Gehaltsfrage: Bitte erst im zweiten Gespräch ansprechen

Wann ist der beste Zeitpunkt bei der Bewerbung über das neue Gehalt zu sprechen? Laut unseren Umfragen sagt jeder zweite Personaler (47%): Die Gehaltsfrage sollten Bewerber erst im zweiten Vorstellungsgespräch stellen. Dann aber unbedingt realistisch und selbstbewusst…

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Worauf kommt es bei der Gehaltsfrage an?

Von wegen, über Geld spricht man nicht! Bescheidenheit ist bei der Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch definitiv keine gute Idee: Ihr zukünftiges Gehalt spiegelt nicht nur den Gegenwert Ihrer Arbeitsleistung, es prägt ebenfalls massiv Ihre spätere Zufriedenheit im Job und ist Ausdruck von Fairness und Wertschätzung.

Viele Arbeitnehmer können bei einem Jobwechsel zwischen 5 und bis zu 30 Prozent mehr Gehalt herausholen. Erwarten Sie aber nicht, dass man Sie deshalb automatisch mit Geld überschüttet. Dann wäre es ja keine „Verhandlung“ mehr. Das zukünftige Wunschgehalt ist immer auch eine Holschuld – Sie müssen es aktiv und selbstbewusst einfordern.

Wichtig hierbei:

  • Nennen Sie stets realistische und marktübliche Gehaltsforderungen. Wer 20 Prozent über dem marktüblichen Durchschnittsgehalt liegt, riskiert in 90 Prozent der Fälle eine Bewerbungsabsage.
  • Zu niedrige Gehaltsvorstellungen werten Personalverantwortliche wiederum als Indiz für mangelnde Erfahrungen oder schlechte Vorbereitung der Bewerber. Auch das kann zu einer Absage führen.
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Wann sollte ich die Gehaltsfrage stellen?

Zum Teil werden Bewerber schon in der Stellenanzeige dazu aufgefordert, Ihren Gehaltswunsch zu nennen. Dieser Bitte sollten Sie unbedingt nachkommen, ansonsten wäre die Bewerbung unvollständig. Der richtige Ort dafür ist das Bewerbungsschreiben bzw. der Schlusssatz.

Ansonsten empfehlen wir und zahlreiche befragte Personaler, das Thema „Gehalt“ erst im zweiten Bewerbungsgespräch anzusprechen. Oder dann, wenn andere wichtige Rahmenbedingungen der angestrebten Stelle bereits geklärt sind und man von Ihnen als passende Besetzung überzeugt ist. Der Grund hierfür ist einfach: Geld sollte im Bewerbungsprozess nie im Vordergrund stehen. Der neue Arbeitgeber sucht keine Söldner, sondern neue Teamspieler. Ihre Haltung sollte deshalb immer sein: Sie sind intrinsisch motiviert – Sie reizen der Job, die Aufgaben und Herausforderungen sowie das Unternehmen. Geld steht erst an dritter oder vierter Stelle!

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Wie kann ich mich auf die Gehaltsfrage vorbereiten?

Bewerber sollten nie den Fehler machen und naiv oder blauäugig in ein Gehaltsgespräch oder eine Gehaltsverhandlung gehen. Zur Vorbereitung auf die Bewerbung oder das Bewerbungsgespräch gehört unbedingt und immer, dass Sie vorab den eigenen Marktwert recherchieren und genau beziffern können. Erst daraus ergibt sich eine durchsetzbare Antwort auf die Gehaltsfrage.

Folgende Einflussgrößen bestimmen die Höhe des späteren Gehalts:

  • Position: Berufseinsteiger verdienen weniger als erfahrende Fach- oder Führungskräfte. Im Alter zwischen 40 und 50 erreicht das Einkommen meist den Höhepunkt.
  • Qualifikation: Je besser ausgebildet, je höher qualifiziert und spezialisiert Sie sind, desto mehr verdienen Sie. Studierte erhalten im Schnitt 20.000 Euro mehr als Angestellte mit einer Ausbildung.
  • Unternehmensgröße: In großen, internationalen Konzernen liegen die Gehälter meist höher als in kleinen und mittelständischen Unternehmen.
  • Mitarbeiterzahl: Ab 500 Mitarbeitern ist im Vergleich zum Branchendurchschnitt oft ein Gehaltsplus von bis zu 40 Prozent drin.
  • Standort: In Großstädten und Ballungsgebieten wird mehr bezahlt als auf dem Land oder in strukturschwachen Regionen.
  • Bundesland: In Deutschland herrscht ein Nord-Süd-Gefälle: In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen werden die höchsten Gehälter gezahlt. In Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten.

Wie kann ich das richtige Gehalt berechnen?

