“Welche Fragen muss ich denn für das Bewerbungsgespräch unbedingt beantworten können?” – Diese Frage haben wir hier bei der Karrierebibel in verschiedenen Variationen dutzendfach gehört. Mir wird sie meist im Kontext des Coachings gestellt. Dort geht es zwar primär um andere Themen, doch wenn ein Bewerbungsgespräch ansteht, wollen sich meine Coachees natürlich optimal vorbereiten. Das Probleme ist: Auf die eingangs gestellte Frage gibt es keine Patentantwort. Einige Fragen kommen im Bewerbungsgespräch zwar immer wieder vor, doch eine Garantie für das Auftaucht bestimmter Fragen kann es nicht geben. Daher haben wir heute 15 Fragen aus drei verschiedenen Bereichen für Sie zusammengestellt. Diese sind so ausgewählt, dass sie inhaltlich ein großes Themenspektrum – und damit möglichst viele ähnliche Fragen – abdecken. Und diese Themen sind ganz bestimmt Teil des Bewerbungsgespräches.

Im Folgenden finden Sie jedoch nicht nur die Fragen – das wäre dann doch etwas zu wenig – sondern auch Hinweise zu den verschiedenen Antwortmöglichkeiten. Beachten Sie bitte, dass diese bewusst unkonkret formuliert sind. Auf die meisten Fragen gibt es mehr als eine mögliche Antwort und je nach Kontext und Situation können verschiedene Optionen angemessen sein. Nehmen Sie die Ausführungen und Hinweise daher bitte als Impulse und Denkanstöße, nicht jedoch als Musterantworten, die genau so wiedergegeben werden sollen. Das funktioniert ohnehin nicht.

    Berufserfahrung und professioneller Background

  1. Warum wollen Sie Ihren aktuellen Job aufgeben?
    Auch wenn es nach einer Fangfrage aussehen mag, ist es das ganz und gar nicht. Der Personaler hinterfragt hier schlicht Ihre Motivation für den Jobwechsel – und prüft ganz nebenbei, wie professionell Sie sich im Hinblick auf Ihren aktuellen oder ehemaligen Arbeitgeber verhalten. Wer seinen Jobwechsel hauptsächlich mit Problemen im alten Job oder Schwächen des Unternehmens begründet, zeigt damit nur, dass er Problemen ausweicht und den einfachen Weg sucht. Sich deutlich negativ über den ehemaligen Arbeitgeber zu äußern ist generell keine allzu gute Idee.
  2. Was werden Sie am letzten Job am meisten vermissen?
    Diese Frage ist schon schwieriger, denn hier stecken Sie ein wenig in der Zwickmühle: Nennen Sie zu viele Punkte, stellt sich der Personaler die Frage, warum Sie überhaupt gehen. Haben Sie darauf jedoch keine Antwort parat, müssen Sie sich die Frage gefallen lassen, warum Sie dort gearbeitet haben. Einige Punkte sollten Sie daher nennen können – das Team und die Kollegen sind beispielsweise fast immer legitim – doch übertreiben sollten Sie es nicht.
  3. Wenn Sie Ihre Stellenbeschreibung für das kommende Jahr selbst schreiben müssten – was stünde darin?
    Ob diese Frage gefährlich ist oder nicht, hängt in erster Linie vom Zeitpunkt ab, an dem sie gestellt wird. Kommt sie erst spät im Gespräch, nachdem Sie bereits einige der Anforderungen der Stelle kennen, ist die Frage wenig problematisch. Wird sie jedoch direkt zu Beginn gestellt, kann die Antwort zum Risiko werden. In jedem Fall sollten Sie die genannten Anforderungen realistisch halten. Übertriebene und eindeutig unrealistische Vorstellungen machen Ihre Aussage nicht gerade glaubwürdig.
  4. Wie beschreiben Sie Ihren Arbeitsstil?
    Achten Sie bei der Antwort darauf, immer den Bezug zu Ihrem Arbeitsplatz herzustellen. Idealerweise nutzen Sie konkrete Beispiele, Erlebnisse und Projekte, um Ihren Arbeitsstil zu charakterisieren.
  5. Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass Sie Ihre Tagesaufgaben unmöglich alle schaffen können?
    Anders formuliert könnte die Frage auch lauten: Wie setzen Sie Ihre Prioritäten? Bei Ihrer Antwort sollten Sie unbedingt bei der Wahrheit bleiben und Ihre tatsächliche Vorgehensweise beschreiben. Dass dazu auch die Abstimmung mit Vorgesetzten und Kollegen gehören sollte, versteht sich von selbst.
  6. Charakter und Person

