Ausbildung Alternativen: Das geht noch
Er ist heiß begehrt, manchmal aber unerreichbar: der Ausbildungsplatz der Träume. Denn dass so mancher Jugendlicher am Ende ohne Lehrstelle dasteht, das ist so - trotz der Demographie, trotz der noch immer starken Konjunktur, trotz vieler Betriebe, die tatsächlich händeringend nach Nachwuchs suchen. Aber was mache ich bloß, wenn ich ohne Lehrstelle geblieben bin? Erster Rat: Nach vorne blicken. Wir haben alle Alternativen für Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz.

Kein Ausbildungsplatz: Was nun?

Vor allem Hauptschüler warten oft lange auf ihre Chance, Jugendliche ohne Schulabschluss erst recht. Aber nicht nur die. Auch der cleverste Abiturient kann trotz mehrerer Bewerbungen am Ende ohne Lehrstelle dastehen - weil seine Bewerbungen fehlerhaft waren, weil er sich um die "falschen" Plätze beworben hat, weil in seiner Region Ausbildungsbetriebe fehlen oder weil ... Es gibt tausend Gründe.

Deshalb richten wir gemeinsam den Kopf nach oben und den Blick nach vorne. Wie geht es jetzt weiter? Welchen Schritt setze ich als nächsten? Welche Alternativen gibt es zur Ausbildung? Denn dass es immer eine Alternative gibt, ist sonnenklar.

Darum: Ruhe bewahren und alle Optionen sorgfältig abwägen. Hier sind sie...

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Alle Alternativen zur Ausbildung

  1. Praktikum

    Das Praktikum gilt als Sprungbrett in die Festanstellung. Dieser Merksatz hat auch weiterhin Gültigkeit, obwohl Praktikanten seit Anfang 2015 Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn haben. Einzelne Branchen hatten daraufhin einen massiven Wegfall an Praktikumsplätzen geradezu angedroht. Aber: Pflichtpraktika und solche unter drei Monaten sind vom Mindestlohn ausgenommen, für (kurze) Orientierungspraktika nach der Schule gilt der Mindestlohn also nicht. Das erhöht Ihre Chancen, doch noch einen Fuß in die Tür Ihres Wunscharbeitgebers zu bekommen. Eine Initiativbewerbung ist für ein Praktikum im Grunde nie verkehrt. In jedem Fall sollten Sie schon in die Bewerbung ausreichend Energie stecken.

  2. Freiwilliges Soziales Jahr

    Vor allem soziale, gemeinnützige und kulturelle Einrichtungen, Sportvereine und Krankenhäuser bieten Plätze an, etwa im erzieherischen Bereich oder in der Altenpflege. Das Mindestalter liegt bei 16 Jahren, meistens beginnt der Einsatz im August oder September. Mehr als ein kleines Taschengeld ist aber nicht drin, über die Höhe entscheidet der Träger, meist sind es so um die 150 Euro monatlich. Daneben gibt es noch den Bundesfreiwilligendienst, der vom Bund 2011 ins Leben gerufen wurde und das Freiwillige Ökologische Jahr, deren Träger im Umweltschutz und verwandten Bereichen (Umweltbildung, Umweltkommunikation, Tierpflege) aktiv sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein FSJ kann eine Lücke im Lebenslauf elegant füllen, berufliche Orientierung und neue Perspektiven liefern - und den Teilnehmer (hoffentlich) etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anstellen lassen.

  3. Berufsvorbereitungsjahr

    Das Berufsvorbereitungsjahr soll Schulabgänger fit machen für eine spätere Ausbildung. Das beinhaltet möglicherweise, schulisches Wissen zu pauken und ein Praktikum zu absolvieren. In die gleiche Kerbe schlägt die Einstiegsqualifizierung. Dabei handelt es sich um ein sechs- bis zwölfmonatiges Betriebspraktikum, speziell für Jugendliche, die sich erfolglos um einen Ausbildungsplatz beworben haben. Das Verlockende: Verläuft das Praktikum erfolgreich, winkt die Übernahme in den Betrieb. Ansprechpartner ist die Arbeitsagentur, die bei der Vermittlung hilft.

  4. Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme

    Eine Maßnahme, die sich an die besonders schwer vermittelbaren Fälle richtet. Jugendlichen sollen so grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten eingebimst werden, die für die Teilnahme am Arbeitsmarkt überhaupt wichtig sind. Auch Berufsorientierung und Berufswahl spielen eine Rolle, Jugendliche ohne Schulabschluss sollen zudem auf den Hauptschulabschluss vorbereitet werden. Die Teilnahme dauert bis zu einem Jahr, auch eine finanzielle Berufsausbildungsbeihilfe ist vorgesehen. Auch hier gilt: Bei der örtlichen Arbeitsagentur nachfragen, ob man als Teilnehmer in Frage kommt.

