Emotionale Intelligenz: Erfolg mit EQ
Es gibt rund neun verschiedene Arten der Intelligenz - darunter die logisch-mathematische und sprachliche Intelligenz, körperlich-kinästhetische Intelligenz, die räumliche Intelligenz oder die interpersonelle beziehungsweise intrapersonelle Intelligenz. Besonders die beiden letzten bilden die sogenannte emotionale Intelligenz, die äquivalent zum IQ als EQ bezeichnet wird. Im Zuge der zunehmenden Bedeutung von Soft Skills im Job, gewinnt auch dieses Talent wachsende Beachtung. Doch was steckt hinter dem EQ? Sind Sie selbst emotional intelligent? Und hat diese Fähigkeit nicht sogar Schattenseiten? Hier die Antworten...

Definition: Was ist emotionale Intelligenz?

Seit der US-Psychologe und Bestsellerautor Daniel Goleman den Begriff der Emotionalen Intelligenz definierte und populär gemacht hat, fungiert dieser oft als Gegenentwurf zur klassischen Intelligenzforschung.

Emotionale Intelligenz umfasst unter anderem:

  • das Erfassen und Verstehen eigener und fremder Gefühle sowie
  • die Fähigkeit, mit diesen Gefühlen umgehen und darauf angemessen reagieren zu können.

Goleman selbst nennt es "die Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und die der anderen zu erkennen, uns selbst zu motivieren und gut mit Emotionen in uns selbst und in unseren Beziehungen umzugehen."

Ein hoher EQ drückt damit also auch innere emotionale Stärke aus, bis hin zur Resilienz, also der Fähigkeit mit schweren Krisen und Schicksalsschlägen sowie der Achterbahnfahrt der anschließenden Gefühle souveräner umzugehen als die meisten Menschen.

Emotional intelligente Menschen werden zugleich oft als empathisch wahrgenommen und sind für Teams und die zwischenmenschlichen Beziehungen in einer Gruppe von großer Bedeutung. Auf die Frage, was im Leben wichtiger sei - EQ oder IQ - antworteten bei eine Umfrage die Befragten so (Angaben in Prozent):

EQ-IQ-Umfrage

Emotionale Intelligenz ist allerdings ein Sammelbegriff für eine ganze Vielzahl an Kompetenzen:

  • Kommunikationsfähigkeit. Gemeint ist damit sowohl die Fähigkeit, aktiv zuhören zu können, wie auch eigene Botschaften klar und deutlich zu formulieren und die Botschaften von anderen zu interpretieren.
  • Soziale Kompetenz. Dahinter verbirgt sich in erster Linie die Fähigkeit, Beziehungen zu fremden Menschen aufzubauen und die zu Bekannten und Freunden zu pflegen. Es ist aber auch die Fähigkeit, die eigenen Handlungsziele mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe überein zu bringen - und damit auch ein Stück weit das Verhalten und die Einstellungen dieser Gruppe zu beeinflussen. Das schließt das Talent zur Kooperation ebenso ein wie die konstruktive Konfliktfähigkeit.
  • Empathie. Umschrieben wird damit meist die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen und deren Emotionen verstehen zu können. Sie signalisiert dem Gegenüber: "Ich verstehe dich" - und ist damit entscheidend, um Vertrauen und Sympathien zu gewinnen.
  • Motivationsfähigkeit. Gemeint ist die Fähigkeit, sich und andere zu begeistern. Emotional intelligente Menschen verfügen deshalb auch über eine besonders hohe Frustrationstoleranz.
  • Selbstbewusstsein. Hier ist das Bewusstsein für die eigenen Stärken und Schwächen gemeint. Im Kontext der emotionalen Intelligenz umschreibt es aber auch, dass man sich selbst gut kennt und realistisch einschätzen kann.
  • Selbstkontrolle. Die Selbstkontrolle ermöglicht einem, nicht nur die eigenen Emotionen zu erfassen, sondern diese auch zu steuern - insbesondere bei starken Emotionen, wie Wut, Angst oder Rachegelüsten.

