitt.

Auch Ihre Kleidung sollte keinen billigen oder abgetragenen Eindruck hinterlassen, frei von Fusseln und Knitterfalten sein, die Schuhe sollten sauber und intakt.

Greifen Sie lieber auf hochwertige Materialien zurück, da diese sich im Endeffekt auszahlen. Die Kleidung kann - je nach Branche, wenn Sie beispielsweise eher in konservativ geprägten Bereichen wie im Banken- oder Versicherungswesen arbeiten - Teil Ihrer täglichen Arbeitskleidung werden.

Außerdem kleiden Sie sich für den Job, den Sie anstreben und nicht den, den Sie bereits haben. Sie wollen schließlich nicht irgendeine 08/15-Stelle, sondern Ihren Traumjob. Sie signalisieren so auch über die Kleidung, was Ihnen diese Stelle bedeutet.

Mehr zu der passenden Kleidung im Bewerbungsgespräch lesen Sie hier:

Bewerbungsgespräch: Erstkontakt

Wie überall im persönlichen Kennenlernen sind auch im Bewerbungsgespräch die ersten Sekunden entscheidend. Man sagt, dass im Schnitt innerhalb der ersten anderthalb Minuten (manche sprechen von maximal 100 Sekunden) sich entscheidet, ob der Personaler dem Bewerber den Job geben möchte oder nicht.

Diesen ersten Eindruck vermitteln Sie übrigens bereits vor Beginn des eigentlichen Bewerbungsgespräches, nämlich wenn Sie begrüßt und in den Gesprächsraum hineingebeten werden.

Die vorangegangenen Tipps tragen bereits dazu bei, das Selbstbewusstsein zu stärken: Wer gut informiert und ordentlich gekleidet in ein Bewerbungsgespräch geht, strahlt automatisch mehr Selbstsicherheit aus als jemand, der von vornherein weiß, dass das Unternehmen ein einziges großes Fragezeichen für ihn ist. Hochwertige Kleidung gibt Ihnen darüber hinaus ein höheres Selbstwertgefühl.

Bewerbungsgespräch: Verhalten im Vorstellungsgespräch

Machen Sie sich vorab klar, dass Unternehmen möglicherweise auch auf öffentlich zugängliche Quellen zurückgreifen, um sich über den Bewerber zu informieren. Falls Sie also auf Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter oder Instagram aktiv sind, sollten Sie gut abwägen, was Sie posten und wer Zugang dazu hat.

In dem Moment, in dem Sie in den Gesprächsraum hineingebeten werden, übernimmt der Interviewende die Führung. Das bedeutet, reicht er Ihnen zur Begrüßung die Hand, ergreifen Sie sie, bittet er Sie Platz zu nehmen, setzen Sie sich - Sie sollten von sich aus weder die Hand hinstrecken noch sich setzen, sondern abwarten, was Ihnen bedeutet wird.

Das Bewerbungsgespräch ist keine reine Wiedergabe Ihrer Bewerbung, sondern dient dem Personaler dazu, Ihre Persönlichkeit zu erfassen. In Zahlen ausgedrückt: Nur etwa 10 Prozent fachliche Kompetenz spielen eine Rolle, aber zu 70 Prozent gilt Ihre Persönlichkeit. Die restlichen 20 Prozent sollten Ihr Engagement beinhalten, mit dem Sie Ihre Leistungsbereitschaft und Ihre Motivation signalisieren.

Tatsächlich spielt Sympathie eine große Rolle, schließlich sollen Sie ins Team passen. Daher ist der Small Talk häufig ein Bestandteil eines Vorstellungsgesprächs - er dient einerseits der Lockerung, andererseits gewinnt der Personaler so bereits Einblick in die Gedankenwelt des Bewerbers.

Beim Smalltalk könnten sich beispielsweise Gemeinsamkeiten mit dem Personaler ergeben. Gemeinsame Hobbys sind insofern ein dankbares Thema und können Führungsqualitäten oder Teamfähigkeit Ihrerseits demonstrieren. Anderseits sollten Sie vorsichtig bei Extremsportarten sein: Hobbys, die ein hohes Verletzungsrisiko bergen oder viel Zeit in Anspruch nehmen, könnten negativ ausgelegt werden, daher sollten Sie an dieser Stelle zurückhaltend sein.

Gesprächsphasen Vorstellungsgespräch 5 Phasen Tipps

Das nun folgende Gespräch ist im Prinzip Teil eines Verkaufsgesprächs: Sie müssen den Personaler davon überzeugen, dass Sie hervorragend zum Unternehmen passen. Ihr Auftreten, Ihre Persönlichkeit erschließt sich dem Personaler unter anderem durch den Bereich der nonverbalen Kommunikation wie Körperhaltung, Gestik und Mimik.