Um Ihren aktuellen Marktwert zu ermitteln, haben Sie vor dem Jobwechsel und Arbeitgeberwechsel diverse Optionen:

  • Gehaltstabellen

    Nutzen Sie zum Beispiel auf Karrierebibel unsere Gehaltstabellen und Gehaltsvergleiche – etwa unsere Übersichten zum Einstiegsgehalt oder Durchschnittsgehalt in Deutschland für unterschiedliche Branchen und Berufe.

  • Online-Jobbörsen

    Viele Online-Jobbörsen informieren heute über Berufsbilder und deren Gehälter. Nutzen Sie auch deren Angaben oder lassen Sie sich von der KI (Google oder ChatGPT) eine entsprechende Analyse und Auswertung zusammenstellen.

  • Soziale Netzwerke

    Ein weiterer Weg, ein realistisches Gehalt zu ermitteln, sind Business-Netzwerke wie Linkedin. Fragen Sie Branchenkollegen, ob sie ungefähre Angaben dazu machen können, was sie für angemessen halten. Ebenso können Sie Stellenanzeigen auswerten: Manchmal werden dort Gehaltsspannen genannt.

  • Gehalt berechnen

    Ein einfacher Trick, den perfekten Gehaltswunsch zu berechnen, ist: Nehmen Sie Ihr absolutes Minimalgehalt und verdoppeln Sie diesen Wert. Zugegeben, die Methode liefert nur einen Näherungswert, führt in der Praxis aber zu erstaunlich realistischen und durchsetzbaren Gehaltsvorstellungen.

Als Faustregel für das neue Jobwechsel Gehalt können Sie sich überdies merken:

Anlass

Gehaltsplus

Gehaltsverhandlung nach 1 Jahr + 3-5%
Mehr Verantwortung, neue Aufgaben + 5-7%
Beförderung + 10-15%
Abwerbung + 15-20%

TIPP: Sprechen Sie von einer „Gehaltsanpassung“, nicht von einer „Gehaltserhöhung“. Gehaltserhöhung klingt nach „mehr Geld bezahlen“ ohne Grund. Bei einer „Anpassung“ schwingt mit, dass etwas bisher nicht korrekt war und angepasst werden muss. Also gibt es dafür einen guten Grund!

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Wie kann ich meinen Gehaltswunsch formulieren?

Mit dem neuen Arbeitgeber verhandeln Sie immer ein Brutto-Jahresgehalt. Also ein Gehalt ohne alle Abzüge. Was bei Ihnen am Ende auf dem Konto landet, ist das Nettogehalt bzw. der Nettolohn. Der ist abhängig von Ihrem individuellen Steuersatz und diversen Abzügen wie Lohnsteuer, Kirchensteuer, Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung sowie Arbeitslosenversicherung.

Wenn Sie dann Ihren Gehaltswunsch formulieren, ist das Wichtigste, dass Sie auf die Gehaltsfrage stets selbstbewusst antworten – realistisch und mit einer möglichst konkreten Zahl, etwa „33.720 Euro“ oder „44.890 Euro“. Machen Sie überdies möglichst das Eröffnungsangebot. Was hierbei psychologisch wirkt ist der Ankereffekt. Studien zeigen: Wer die erste Zahl nennt, landet signifikant häufiger bei seinem Wunschgehalt als andersherum.

Beispielformulierungen:

  • „Meinen beruflichen Qualifikationen entsprechend empfinde ich ein Brutto-Jahresgehalt von 46.570 Euro als angemessen.“
  • „Ich stelle mir ein Gesamteinkommen mit Vergünstigungen und Zuschlägen um die 38.520 Euro vor.“
  • „Mein aktuelles Bruttogehalt liegt bei 54.580 Euro im Jahr. Bei einem Wechsel stelle ich mir eine Steigerung um 10 Prozent vor.“
  • „Aktuell verdiene ich 41.420 Euro. Die Aufgaben dieser Position sind deutlich komplexer. Daher liegt mein neues Zielgehalt bei 48.500 Euro im Jahr.“
  • „Ich finde, mein bisheriges Gehalt ist kein guter Vergleichswert. Es war mein Einstiegsgehalt. Inzwischen habe ich viel gelernt und mit weiterentwickelt. Daher stelle ich mir ein Gehalt zu marktüblichen Konditionen vor – in Höhe von 32.480 Euro.“

Rechnen Sie jedoch damit, dass Ihre Gehaltsvorstellungen meist nach unten verhandelt werden. Daher sollten Sie nicht nur Ihre Mindest- bzw. Schmerzgrenze kennen, sondern gleich etwas Spielraum einkalkulieren. Schlagen Sie z.B. 5-10 Prozent Verhandlungsmasse oben auf. Wir wünschen: viel Erfolg bei der Gehaltsfrage!


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