  5. Work & Travel

    Ein Arbeitsaufenthalt in Übersee erfordert vor allem Selbstorganisation. Visum beantragen, Versicherungen abschließen, medizinische Atteste einholen, Reise planen und vor allem Bewerbungen schreiben - ohne die bekommt man vor Ort nämlich keinen Job. Wer die Job-Rundreise gut gemeistert hat, kann damit hinterher auch im Vorstellungsgespräch punkten. Allerdings ist dafür ein finanzieller Puffer, gewissermaßen als Anschubfinanzierung, vonnöten. Vor dem Work & Travel-Abenteuer sollten Sie also Ihr Budget und die voraussichtlichen Kosten möglichst genau kalkulieren, um nicht mit einem dicken Minus nach Hause zu kommen.

  6. Au-Pair

    An Kinderbetreuer im Ausland werden mitunter (und natürlich völlig zurecht) hohe Erwartungen gestellt. Ein Schulabschluss ist meistens Pflicht, Führerschein de facto auch, manchmal müssen sogar berufliche Vorerfahrungen nachgewiesen werden. Das Mindestalter beträgt (mit einzelnen Ausnahmen) 18 Jahre. Die Anforderungen unterscheiden sich aber von Gastland zu Gastland. Wie hoch die Hürden im Einzelnen sind, haben wir hier am Beispiel der USA durchgespielt. Hier gibt es auch eine (unvollständige) Liste an Agenturen, über die Sie an einen Au-Pair-Platz kommen. Grundsätzlich demonstriert das Au-Pair-Jahr Eigenständigkeit und Ehrgeiz — und macht sich deshalb auch im Lebenslauf gut.

  7. Ferienjob

    Vor allem in der Gastronomie und im Catering werden im Sommer Aushilfskräfte gesucht, teilweise auch in der Produktion und im Büro. Hier ist Eigeninitiative gefragt, Ferienjobs werden selten ausgeschrieben. Vitamin B hilft, oder eine aktive Anfrage im Betrieb. Positiv: Sie verdienen Geld und erweitern ihr Netzwerk. Bei Interesse am besten sofort mit der Recherche starten, der Sommer steht vor der Tür. Tipp: Es ist nicht verboten, am Ende des (erfolgreichen) Ferienjobs einfach mal nach einem Praktikum oder Ausbildungsplatz zu fragen, möglicherweise gibt es auch Optionen in einer anderen Abteilung oder an einem anderen Standort.

  8. Ausbildung im Ausland

    Wer von einer Ausbildung unter mediterraner Sonne träumt, sollte bedenken: Die Jobsituation ist gerade in Südeuropa desaströs. Als Deutscher nach Ausbildungsplätzen in Spanien oder Griechenland zu suchen - das klingt eher wie ein Treppenwitz. In anderen EU-Ländern stehen die Chancen besser, in den Niederlanden, Österreich und Dänemark etwa ist die Jugendarbeitslosigkeit ähnlich gering wie in Deutschland. Grundsätzlich aber: Die Art der Ausbildung ist nicht allerorten mit der deutschen vergleichbar. Deshalb ist eine Grundskepsis angebracht, bevor Sie das erstbeste Jobangebot annehmen. Hier empfiehlt sich auch der Gang zur Arbeitsagentur für eine Erstberatung. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung wirbt damit, unter anderem Ausbildungsplätze in kaufmännischen und gastronomischen Berufen zu vermitteln, in Portugal oder sogar Hongkong.

  9. Weiterführende Schule

    Nur noch mal zur Sicherheit: Ohne Schulabschluss sind die Chancen auf eine Lehrstelle verschwindend gering. Mit einem Hauptschulabschluss um Nuancen besser, mit mittlerer Reife schon relativ gut und mit Abitur prächtig. Auch wenn viele Schüler so schnell wie möglich raus aus dem Klassenzimmer, rein ins Berufsleben wollen: Das schulische Fundament muss vorhanden und möglichst stabil sein. Je stabiler, desto größer die Chancen. Also im Zweifel einfach mal darüber nachdenken, noch ein Jahr die Schulbank zu drücken, um zum Beispiel das Fachabitur draufzusatteln - auch wenn es weh tut.

  10. Wehrdienst

    Das kommt nicht für jeden infrage, muss es aber auch gar nicht. Eine weitere Option für Schulabgänger ist der freiwillige Wehrdienst aber. Denn die Wehrpflicht ist zwar Geschichte, auf gute Rekruten ist der Bund dennoch weiterhin angewiesen. Bis zu 23 Monate dauert der freiwillige Wehrdienst, die Besoldung steigert sich bis auf 1.146 Euro monatlich. Positiv für Interessenten: Die ersten sechs Monate zählen zur Probezeit. Wer merkt, dass das Militär doch nicht der richtige Arbeitgeber ist, kann in dieser Zeit also problemlos abspringen.

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