AmbitionAim high! – Wer den Erfolg sucht, sollte hoch zielen und GROSS denken. Eben nicht wie ein Kleingeist. Die Visionäre dagegen überstrahlen schon in der Uni ihre Kommilitonen durch ihren Anspruch und ihre Leistungen; sie erklimmen die Karriereleiter im Sauseschritt, erreichen prestigeträchtige Jobs, ebensolche Einkommen, Häuser, Autos, Traumpartner… Das Leben ist schön! Die geheimnisvoll treibende Kraft dahinter nennt man Ambition – oder zu deutsch: Ehrgeiz. Ambitionen haben schon so mancher Karriere zu Glanz und Glorie verholfen. Sie können Menschen aber auch zerstören…

Ist Ehrgeiz wichtiger als Intelligenz?

EhrgeizVon dem französischen Schriftsteller Victor Hugo stammt angeblich der Satz: “Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist”. Der Volksmund wiederum sagt: “Wo ein Wille ist, da findet sich auch ein Weg.” Beides stimmt. Doch nutzt die beste Idee nichts, wenn dem erleuchteten Geist der Ehrgeiz fehlt, diese in die Tat umzusetzen. Die schönste Idee ohne Plan ist eben nur ein frommer Wunsch. Ohne Ambition, ohne den mitunter sturen Willen zur Machbarkeit, wären Erfindungen und Entwicklungen ausgeblieben, hätte manche berufliche Karriere nie stattgefunden, würden sich hoch bezahlte Spezialisten weiter als Straßenmusiker durchs Leben schrammeln.

Kurz: Ambitionen sind eine der wesentlichen Triebfedern des Erfolgs.

Und dieser Ehrgeiz ist offenbar wichtiger als Intelligenz. Als die Personalberatung Heidrick & Struggles vor einiger Zeit gut 1000 deutsche Manager dazu befragte, welche Kriterien die für ihre Karriere für besonders förderlich halten, gab es ein überraschendes Resultat: Nicht Herkunft, nicht Bildung oder gar Intelligenz waren laut den Befragten ausschlaggebend – Ehrgeiz und ein funktionierendes Netzwerk waren vielmehr die wichtigsten Kriterien für den beruflichen Aufstieg.

Insgesamt wurden bei der Umfrage zwölf Karrierekriterien abgeklopft und dafür so eine Art Schulnoten von 1 für sehr wichtig bis 4 für unwichtig vergeben. Und siehe da: Die Kriterien Ehrgeiz beziehungsweise Gute Netzwerke erhielten jeweils die Bestnoten von 1,58.

Die Ergebnisse im Überblick

Welche Faktoren für die Karriere entscheidend sind:

  • Ein klares Wertegerüst (Note: 1,79),
  • Hohe Sozialkompetenz (1,83),
  • Herausragende Leistungen (1,83),
  • Führungsstärke (1,85),
  • Ein starker Mentor (2,05),
  • Ein gute Konstitution (2,05)
  • Glück (2,13)
  • Soziale Herkunft (2,33),
  • Stabile Ehe/Partnerschaft (2,35)
  • Herausragende Intelligenz (2,5)

Was sind Ambitionen

Laut Wikipedia versteht darunter…

…das im Charakter verankerte Streben eines Menschen nach persönlichen Zielen, wie Leistung, Erfolg, Anerkennung, Einfluss, Führung oder Macht. Anders als Engagement ist Ehrgeiz eher auf den eigenen Nutzen als auf altruistische Ziele gerichtet. Aber anders als das Besitzstreben ist Ehrgeiz allerdings auch nicht oder höchstens indirekt auf materielle Vorteile gerichtet.

ErfolghatseinenPreisMan könnte auch sagen: Wer ehrgeizig ist, der will begehrt, bewundert und geliebt werden. Erfolg macht sexy und so.

Frauen fühlen sich zu ehrgeizigen Männern hingezogen, Männer wiederum entwickeln unglaubliche Ambitionen, um auf die attraktivsten Frauen verführerisch zu wirken – bis hin zur protzigen Formel: mein Haus, mein Auto, mein Boot. So gesehen waren Sex und Ehrgeiz schon immer Geschwister.

Dabei ist es kein Schicksal, ambitioniert zu sein. Teile davon sind zwar genetisch bedingt, glaubt etwa der US-Psychologe Dean Simonton von der Universität von Kalifornien: “Ehrgeiz ist Energie plus Entschlossenheit”, sagt Simonton. Er brauche aber auch Ziele, auf die es sich hinzuarbeiten lohnt, damit sich die inneren Antriebskräfte entfalten.

Je konkreter diese Ziele, je plastischer die damit verbundene Befriedigung, desto größer die Leidenschaft, die einer dafür entwickelt.

Segen und Fluch der Ambition

Ambitioniert“Ehrgeiz, Eitelkeit, Stolz – das sind Kräfte, die eine ungeheure Elastizität haben und einen Menschen weit bringen können”, schrieb 1843 der dänische Existenzphilosoph und Theologe Søren Kierkegaard. Es sind aber auch dieselben Kräfte, die manche ins Verderben stürzen, wie etwa den Banker Jérôme Kerviel, dessen Gier nach Anerkennung seinerzeit der französischen Großbank Société Générale den stolzen Verlust von knapp 4,9 Milliarden Euro bescherte.

Die einen treibt ihr Ehrgeiz zur Macht, andere zu immer neuen Rekorden, wieder andere in die unternehmerische Freiheit. Er durchbricht Tabus und Denkverbote, überwindet Ängste, beflügelt und motiviert, Hindernisse zu überwinden, Unerreichbares anzuvisieren und sich selbst und anderen etwas zu beweisen.

