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Selbstbestimmtes Arbeiten mit Wahl- und Wunschkunden, freie Zeiteinteilung und Unabhängigkeit von Unternehmen und Vorgaben - so oder so ähnlich stellen sich viele die Arbeit als Freelancer vor. Da ist es wenig überraschend, dass Freiberufler sowohl von Angestellten als auch von Unternehmern oft um ihre Freiheit beneidet werden. Doch Freelancer wissen, dass die Freiheit mit dem Preis einiger Herausforderungen und Unsicherheit einhergeht, die angehende Freelancer nicht sehen oder zu wenig Bedeutung bei messen. Daher widmen wir uns heute den wichtigsten Aspekten und Tipps für freie Selbständige...

Freelancer: Wann und für wen lohnt sich die Selbstständigkeit?

Ollyy/shutterstock.comDas hohe Interesse an der selbstständigen Arbeit als Freelancer spiegelt sich auch in der kontinuierlichen wachsenden Zahl der freien Selbstständigen in Deutschland wieder. Zwar stellen Sie mit etwas mehr als einer Million im Vergleich zu Angestellten eine deutliche Minderheit dar. Doch das ist zumindest teilweisen auch durch die Zählweise vieler Statistiken und Umfragen bedingt.

Diese erfassen oft nur Freelancer, die komplett selbstständig arbeiten und in keiner Weise angestellt sind. Genau dieses Modell - in Teilzeit angestellt, die restliche Zeit als Freelancer aktiv - erfreut sich jedoch großer Beliebtheit und stellt für viele angehende Freelancer den optimalen Übergang in den Freiberuf dar. Jochen Mai hat Sascha Lobo dazu bereits im Jahr 2012 interviewt. Seine Aussagen sind heute so aktuell wie damals.

Ein Risiko für Freelancer wird im Video jedoch bereits angesprochen: Die Gefahr der Selbstausbeutung. Der geflügelte Spruch: "Selbstständigkeit heißt selbst und ständig arbeiten" ist leider längst nicht immer scherzhaft oder ironisch gemeint.

Wenn Sie als Arbeitnehmer, Student, Absolvent oder Berufseinsteiger die Arbeit als Freelancer mit viel Selbstbestimmung und Flexibilität reizt, habe wir einige Fragen und Punkte zusammengestellt, die Ihnen bei der Entscheidung und Vorbereitung helfen können:

  • Antrieb und Motivation

    Wissen Sie, warum Sie als Freiberufler arbeiten wollen? Reizt Sie wirklich die selbstständige Arbeit oder wollen Sie nur Ihrem aktuell langweiligen Job entkommen? Ist Letzteres der Fall, wird die Motivation vermutlich nicht tragfähig und schon gar nicht langfristig ausreichend sein. Sie sollten Ihren Grund und Antrieb für die Arbeit als Freelancer vor dem Start kennen.

  • Gewerbe oder Freiberufler

    Eine der wichtigen Fragen vor der Selbstständigkeit lautet: Müssen Sie ein Gewerbe anmelden oder können Sie Ihre Arbeit als Freiberufler durchführen? Um diese Frage zu klären, sollten Sie sich vor Ihrem Start an Ihr zuständiges Finanzamt wenden und die entsprechenden Unterlagen ausfüllen. Im Anschluss erhalten Sie dann die Rückmeldung, in welcher Form Sie aktiv werden können.

  • Netzwerk und Kontakte

    Qualifikationen und Fähigkeiten sind wichtig, doch ohne die richtigen Kontakte und ein gut ausgebautes Netzwerk wird Ihnen vor allem eines fehlen: die Kunden. Denn diese finden nicht auf mysteriösen Wegen plötzlich zu Ihnen, sondern müssen aktiv angesprochen werden oder Sie bereits aufgrund Ihrer Reputation kennen. Diese Voraussetzungen können und sollten Sie ebenfalls vor und während Ihres Starts schaffen.

  • Dienstleistungen und Produkt

    Ihre Dienstleistungen und Produkten sollten Sie klar und eindeutig benennen können. Vermeiden Sie dabei den Fehler, sich mit der Konkurrenz zu vergleichen. Wer sich auf seiner Homepage beispielsweise ständig mit anderen Freelancern vergleicht, wirkt dadurch unsicher und kann kein eigenes Profil entwickeln. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf Ihre Stärken und Ihre Alleinstellungsmerkmale. Wenn Sie wissen und vertreten können, was Sie auszeichnet, können Sie auch Kunden davon überzeugen.

