Eigentlich können die 211 Probanden so gelangweilt gar nicht gewesen sein. Immerhin nahmen sie an einer Studie der Montclair State Universität teil. Andererseits: Vielleicht nahmen sie gerade deswegen an der Untersuchung teil, weil sie sich im Job so langweilten. Denn genau darum ging es den Wissenschaftlern um Kari Bruursema und Stacey Kessler: Sie wollten herausfinden, wie sich Langeweile im Job auf das Verhalten auswirkt, genauer gesagt: ob es einen Zusammenhang zwischen Ödnis auf der Arbeit und kontraproduktiver Ätzerei gibt.

Langeweile?

Und um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt diesen Zusammenhang. Aber hallo! Und wie. Je langweiliger den Versuchsteilnehmern im Job war, desto destruktiver verhielten sie sich: Die einen ätzten gegen die Kollegen, andere verplemperten Zeit, kündigten innerlich und machten nur noch Dienst nach Vorschrift, wieder andere sabotierten ihren Arbeitgeber gar oder wurden kriminell, indem sie ein paar Sachen aus dem Büro mitgehen ließen.

Flow(er) Power

Flow-ChartLangeweile und Unterforderung im Job sind nie gesund. Das wissen wir schon seit der Flow-Theorie. Erfunden hat die der renommierte US-Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi, der damit jenen optimalen Zustand beschrieb in dem wir maximal für eine Aufgabe motiviert sind, besonders kreativ und produktiv. Flow entsteht demnach an der Grenze zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile).

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein völlig neues Projekt übernehmen. Einen großen Auftrag. Leider haben Sie von der Sache überhaupt keine Ahnung. Ihre Fähigkeiten liegen deutlich unter den Anforderungen, kurz: Sie sind hoffnungslos überfordert. Die Folge werden Frust und Versagensängste sein. Etwas Ähnliches passiert, wenn Sie eine neue Aufgabe übernehmen, die Sie in- und auswendig kennen. Diesmal liegen Ihre Fähigkeiten weit über den Ansprüchen: Sie sind unterfordert – und deshalb bald gelangweilt und genauso frustriert.

Flow entsteht allerdings nicht exakt auf der Grenze zwischen Unter- und Überfoderung, sondern leicht darüber. Anders formuliert: Wir sind genau dann optimal motiviert, kreativ, produktiv, wenn uns eine Aufgabe (ein Projekt, ein Artikel, der Job, …) nicht langweilt, aber immer noch herausfordert. Nur so lernen wir hinzu und behalten den Spaß am Job, weil wir anschließend ein Erfolgserlebnis registrieren: Wir sind ein Stück über uns hinausgewachsen.

Veränderung gelingt eben oft nur in kleinen Schritten. Um erfolgreich seine bequeme Chill-out-Zone zu verlassen und sich weiterzuentwickeln, muss jeder seine Grenzen genau kennen und Aufgaben so wählen, dass sie diesen nahekommt – besser: sie leicht überschreitet.

Je öfter Sie diesen Prozess aus „Limits ausloten und übertreten“ wiederholen, desto mehr wachsen Sie über sich hinaus. Wie ein Baum, der einen Ring zulegt, wenn er ein Jahr mit Sonne, Sturm und Schnee gemeistert hat. Und das ist allemal besser, als sich zu langweilen.