Das Trolley-Dilemma: Hineinversetzen macht hilfsbereiter

Gleis-Signal-Bahn-Trolley-DilemmaJe mehr wir uns in die Gedankenwelt eines Menschen hineinversetzt haben, desto mehr sind wir bereit, uns später für diese Person einzusetzen. Oder kurz: Hineinversetzen macht hilfsbereiter. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wiener Psychologen Claus Lamm. Der untersuchte dazu Entscheidungsprozesse in fiktiven Notfallssituationen. Neben moralischen Gründen spielt dabei Empathie, also das Mitfühlen mit anderen, eine große Rolle.

Letztlich ging es dabei um einen Klassiker in der Psychologie – das Trolley-Dilemma: Ein Zug rast auf eine Gruppe von fünf Gleisarbeitern zu und würde sie gnadenlos überrollen. Der Proband hat jedoch die Chance, in letzter Sekunde eine Weiche zu stellen. Der Zug würde ausweichen, die fünf Gleisarbeiter wären gerettet, aber auf dem Nebengleis arbeitet ein anderer unwissender Arbeiter, der in diesem Fall todsicher überfahren werden würde. Der Proband muss also abwägen, ob er fünf Gleisarbeiter rettet, um einen anderen sicher in den Tod zu schicken. Die meisten Menschen entscheiden sich übrigens dafür, Motto: Fünf Leben wiegen schwerer als eines.

Im Wiener Experiment zeigte sich aber: Hatten die Probanden sich vorher in diese eine Person hineinversetzt, wurde diese prompt seltener geopfert. Zudem empfanden die Teilnehmer bei ihren Entscheidungen deutlich mehr Stress. Man könnte auch sagen, sie taten sich schwerer, die irrationale Alternative zugunsten des Wohls der Mehrheit zu unterdrücken. Das Ergebnis deutet also stark darauf hin, dass unser soziales Verhalten davon beeinflusst wird, ob wir andere mit ihren Gedanken und Gefühlen wahrnehmen - und nicht nur in Notfallsituationen.

5 Anzeichen, dass Sie emotional intelligent sind

Mit emotionaler Intelligenz ist freilich nicht (nur) gemeint, der traurigen Kollegin auf die Schulter zu klopfen, wenn es ihr schlecht geht. Vor allem die innere Stärke gehört dazu. Folgende Eigenschaften stehen zwar uns allen gut zu Gesicht. Sie lassen aber auch Rückschlüsse darüber zu, ob wir mit emotionaler Intelligenz gesegnet sind oder nicht...

  1. Sie jammern nicht.

    Vladimir Gjorgiev


    "Wer zwischen Amboss ist und Hammer, der ist nicht ohne Jammer." Das Sprichwort macht aber zugleich den Unterschied zwischen gewöhnlichen Reaktionen und emotionaler Intelligenz deutlich: Wer jammert, ändert erstens nichts an seiner Situation und macht sich zweitens selbst zum Opfer. Ein Ritual, das zwar durchaus als befreiendes Ventil dienen kann, aber wenig zielführend ist. Menschen mit hohem EQ ordnen das Problem ein, suchen nach Lösungswegen und arbeiten unmittelbar darauf hin.

  2. Sie sind kein Ja-Sager.

    Syda Productions


    Und zwar weder sich selbst noch anderen gegenüber. Entscheidend hierfür sind Selbstbewusstsein und ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Beides hilft dabei, Widerstand auszuhalten, Versuchungen zu widerstehen und seinen Überzeugungen treu zu bleiben. Natürlich heißt das nicht, dass man nicht auch mal Kompromisse schließt. Die gehören zum Leben dazu. Aber in den Grundsatzfragen und -werten verraten sich solche Menschen nicht und lassen sich auch durch nichts korrumpieren.