Zeitmanagement für Freelancer

baranq/shutterstock.com19 Uhr ist längst vorbei, so langsam werden Sie müde, doch ein Ende der Arbeit ist noch nicht in Sicht. Der Gedanke an Feierabend wird von drohenden Deadlines und Abgabeterminen verdrängt, Sie fühlen sich gestresst. Diese Szenario dürfte fast jeder Freelancer in der einen oder anderen Art und Weise bereits erlebt haben.

Ein allgemein gültiges und 100-prozentig wirksames Gegenmittel gegen zu viel Arbeit - die für Freelancer ja auch ihre guten Seiten hat - gibt es zwar nicht, ein gutes Zeit- und Selbstmanagement kann jedoch helfen, die Arbeitsflut einzudämmen und effizient zu bearbeiten. Beim Selbstmanagement geht es im Kern darum, bessere Entscheidungen zu treffen. Konkret drückt sich das aus, in dem Sie...

  • ... sich selbst besser organisieren können.
  • ... sich schon morgens einen Überblick verschaffen.
  • ... Ihre Aufgaben planen.
  • ... besser und leicht priorisieren können.
  • ... den ganzen Tag über motiviert und fit bleiben.

Ein hehres Ziel, dass sich nur durch passende Methoden und Strategien erreichen lässt. Die nötigen Voraussetzungen können Sie durch eine ansprechende und motivierende Arbeitsumgebung, regelmäßige Bewerbung und Pausen sowie klare Ziele und - idealerweise - feste Arbeitszeiten schaffen.

Bei Ihrer Arbeitsgestaltung lohnt es sich zudem, Ihren Biorhythmus und Ihre individuelle Leistungskurve zu berücksichtigen. So können Sie Ihr volles Potenzial abrufen und entfalten. Um Ihre Aufgaben zu organisieren, gibt es außerdem einige bewährte Methoden und Konzepte:

  • Die ABC-Methode nimmt Rücksicht auf sogenannte Links- und Rechtshirner. Heißt: Bei manchen Menschen dominiert die linke Gehirnhälfte, sie mögen Zahlen, Fakten, Pläne, Systeme. Die meisten Selbstmanagement-Methode richten sich an sie. Rechtshirner dagegen sind chaotisch, kreativ, spontan. Mit starren Plänen kommen sie nicht zurecht. Deshalb gibt es für sie die ABC-Methode. Sie steht dafür, anfallenden Aufgaben einfach nur nach ihrer Wichtigkeit zu ordnen: A für sehr wichtig (sofort erledigen), B für weniger wichtig (später erledigen oder delegieren) und C für kaum wichtig bis unwichtig (delegieren oder verwerfen).
  • Die ALPEN-Methode ist eine Art Tagesplan und steht für: Aufgaben aufschreiben, Länge einschätzen, Pufferzeit einplanen (maximal 60 Prozent der Arbeitszeit verplanen), Entscheidungen priorisieren und Nachkontrollieren (was man erreicht hat). Unerledigtes wird dann auf den nächsten Tag übertragen.
  • Die Eisenhower-Methode ist vermutlich der Ursprung der ABC-Methode. Sie geht auf den amerikanischen General und US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower zurück und erinnert im Kern an eine klassische Postkorbübung. Eisenhower empfahl damals, Aufgaben jeweils in zwei Kategorien zu unterteilen: Sind sie wichtig oder unwichtig, eilig oder nicht eilig? Um das Ganze etwas anschaulicher zu gestalten, empfahl er – wie in der Abbildung – ein Koordinatensystem für diese Kategorien anzulegen, in dem die Aufgaben später eingetragen werden – wenn schon nicht physisch, dann wenigstens gedanklich. Der Quadrant rechts unten ist eigentlich nichts weiter als ein Papierkorb. Diese Aufgaben kann man getrost vergessen: weder eilig noch wichtig. Eine Spalte darüber sieht das schon anders aus (unwichtig zwar, aber eilig). Diese Jobs sollten Sie delegieren. Aufgaben wiederum, die nicht eilig, aber wichtig sind (unten links), gehören in den Kalender eingetragen und Schritt für Schritt abgearbeitet. Bleiben noch die Obliegenheiten oben links: eilig und wichtig. Also sofort erledigen! Natürlich wäre es müßig, ein solches Koordinatensystem täglich anzulegen. Ziel ist deshalb, das Prinzip zu verinnerlichen, sodass sie es bald intuitiv anwenden können.
  • Das GTD-Prinzip steht für Getting Things Done und geht auf David Allen zurück. Dahinter steckt die Idee, zuerst alle Aufgaben zu sammeln, die erledigt werden müssen, und sie dann in einem logischen System (etwa einem Kalender) zu notieren, um so den Kopf für Wichtigeres freizubekommen. Anschließend muss man nur noch für jede neue Aufgabe diszipliniert entscheiden, ob diese sinnvoll ist und in den Plan intergriert wird, damit man stets weiß, was der nächste Schritt ist. Oder kurz: Reduziere Projekte auf den nächsten elementaren Teilschritt und strukturiere Schritte nach Zeitpunkt und Ausführungsort! Klingt kompliziert, ist aber nichts anderes als jeden Tag aufs Neue Prioritäten zu setzen.
  • Die PIDEWaWa-Methode steht für: Positiv, Ist-Zustand, Detailliert, Erreichbar, Wann, Warum, wurde von der Zeitmanagement-Expertin Cordula Nussbaum erfunden und bedeutet nichts anderes als seine Ziele positiv, im Präsens und konkret zu formulieren, damit man motiviert bleibt, sofort beginnen kann und auch genau weiß wie. Die Ziele müssen erreichbar, sprich realistisch sein. Man sollte sich dafür einen Zeitrahmen setzen (bis wann?) und auch begründen können, was einem daran so wichtig ist (warum?).
  • Die SMART-Methode soll bei der Formulierung von Zielen helfen und steht für: Ziele so spezifisich wie möglich zu beschreiben, sich dabei an messbaren Fakten zu orientieren, aktionsorientiert zu planen – sprich: so, dass man auch Lust hat, das umzusetzen und schließlich ebenso realistisch wie terminlich zu planen, also etwa: Bis Ende des Jahres will ich 10 Prozent mehr verdienen.

