Berufsbild-Journalist-Redakteur
Die FTD - eingestellt. Mehr als 300 Journalisten verlieren ihre Jobs. Ein spektakulärer Fall bei Gruner + Jahr. Aber längst nicht der einzige in der Verlagsbranche. Die Einschläge kommen näher, Zeitungen werden eingestellt, zusammengelegt, Redakteure entlassen. Print fehlt die Zukunft, heißt es. Aber wer das meint, sagt auch: Dem Online-Journalismus fehlt das Geschäftsmodell. Eine Branche von beruflichen Besserwissern weiß keinen Rat. Und doch und allen Unkenrufen zum Trotz: Journalist ist immer noch ein Traumberuf vieler junger Menschen. Wie kann das sein?

Traumjob Journalist?

Sicher liegt es am generellen Image. Den Berichterstatter umgibt viel Prominenz: Der eine interviewt Promis, während der andere live aus Washington berichtet, und wieder andere decken Skandale auf und stürzen Mächtige. Das sind Höhepunkte, keine Frage. Der Alltag der meisten Journalisten ist allerdings oft profaner.

Vor dem Scoop, der exklusiven Meldung, die wie eine Bombe einschlägt, steht viel harte Arbeit. Und vielen – auch exzellenten – Journalisten ist dieser berufliche Höhepunkt nicht vergönnt. Sie schlagen sich tagein, jahraus mit den Mühen der Ebene herum, weil das richtige Leben eben selten für spektakuläre Enthüllungen taugt.

Abwechslungsreich, kreativ und aufregend ist der Beruf aber natürlich trotzdem.

Ausbildung zum Journalisten

Weil Journalist kein geschützter Beruf ist, bedarf es keiner bestimmten Ausbildung, um den Titel führen zu dürfen. Wer allerdings bei einem großen Medienhaus unterkommen will, hat damit allein meist schlechte Karten: Die erwarten von ihren Neueinsteigern wenigstens gute und vorzeigbare Schreiberfahrung, besser aber noch den Abschluss...

  • einer Journalisten-Schule,
  • eine Ausbildung zum Redakteur oder
  • ein erfolgreich absolviertes Journalistik-Studium.

Die Hürden vor diesen Ausbildungen sind allerdings hoch: Weil der Run auf die schreibenden Berufe ungebrochen ist, liegt der Numerus Clausus an den meisten Hochschulen unter 2,0. Und die renommierten Journalisten-Schulen verlangen das Bestehen von Aufnahmetests, an denen nach Einschätzung von Experten selbst erfahrene Redakteure scheitern würden.

Dabei reißt die Kritik an diesen Ausbildungsgängen nicht ab, weil viele Praktiker – zum Beispiel der Journalist Detlef Esslinger – die Ausbildung für zu theoretisch halten: "Was bringt es", so sein Fazit, "allein das Schreiben zu lernen, statt fundierte Kenntnisse in jenem Themenfeld zu erwerben, dem das eigene journalistische Interesse gilt?"

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Traumberuf Journalist: Alternative Einstiegswege

Deswegen ist der Quereinstieg parallel zu einem Fachstudium die zweite große Einstiegschance. Je früher dabei der Kontakt zur Praxis gesucht wird, desto erfolgreicher gelingt der Wechsel ins Berufsleben. Journalismus-Interessenten versuchen sich deswegen idealerweise bereits in der Schulzeit als freie Mitarbeiter einer Lokalzeitung oder eines Radiosenders in ihrer Region.

Die freuen sich ohnehin immer über Freiwillige, die für kleines Geld etwa von der Jahreshauptversammlung des Taubenzüchtervereins berichten oder in der Fußgängerzone ein kurzes Stimmungsbild zum neuen Bürgermeister einholen. Gleichzeitig ist der Lokaljournalismus dank seiner Themenvielfalt eine gute Möglichkeit, alle Facetten des journalistischen Handwerks kennenzulernen.

