Bewerbung Blog

Bewerbung per Blog - was noch vor wenigen Jahren nach Idealismus und Fantasie klang, gehört heute in online affinen Branchen fast schon zur Normalität. Zwar sind Bewerbungen per Blog in Deutschland noch längst nicht so akzeptiert wie beispielsweise in den USA, doch auch hierzulande sind Blogs für Bewerber relevant und wichtig. Denn ein eigenes Blog kann - im Zusammenspiel mit sozialen Netzwerken - die eigene Kompetenz hervorragend präsentieren und deutlich machen. So lässt sich ein klares Profil aufbauen - und die Aufmerksamkeit von Arbeitgebern erregen...

Bewerbung per Blog: Die passende Strategie?

Ob eine Bewerbung per Blog für Sie überhaupt infrage kommt, hängt primär von zwei Faktoren ab: Den Gepflogenheiten und Kommunikationsgewohnheiten Ihrer Branche und Ihrer eigenen Affinität zum Bloggen. Nach wie vor gibt es Branchen und Bereiche, in denen Blogs, soziale Netzwerke und generell Online-Bewerbungen - von den Systemen der Unternehmen selbst abgesehen - skeptisch betrachtet werden und teilweise mehr schaden als nützen. Dass Sie Ihre Jobsuche in solchen Branchen eher auf traditionelle Bewerbungswege und offline Netzwerke ausrichten sollten, versteht sich von selbst.

Doch selbst in eher traditionellen Branchen kann ein Blog für Bewerber sinnvoll sein, wenn Sie beispielsweise...

  • ... früher oder später in eine affine Branche wechseln wollen.
  • ... einen Ausstieg in die Selbstständigkeit planen.
  • ... sich für Leitungsaufgaben empfehlen wollen.
  • ... auf einen Job bei den fortschrittlicheren und offeneren Unternehmen Ihrer Branche spekulieren.

Wenn Sie jetzt spontan mit Gedanken wie „zu viel Aufwand“ oder „Was soll ich denn schreiben?“ reagieren, ist das schon mal ein gutes Zeichen. Dadurch zeigen Sie, dass Sie die Idee nicht völlig ablehnen und ein Blog zumindest in Erwägung ziehen. Der Aufwand ist, das geben wir gerne zu, zwar nicht unerheblich, doch der potenzielle Nutzen überwiegt deutlich.

Bewerbung per Blog: Nutzen Sie Chancen optimal

Photosani/shutterstock.comDamit Sie von Ihrem Blog fachlich und beruflich profitieren - und Ihre Bewerbung damit schlussendlich stärken - können, sollten Sie sich für die Wahl des passenden Themas Zeit nehmen. Neben der fachlichen Relevanz für Ihren Beruf und Ihre (künftige) Karriere sollten Sie vor allem darauf achten, dass das Thema Sie wirklich interessiert und Sie auch mittel- und langfristig dranbleiben.

Ein Blog ist immer ein perspektivisch angelegtes Projekt und es wäre fatal, wenn Sie nach wenigen Wochen merkten, dass Ihr Thema Sie eigentlich gar nicht interessiert. Neben Ihrem Interesse sollten Sie jedoch vor dem Start Ihres Blogs auch eine Art Marktanalyse durchführen. Konkret können Sie dazu folgenden Fragen nutzen:

  • Welche Blogs befassen sich bereits mit dem Thema?
  • Welche Aspekte des Themas greifen diese auf?
  • Wie sieht der fachliche Hintergrund und die Erfahrung der Blogger in diesem Bereich aus?
  • Welche Netzwerke gibt es unter diesen Bloggern?
  • Wie passt mein geplantes Blog in dieses Netzwerk?
  • Welche Aspekte werden bisher nicht oder nur oberflächlich behandelt?
  • Welche Nische kann ich mir noch sichern?
  • Sind die verfügbaren Nischen für mich und für Unternehmen interessant?
  • Wenn nicht, wie kann ich mich dann positiv von anderen Blogs abheben?

Beantworten Sie diese Fragen ehrlich, gewinnen Sie in kürzester Zeit einen Überblick über die Blog-Landschaft Ihres Fachgebiets und können einschätzen, über welche Merkmale Sie sich von anderen Blogs abheben können.

Blog im Lebenslauf?

Immer wieder erreicht uns von Lesern eine Frage: "Soll ich mein Blog und meine online Aktivitäten in meinem Bewerbungsschreiben und im Lebenslauf erwähnen?" Die Antwort ist ein klares: Das kommt darauf an... Ernsthaft: Bewerbern Sie sich in einer konservativen Branche, die Social Media und Blogs skeptisch gegenübersteht, haben Ihre online Kanäle in der Bewerbung nichts zu suchen. Sie sollten diese dann zwar nicht verheimlichen - immerhin könnte im Vorstellungsgespräch dazu eine Frage kommen - doch eben auch nicht aktiv ansprechen.