So gelingt der Start für Freelancer

Ollyy/shutterstock.comHaben Sie sich nach Abwägung aller Fragen und Faktoren für den Start in die freie Selbstständigkeit entschieden, sollten Sie das Projekt natürlich strukturiert und strategisch angehen. Damit Ihnen der Start gelingt - und Sie häufige Fehler vermeiden - haben wir im Folgenden neun bewährte Tipps zusammengetragen.

Welche Sie wie umsetzen und welche am besten zu Ihrer Situation passen, müssen Sie selbst entscheiden. Das macht auch gleich einen wichtigen Grundsatz deutlich: Natürlich können und sollten Sie als Freelancer von anderen lernen. Doch das Kopieren anderer Modelle oder die buchstabengetreue Nachahmung werden in der Regel schief gehen. Trauen Sie sich, Ihren eigenen Weg zu gehen.

  • Der Anfang ist alles andere als einfach. Daher sollten Sie im Vorfeld alles so gut wie möglich vorbereiten. Egal ob Arbeitsplatz oder Hilfsmittel, die zum erfolgreichen Arbeiten benötigen. Von jetzt an ist Ihr Haus oder Ihre Wohnung auch Ihr Arbeitsplatz. Organisation und Ordnung sind für produktive Arbeit unverzichtbar.
  • Achten Sie auf die Außenpräsentation Ihres Unternehmens beziehungsweise Ihre Arbeit. Ihr Logo und Ihre Webseite sollten Professionalität ausstrahlen, denn sie sind die Visitenkarte Ihre. Qualität zahlt sich aus.
  • Die Erstellung eines realistischen Zeitplans sollte am Anfang Priorität haben. Kurz-, mittel- und langfristige Ziele helfen, strukturiert und effizient zu arbeiten. Zudem hält jeder gesetzte Haken auf der To-Do Liste Ihren Enthusiasmus und Ihre Motivation hoch.
  • Freelancer können sich ihre Zeit frei einteilen… denkt man. Da aber die meisten Kunden traditionellen Arbeitszeiten folgen, ist es ratsam, sich als Freelancer soweit wie möglich an den Arbeitszeiten der Kunden zu orientieren. Dadurch ist eine gute Erreichbarkeit und schnelle Reaktionszeit gewährleistet. Ihr ökonomisches Erfolg als Freelancer hängt zu einem großen Teil von diesen Faktoren ab.
  • Vor allem in der Anfangszeit als Freelancer fokussieren Sie Ihre ganze Konzentration möglicherweise auf ein bestimmtes Projekt. Das ist gut für das Projekt, aber nicht unbedingt für Ihre Zukunft. Schon während der Arbeit an einem Projekt sollten Sie Ihre eigene Arbeit reflektieren, um in Zukunft noch erfolgreicher und besser zu arbeiten. Kein Arbeitsfeld ist je stabil. Entwicklungen finden ständig statt. Nur wer auf dem neuesten Stand bleibt, kann auch auf Dauer erfolgreich sein.
  • Als Freelancer sollten Sie die vielfältigen Möglichkeiten des Internets nutzen. Soziale Netzwerke bieten Chancen, Ihre Qualitäten und Fähigkeiten bei der Zielgruppe bekannt zu machen. Diese können Sie nutzen, um neue Kontakte zu finden und Ihnen als gute Plattform für Fachfragen dienen.