Doch darin liegt eben auch seine Gefahr: Ehrgeiz kann unterschiedlich stark ausfallen, von sportlich bis krankhaft, oder wie Paracelsus sagen würde: “Die Dosis macht das Gift.”

Wer überambitioniert ist, dem ist irgendwann jedes Mittel recht. Er sucht den Erfolg um jeden Preis – koste es, was es wolle. Und wenn es gar die Seele oder Gesundheit ist. So wie bei Ikarus, dem seine Ambitionen, der Sonne entgegen zu fliegen, doch nur den Untergang gebracht haben.

Machen Ambitionen glücklicher?

Ambition-SchildViele ambitionierte Menschen haben sich aus ungünstigen Verhältnissen nach oben gearbeitet. Oft haben sie eine Eigenschaft gemein, die der Stuttgarter Eignungsdiagnostiker Heinz Schuler “kompensatorische Anstrengung” nennt: Aus Angst vor dem Abstieg entwickeln diese Menschen enorme Mühen und Kontrollstrategien, um ihren Status zu steigern – selbst auf die Gefahr hin, zum Streber zu mutieren.

“Der Preis für Ehrgeiz ist hoch”, sagt Manfred Kets de Vries, Leiter des Global Leadership Centre der französischen Business School Insead. Und der Grat zwischen aufbauendem und fehlgeleitetem Ehrgeiz ist schmal. Läuft es gut, können Ehrgeizige Berge versetzen; läuft es schlecht, können sie ganze Länder ins Verderben stürzen, wie die Geschichte zeigt.

Aber wie sieht es innen drin aus? Machen diese Menschen ihre Ambitionen glücklicher?

“Nein”, sagt Timothy Judge, Management-Professor an der Universität von Notre Dame. Zwar würden sich Ambitionen unzweifelhaft positiv auf Karrieren auswirken, doch seien die Betroffenen kaum glücklicher als ihre weniger ambitionierten Kollegen. Und kürzer leben sie auch noch!

Es war eine Mammutaufgabe: Judge beobachtete 717 talentierte Probanden und deren Lebensläufe über einen Zeitraum von sieben Dekaden. Natürlich nicht permanent und auch nicht immer von denselben Wissenschaftlern. Aber in der Langzeitstudie registrierten die Forscher sowohl deren Werdegang, der einige Probanden gar an die renommiertesten US-Elite-Hochschulen wie Harvard, Yale oder Princeton führte, als auch deren Ehrgeiz in den einzelnen Ausbildungs- und Berufsstationen. Und natürlich auch, wie glücklich sich die Teilnehmer in den jeweiligen Lebensabschnitten fühlten.

Am Ende zeigte sich, dass Ambitionen einen viel geringeren Einfluss auf die Zufriedenheit und das Lebensglück der Teilnehmer hatten als angenommen.

Zugegeben, die Ehrgeizigen waren am Ende zwar meist erfolgreicher als die anderen, aber gesünder und besser drauf waren sie nicht. “Womöglich haben all die Investitionen in die Karriere auch ihre Kosten”, folgert Judge aus seiner Studie. “Für das Lebensglück zahlen sich vor allem Gesundheit, stabile Beziehungen mehr aus.”

Erfolg hat seinen Preis

Ehrgeiz-AmbitionenJede Karriere hat ihren Preis. Dabei ist der größte Kostenfaktor der am stärksten ignorierte: die Zeit.

Beruflicher Erfolg stellt sich nur ein, wenn man mehr und besseres leistet als andere. Folglich bleibt weniger Freiraum für eigene Belange – die Familie, Kinder, Freunde, Hobbys. Anfangs fällt das nicht auf, die Freunde und Partner haben vielleicht ähnliche Ambitionen. Doch irgendwann fallen die Partys aus, weil man noch arbeiten muss; der Urlaub beschränkt sich auf Wochenenden mit iPad und iPhone; Freundschaften mutieren zu Zweckgemeinschaften. Die Einsamkeit wächst.

Erfolg kostet Kompromisse, fürwahr. Doch opfern eben viele für ihre Ambitionen auch Werte:

  • Wozu schweigt man sehenden Auges?
  • Wozu sagt man noch ja, wenn das Gewissen bereits nein schreit?

Oft ist das ein schleichender Prozess. Konzessionen beginnen mit Sprache, dann werden Verhaltsweisen angeglichen, zum Schluss folgt die moralische Rechtfertigung über den Brauch: Das machen hier alle so!

Wer solche Kompromisse zu oft schließt, wird sich selbst immer fremder, bis er nur noch eine Hülle ist – so dickfellig, dass sie auch ohne Rückgrat aufrecht stehen kann. In der Fachliteratur spricht man von der deformation professionell, der deformierten Persönlichkeit. So weit haben es diese Ehrgeizlinge gebracht: Sie bilden eine bedauernswerte Gattung.

Es schadet also nicht, sich das, seine Ambitionen und deren Folgen gelegentlich bewusst zu machen. Erfolg ist und bleibt eine Frage der Balance eigener Ziele. Eine gesunde Distanz zum eigenen Status zu bewahren, Bodenhaftung zu behalten – das sind essenzielle Gegenmittel. Vor allem aber: den Preis, den man gerade noch bereit ist zu zahlen, im Auge zu behalten.

So habe ich noch nie von jemandem auf dem Sterbebett gehört, der sich an seine großartige Karriere erinnerte. Wohl aber von Menschen, die bedauerten, zu wenig Zeit mit der Familie, mit Freunden oder den Dingen, die sie lieben verbracht zu haben.

Deshalb die Frage an Sie: Wie ehrgeizig sind Sie?

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