Bewerben Sie sich jedoch in einer Branche, die online affin ist und in der Blogs gelesen werden, können und sollten Sie Ihre online Aktivitäten prominent in Anschreiben und Lebenslauf einbinden. Je nach Job können Sie diese sogar als Beleg für die Qualität Ihrer Arbeit nutzen.

Bloggen als Netzwerkarbeit

Sergey Nivens/shutterstock.comSo sehr der oben beschriebene Ansatz nach einer Konkurrenzanalyse klingt, so wenig sollte Konkurrenz beim Bloggen für Sie eine Rolle spielen. Andere Blogger Ihres Fachgebiets sind keine Konkurrenten, sondern potentielle Netzwerkpartner, zu denen Sie nach und nach Kontakte aufbauen sollten. Dazu dienen auch Verlinkungen auf andere Blogs, deren Erwähnung in Artikeln und das Aufgreifen von Ideen und Ansätzen aus anderen Beiträgen - natürlich immer mit Quellennennung und einem entsprechenden Link.

Nein, nicht alle Blogger werden darauf positiv reagieren oder sich auch mit Ihnen vernetzen wollen. In manchen Themengebieten ist der Konkurrenzgedanke leider noch sehr stark. Das sollte Sie jedoch nicht davon abhalten, auf aktive Netzwerkarbeit zu setzen. Erstens belohnt Google eine gute Vernetzung mit anderen Blogs und zweitens können Sie so Ihre Reichweite und Sichtbarkeit deutlich steigern.

Aktive Netzwerkarbeit kann für die Bewerbung weitere Chancen und Möglichkeiten bieten, die eng mit der Bewerbung per Blog zusammenhängen. Denn die Vernetzung mit anderen Bloggern kann Ihnen die Chance auf höhere Sichtbarkeit bieten und zwar durch... Gastartikel.

Direkte Anfragen, ohne selbst über eine gewisse Reputation oder Referenzen zu verfügen, sind in der Regel zum Scheitern verurteilt. Zu zahlreich sind solche Anfragen vor allem bei großen Blogs. Viele davon sind leider austauschbar, nichts sagend und qualitativ alles andere als hochwertig.

Große und/oder etablierte Blogs - und nur diese sind als Plattform sinnvoll - stellen meist hohe Ansprüche an…

  • … Sprach- und Schreibstil.
  • … Aufbau und Struktur des Artikels.
  • … Argumentation und Inhalt.
  • … den Mehrwert des Artikels.

Bewerber müssen hier einen Spagat bewältigen: Einerseits muss der Gastartikel den Lesern des Blogs Mehrwert bieten und darf nicht zu werblich sein. Andererseits sollte die Jobsuche deutlich werden und passende Unternehmen ansprechen.

Sowohl die Recherche als auch das Verfassen von Gastartikeln kostet Zeit, Energie und oft auch Nerven. Warum sollten sich Bewerber diesen Aufwand antun? Die Antwort ist einfach: Weil Gastartikel in großen und bekannten Blogs

  • … die Sichtbarkeit und Reichweite der eigenen Inhalte enorm steigern können.
  • … von Influencern und Entscheidern gelesen werden.
  • … das eigene Netzwerk deutlich erweitern können.
  • … für den Reputationsaufbau wertvoll sind.
  • Traffic auf die eigene Seite bringen können.

Strategisch platzierte Gastartikel können das eigene, qualitativ hochwertige Bewerbungsblog zusätzlich stärken und bekannt machen.

Bewerbungsrisiko Blog: 33 Warnzeichen

So viele Vorteile und Chancen die Bewerbung per Blog auch bietet, ist dieser Ansatz doch nicht für alle Bewerber gleichermaßen geeignet. Die potenziellen Risiken in konservativen Branchen haben wir bereits angesprochen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere Risiken und Warnzeichen, die gegen den Einsatz und die Nutzung eines Blogs für die Bewerbung sprechen.