  • Einen Steuerberater zu engagieren nimmt viel Arbeit ab und schafft einen freien Kopf und Zeit für die wesentlichen Dinge. Stapel von Rechnungen und Forderungen können belastend und ablenkend sein. Warum also nicht abgeben an jemanden, der sich damit wirklich auskennt? Ein Steuerberater kann sich um alle finanziellen Dinge kümmern und hilft Ihnen, sich auf Ihren eigentlichen Job zu konzentrieren.
  • Konstanz ist der Schlüssel zum Erfolg. Auch wenn Dinge nicht so laufen wie erwartet, sollten Sie als Freelancer nicht den Mut und die Motivation verlieren. Steine auf dem Weg nach oben sind normal. Behalten Sie Ihr Ziel im Blick und gehen Sie Schritt für Schritt darauf zu. So kommen Sie Ihrem Erfolg kontinuierlich näher.

Weiterbildung und Fördergelder für Freelancer

Kontinuierliche Weiterbildung ist für Freelancer noch wichtiger als für Angestellte, sind sie doch auf ihre Kompetenz und ihre Fachkenntnisse als Existenzgrundlage direkt angewiesen. Leider gibt es in Deutschland nur wenige Förderprogramme, die Freelancer dabei finanziell unterstützen.

Ein bundesweites Programm gibt es jedoch: Die Bildungsprämie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie kann eine Weiterbildung mit maximal 500 Euro bezuschussen. Als Voraussetzung gilt, dass das zu versteuernde Jahreseinkommen eine Grenze von 20.000 Euro bei Alleinstehenden und 40.000 Euro bei Ehepaaren nicht übersteigt. Außerdem müssen die Kurse fachliche Fähigkeiten oder Kenntnisse, die für die aktuelle Tätigkeit und deren Erweiterung essentiell sind, vermitteln. Nähere Informationen zur Bildungsprämie finden Sie auf der gleichnamigen Webseite.

Andere Förderprogramme wurden in den letzten Jahren entweder eingestellt oder befinden sich gerade in einer unklaren Situation, da oftmals die nötigen Mittel nicht freigegeben oder bewilligt wurden. Grundsätzlich können Sie als Freelancer jedoch bei Ihrer Kommune oder dem jeweiligen Bundesland beziehungsweise dem jeweils zuständigen Ministerium für Arbeit und Soziales nach Fördermöglichkeiten fragen. Im Vorfeld sollten Sie jedoch einige Punkte klären:

Wie Sie sehen, ist die Liste der für Freelancer verfügbaren Weiterbildungsförderprogramme recht kurz. Damit Sie die Förderung der genannten Programme überhaupt nutzen können. Vor der Antragsstellung für eine Förderung sollten Sie jedoch einige Punkte klären.

  • Prüfen Sie im Vorfeld - also deutlich vor der Antragsstellung - ob Ihre Wunsch-Weiterbildung förderungsfähig ist.
  • Sollte das nicht recherchierbar sein, wenden Sie sich an die Bildungsträger und Beratungsstellen sowie die vor Ort zuständigen Ämter.
  • Achten Sie bei der Antragsstellung darauf, die Förderbedingungen im Antrag optimal zu erfüllen.
  • Klären Sie unbedingt, ob die Förderung vor (unwahrscheinlich), während (möglich) oder nach der Weiterbildung (die Regel) gezahlt wird.
  • Bei verschiedenen Banken können auch Freelancer Bildungs- oder Weiterbildungskredite beantragen. Rechnen Sie hier jedoch genau durch, ob sich eine solche Finanzierung für Sie lohnt.