  3. Sie lästern nicht.

    lightwavemedia/shutterstock.com


    Zumindest nicht immer und ständig. Klatsch und Tratsch liegen uns zwar allen im Blut und sind auch ein sozialer Kitt. Gehässiges und häufiges Lästern aber ist ein Zeichen von Schwäche. Dahinter steckt letztlich nur der Versuch, sich über andere zu erheben und eigene Unzulänglichkeiten zu kaschieren. Intelligenter ist: die Schwächen von Kollege X oder Kollegin Y akzeptieren - die eigenen aber auch.

  4. Sie blicken nicht ständig zurück.

    wavebreakmedia


    Keine Frage: Reflexion und Analyse sind wichtig, um überhaupt einen Kurs zu bestimmen. Wer aber verpassten Chancen pausenlos nachtrauert, kriegt den Kopf nicht frei. Und zeigt möglicherweise sogar, dass es ihm an Zuversicht mangelt. Emotional Intelligente machen sich dagegen klar, dass jeder über kleine und große Steine stolpert und zwischenzeitlich zu Boden geht. Aus diesen Niederlagen lernen sie und wandeln sie in nach vorwärts gerichtete Stärke um.

  5. Sie machen nicht andere verantwortlich.

    PathDoc


    Führungsverantwortung im Job steht nicht unbedingt auf der Wunschliste der meisten Menschen. Sie ist mit Mühe und Anstrengung verbunden. Doch manche übernehmen nicht einmal die Verantwortung für das eigene Wohlergehen - und machen sich vom Urteilsvermögen anderer oder den Umständen abhängig. Fatal! So jemand lebt das Leben, das andere ihm vorbestimmen, oder bleibt (sein eigenes) Opfer. Emotionale Intelligenz dagegen übernimmt Eigenverantwortung und das auch gerne, weil sich daraus Chancen ergeben.

EQ-Check: Bewerberfragen, die emotionale Intelligenz messen

Weil sogenannte Soft Skills bei Bewerbern immer gefragter sind und Leistung eben doch nicht alles ist, spielt Emotionale Intelligenz (EQ) auch im Vorstellungsgespräch eine immer größere Rolle. Entsprechend stellen Personaler Fragen, die genau darauf abzielen – also den EQ eines Bewerbers einschätzen helfen sollen. Auf diese Fragen sollten Sie daher vorbereitet sein...

  1. Wie wird Ihnen diese Position dabei helfen, Ihre Ziele zu erreichen?

    Die Frage ist tricky, denn sie enthält gleich mehrere aufschlussreiche Indizien. Zum Einen erfährt der Personaler etwas darüber, ob der Kandidat überhaupt berufliche Ziele verfolgt, wie langfristig und granular er diese für sich formuliert hat; und natürlich, wie gut die avisierte Stelle dazu passt. Die Emotionale Intelligenz offenbart sich hier in der Fähigkeit zur Selbstreflexion. Die ist nicht nur ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg, sondern auch Voraussetzung für Teamgeist: Wer sich noch nicht einmal richtig selbst versteht und weiß, was er oder sie erreichen will, wird das mit fremden Zielen kaum besser können.

  2. Was bringt Sie zum Lachen?

    Lachen verbindet. Schon Alice Isen, Psychologieprofessorin an der Cornell-Universität in New York konnte zeigen, dass gutgelaunte Kollegen beliebter sind und von ihren Vorgesetzten besser bewertet und öfter befördert werden. Am Ende erzielten sie gar höhere Einkommen. Lachen ist also ein echter Karriereturbo. Humor in der Bewerbung zu beweisen, zeugt zudem von EQ, denn er benötigt immer auch Empathie für den Witz des anderen.

