Papier ist geduldig, Personalentscheider sind es nicht. Immer wieder ranken sich um die optimale Bewerbungsmappe zahlreiche Mythen. Von Deckblättern ist da die Rede, von einer dritten Seite, von gestalterischen Do’s und Don’ts. Alles Kappes. Ihre Bewerbung steht und fällt mit dem Anschreiben.

Deshalb sollten Sie es auch nicht mit hübschen Deckblättern überdecken. Anschreiben liegen immer obenauf. Sie sind keine Dreingabe, sondern das Initial Ihrer Bewerbung! Hier wecken Sie Interesse, hier heben Sie sich von anderen Bewerbern positiv ab. Hier entsteht der sprichwörtliche erste Eindruck, für den es keine zweite Chance gibt. Entsprechend übersichtlich und prägnant muss das Bewerbungsschreiben sein (und frei von Grammatik- und Rechtschreibfehlern).

Im Gegensatz zum Lebenslauf, der das Profil des Bewerbers schärft, spiegelt das Bewerbungsschreiben seine Motivation. Wichtig: Wiederholen Sie dort nicht die Höhepunkte Ihrer Biografie oder das, was schon im Lebenslauf steht. Redundant! Zeigen Sie dem Adressaten vielmehr klar, warum Sie sich auf die Stelle bewerben und warum Sie der Beste sind, den der Personaler dafür bekommen kann. Kondensieren Sie Ihre Leistungen, Erfahrungen und Erfolge zu einem flammenden Plädoyer für sich selbst. So:

Die Formalia

  • Berufseinsteiger sollten nicht mehr als eine Seite schreiben. Ältere, die schon mehr Erfahrung gesammelt haben, dürfen auch ein zweiseitiges Anschreiben verfassen. Trotzdem sollte es kompakt bleiben.
  • Das Papier (Standard: DIN A4) ist idealerweise nicht nur einfachstes Kopierpapier, sondern besseres. Die Blätter haben keine Flecken, Knicke, Eselsohren. Der Druck ist scharf und verwischt nicht (Laserdruck ist am besten).
  • Verwenden Sie keine ausgefallenen Schnörkelschriften, um sich abzuheben. Affektiert. Was zählt, ist der Inhalt. Also lieber auf Arial, Verdana, Times oder Georgia zurückgreifen.
  • Die Schriftgröße sollte lesefreundlich sein. Also nicht kleiner als Schriftgrad 11, nicht größer als Schriftgrad 13.
  • Einzüge, Linien und Abstände (eineinhalbzeilig hat sich bewährt) sollten auf sämtlichen Seiten einheitlich sein. Die Bewerbung bekommt sonst leicht einen Patchwork-Charakter.
  • Hauptsachen in Hauptsätze lautet eine alte Journalistenregel. Vermeiden Sie deshalb Schachtel- oder zu viele Relativsätze, die über mehrere Zeilen gehen. Kurze Hauptsätze wirken viel stärker. Ebenso Verben statt Adjektive. Und vermeiden Sie auch verquaste Hauptwörter, die auf -ung, -heit oder -keit enden. Die lassen sich immer durch entsprechende Verben ersetzen. Liest sich auch viel flüssiger.

Aufbau und Inhalt

Auch wenn Sie akut unter Schreibhemmungen leiden und die leere weiße Seite fürchten: Das Formulieren eines Anschreibens ist gar nicht so schwer. Originelle Einstiege bieten zum Beispiel ihre Beweggründe für die Bewerbung, Ihre Begeisterung für das Unternehmen und seine Produkte, die mit dem Job verbundene Herausforderung. All das suchen Personaler im Bewerbungsschreiben. Warum also nicht gleich damit einsteigen?

Ausschlaggebend dabei ist oftmals, wie viel Leidenschaft ein Bewerber zeigt. Sie können alles faktisch noch so korrekt und perfekt darstellen – wenn der Funke nicht zündet, landen Ihre Unterlagen auf dem Ausschussstapel. In Ihrem Lebenslauf steht vielleicht, dass Sie ein Praktikum in einem vergleichbaren Bereich absolviert haben. Aber wie Sie sich gefühlt haben, mit welchem Elan Sie Ihr Projekt geleitet und zum Ziel geführt haben – das muss im Anschreiben rüber kommen. Es heißt ja nicht ohne Grund Bewerbung – machen Sie also Werbung für sich!

Ein konkretes Beispiel: schwitzen

„Zu meinen persönlichen Stärken gehören eine selbständige Arbeitsweise sowie hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität. Meine kommunikativen Stärken und mein Einfühlungsvermögen machen es mir leicht, auf Menschen zuzugehen.“

An den Sätzen ist nichts falsch – und doch sind sie blutleer. Es sind Sätze, wie sie in jeder Bewerbung stehen könnten. Austauschbar. Unpersönlich. Bei einem Satz wie „Ich bin team- und konfliktfähig…“ zählen Recruiter nur die Tage bis zur Pension. Komagefahr! Besser Sie beschreiben an konkreten Stationen im Lebenslauf, wie Sie diese Talente bereits leidenschaftlich und erfolgreich eingesetzt haben. Absolventen zielen dabei vor allem auf Studienschwerpunkte und Praktika ab, Berufserfahrene legen mehr Gewicht auf bisherige Positionen und erfolgreich absolvierte Projekte. Soziale Kompetenzen stehen aber bei beiden im Vordergrund. Auf sie achten Personaler besonders. Sie klischeefrei zu formulieren, ist zugegebenermaßen schwer aber essenziell für den Erfolg der Bewerbung.