Preisgestaltung für Freelancer

igor.stevanovic/shutterstock.comEin Punkt, mit dem sich viele Freelancer zu wenig oder erst zu spät beschäftigen: Was kann und muss der Freiberufler für seine Arbeit verlangen?

Eines gilt dabei immer: Verkaufen Sie sich nie unter Wert! Preise zu senken ist leichter, als diese anzuheben. Auch wenn Kunden und Klienten versuchen zu feilschen: Qualität sollte ihren Preis haben und behalten. Geiz ist keinesfalls geil. Lassen Sie sich lieber ein paar Extras raushandeln, statt den Preis zu reduzieren. Es sei denn, der ist absolut nicht konkurrenzfähig.

Tages - oder Stundensätze

Es gibt verschiedene Wege, Ihre Preise zu kalkulieren. Eine Option ist, sich selbst wie einen Angestellten zu betrachten: Fragen Sie sich, wie hoch das Bruttogehalt eines Angestellten Ihrer Branche und Position ist. Es genügt natürlich nicht, dieses Gehalt einfach auf die Arbeitsstunden runter zu rechnen. Da Sie als Freelancer für Ihre Sozialabgaben, Krankheitstage, Urlaubstage und die Altersvorsorge selbst verantwortlich sind, müssen Sie auch diese mit einbeziehen.

In einigen Branchen ist es üblich, dass der Freelancer in Vorleistung geht. Gerade im kreativen Bereich möchten Kunden oft zuerst ein paar Ideen sehen. Skizzen, Entwürfe oder ganze Konzepte machen Arbeit, die Ihnen zunächst nicht bezahlt wird. Sehen Sie diesen Punkt nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition. Aber setzen Sie hier klare Grenzen was den Umfang und Zeitaufwand angeht. Natürlich besteht immer die Gefahr, dass Ihr Konzept zwar gut ankommt, den Auftrag aber jemand anderes bekommt. Das ist eben das unternehmerische Risiko. Hier hilft nur auch solche kleineren Niederlagen in die Preise einzukalkulieren.

Festpreise

Entscheiden Sie sich dafür, für einzelne Projekte Festpreise anzubieten, sollten Sie vorher genau überlegen, welche Leistungen im Angebot enthalten sind und wie hoch der Zeitaufwand hierfür ist. Gerade dabei sollten Sie so realistisch wie möglich kalkulieren. Natürlich wollen Sie für Ihren Kunden (und auch für sich selbst) den Auftrag so schnell wie möglich umsetzen, wenn das Projekt allerdings aus dem Ruder läuft und Sie erheblich mehr Zeit aufwenden müssen, als vorgesehen war, bedeutet das erhebliche Verluste für Sie. Besonders dann, wenn der Kunde immer wieder Extrawünsche hat, die nicht in Ihrem Zeitplan vorgesehen sind, sollten Sie dies vorab ansprechen, gegebenenfalls vom Festpreis ausnehmen und sich entsprechend extra bezahlen lassen.

Alarmzeichen für Freelancer: Nicht mit diesen Kunden!

Ollyy/shutterstock.comApropos Extrawünsche: Es kann und wird immer wieder Kunden geben, die deutlich mehr Arbeit verursachen, als sie wert sind. Solche Kunden sind nicht nur unangenehm, sondern können echte Probleme verursachen. Die Bandbreite reicht von unverschämt hohen Nachforderungen über viel zu kurzfristig vorgebrachte Zusatzwünsche bis hin zu rechtlichen Schritten, die mancher Kunde gegen Freelancer einleitet. Solche Probleme lassen sich einfachsten umgehen, in dem Sie den Kontakt mit entsprechenden Kunden vermeiden. Unsere Warnzeichen helfen Ihnen dabei.

Denken Sie jedoch immer daran: Einzelne Warnzeichen machen für sich genommen noch keine grauenhaften Kunden aus. Sobald Sie aber drei oder mehr Warnzeichen bei einem Kunden wiederfinden, sollten Sie auf der Hut sein und von einer Zusammenarbeit Abstand nehmen.