Extreme werden dabei immer eher abweisende Reaktionen beim Personaler hervorrufen, etwa sehr großspuriges Verhalten ebenso wie jemand, der sich als Nervenbündel entpuppt oder bereits mit verschränkten Armen Abwehr signalisiert.

Neben fachlichen Fragen, vor allem zu Ihrem beruflichen Werdegang und wie sich eine Tätigkeit im Unternehmen gestalten könnte, geht es darum, sich ein Bild über die Soft Skills des Bewerbers zu machen. Auch Stressfragen und Fragen, wie Sie Ihre eigenen Stärken und Schwächen einschätzen, sind meist Bestandteil eines Bewerbungsgesprächs (mehr dazu unten im Kasten).

Um in diesem Bereich des Bewerbungsgesprächs zu punkten, ist vorab eine Stärken-Schwächen-Analyse durch Selbstreflexion notwendig. Außerdem sollten Sie sich einige Fragen überlegen, die Sie dem Personaler stellen können - so tragen Sie dazu bei, dass aus dem Bewerbungsgespräch tatsächlich ein Gespräch und kein reines Frage-Antwort-Spiel wird.

Außerdem signalisieren Sie Interesse und können sich selbst ein Bild über das Unternehmen machen, ob die vorab eingeholten Informationen sich hier bestätigen und Sie sich vorstellen können, für diesen Arbeitgeber tätig zu werden.

Dazu können Sie sich bereits während des Gesprächs Notizen machen. Das hilft Ihnen einen Überblick zu behalten und Sie können sich aufkommende Fragen direkt notieren. Bei alledem spielt Ihr Verhalten eine Rolle.

  • Wirken Sie authentisch?
  • Wie reagieren Sie auf Fragen?

Wer seinem Gegenüber nicht ins Gesicht blicken kann, wer Fragen ausweicht oder Antworten zuvor auswendig gelernt hat, wird nicht überzeugen. Stattdessen sollten Sie freundlich und zugewandt, selbstbewusst und ehrlich auftreten.

Mehr zu der richtigen Körperhaltung im Bewerbungsgespräch, Gestik und Mimik lesen Sie hier:

Bewerbungsgespräch Fragen und Antworten: So reagieren Sie

Gesprächsthemen gibt es wie Sand am Meer. Einige klassische Fragen tauchen immer auf, daher können Sie sich gut auf diese vorbereiten. Nebendem sollten Sie allerdings auch Ihre Rechte kennen: Bei Fragen, die der Arbeitgeber nicht stellen darf - etwa, ob Sie demnächst Nachwuchs planen oder schwanger sind - haben Sie das Recht zu lügen.

Für gewöhnlich wird man Sie zu Ihrem beruflichen Werdegang befragen. Dabei sollten Sie nicht bei Adam und Eva anfangen, sondern sich auf die für diese Stelle wichtigen Punkte konzentrieren. Am besten, Sie üben die Antwort auf diese Frage vorab und stoppen die Zeit, denn die Selbstpräsentation nimmt insgesamt nur etwa zehn Minuten des gesamten Bewerbungsgesprächs ein.

Ein Unternehmen wird sich immer der Motivation des Bewerbers vergewissern wollen, weshalb eine weitere Frage die nach dem Grund der Bewerbung ist. Ihre Vorbereitung im Vorfeld sollte genügend Anhaltspunkte zur Beantwortung dieser Frage zutage gebracht haben. Ist das Unternehmen beispielsweise Marktführer in einem bestimmten Bereich? Können Sie sich besonders mit der Unternehmenspolitik wie zum Beispiel Nachhaltigkeit identifizieren?

Fragen nach den persönlichen Stärken und Schwächen können ein Minenfeld sein. Einerseits sind Antworten wie "ich bin perfektionistisch" fehl am Platze. Denn mit einer scheinbaren Schwäche wie dieser, die aus Arbeitgebersicht eine Stärke sein soll, sich in Wirklichkeit aber als Stärke entpuppt, lockt man heutzutage keinen Arbeitgeber mehr hinterm Ofen hervor.

Gleichzeitig sollen Sie authentisch sein, aber natürlich nicht den Eindruck vermitteln, Sie würden Dinge auf die leichte Schulter nehmen. Greifen Sie auf Eigenschaften oder Kenntnisse zurück, die Sie vielleicht noch verbessern möchten, die grundsätzlich aber vorhanden sind.

Ebenso vorsichtig sollten Sie bei Fragen nach Ihrem ehemaligen Arbeitgeber sein: Das ist nicht der Zeitpunkt, an dem Sie über Ihren alten Arbeitgeber vom Leder ziehen sollten. Wenn es Konflikte gegeben hat, die Sie zum Verlassen bewogen haben, dann sollten Sie diese lieber verschweigen und stattdessen auf Ihre persönlichen beruflichen Ziele eingehen.

