Sergey Nivens/shutterstock.com

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Jobsicherheit gibt es nicht. Auch nicht für Leistungsträger. Deren Job ist zwar sicherer als der irgendwelcher Butterköpfe, die allenfalls lustlos Dienst nach Vorschrift schieben; Leistung und Leidenschaft sind essenziell für den Erfolg – sie machen aber nicht unersetzlich. Die Botschaft ist unbequem, aber wahr: Jeder Mensch ist ersetzbar. Es gibt keinen Job für den es nur einen Spezialisten auf diesem Planeten gäbe. Und jeder Chef ist auch gut beraten, sein Unternehmen so aufzustellen, dass es auch dann überlebt, wenn tragende Talente kündigen und abwandern. Wer also versucht, durch hektische Betriebsamkeit seine Unentbehrlichkeit zu unterstreichen, hat zwar einen guten Gedanken, nur die Ausführung ist falsch. Leistungsträger zeichnen sich de facto aber durch andere Eigenschaften aus…

Wie wird man ein Leistungsträger?

Ein guter Mitarbeiter zu sein, reicht nicht. Gute Mitarbeiter sind ihr Geld wert, wirklich wertvoll werden sie aber erst, wenn sie Außergewöhnliches leisten, Überdurchschnittliches, positiv Überraschendes. Erst dann schaffen sie den sprichwörtlichen Mehrwert, nach dem sich jeder Chef sehnt.

Das gelingt zwar niemandem an jedem Tag – es sei denn, Sie sind Superman. Aber die Tendenz sollte in diese Richtung gehen. Und das geht sie, wenn Sie neben guter Arbeit, diese vier Attitüden beherzigen:

  • Strengen Sie weniger an. Nicht: Strengen Sie sich weniger an, sondern machen Sie weniger Mühe. Es gibt Mitarbeiter, die zapfen einem das letzte bisschen Kraft aus dem Leib. Egal, wie gut sie in ihrem Job sind, sie nerven und machen den eigenen Job nur noch aufreibender. Jeder Manager kennt solche Leute und rollt sofort mit den Augen, wenn er an diese Pflegefälle denkt: Ganz vorne dabei sind die Denkfaulen. Sie sind nicht zu verwechseln mit den insgesamt faulen, arbeitsscheuen Kollegen. Die sind eine Katastrophe. Es sind vielmehr jene, die durchaus gute Ideen haben, diese vorbringen, dann aber müde werden, weiter darüber nachzudenken und als Folge Unausgegorenes zurücklassen. Diese Leute mögen gute Absichten haben. Weil sie aber nie fertig denken, sind sie eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Sie sind wie Kinder, die sich einen Hund wünschen, ohne darüber nachzudenken, wer hinterher das Tier täglich Gassi führt, den Tierarzt bezahlt und sich im Urlaub darum kümmert. Wer sich selbst und seinem Chef einen Gefallen tun will, sollte seine Analyse abschließen, bevor er Vorschläge macht. Perfekt muss das nicht sein – aber die wichtigsten Einwände sollte es berücksichtigen.
  • Seien Sie sich für nichts zu schade. Nachteilig wirkt auch, sich die Rosinen herauszupicken und die unangenehme Arbeit anderen zu überlassen. Gewiss, jeder Job hat lästige Teile, und jeder im Betrieb hat schnell heraus, welche das sind. Und keiner reißt sich darum. Man sammelt aber weder Sympathie- noch Karrierepunkte, indem man sich davor drückt. Leistungsträger erledigen diesen Part schnell, unsichtbar, vor allem aber ohne zu murren.
  • Sparen Sie Zeit. Selbst produktive Mitarbeiter können ein Unternehmen belasten – wenn sie für ihre Arbeit zu viele Ressourcen beanspruchen. Wenn sie etwa vor Ideen und Eifer nur so sprühen und ihrem Chef jeden Fortschritt mitteilen, erhöht das einerseits ihre Sichtbarkeit, was gut ist. Es senkt aber zugleich die Produktivität des Chefs. Denn der hat auch noch einen Job und nicht bloß Zeit für Tausendsassas, die ein paar Streicheleinheiten brauchen. Die Kunst ist, das richtige Maß zu finden – zwischen Engagement und der Energie, die man dabei bindet.
  • Arbeiten Sie für sich. Kein Scherz. Zwar ist damit nicht gemeint, in die eigene Tasche zu arbeiten oder heimlich Kopierpapier einzustecken. Die meisten Menschen aber arbeiten für Geld. Daran ist nichts Falsches. Dennoch wundern Sie sich darüber, dass es sie nicht leidenschaftlicher macht. Kann es aber nicht. Aus der Motivationsforschung weiß man heute, dass Geld höchstens kurzfristigen Antrieb geben kann. Durch eine Prämie oder ein hohes Gehalt fühlen sich die Leute gewertschätzt und strengen sich kurzfristig mehr an. Doch schon nach ein paar Wochen ist die Wirkung verpufft. Also müsste die Dosis – wie bei einem Junkie – stetig gesteigert werden. Das aber gefährdet sogar eher noch den Job des betroffenen Mitarbeiters, weil der mit der Zeit für das Unternehmen zu teuer werden kann. Davon abgesehen ist die Botschaft auch völlig falsch: Wir arbeiten eben nicht nur für Geld oder einen Arbeitgeber. Wir arbeiten immer auch für uns selbst. Und genau das wissen Leistungsträger: Je mehr sie in ihrem gewählten Job leisten, desto mehr erfüllt er sie. Erfolge wiederholen zu können, zu wissen, dass man seinen Job beherrscht und zu beobachten, wie man daran wächst – das motiviert.