  3. Was macht Sie wütend?

    Letztlich funktioniert diese Frage wie schon die Frage davor. Wut, oder abgeschwächt: Ärger im Job ist unvermeidlich. Das kommt auch in den besten Betrieben vor. Entscheidend ist aber, wie der Bewerber damit umgeht. Die Frage zwingt damit ebenfalls zur Selbstreflexion – über Wutauslöser sowie Methoden zur Ärgerkontrolle.

  4. Was hat Sie jüngst in Verlegenheit gebracht und warum?

    Ups, das war peinlich... Zunächst einmal finden wir in der Regel nur peinlich, was sozial unerwünscht ist. Die Grenzen hierbei sind kulturell und individuell zwar verschieden, es gibt aber eine erstaunlich große Zahl gemeinsamer Nenner. Nur wie geht der Bewerber damit um? Was ist ihm überhaupt peinlich, warum und ist ihm dies bewusst? Damit zwingt auch diese Frage zur Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen. Die Antwort verrät, wie tiefgehend die Selbstanalyse ausfällt.

  5. Welche zwei Eigenschaften an Ihnen, haben Ihnen bisher am meisten geholfen und warum?

    Die Bewerberfrage ist ein bisschen wie die klassische Frage nach den eigenen Stärken. Das Wissen um die eigenen Kompetenzen wirkt sich zudem positiv auf das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein aus, ist also ein starkes EQ-Indiz. Es schadet aber auch nicht im Bewerbungsgespräch, zu wissen, welche Talente einen von möglichen Mitbewerbern unterscheiden und sich gewinnbringend einsetzen lassen.

  6. Welche Tätigkeiten/Aktivitäten geben Ihnen am meisten Energie?

    Auch hier verbergen sich zwei Fragen: Die erste zielt darauf ab, was den Kandidaten wirklich motiviert, ihn also antreibt und zugleich Energie gibt. Die zweite zielt auf die emotionale Intelligenz: Wie sehr ist dem Kandidaten das bewusst und kann er es gezielt (für sich) einsetzen?

  7. Wie gut können Sie Hilfe von anderen annehmen?

    Kein Mensch kann alles alleine und alles gleich gut können. Auch deshalb wurde die Arbeitsteilung erfunden. Die Frage, die sich dahinter verbirgt, ist die nach dem Stolz des Bewerbers beziehungsweise, ob der sich auch seiner Schwächen bewusst ist und die Größe besitzt, sich diese einzugestehen. Wer Hilfe nie annimmt, bleibt ein törichter Narr. Nicht nur, weil er oder sie so womöglich unnötig scheitert, sondern weil gegenseitige Hilfeleistungen feste zwischenmenschlich Bande knüpfen. Jeder kann jederzeit noch etwas lernen. Auch von jenen, die auf einem anderen Level stehen.

  8. Wie gut können Sie um Hilfe bitten?

    Viele trauen sich nicht zu fragen. Manche aus falschem Stolz, andere aus Angst vor einer Abfuhr, wieder andere, weil sie sich sorgen, damit ihr Gegenüber in Verlegenheit zu bringen (weil derjenige vielleicht lieber Neinsagen möchte). Tatsächlich aber macht die Bitte um Hilfe stärker, und die Fähigkeit dazu emotional intelligenter. Denn so jemand weiß wieder um seine Schwächen, kann sie sich eingestehen und sozialverträglich damit umgehen.

  9. Wer inspiriert Sie und warum?

    Vorbilder können Karrieren maßgeblich beeinflussen. Sie stehen für Werte, Verhaltens- und Denkweisen, geben Sicherheit und motivieren überdies. Wer Vorbilder hat, gibt indirekt aber auch zu erkennen, dass er oder sie in anderen Persönlichkeiten lesen und für sich das beste daraus adaptieren kann. Voilà, ein starkes Indiz für einen hohen EQ.