Signalisieren Sie, dass Sie neue Herausforderungen suchen und sprechen Sie beispielsweise über Aufgabenbereiche der anvisierten Stelle.

So bereiten Sie sich richtig auf Fragen im Bewerbungsgespräch vor:

Und hier haben wir einige Beispiele zusammengestellt, wie Sie es nicht machen sollten:

Bewerbungsgespräch Varianten

Bewerbungsgespräch Schwächen Bewerbungsgespräch Fragen und Antworten
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie so ein Bewerbungsgespräch gestaltet werden kann. Wir stellen hier vier mögliche Formen vor:

  • Das strukturierte Bewerbungsgespräch

    Hier handelt es sich um die am weitesten verbreitete Variante. Anhand eines Leitfadeninterviews werden jedem Bewerber die gleichen Fragen gestellt. Der Personaler hat so gute Vergleichsmöglichkeiten, um die potenziellen Kandidaten einschätzen zu können.

    Sie können sich am besten dafür wappnen, indem Sie anhand der typischen Bewerbungsfragen vorbereiten. Vermeiden Sie, die Antworten auswendig zu lernen und versuchen Sie stattdessen, immer einen Unternehmensbezug herzustellen.

    Mehr zum strukturierten Bewerbungsgespräch finden Sie hier:

  • Das offene Bewerbungsgespräch

    Diese Interviewform ist häufig bei Start-ups anzutreffen oder in Bewerbungsgesprächen für Positionen in der höheren Hierarchieebene. Im Gegensatz zum strukturierten Bewerbungsgespräch ist dieses Gespräch sehr frei gehalten, da die individuelle Persönlichkeit des Bewerbers im Mittelpunkt steht. Diese Form ist besonders für eloquente Persönlichkeiten geeignet, die die Kunst der Gesprächsführung beherrschen.

    Mehr zum Bewerbungsprozess für Führungskräfte lesen Sie hier:

  • Das stressfragenbasierte Bewerbungsgespräch

    Hier werden Sie anhand unangenehmer oder auch provokanter Fragen auf die Probe gestellt. Es geht weniger darum, den Bewerber tatsächlich unter Stress zu setzen als vielmehr seine Kreativität und Spontaneität hervorzulocken, um mehr als nur das in Erfahrung zu bringen, was aus dem Lebenslauf sowieso hervorgeht. Nebendem wird natürlich auch geguckt, wie Sie mit dieser Situation umgehen: Reagieren Sie souverän oder gereizt? Können Sie auch unter Druck zu einem Ergebnis kommen?

    Mehr zu Stressfragen im Bewerbungsgespräch lesen Sie hier:

  • Das situative Bewerbungsgespräch

    Möglicherweise erwartet man von Ihnen, dass Sie sich im Rahmen des Bewerbungsgespräch auf ein Rollenspiel einlassen, das einen typischen Arbeitsablauf darstellt. Denkbar wäre beispielsweise, dass Sie im Rahmen einer Dienstfahrt einen erkrankten Mitarbeiter sehen. Von Ihnen möchte man nun wissen, wie Sie reagieren.

    Generell können Sie Ihre Spontaneität mit Improvisationstheater trainieren. Darüber hinaus sollten Sie auf Notizen zurückgreifen können, die Sie sich zuvor gemacht haben. Das situative Bewerbungsgespräch orientiert sich zumeist an dem, was der Personaler zuvor bereits erwähnt hat, das heißt, es dient zusätzlich der Überprüfung Ihrer Aufmerksamkeit.

    Mehr zum Rollenspiel im Bewerbungsprozess finden Sie hier:

Bewerbungsgespräch Verabschiedung: Sie haben es geschafft

Das Ende eines Bewerbungsgesprächs ist meist der beste Part für den Bewerber, jetzt haben Sie es hinter sich gebracht, in den folgenden Tagen entscheidet sich, wie erfolgreich oder nicht Ihre Performance war.

Wie für den Beginn des Gesprächs gilt auch hier, dass der Personaler das Gespräch führt beziehungsweise beendet. Sie sollten sich kurz nach dem Ende die Zeit nehmen zu reflektieren, wie der Ablauf war: Waren Sie mit sich und Ihren Antworten zufrieden? Wenn ja, was ist gut gelaufen? Wenn nein, was würden Sie das nächste Mal besser machen wollen?

Auch sollten Sie überlegen, ob das Unternehmen Sie überzeugen konnte, ob alle Ihre Fragen zufriedenstellend geklärt wurden. Wenn Sie mit dem Ablauf zufrieden waren und Sie dort arbeiten möchten, spricht nichts dagegen, sich nach dem Gespräch per E-Mail kurz bei dem Gesprächspartner für das freundliche Gespräch zu bedanken.

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