Natürlich gibt es noch mehr Punkte, wie man ein Leistungsträger werden kann. Aber diese vier sind ein guter Anfang und Herausforderung genug.

Nun gibt es aber auch bei allem Grenzen – auch für übermäßiges Engagement. Irgendwann sollte sich dies natürlich auch im Gehalt spiegeln. Tut es das nicht, ist die Grenze zur Ausbeutung bald überschritten. In dem Fall sollten Sie auch handeln…

Leistungsträger: Was tun, wenn man mehr macht als bezahlt wird?

Zunächst einmal: nicht jammern. Jammerer wirken weder souverän, noch eröffnen sie sich mit diesem Verhalten irgendwelche Verhandlungsoptionen.

Sehen Sie es von der Warte: Sie beweisen tagtäglich, dass Sie mehr können, als man laut Arbeitsvertrag eingekauft hat. Durch Ihre vielen Jobs entwickeln Sie nicht nur mehr und neue Fähigkeiten, Sie werden auch ein Stück unentbehrlicher für Ihren Arbeitgeber.

Das im Hinterkopf ist es trotzdem nicht richtig, Ihr Wissen und Können dauerhaft und über Gebühr auszunutzen. Bevor Sie sich jetzt aber ein großes Verschwörungsszenario ausmalen: Womöglich weiß Ihr Chef gar nicht, was Sie alles leisten.

Dummerweise neigen Chefs zu Arbeits-Alzheimer: Sie haben einen natürlichen Erinnerungsdefekt, welche Aufgaben sie vergeben und welche Erfolge Mitarbeiter dabei erzielt haben. Das Motto solcher Bosse: So lange es gut läuft und sich der Mitarbeiter bewährt, bekommt er mehr Arbeit. Schließlich muss man Eifer belohnen.

So laden sich die Fleißigen am Ende mehr Verantwortung auf als sie bewältigen können – und scheitern. Zuerst schleichen sich Fehler ein, dann können Termine nicht mehr eingehalten werden, schließlich liefert man nur noch Mittelmaß ab, oder Schlimmeres.

Der Chef wird das nicht akzeptieren – auch nicht, wenn bisher Spitzenleistungen erbracht wurden. Arbeits-Alzheimer… Sie erinnern sich?!

Wer nicht (für sich) wirbt, stirbt

Deshalb ist es wichtig, das wahre Ausmaß seines Tuns immer wieder in Erinnerung zu bringen. Sie können dies auch Sich-in-Szene-setzen nennen, andere empfinden das vielleicht auch als prahlen. Dabei gibt es aber einen feinen Unterschied:

  • Der Prahlhans will vor allem für Dinge gelobt werden, die er gar nicht in dem Ausmaß geleistet hat.
  • Ihnen aber geht es darum, dass Ihre wahren Leistungen zumindest erkannt werden.

Der zweite Schritt (!) ist dann, mit Ihrem Boss nachzuverhalndeln. Sei es über mehr Gehalt oder aber über künftig weniger Aufgaben. Denn…

  • Erstens kann auch er kein Interesse daran haben, dass seine Leistungsträger wie eine Supernova ausglühen.
  • Zweitens ist es ein Zeichen von Professionalität, seine Arbeit organisieren und gegebenenfalls delegieren zu können – zumal am Anfang eines Projekts und nicht erst, wenn man kurz vor dem Scheitern steht.

Idealerweise zeigt man dabei eine bereitwillige Ablehnungshaltung:

Gerne übernehme ich diese Aufgabe. Wegen Projekt X und Y kann ich dann aber nicht die Qualität liefern, die Sie und ich erwarten. Deshalb müssten wir klären, welches Projekt wir dafür verschieben.

Die Botschaft wird ein weiser Chef würdigen. Sie selbst liefern derweil Spitzenleistung.