Einmal kurz nicht aufgepasst und plötzlich ist alles weg - ein Horrorszenario für Urlauber. Taschendiebe, Trickbetrüger und Abzocker warten auf unbedarfte Touristen. Häufig sind Touristen leichte Beute: abgelenkt von der Umgebung und voll bepackt mit Bargeld und teuren Wertsachen sind sie ein ideales Überfall-Ziel. Die meisten achten ohnehin mehr auf die Sehenswürdigkeiten vor ihnen, als auf die Menschen um sie herum. Sind Bargeld, Reisedokumente, EC-Karten und Wertsachen aber erst einmal gestohlen, ist es vorbei mit der Erholung. Panik breitet sich aus: Was mache ich jetzt nur? An wen kann ich mich wenden? Tipps, wie Sie sich vor Diebstahl schützen können und was Sie im Ernstfall tun sollten...

Bitte Reisewarnungen beachten

gpointstudio/shutterstock.comWährend es die einen in klassische Urlaubsziele zieht (Balearen, Kanaren, Griechenland, Türkei), reisen andere lieber in Länder, die touristisch noch nicht so erschlossen sind.

Damit daraus kein unfreiwilliger Abenteuerurlaub wird, sollten Sie sich vorab unbedingt gründlich informieren. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es natürlich nie, aber die aktuellen Reiseinformationen und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes sind auf jeden Fall Pflichtlektüre für jeden, der in unbekanntes Terrain reist.

Darüber hinaus können Sie Folgendes tun...

Vorsichtsmaßnahmen am Flughafen

Fast jeder sechste Deutsche wurde im Urlaub schon einmal Opfer eines Diebstahls. Nur wer die Maschen von Dieben und Trickbetrügern kennt und weiß, wie er sein Geld und seine Wertsachen unzugänglich aufbewahrt, kann sich davor schützen.

Kurz vor der Abreise geht es zum Beispiel am Flughafen hektisch zu: Wo ist der Check-In-Schalter? Zu welchem Gate muss ich? Diebe nutzen den Stress und die Hektik aus - und schnell ist das Gepäck weg. Das können Sie dagegen unternehmen:

  • Lassen Sie Ihr Gepäck nicht aus den Augen. Am besten tragen Sie Ihr Handgepäck um die Schulter oder auf dem Rücken. Auch Ihren Koffer sollten Sie vor dem Check-In nicht aus der Hand geben. Sind Sie abgelenkt, weil Sie etwas suchen oder nachschauen wollen, ist Ihr Gepäck entwendet noch bevor Sie etwas mitbekommen.
  • Geben Sie Ihre Papiere nicht aus den Händen. Nehmen Sie beispielsweise die Reisedokumente bereits aus der Tasche, damit es beim Check-In schneller läuft, sollten Sie diese die ganze Zeit über festhalten. Es reicht, dass Sie die Dokumente beim Warten nur kurz neben sich auf den Sitz legen und dem Dieb damit eine Option bieten.
  • Nehmen Sie Ihr Gepäck mit auf die Toilette. Auch wenn es unhandlich und störend ist, auch beim Toilettengang muss das Gepäck mit. Lassen Sie es nur in der Obhut von Personen, die Sie kennen. Selbst die freundlich wirkende ältere Dame kann mit Ihrem Koffer verschwunden sein, nachdem Sie wiederkommen.
  • Legen Sie Ihre Wertsachen nicht lose in den Korb bei der Sicherheitskontrolle. Oft sind die Körbe in der Sicherheitskontrolle schneller fertig als Sie und stapeln sich am Ende des Kontrollbands. Lose Uhren oder Kameras sind dann leichte Beute. Packen Sie solche Wertgegenstände lieber direkt ins Handgepäck.