  • Sie finden die Idee eines Bewerbungsblogs toll, wissen aber auch nach längerem Nachdenken nicht, worüber Sie schreiben sollen.
  • Themen fallen Ihnen dutzende ein - nur leider begeistert Sie keines davon.
  • Ihr Plan ist, das Konzept eines etablierten Blogs zu kopieren - eins zu eins.
  • Sie hassen Schreiben inbrünstig und können sich nichts anstrengenderes vorstellen.
  • Mit Kritik an Ihren Texten können Sie gar nicht umgehen, daher wollen Sie keine Kommentare zulassen.
  • Ihre Entscheidung läuft auf Bewerbungsblog oder soziale Netzwerke hinaus - für beides haben Sie keine Zeit.
  • Ihnen fallen zwar Themen ein - doch die reichen gerade mal für drei bis vier Artikel. Danach herrscht gähnende Leere in Ihrem Kopf.
  • Sie sehen das Blog als temporäres Projekt, dass innerhalb weniger Wochen Erfolge - also Anfragen potentieller Arbeitgeber - generieren muss.
  • Ihre Kernthemen und Kompetenzen sind Ihnen noch nicht klar.
  • Sie wollen in Ihrem Blog vor allem vor Ihren ehemaligen - aus Ihrer Sicht miesen - Arbeitgebern warnen.
  • Etablierte Blogs zu Ihren Themen sehen Sie als Konkurrenz, nicht als potentielle Netzwerkpartner.
  • Schreiben wollen Sie schon, doch aktive Netzwerkarbeit ist so gar nicht Ihr Fall.
  • Sie sind davon überzeugt, alle anderen Blogger in den Schatten zu stellen - und schreiben das auch in Ihren Artikeln.
  • Gastartikel in anderen Blogs halten Sie für komplette Zeitverschwendung.
  • Ein eigenes Blog ist für Sie die perfekte Plattform, um Personalern zu erklären, wie sie ihren Job zu machen haben.
  • Sie wollen Ihr Blog nutzen, um andere Blogger darauf hinzuweisen, was sie in ihren Artikeln falsch machen.
  • Natürlich werden Sie jedes Vorstellungsgespräch verbloggen - auch die internen Details, die dort zur Sprache kommen.
  • Diplomatie ist für Sie ein Fremdwort, Sie schreiben immer genau das, was Sie denken.
  • Der Grundsatz, Ihren künftigen Lesern Mehrwert bieten zu müssen, irritiert Sie. Die sollen doch froh sein, dass Sie überhaupt was schreiben!
  • Sie sehen Bloggen als reines Mittel zum Zweck an, von Leidenschaft keine Spur.
  • Apropos Leidenschaft: Ihr Thema wählen Sie ebenfalls rein zweckmäßig - nicht etwas aus Interesse
  • Mit der Wahrheit wollen Sie es im Blog nicht so genau nehmen. Hauptsache, die Artikel klingen gut.
  • Tipps und Tricks fallen Ihnen zur Genüge ein - nur leider nicht zu Ihrem Kernthema.
  • Sie wollen eigentlich über ein ganz anderes Thema bloggen. Es passt nur nicht zu Ihrer Jobsuche.
  • Von Anschreiben und traditionellen Bewerbungen haben Sie die Nase voll, Ihr Blog soll diese komplett ablösen.
  • Sie finden die Idee eines Blogs absolut genial, die Personaler Ihrer Branche sind jedoch allesamt nicht Social Media affin und lesen keine Blogs.
  • Youtube, Twitter, Pinterest, Blog - Sie wollen einfach alles ausprobieren. Viel hilft viel.
  • Sie schreiben gerne und viel, bisher jedoch nur im wissenschaftlichen Kontext. Diesen Stil wollen Sie auch in Ihrem Blog pflegen.
  • Ihnen ist nicht so wirklich klar, was ein Bewerbungsblog bringen soll - Sie versuchen das einfach mal.
  • Bewerbungsstrategien, Redaktionspläne und ähnliches halten Sie für völlig überbewertet. Alles unnötiger Quatsch.
  • Ihre Blogartikel in den sozialen Netzwerken zu teilen fällt Ihnen nicht ein. Die Leser werden Sie schon finden.
  • Natürlich werden Sie Ihre Blogbeiträge bewerben - indem Sie diese auf Fanpages potentieller Arbeitgeber verlinken. Der Kontext ist Ihnen da völlig egal.
  • Kritische Kommentare? Nicht mit Ihnen, die werden Sie auf jeden Fall löschen. Schließlich ist es Ihr Blog.

Personal Branding als Basis

lassedesignen/shutterstock.comSelbst das beste Bewerbungsblog wird für sich genommen jedoch nur wenig oder keine Wirkung zeigen. Personal Branding, also der Aufbau einer Personenmarke durch den Einsatz von Blog, sozialen und Businessnetzwerken und offline Events, lautet hier das Stichwort, das Bewerbern das volle Potenzial zugänglich macht.

Blogartikel sollten nach der Veröffentlichung gezielt geteilt und zur Diskussion gestellt werden. Bewährt hat sich hier vor allem der Ansatz, Artikel potenzieller Arbeitgeber aufzugreifen, diese in eigenen Artikeln weiterzuentwickeln und die jeweiligen Unternehmen dann auch bei der Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken direkt anzusprechen und sich für den Impuls und die Inspiration zu bedanken.

So können Bewerber Unternehmen direkt ansprechen und eigene Artikel promoten, ohne in den Verdacht der Eigenwerbung zu geraten. Grundsätzlich sollten Sie in Ihrem Bewerbungsblog natürlich auch Ihren Online Lebenslauf einbinden und präsentieren.

Formatideen und weiterführende Artikel

Wenn Sie sich jetzt an die Bewerbung per Blog machen wollen, haben wir 25 Formatideen für Blogartikel als PDF für Sie zusammengestellt. Und wenn Sie sich über ergänzende Themen informieren wollen, werden Sie in den folgenden Artikeln fündig.

[Bildnachweis: Sergey Nivens, Photosani, lassedesignen by Shutterstock.com]