Prinzipiell ist auch der Zugang über ein gut gemachtes Blog möglich: Wer sich in einem Fachgebiet gut auskennt, Themen setzen kann und regelmäßig viel gelesene Artikel postet, kann so schnell zum Fachredakteur avancieren. Ein erfolgreiches Blog zu führen, benötigt allerdings viel Zeit und journalistisches Gespür – nicht umsonst werden viele erfolgreiche Online-Magazine von Menschen geschrieben, die vorher schon Redaktionserfahrung gesammelt haben.

Erfolgsfaktoren für Journalisten

Unverzichtbar fürs journalistische Arbeiten ist natürlich eine gute Schreibe, die die Dinge verständlich auf den Punkt bringt und gleichzeitig genug Farbe besitzt, um die Leser zu fesseln. Dafür braucht es einerseits Talent, mehr aber noch: Übung, Übung, Übung.

Fundierte Kenntnisse eines oder mehrerer Themenfelder schaden mit Sicherheit auch nicht. Viel wichtiger allerdings ist echtes Interesse an den Menschen, die dem Reporter bei seiner täglichen Arbeit begegnen. Nur so gelingt es ihm, dass sich seine Ansprech- oder Interviewpartner wirklich öffnen. Man könnte auch sagen, die Kardinaltugend eines Journalisten ist Neugier - auch um sich schnell in die unterschiedlichsten Themen einarbeiten zu können.

Obendrein bedarf es dabei großer Sorgfalt und Akribie, damit die Rechercheergebnisse hernach auch noch einer Überprüfung standhalten. Allerdings braucht es auch einen gewissen Mut zur Lücke, weil selten alle Informationen verfügbar sind.

Einsatzfelder für Textarbeiter

Die klassischen Arbeitsfelder von Journalisten sind Redaktionen in den Printmedien, Rundfunk und Fernsehen. Hier kommen nach wie vor die meisten Absolventen unter.

Das Tätigkeitsspektrum reicht dabei vom...

  • freien Journalisten, der seine Artikel an Redaktionen verkauft
  • über den festangestellten Redakteur, der bestimmte Themen bearbeitet,
  • bis hin zum fest-freien Autor, der aktuelle Entwicklungen einordnet und kommentiert und dem Medium Glanz gibt.

Ein weiteres Betätigungsfeld sind Public Relations, also die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, Verbänden und anderen Organisationen. Stärker aber noch wächst derzeit der Arbeitsmarkt von Textern für Kundenmagazine, Karriereseiten oder für Dokumentationen beziehungsweise Bedienungsanleitungen.

Lässt sich vom Schreiben leben?

So unterschiedlich wie die Einstiegsoptionen sind, fällt auch die Bezahlung aus: Der Statistik der Arbeitsagentur zufolge verdienen Journalisten zwischen 3.032 und 4.060 Euro im Monat. Dieser Betrag dürfte allerdings eher für den schwindenden Anteil der Redakteure gelten, die noch der Tarifbindung unterliegen.

Für die zunehmende Zahl freier Mitarbeiter ist das Honorar eher vom Verhandlungsgeschick und der eigenen Marktposition abhängig. Gerade Printmedien bezahlen oft pro abgelieferter Textzeile – und der Satz fängt bei 0,03 Cent pro Zeichen an, wie die Übersicht von Mediafon zeigt. Noch schlechter ist dran, wer seine Aufträge über Online-Textbörsen bezieht, die anfangs oft weniger als ein Cent pro Wort vergüten.

Da gerade kleine Unternehmen vor allem über diese Börsen ihre Marketing- und PR-Texte ausschreiben, sind die Verdienstaussichten im PR-Bereich für Einsteiger auch nicht wirklich besser. Allenfalls wer es zu einer bekannten Agentur schafft, die namhafte Stammkunden hat, kann seinen Verdienst verbessern.

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