Vorsichtsmaßnahmen am Urlaubsort

  • Nutzen Sie den Hotel Safe. Viele Hotels bieten die Möglichkeit, auf dem Zimmer oder an der Rezeption Wertgegenstände einzuschließen. Teure Elektronik oder Bargeld lassen sich hier gut aufbewahren. Doch auch bei Safes gibt es keine hundertprozentige Garantie, dass nichts entwendet wird.
  • Nehmen Sie nur kleine Mengen Bargeld mit. Planen Sie jeden Tag aufs Neue, wie viel Geld Sie den Tag über brauchen und nehmen Sie nur so viel mit. Auf gar keinen Fall sollten Sie die gesamte Reisekasse mit sich führen. Stecken Sie lieber einen kleinen Betrag ein und verstauen Sie den Rest sicher im Hotel.
  • Verteilen Sie Ihr Geld. Wenn Sie unterwegs sind, sollten Sie die Geldsumme, die Sie mit sich führen, an verschiedenen Orten aufbewahren. Teilen Sie den Betrag unter sich und der Person, mit der Sie verreisen auf. Stecken Sie einen kleinen Betrag Ihres Anteils ins Portemonnaie und einen weiteren in die Hosentasche. Wird dann Ihre Portemonnaie geklaut, hat der Dieb nur einen Teil des Geldes erhalten.
  • Verstauen Sie Ihre EC-Karten und Reisedokumente in einem Sicherheitsbrustbeutel. Es gibt spezielle Sicherheitsbrustbeutel oder Bauchgürtel. Diese sind so flach, dass Sie unter der Kleidung nicht auffallen. Damit tragen Sie die wichtigsten Dokumente immer direkt am Körper.
  • Nehmen Sie lieber eine Tasche als einen Rucksack mit. Am besten nutzen Sie eine Umhängetasche, die Sie sich so über die Schulter hängen, dass Sie eine Hand über der Tasche haben. Bei einem Rucksack fällt es Ihnen viel später auf, dass jemand sich daran zu schaffen macht. Achten Sie auch darauf, dass Ihre Tasche über einen Reißverschluss verfügt. Klett- und Druckknopfverschlüsse lassen sich leicht unbemerkt öffnen.
  • Seien Sie vorsichtig auf vollen Straßen und an Sehenswürdigkeiten. Immer dort, wo sich viele Menschen aufhalten, können Sie Taschendiebe problemlos anrempeln, um Sie abzulenken und sich dann an Ihren Taschen zu schaffen machen. Seien Sie sich dessen bewusst und achten Sie auf solche Anzeichen.
  • Zählen Sie Ihr Geld nicht auf offener Straße. Haben Sie gerade einen größeren Geldbetrag von Ihrem Konto abgehoben, vermeiden Sie, dass umstehende Passanten mitbekommen, wie viel Geld Sie abgehoben haben.

So werden Touristen übers Ohr gehauen

  • Der Wechseltrick: Die Türkei oder Thailand sind beliebte Urlaubsziele. Wer zum ersten Mal dort ist, kennt die Währung nicht so gut. Betrüger nutzen es aus, dass Touristen die Münzen und Scheine kaum kennen und jubeln ihnen beim Wechselgeld falsche Scheine unter.
  • Der Trinkgeldtrick: Viele Touristen wissen nicht, dass Trinkgeld in vielen Ländern bereits auf der Rechnung enthalten ist. Ausländische Bedienungen deklarieren diesen Betrag gerne mal als Servicegebühr und verlangen zusätzliches Trinkgeld.
  • Der Taxitrick: Um bequem vom Flughafen zum Hotel zu kommen, nutzen viele Touristen das Taxi. Der Schreck ist dann groß, wenn der Fahrer am Ende der Fahrt eine horrende Summe verlangt. Informieren Sie sich bereits im Vorfeld, was eine Taxifahrt zu Ihrem Zielort kosten soll und vereinbaren Sie beim Einsteigen einen Festpreis. In einigen Ländern werden auch rote Ampelphasen dazu genutzt ahnungslose Touristen auszurauben. Sollten Sie ähnliches gehört haben, empfiehlt es sich die Türen des Taxis zu verriegeln.
  • Der Internettrick: Nutzen Sie im Urlaub das Internet an Computern in der Hotellobby oder gehen Sie in ein Internetcafé, sollten Sie dringend daran denken, sich überall abgemeldet zu haben und Caches zu leeren. Ansonsten ist es ein leichtes an Ihre persönlichen Daten heranzukommen.
  • Der Pannentrick: Sie sehen ein Fahrzeug vor sich, in dem die Menschen versuchen Ihnen mithilfe von Gesten zu signalisieren, dass sie eine Panne haben. Vorsicht ist hier geboten. Ehe Sie sich versehen, sind Sie ausgestiegen, um zu helfen und das Auto sowie die Wertsachen sind weg.

Wie verhalten Sie sich nach einem Diebstahl?