  10. Wie würden Sie Ihr Leben noch besser ausbalancieren?

    Die vielbeschworene Work-Life-Balance ist zwar genau genommen begrifflicher Bullshit. Aber wer hier zeigt, dass er sich der unterschiedlichen Phasen und Rhythmen aus Anstrengung und Entspannung bewusst ist und diese für sich emotional zu nutzen weiß, beweist buchstäblich hohes Selbst-Bewusstsein und die Kompetenz, seinen Gefühlshaushalt im Griff zu haben.

  11. Auf was fokussieren Sie sich mehr: Aufgaben und Ergebnisse oder Menschen und Gefühle?

    Zugegeben, die Frage ist die plumpste von allen. Aber Personaler müssen ja auch nicht immer um die Ecke gedachte Fangfragen stellen. Betrachten Sie die Frage aber auch von der anderen Warte: Wer so fragt, könnte im Unternehmen mehr Wert auf das Miteinander legen, als auf nackte Zahlen. Eine schöne Vorstellung, die leider noch recht selten Realität ist...

Emotionale Intelligenz lernen: So geht das

Dabei stellt sich zugleich die Frage, ob sich emotionale Intelligenz lernen lässt? Die kurze Antwort: Ja, zum Teil. Einiges an Talent davon ist uns tatsächlich in die Wiege gelegt. Andere Teil-Eigenschaften hingegen lassen sich erlernen - mehr Selbstbewusstsein etwa, besser zuzuhören, seine Emotionen zu managen und sich bewusster zu reflektieren zum Beispiel (siehe auch Links oben).

Vor allem die häufige Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion spielen dabei eine entscheidende Rolle - erst recht bei der eigenen Emotionsregulierung. Um sich selbst und Ihre Gefühle wahrzunehmen beziehungsweise zu verstehen (Auslöser, Reaktionen) und zu steuern, gibt es zwei hilfreiche Methoden:

  1. Achtsamkeit üben

    Ursprünglich handelt es sich bei dem Begriff um eine buddhistische Vorstellung. Wissenschaftler definieren Achtsamkeit heute aber auch als die intensive Aufmerksamkeit, die wir auf die Gegenwart richten – auf eine ebenso offene wie akzeptierende Weise. Ulrich Ott von der Universität Giessen fand heraus, dass Achtsamkeit Menschen psychisch stabiler und gesünder macht. Sein Kollege, der Berliner Psychologe Willi Zeidler, konnte wiederum bei seinen Untersuchungen feststellen, dass Achtsamkeit die Schreckhaftigkeit verändert: Achtsame Menschen reagierten auf Stressreize physiologisch messbar weniger verspannt.

  2. Selbstgespräche führen

    Selbstgespräche fungieren wie ein Ventil: Wut, Trauer und Frust können sich nicht so leicht in einen hineinfressen; unklare Gedanken und Gefühle werden dabei in Worte gefasst und sortiert, Entscheidungen so erleichtert. Und nicht zuletzt merkt man sich Gehörtes meist besser als lediglich Gedachtes. Und wie Wissenschaftler unlängst beweisen konnten, kann der Dialog mit dem Ich Stress abbauen, Aggressionen reduzieren und für einen differenzierteren Blick sorgen, wie zum Beispiel der US-Psychologe Thomas Brinthaupt bei seinen Untersuchungen zeigte.

Die Kehrseite der emotionalen Intelligenz

Emotionale Intelligenz genießt einen guten Ruf - und das zu Recht. Sie kann zu einem besseren Verständnis beitragen, ein gesteigertes Selbstbewusstsein bewirken oder auch die Atmosphäre am Arbeitsplatz spürbar verbessern. Leider ist auch das Gegenteil möglich, wenn der EQ dazu genutzt wird, um andere zu manipulieren und sich so einen Vorteil zu verschaffen.

Das aber kommt häufiger vor, als wir uns wünschen. Eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen spricht dafür, dass es eine Verbindung zwischen einen Menschen verstehen und einen Menschen ausnutzen gibt. Soll heißen: Nicht wenige Menschen mit ausgeprägter emotionalen Intelligenz nutzen ihr Wissen um die Gefühlswelt anderer Personen, um dies für sich selbst zu nutzen.