Warnzeichen für Freelancer

  • Die erste Frage des Kunden beim Erstkontakt lautet: „Was wird das kosten?“
  • Der Kunde erwartet von Ihnen eine exakte Einschätzung der benötigten Zeit, bevor Sie überhaupt Details kennen.
  • Sie werden mit den Worten: „Wir sind die perfekte Kombination“ begrüßt.
  • Die erste Analyse soll möglichst umfassende ausfallen… und natürlich kostenlos sein.
  • Ihre Honorarangabe wird mit: „Na, da geht noch was“ kommentiert.
  • Der Forderungskatalog Ihres Kunden ist lang, die Bereitschaft, etwas dafür zu tun, dafür umso geringer.
  • Sie sollen zwar für das Unternehmen arbeiten, erhalten jedoch keinerlei Informationen und werden auch auf Nachfrage mit Hinweis auf „interne Informationen“ abgewimmelt.
  • Der erste Kontakt ist euphorisch, die Zusammenarbeit danach wird zäh und mühsam.
  • Wenn Sie den Erstkontakt anderen Freelancern beschreiben, wissen diese sofort, um welches Unternehmen es sich handelt.
  • Bereits eine einfache Frage zum Unternehmen führt bei Ihren Freelancer Kollegen zu kollektivem Aufstöhnen und verdrehten Augen.
  • Absprachen werden von Beginn an nicht klar getroffen und das Unternehmen weigert sich, Ihnen schriftliche Anweisungen zukommen zu lassen.
  • Trotz mehrfacher Nachfrage erhalten Sie keinen festen Ansprechpartner beim Kunden.
  • Ihr Kunde vermeidet persönlichen Kontakt, so gut es irgend möglich ist.
  • Sie müssen für die Zusammenarbeit eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen, die eher auf hoch geheime Produktentwicklung denn auf ein normales Projekt schließen lässt.
  • Es treten immer wieder Verzögerungen auf Seiten des Kunden auf, die Sie dann regelmäßig reinarbeiten und aufholen müssen.
  • Der Kunden ändert immer wieder seine Anforderungen und Erwartungen, will Preis und Deadlines jedoch unverändert lassen.
  • Telefonisch und schriftlich wird immer wieder betont, wie sehr Ihre Arbeit geschätzt wird. Über den Preis wird dennoch ständig verhandelt.
  • Ihre Empfehlungen werden grundsätzlich zugunsten unternehmensinterner Entscheidungen ignoriert.
  • Bei Fragen Ihrerseits lautet die Standardantwort im Unternehmen: „Das fällt nicht in meine Zuständigkeit.“
  • Ihr Hinweis auf das fällige Honorar wird während der gesamten Konzeptphase ignoriert.
  • Der Kunde weist immer wieder darauf hin, dass das Projekt Ihnen enorme Reputation bringen wird.
  • Es ist ständig von Synergien die Rede, die sich aus dem Projekt für Sie ergeben werden.
  • Der Kunde verspricht Ihnen zahlreiche neue Kontakte - vermittelt Ihnen jedoch keinen einzigen.
  • Ihnen werden primär die Aufgaben zugeschoben, die im Unternehmen niemand übernehmen will.
  • Sie müssen für das Projekt relevante Informationen ständig abfragen und bekommen diese nicht vom Unternehmen geliefert.
  • Notwendige Ressourcen und Materialien werden auch nach mehreren Wochen nicht vom Unternehmen geliefert.
  • Ihre Rechnungen werden wochenlang nicht beglichen, der Eingang noch nicht einmal bestätigt.
  • Ihre Ideen werden abgewiegelt, tauchen später jedoch in internen Entwürfen als Ideen von Mitarbeitern auf.
  • Sie werden immer wieder daran erinnert, dass Sie „nur extern“ sind.
  • Konzepte werden abgenickt, dann jedoch vollständig umgestellt und dennoch Ihnen zugeschrieben.
  • Sie sollen die Verantwortung für Fehler des Unternehmens übernehmen.
  • Ihnen wird regelmäßig vorgehalten, dass es „auch billigere Konkurrenten“ gibt.
  • Sie haben vom ersten Kontakt an ein schlechtes Bauchgefühl.

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