Kzenon/shutterstock.comMeistens fällt einem erst wenn man etwas bezahlen will auf, dass die Geldbörse entwendet wurde. Jetzt gilt es sofort zu handeln, um größeren Schaden zu verhindern...

Wurden auch Ihre EC- oder Kreditkarte gestohlen, müssen Sie sofort die Sperrnummer anrufen. Denn die Bank haftet für den Schaden erst nachdem die Karten gesperrt wurden. Hierfür sollten Sie die internationale Sperrnummer bereits vor der Abreise in Ihr Mobiltelefon gespeichert haben. Auch empfiehlt es sich Kopien der Geldkarten mit sich zu führen. Um nachzuweisen, dass Sie diesen Anruf getätigt haben, notieren Sie sich die Uhrzeit des Anrufs und den Namen des Mitarbeiters, mit dem Sie gesprochen haben.

Suchen Sie als nächstes die Polizei auf und melden Sie den Diebstahl. Geben Sie auf dem örtlichen Polizeirevier eine Anzeige auf. Dies ist wichtig, damit Ihre Bank den Schaden anerkennt.

Sollten auch Ihre Reisedokumente betroffen sein, begeben Sie sich direkt zur deutschen Botschaft. Damit Sie für einen solchen Fall vorbereitet sind, sollten Sie sich die Adresse der Botschaft bereits vor Abreise notieren sowie Kopien der Reisedokumente anfertigen. Von der Botschaft erhalten Sie dann den "Reiseausweis als Passersatz zur Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland".

Den Führerschein kann die Botschaft allerdings nicht ersetzen. Sind Sie mit dem Auto angereist, lassen Sie sich von der örtlichen Polizei eine Verlustbescheinigung ausstellen. Damit dürfen Sie die Rückreise antreten.

Wenn sowohl Ihr Bargeld als auch Ihre Geldkarten gestohlen wurden, stehen Sie wohlmöglich ohne einen Cent da. Was nun?

Sprechen Sie mit der Reiseleitung oder mit dem Hotel. In den meisten Fällen ist es möglich, dass Ihnen Verwandte aus Deutschland Geld auf das Konto des Reiseanbieters oder des Hotels überweisen können. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Geld-Transfer-Dienstleister wie Western Union zu nutzen. Freunde oder Verwandte zahlen Geld in der deutschen Filiale ein und Sie können dieses in einer Filiale vor Ort abholen. Doch die Gebühren für diesen Dienst sind relativ hoch.

Reisetipps für gefährliche Länder

Insbesondere in Ländern, in denen bekannt ist, dass es viele Straßengangs und kriminelle Banden gibt, sollten Sie zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen treffen. Dazu raten etwa Profis:

