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Es gibt Menschen, die sind einem auf Anhieb sympathisch. Egal, was sie sagen: Man hört ihnen gerne zu, kann ihnen nichts übel nehmen, mag sie. Richtige Sympathieträger eben. Am anderen Ende der Skala liegen die Kotzbrocken, die mag keiner. Aber dazwischen liegt eine breite Grauzone der Menschen wie du und ich, mal mehr, mal weniger anziehend, manche sogar polarisieren: entweder man findet sie richtig klasse - oder so gar nicht. Dabei wäre es durchaus nützlich, mehr Sympathien wecken zu können... Die gute Nachricht: Das geht. Die schlechte: Es ist nicht leicht...

Sympathie ist eine Art selbsterfüllende Prophezeiung

Sympathie-MimikryDas Thema "Sympathisch werden" ist durchaus wissenschaftlich erforscht. Heute weiß man: Sympathie und Anziehungskraft sind keineswegs Zufälle – sie lassen sich zu einem Gutteil beeinflussen.

Sozialpsychologen sprechen an dieser Stelle auch gerne von der Akzeptanzresonanz.

Dieses Phänomen besagt, dass Sympathie eine Art selbsterfüllende Prophezeiung ist. Wenn wir glauben, dass uns ein anderer Mensch mag, dann verhalten wir uns demjenigen gegenüber meist automatisch freundlicher und wärmer, mit dem Effekt, dass uns unser Gegenüber anschließend tatsächlich mehr mag.

Umgekehrt: Wenn wir uns bei der entgegneten Sympathie unsicher sind oder gar Zurückweisung fürchten, verhalten wir uns oft reserviert und kühl – und riskieren am Ende so nur noch eher einen Korb.

Zugegeben, es handelt sich dabei um eine recht simple Kausalität – aber auch um eine, die erklären kann, warum sich manche Menschen auf Anhieb mögen oder eben nicht. Oder warum einige Menschen stets beliebter sind als andere.

Um jemanden sympathischer zu finden, reicht es, das auszusprechen

So wie es Sypmathieträger gibt, gibt es auch Menschen, die wir partout und Anhieb unsympathisch finden. Man muss ja auch nicht jeden mögen und umgekehrt. Manchmal - insbesondere unter Kollegen und wenn man sich nicht aus dem Weg gehen kann - wäre es aber hilfreicher.

Die gute Nachricht ist: Wer laut sagt, dass er jemanden mag (obwohl das nicht so ist), findet die Menschen bald darauf tatsächlich sympathischer. Das konnten Psychologen unlängst zeigen.

Bei den Experimenten dazu sollten die Probanden zunächst Porträts von Fremden beurteilen und dabei laut sagen "sympathisch" beziehungsweise "unsypathisch". Einige Zeit später bekamen sie die Fotos erneut zu Gesicht, aber in anderer Reihenfolge. Diesmal sollten sie erklären, welche Gefühle sie gegenüber den Abgebildeten hätten. Und siehe da: In 17 Prozent der Fälle mochten sie die sympathischen Porträtierten nun noch viel mehr - ganz im Gegensatz zu jenen, die sie zuvor als unsympathisch disqualifizierten.

Das Ganze ist zwar keine Raketenwissenschaft. Aber vielleicht sind Sie künftig beim Urteil über den neuen Kollegen oder die neue Party-Bekanntschaft nicht ganz so vorschnell - insbesondere mit einem negativen Urteil. Ein Kompliment dagegen könnte ungeahnte Chancen eröffnen.

Sympathisch werden: Der Sympathiereflex

Sympathisch-werden-TippsDazu gibt es schon ein etwas älteres, aber immer noch spannendes Experiment des Psychologen Danu Anthony Stinson von der Universität von Waterloo. Damals waren es 28 Männer, die er zu einem Blinddate mit einer attraktiven Frau einlud.

14 seiner Probanden erzählte er, dass die Frau sehr nervös und aufgeregt sei, ob die Männer sie wohl attraktiv finden würden. Den anderen 14 Jungs gab er nur ein paar demographische Daten über ihr Blinddate.

Zwar darf man davon ausgehen, dass wohl alle 28 Männer mit klammen Händen zum Rendezvous erschienen, aber nur die erste Gruppe fühlte sich angesichts der Nervosität ihrer Begleiterin augenblicklich besser und verhielt sich selbstbewusster, aufgeschlossener, freundlicher und spürbar warmherziger - was wiederum einen deutlich anziehenderen Effekt auf die Frau hatte (auch wenn die freilich eingeweiht war).

Das Faszinierende an diesem Versuch ist, dass er bestätigte, was die Forscher längst vermuteten: Dass Menschen, die glauben von anderen akzeptiert und gemocht zu werden, sich Fremden gegenüber reflexartig so verhalten, dass sie tatsächlich akzeptiert und gemocht werden.