Natürlich sollten Sie deshalb nicht gleich jedem freundlichen Kollegen eine böswillige Absicht unterstellen. Oft reicht schon das Bewusstmachen aus, um nicht so leicht zum Opfer einer solchen Beeinflussung zu werden...

  1. Emotionale Intelligenz kann egoistisch machen

    Ein Artikel aus dem Jahr 2010 legt nahe, dass emotionale Intelligenz am Arbeitsplatz nicht nur eingesetzt wird, um für ein besseres Allgemeinwohl zu sorgen. Derart Befähigte gebrauchten ihre Talent häufig zu rein egoistischen Karriere-Zwecken: etwa, um sich bei wichtigen Personen beliebter zu machen, direkte Konkurrenten auszustechen, Meinungen und Emotionen unter den Kollegen in ihrem Sinn zu beeinflussen oder zu kontrollieren.

  2. Emotionale Intelligenz kann rücksichtsloser machen

    Eine besonders explosive Mischung ist die Kombination aus emotionaler Intelligenz und der Neigung, andere Menschen zu manipulieren. Eine 2011 veröffentlichte Studie fand heraus, dass diese Kombination besonders rücksichtslos gegenüber den Gefühlen, aber auch dem öffentlichen Ruf anderer Personen macht. Im konkreten Fall schreckten die Menschen trotz hohen EQs nicht davor zurück, andere Personen öffentlich zu blamieren, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken und eigene Ziele besser verfolgen zu können.

  3. Emotionale Intelligenz fördert das Ausnutzen anderer

    Ein ebenfalls alarmierendes Ergebnis lieferte eine Studie im Jahr 2014: Sie zeigte, dass emotionale Intelligenz der Schlüssel ist, um Mitmenschen überhaupt erst ausnutzen zu können. Nur wer die Gefühle und Gedanken seines Gegenübers versteht, kann diesen dazu bringen, im eigenen Interesse zu handeln. Genau diese Funktion erfüllte die emotionale Intelligenz da sie es erst ermöglicht, die böswilligen Gedanken tatsächlich auch durchzuführen.

  4. Emotional Intelligente sind oft Narzissten

    Ein Narzisst kann für seine Mitmenschen und die Arbeitskollegen eine enorme Herausforderung darstellen. Forscher fanden in einer Studie heraus, dass es eine auffällig starke Korrelation zwischen emotionaler Intelligenz und Narzissmus gibt. Das Problem: Die Kombination führt dazu, das die Narzissten ihr Talent zusätzlich für die eigenen Zwecke missbrauchen und andere damit betrügen.

Emotionale Intelligenz ist nicht unfehlbar

Sollten Sie selbst über ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz verfügen, ist dies erst einmal positiv. Doch sollten Sie nicht zu sehr von Ihren Fähigkeiten überzeugt sein: Das zeigte etwa eine Studie aus dem Jahr 2013. Dabei wurden die Probanden gebeten, die Aufrichtigkeit einer Familie zu beurteilen, die im Fernsehen um die Rückkehr eines verschwundenen Familienmitglieds bat.

Der Clou: Einige Angehörige waren selber schuld an dem Verschwinden. Jedoch waren es ausgerechnet jene Probanden mit hoher emotionaler Intelligenz, die das nicht bemerkten. Auch bei den Interviews danach waren es genau diese Probanden, die ein besonders großes Vertrauen in ihre Menschenkenntnis und Einschätzungsfähigkeit hatten. So kann man sich (selbst) täuschen...

[Bildnachweis: Marco Brockmann, gyn9037, Vladimir Gjorgiev, Syda Productions, lightwavemedia, wavebreakmedia, PathDoc by Shutterstock.com]

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