  • Der Leichtsinn trägt auffälligen Schmuck und eine teure Uhr. Kleiden Sie sich lieber unauffällig und nichts, was Sie als Tourist ausweist (Socken in Sandalen, Fotoapparat um den Hals, bunte Hawaii-Hemden, etc.). Alles andere macht Sie nur zum Ziel.
  • Vermeiden Sie jegliche Form von Routine: Immer derselbe Weg zur selben Zeit, dasselbe Restaurant, die gleiche Zeit zum Shoppen. All das können Kriminelle nutzen, um den geeigneten Ort und Zeitpunkt für einen Überfall auszuspähen.
  • Die älteste Masche ist immer noch die effektivste: Diebe rauben gerne im Team. Der eine lenkt ab, blockiert Ihren Weg oder rempelt, der andere fingert in Ihren Taschen oder reißt Ihnen diese gleich vom Arm. Sobald Sie solche Anzeichen spüren: Hände an die Taschen, alles festhalten und durchdrängeln. Ansonsten rufen Sie sofort laut: "Polizei!" - möglichst in der Landessprache.
  • Tragen Sie immer festes Schuhwerk oder Turnschuhe (keine Sandalen). Damit können Sie besser und schneller flüchten.
  • Tragen Sie stets eine Köderbrieftasche bei sich. Wenn Sie von Banditen ausgeraubt werden, können Sie ihnen etwas geben. Natürlich darf die Geldbörse nicht leer sein. Darin können Sie etwa Ihre Miles & More-Karte, einen alten Büchereiausweis, Ihr Jobticket oder andere relativ wertlose Karten verstauen sowie etwas Bargeld. Ihre Kreditkarten, der Reisepass und das große Geld bewahren Sie aber bitte woanders und getrennt von einander auf.
  • Nehmen Sie immer eine Farbkopie Ihres Reisepasses sowie Notfallnummern mit. Dann können Sie sich im Fall der Fälle in der Botschaft leichter Ersatz besorgen.
  • Seien Sie vorsichtig, von wem Sie einen spendierten Drink annehmen. Einige Diebesbanden nutzen heute Knock-out-Drogen, um Ihre geselligen Opfer anschließend auszunehmen. Im Zweifel: Tauschen Sie das Glas mit Ihrem Gastgeber und behaupten Sie einfach, das sei ein Freundschaftsritual in Ihrer Heimat.
  • Wenn Sie von einer bewaffneten Bande angehalten und ausgeraubt werden, schütteln Sie Ihren Peinigern respektvoll und äußerst höflich die Hand. Menschen, die in Kauf nehmen, Sie womöglich zu töten, sind von solchen Gesten überrascht und ändern Ihren Plan vielleicht.
  • Stellen Sie nachts einen Stuhl vor Ihre Hotelzimmertür – und zwar so, dass dieser laut krachend umfällt, wenn jemand versucht heimlich gegen 4 Uhr morgens in Ihr Zimmer einzusteigen.
  • Tragen Sie immer eine Taschenlampe bei sich. Vor allem wenn Sie nachts unterwegs sind. Stromausfälle sind nicht selten in solchen Ländern. Und dann wäre es gut, wenn Sie auch noch durch ein stockdusteres Hotel Ihren Weg zurück ins Zimmer finden.
  • Benutzen Sie nur Bankautomaten, die in einer Bank stehen. Freistehende Automaten können Fakes sein, die nur Ihre Zugangsdaten ausspähen.
  • Überraschenderweise sind in manchen Ländern die gefährlichsten Menschen nicht Räuber, sondern Fahrer: Bus- oder Taxifahrer, die durch die Stadt rasen und abrupt abbremsen. Wenn Sie weiches Gepäck dabei haben, etwa einen Rucksack, nutzen Sie den bei solchen Fahrten sicherheitshalber als zusätzlichen Airbag.
  • Trauen Sie nicht jedem Taxifahrer am Flughafen. Vergewissern Sie sich, dass er eine Lizenz hat oder an lizensierten Plätzen steht. Geben Sie ihm niemals Ihr Gepäck und vereinbaren Sie vorab einen Festpreis. Im Taxi selbst verriegeln Sie bitte alle Türen. Manche Räuberbanden nutzen die Rotphasen an Ampeln, um sie zu überfallen.
  • Falls Sie selbst mit dem Mietwagen unterwegs sind: Verriegeln Sie sowieso immer die Autotüren von innen und fahren Sie nie mit offenem Fenster (lieber Klimaanlage an). Und nähern Sie sich Straßenkreuzungen mit roten Ampeln langsam. Sie verkürzen so die Standzeit – die beste Phase für einen Überfall.
  • Noch ein paar Gesundheitstipps fürs Ausland

  • Vermeiden Sie beim Duschen oder Schwimmen Wasser zu schlucken. Und putzen Sie in Hotels Ihre Zähne lieber mit Mineralwasser aus der Flasche.
  • Trinken Sie viel Wasser, aber lassen Sie die Eiswürfel stets weg. Beim Wasser selbst trinken Sie bitte nur abgekochtes oder aus Flaschen, Tee oder Kaffee sind aber okay.
  • Finger weg von Wassermelonen. Sie werden nicht selten schwerer gemacht, indem die Händler Leitungswasser hineinspritzen (bringt mehr Geld).

Checkliste Reiseapotheke: Das sollten Sie ebenfalls einpacken

  • Einweg-Handschuhe
  • Desinfektionsmittel
  • Fieberthermometer
  • Salbe für Verbrennungen und Sonnenbrand
  • Pflaster, Mullbinden
  • Nagelschere, Pinzette
  • Medikamente gegen Allergien
  • Medikamente gegen Übelkeit und Durchfall
  • Schmerztabletten
  • Wundsalbe
  • Mückenschutz, Mückenstichsalbe
  • Reisezieltypische Medikamente (zum Beispiel Malaria-Prophylaxe)
[Bildnachweis: Antlio, gpointstudio, Ammentorp Photography, Kzenon by Shutterstock.com]

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