  7. Wir kritisieren Sie Kollegen? Nennen Sie bitte eine konkrete Situation.
    Vorsicht Glatteis! Idealerweise wählen Sie ein Beispiel, bei dem nicht alles glatt lief und der kritisierte Kollege die Kritik zu Beginn beispielsweise nicht angenommen hat. Warum? Weil ein perfektes Beispiel erstens unglaubwürdig klingt und zweitens Ihnen nicht die Möglichkeit bietet, Ihren Umgang mit Konflikten darzustellen. Kommentieren Sie bitte auch, was Sie aus dem Beispiel gelernt haben und was Sie seitdem besser/anders machen.
  8. Wie motivieren Sie sich selbst?
    Eine auf den ersten Blick leichte Frage, die jedoch einen Haken hat: Nennen Sie hier hauptsächlich Faktoren, die von äußeren Einflüssen abhängen, disqualifizieren Sie sich selbst. Ihre Motivation sollte auf jeden Fall intrinsisch sein und nicht primär von anderen Menschen oder den Umständen abhängen.
  9. Welche positiven Charaktereigenschaften fehlen Ihnen?
    Hier haben sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Sie können die Frage erstens als Fangfrage benennen und versuchen, das Gespräch auf Ihre Stärken zu lenken: “Das klingt für mich nach einer Fangfrage, meine Stärken sind für die Stelle viel wichtiger…” Das kann funktionieren – oder nach einem Ausweichversuch aussehen. Möglichkeit zwei: Nennen Sie maximal drei fehlende Eigenschaften, stellen bei jedem Punkt jedoch auch dar, wie Sie diese ausgleichen und welche Stärken Sie dafür ins Feld führen können.
  10. Mit welchen Persönlichkeitstypen kommen Sie am besten zurecht? Warum?
    Hier ist schlicht Ehrlichkeit angebracht. Ideal ist es natürlich, wenn Sie zwar Ihre favorisierten Persönlichkeitstypen nennen. Gleichzeitig sollten Sie jedoch zeigen, dass Sie auf einer professionellen und fachlichen Ebene mit allen Persönlichkeitstypen zusammenarbeiten können.
  11. Wie würden Sie damit umgehen, wenn Sie für jemanden arbeiten müssten, der weniger weiß als Sie?
    Achtung, jetzt nur nicht überheblich oder selbstgefällig rüberkommen! Konzentrieren Sie sich bei der Antwort auf die Aufgaben des Vorgesetzten: Koordination, Steuerung und Mitarbeiterführung. Es liegt fast schon in der Natur der Sache, dass beispielsweise ein Abteilungsleiter von einem Fachgebiet weniger weiß, als seine spezialisierten Mitarbeiter. Machen Sie deutlich, dass Ihnen diese Aufgabenverteilung bewusst ist und das reine Wissen für Sie nicht das wichtigste Kriterium darstellt.
  12. Unternehmensphilosophie

  13. Wie sehen die zentralen Eigenschaften einer guten Führungskraft aus?
    Wenn Sie zwei Punkte beachten, ist eine ehrliche Antwort hier die beste Option. Erstens sollten die von Ihnen genannten Eigenschaften nicht unrealistisch hoch angesetzt sein. Zweitens sollten Sie Ihren potentiellen Arbeitsplatz und das Unternehmen im Blick behalten und die Anforderung ein wenig an deren Bedürfnisse anpassen.
  14. Wenn Ihr Chef etwas von Ihnen verlangen würde, von dem Sie nicht überzeugt sind – was würden Sie tun?
    Hier gilt: Eine richtige oder falsche Antwort gibt es nicht – solange Sie ihr Verhalten schlüssig und überzeugend begründen können. Versetzen Sie sich dabei bitte in die Position des Vorgesetzten und prüfen Sie, wie Ihre Vorgehensweise aus dieser Sicht wirken würde.
  15. Wie sieht das perfekte Unternehmen für Sie aus?
    Wer jetzt den potentiellen Arbeitgeber als Ideal beschreibt, disqualifiziert sich damit selbst. Kein Unternehmen ist perfekt, das wissen auch Personaler. Beschreiben Sie daher ruhig Ihr Wunsch-Unternehmen. Stellen Sie jedoch sicher, dass der Unterschied zum potentiellen Arbeitgeber nicht allzu groß ist.
  16. Wie fühlen Sie sich bei einem “Nein” als Antwort auf ein Frage?
    Es ist völlig in Ordnung, wenn Sie hier auch Enttäuschung, Frust oder Irritation als erste emotional Reaktion nennen. Machen Sie dann jedoch klar, dass diese Emotionen nicht Ihre Handlungen bestimmen und Sie die Situation erst genau analysieren und nach den Gründen suchen, bevor Sie dann besonnen reagieren.
  17. Wie gehen Sie mit Missständen in der Abteilung um?
    Betreiben Sie hier auf keinen Fall Kollegenschelte! Konzentrieren Sie sich bei der Antwort viel mehr darauf, was Sie konkret tun können und an welchem Punkt Sie den Vorgesetzten dazu holen. Auch hier gilt: Mit einer nachvollziehbaren Begründung ist fast jede Antwort möglich.

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