Aber Achtung: Erliegen Sie niemals der Versuchung, Ihr Anschreiben einmal neutral auszuformulieren und dann nur noch Namen auszutauschen, um es an mehrere Arbeitgeber zu versenden. Erfahrene Personaler erkennen das – und sortieren Sie sofort aus. Richtig peinlich wird es, wenn die von Ihnen geschilderten Stärken und Talente gar nichts mit dem ausgeschriebenen Job zu tun haben. Ein klares Eigentor. Kein Wunder, wenn Sie darauf eine Absage nach der anderen erhalten. Überzeugend wird ein Bewerbungsschreiben erst, wenn Sie es persönlich und individuell auf das Unternehmen zuschneidern.

Und verzichten Sie bitte grundsätzlich auf Floskeln oder peinliche Zitate von großen Literaten (was einige Quacksalber ernsthaft empfehlen). Nicht Schiller, Goethe oder Hemingway bewerben sich, sondern Sie! Kommen Sie also gleich zum Punkt. Ganz persönlich. Lassen Sie sich zum Formulieren also ruhig ein paar Tage Zeit. Schnellschüsse gelingen selten. Denken Sie daran: Ihr Anschreiben muss beim Leser Interesse wecken. Da sollte jeder Satz sitzen.

Im Kern besteht der Aufbau eines Anschreibens stets aus diesen vier Teilen:

  1. Die Einleitung nimmt – falls es eine konkrete Stellenanzeige gibt – Bezug auf die ausgeschriebene Stelle. Kommen Sie gleich zum Punkt, bitte keine ausschweifenden Formulierungen, kein „Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als …“ (allenfalls zur Not). Lassen Sie dabei subtil einfließen, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht und sich mit dem Unternehmen, seinen Produkten, seiner Kultur beschäftigt haben, indem Sie etwa ein paar aktuelle Zahlen zitieren oder auf ein kürzlich publiziertes Interview des CEO oder das Produkt eingehen. Das schmeichelt jedem dem Personaler. Die Betonung hierbei liegt allerdings auf subtil.
  2. Der zweite Teil ist Eigenmarketing. Hier macht der Bewerber klar, warum er der Richtige ist. Nicht mit zu viel Schaum vor dem Mund – aber ordentlich für sich die Trommel rühren, dürfen Sie schon.
  3. Im dritten Teil wird eine Verbindung zum Unternehmen hergestellt: Warum bewerben Sie sich ausgerechnet hier? Jetzt geht es darum, einen Bezug zwischen Ihrem Werdegang und dem angepeilten Job herzustellen. Nur: Was immer Sie auch erwähnen – bisherige Aufgaben, Projekte, Führungsjobs – sie müssen zum Anforderungsprofil der Stelle passen. Wählen Sie also fokussiert aus. Nicht Masse, sondern Klasse zählt! Diesen Teil können Sie aber auch mit dem ersten verweben oder gar zum Einstieg machen. Die Reihenfolge dieser vier Punkte ist also nicht fix. Bis auf den letzten…
  4. Am Ende bedanken Sie sich für das Interesse, stellen heraus, dass Sie sich über einen Vorstellungstermin freuen würden und garnieren das Ganze mit herzlichen Grüßen.

Falls es Unregelmäßigkeiten in Ihrem Lebenslauf gibt, etwa eine mehrmonatige Auszeit, eine längere Arbeitslosigkeit, dann sollten Sie das ebenfalls im Anschreiben kurz (!) erwähnen. Sicher wird Sie der Personaler später noch einmal ausführlicher dazu im Vorstellungsgespräch befragen. Aber im Anschreiben gilt er zunächst, die Unterbrechungen, Kündigungen oder die häufigen Jobwechsel der Vergangenheit zu erklären.

Checkliste

Was ins Anschreiben muss (von oben nach unten)

bleistift

  • Absender: (Name, Adresse, Telefonnummer (auch mobil), E-Mail-Adresse)
  • Datum (rechts)
  • Empfänger (Firma, Vor- und Zuname des Adressaten, Adresse)
  • Kein Bewerbungsfoto!
  • Betreff (Bei Blindbewerbungen reicht „Bewerbung“, ansonsten ist hier der konkrete Bezug auf die Stellenanzeige Pflicht: „Bewerbung als …, Ihre Stellenanzeige vom 24. Juli 2007 in der Lokalzeitung“)
  • Anrede (Immer persönlich, nie: „Sehr geehrte Damen und Herren“. Ansprechpartner recherchieren!)
  • Einstieg
  • Bezug zum Unternehmen
  • Kurzdarstellung des eigenen Profils, der Stärken und Soft Skills (mit Beispielen!)
  • Hinweis auf sonstige Kenntnisse (zum Beispiel Sprachen)
  • Hinweis auf Referenzen (Ansprechpartner von früheren Jobs, die sich positiv für Sie verbürgen)
  • Hinweis auf Kündigungsfristen und möglichen Eintrittstermin
  • Falls verlangt: Gehaltsvorstellungen (Spanne ist besser als exakten Betrag)
  • Abschlussformulierung
  • Unterschrift
  • Anlagen (Lebenslauf, Arbeitszeugnisse)