Mysteriös bleiben: Sympathie beruht nicht nur auf Gegenseitigkeit

Erin Whitchurch von der Universität von Virginia in Charlottesville untersuchte ebenfalls schon vor einiger Zeit zusammen mit Kollegen, wie Sympathie wirkt beziehungsweise wie wir sympathischer werden. Dazu suchte sie sich 47 Studentinnen und sagte jeder einzelnen von ihnen, dass diverse männliche Studenten ihr Facebook-Profil angesehen und anschließend bewertet hätten, wie anziehend sie die Studentinnen fanden und ob sie diese gerne kennenlernen würden.

Allerdings gab Whitchurch nicht allen die gleichen Informationen:

  • Einem Teil ihr Probandinnen teilte sie mit, sie würden nun die vier Facebook-Profile der Männer sehen, die ihnen in Sachen Attraktivität die Höchstnote gegeben hatten.
  • Einer zweiten Gruppe sagte man, sie würden die vier Männer sehen, die sie durchschnittlich anziehend fanden.
  • Die dritte Gruppe bekam einfach nur vier Männer zu sehen. Wie attraktiv diese, die Studentinnen gefunden hatten, blieb ein Rätsel.

Natürlich war das alles fingiert. Die Männerprofile zeigten zwar durchaus attraktive Studenten, doch hatten die niemals zuvor die Studentinnen gesehen geschweige denn bewertet. Darum ging es aber auch nicht. Denn nun sollten die Probandinnen ihrerseits einschätzen, wie sehr sie sich zu den unbekannten Kommilitonen hingezogen fühlten und was sie in den nächsten 15 Minuten über diese dachten. Und siehe da:

  • Die Frauen der ersten Gruppe fühlten sich zu den Studenten sofort hingezogen, sobald sie wussten, dass diese sie enorm attraktiv fanden.
  • In der zweiten Gruppe war diese Reaktion praktisch gar nicht erkennbar.
  • Das eigentlich Überraschende aber passierte in Gruppe drei: Jene Frauen, die sich ihrer Wirkung auf das andere Geschlecht ungewiss waren, fühlten sich am stärksten zu den Männern hingezogen und dachten am längsten über sie nach.

Oder kurz gesagt: Was wirklich attraktiv (und sympathisch) macht, sind nicht etwa zahlreiche Komplimente und andere Formen der Anbiederei, sondern vielmehr ein Hauch Unbestimmtheit und Ungewissheit.

Tipps und Tricks für mehr Sympathie

sympathisch-sein-KollegenAus der Sympathieforschung (die gibt es wirklich) weiß man heute, dass Menschen, die sich mögen, ihre Sprache und Körpersprache irgendwann synchronisieren. Dabei geht es allerdings nicht um plumpes Nachäffen, sondern um ein bewusstes oder unbewusstes Angleichen.

Besonders Mikrogesten wie Lächeln, Gähnen, Nasekratzen oder einen Schluck trinken wirken ungeheuer ansteckend. Das konnten beispielsweise Tanya Chartrand und John Bargh schon 1999 nachweisen. Probanden, die sich zum ersten Mal begegneten, ahmten Berührungen im Gesicht bereits zu 20 Prozent nach, das Übereinanderschlagen von Beinen gar zu 50 Prozent – aber eben nur wenn sich beide sympathisch waren, wie wiederum der niederländische Psychologe Rick van Baaren von der Universität Nijmegen in seinen Untersuchungen über das unbewusste Imitieren des Gegenübers feststellte.

Die Psychologie unterscheidet dabei übrigens drei Verhaltensweisen mit zunehmender Synchronität:

  • Matching: Die Körpersprache des Partners wird analysiert und zunächst nur zu maximal 50 Prozent durch die eigene reflektiert.
  • Pacing: Körpersprache, Gestik, Mimik, Sprache werden zunehmend angeglichen.
  • Rapport: Nahezu vollständige Symmetrie – beide Partner nehmen jedes Mal durch ihr Verhalten auf einander Bezug.

Diese Spiegeltechnik lässt sich durchaus auch bewusst einsetzen - beim Verhandeln etwa. Oder beim Flirten. Allerdings manipuliert man damit - wenn auch wirkungsvoll - sein Gegenüber, weshalb jeder selbst entscheiden muss, ob er oder sie das auch ethisch verantworten kann und will.

Generell lass sich aus der Sympathieforschung aber ein paar Empfehlungen ableiten, wie man sofort sympathischer auf andere wirkt:

  1. Seien sie freundlich und offen. Und gehen Sie entsprechend mit einem Lächeln auf andere zu. Wenn die das Gefühl haben, Sie mögen sie, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Einstellung erwidert wird.
  2. Sagen Sie den Menschen, dass Sie sie sympathisch finden. Das ist zwar so plump wie ein Kompliment, aber es wirkt. Menschen mögen Menschen, die sie auch mögen. Das ist eines der Grundprinzipien der Sozialpsychologie. Wenn wir ein eindeutiges Sympathie-Signal von einer anderen Person erhalten, fühlen wir uns in der Regel sofort geschmeichelt - und reagieren darauf mit Wohlwollen.
  3. Halten Sie Blickkontakt. Vor allem, um die Authentizität und Glaubwürdigkeit dieser Aussage zu unterstreichen. Aber auch, um Ihrem Gegenüber zu signalisieren, dass Sie ihm oder ihr die volle Aufmerksamkeit schenken.

Es gibt aber noch ein paar weitere Kniffe, die unmittelbaren Einfluss darauf haben, wie beliebt und sympathisch wir sind und wirken:

  • Ermutigen Sie Ihr Gegenüber, über sich zu sprechen.

    In jedem Menschen steckt ein kleiner Narziss. Mindestens. Studien zeigen: Wir finden eine Unterhaltung umso wertvoller, wenn wir die meiste Redezeit für uns selbst beansprucht haben. Das lässt sich nach jedem Meeting verifizieren: Fragen Sie, wer es gut fand - die positiven Eindrücke kommen immer von jenen mit der meisten Airtime. Der Effekt schlägt aber auch auf die Beliebtheit durch: Stellen Sie kluge Fragen und lassen Sie Ihren Gesprächspartner plaudern. Er wird sie hernach umso netter finden. Zudem wirken Sie wie ein richtig guter Zuhörer.

  • Bitten Sie um Rat.

    Es ist ein subtiler Appell an das Ego Ihres Gegenübers. Allein schon die Tatsache, dass man sie fragt, imponiert den meisten Menschen. Sie fühlen sich sofort aufgewertet, wichtig, wissend. Kurz: Sie mutieren zum gefragten Helden. Ein kurzer Anflug von Macht umweht ihr Ego. Und weil sie dieses Gefühl lieben und kaum einer diesem Angebot widerstehen kann, einem anderen die Gunst seiner Weisheit und Erfahrung weiterzugeben, sagen die meisten Ja. Mehr noch: Die so erfahrene Aufwertung quittiert der Ratgeber mit spontaner Sympathie.

  • Wiederholen Sie die letzten 3 Worte.

    Kein Witz! Wenn Sie die letzten 3 Worte Ihres Gesprächspartners in Ihre Antwort einbauen, lässt sie das als aufmerksamen Zuhörer erscheinen. Menschen wollen gehört werden. Und Sie antworten sogar mit deren Worten! Allerdings ist dieser Spiegel-Trick mit Vorsicht zu genießen und sollte nur dezent eingesetzt werden. Sonst wirkt es entweder wie plumpes Nachplappern oder ein manipulatives Echo. Und sobald einer die Absicht spürt, ist er verstimmt.

  • Zeigen Sie kleine Fehler.

    Es wäre ein Fehler, keine Fehler machen zu wollen. Manche Menschen verschwenden ihr ganzes Leben bei diesem Versuch. Nullfehlertoleranz können sich allenfalls Götter leisten. Wenn Sie also nicht angebetet werden wollen, zeigen Sie Mut zur Imperfektion und geben Sie ein paar kleine Fehler zu - so wie sich gerne beim Essen zu bekleckern oder schon von einem Glas Wein beschwipst zu werden. Nichts Wildes - aber Sie sind eben nicht perfekt. Wie Ihre Gegenüber! Was gleich zum nächsten Punkt führt...

  • Betonen Sie Gemeinsamkeiten.

    Der Volksmund sagt: Gleich und Gleich gesellen sich gern. Stimmt. Menschen, bei denen wir Gemeinsamkeiten entdecken, belohnen wir sofort mit einem Sympathiebonus - die sind schließlich wie wir selbst! Auch hier bedeutet das nicht, dass Sie jedem nach dem Mund reden sollen. Das mag keiner. Aber versuchen Sie im Gespräch solche Übereinstimmungen zu entdecken und diese in den Vordergrund zu rücken. Trennendes dagegen entzweit buchstäblich.

  • Versuchen Sie positiv zu bleiben.

    Und zwar von Anfang an. Das fällt uns gründlichen, kritisch denkenden Deutschen schwer, ist aber ein Sympathiekiller. Dinge zu bemosern, mag einem zwar das Gefühl geben, den besonderen Durchblick zu haben oder ein besonders brillanter Kopf zu sein. Tatsächlich wirkt die Selbstaufwertung auf viele aber abstoßend. Umgekehrt wird eher ein Schuh draus: Loben Sie andere, ermutigen Sie, sehen Sie die positiven Seiten und übersehen Sie die negativen.

Eigentlich ist es gar nicht so schwer, sympathischer zu wirken. Hinter den zugegebenermaßen latent manipulativen Maschen stecken letztlich Respekt und Anerkennung für Ihr Gegenüber.

Oder anders formuliert:

Verschenken Sie zunächst Ihre Sympathie, dann kommt sie auch zu Ihnen zurück.

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