TelefoninterviewVorstellungsgesprächSie haben sich bei einem tollen Unternehmen beworben, Ihre Bewerbung hat einen recht guten Eindruck hinterlassen – und dennoch lädt man Sie nicht zum Vorstellungsgespräch ein. Stattdessen wird Ihnen ein Telefoninterview angeboten. Sollten Sie sich überhaupt noch Hoffnungen auf den Job machen?

Aber ja! Sollten Sie. Nicht wenige Unternehmen wenden inzwischen Telefoninterviews an, um mehr Bewerber in kürzerer Zeit abzuchecken und nebenbei (zu erstattende) Fahrtkosten zu sparen. Eine solche Einladung bedeutet zwar, Sie sind definitiv nicht der einzige Bewerber im Rennen. Das gilt bei den sonst üblichen Bewerbungsgesprächen unter vier Augen aber auch. Und ein Telefoninterview unterscheidet sich mancher Hinsicht gar nicht so sehr davon. Allerdings gilt es auch hier ein paar versteckte Fallstricke zu beachten und einige Tricks zu nutzen, um das Telefoninterview gut vorzubereiten und im Gespräch selbst zu brillieren.

Die Vor- und Nachteile des Telefoninterviews

Der Vorteil des körperlosen Bewerbungsgesprächs besteht darin, dass Zappeln und nervöse Gesten völlig ausgeblendet werden. Sie können mit den Füßen wippen, die Beine auf und ab zittern lassen und sich die Finger der freien Hand reiben – und keiner merkt es. Gerade für Menschen, die im direkten Kontakt nervös auf andere wirken, kann das Telefoninterview einen sehr befreienden Charakter haben. Auch die etwas weniger förmliche Atmosphäre kann sich positiv auswirken, wenn Sie den weggefallenen Druck professionell nutzen.

Für Menschen mit gut ausgebildeter Körpersprache hingegen ist ein Telefoninterview ein großer Verlust. Wer seine Aussagen gern durch passende Gesten unterstützt und damit überzeugend auf andere wirkt, verliert diesen Bonus am Telefon. Die gelöste Atmosphäre kann zudem zu fehlender Ernsthaftigkeit führen – wenn Sie das zulassen. Außerdem setzen einige Unternehmen auf Überraschungsanrufe ohne Terminabsprache und lösen so (bewusst) Stress aus.

Ob für Sie persönlich nun Vor- oder Nachteil überwiegt: Mit unseren Tipps kommen Sie in jedem Fall souverän durch das vielleicht wichtigste Telefonat Ihrer Karriere!

Mit diesen Tipps macht das Telefoninterview Spaß

Vor dem Gespräch

  • Informationen sammeln. Besuchen Sie die Unternehmenshomepage und sammeln Sie Infos zu Größe und Branche. So können Sie später besser eigene Fragen stellen.
  • Standardfragen vorbereiten. Einige Fragen (beispielsweise nach Stärken und Schwächen) sind Teil jedes Bewerbungsgespräches. Am Anfang stehen meist Fragen zu Lebenslauf und Berufslaufbahn – bereiten Sie knackige Antworten vor!
  • Gegenfragen ausarbeiten. Gerade am Telefon werden intelligente Fragen von Ihnen verlangt. Im Kasten unten finden Sie einen Artikel mit passenden Beispielen.
  • Lebenslauf lernen. Ihren beruflichen Werdegang müssen Sie perfekt beherrschen. Halten Sie die Bewerbung samt Lebenslauf zur Sicherheit griffbereit.
  • Xing anzapfen. Wenn Sie den Namen Ihres Gesprächspartners kennen: Informieren Sie sich bei Xing über ihn. So nehmen Sie ihm den Schleier des Unbekannten.
  • Überraschungsanruf erwarten. Nicht alle Unternehmen geben Ihnen einen festen Termin – ein Stresstest! In der Bewerbungsphase gilt: Mit vollem Namen melden, Mitbewohner informieren, Anrufbeantworter-Ansage checken.
  • Hintergrundlärm vermeiden. Der Personaler möchte Ihre Antworten hören: Spielende Kinder, fahrende Autos und bellende Hunde gehören nicht dazu. Notfalls bei Freunden telefonieren.
    Bonustipp für Frauen: Große Ohrringe können am Hörer klappern!

Während des Gesprächs

  • Atmosphäre schaffen. Eine kurze Frage nach der Laune des Gesprächspartners schafft eine sympathische Stimmung von Beginn an. Eventuell ist sogar kurzer Smalltalk angebracht.
  • Termin absprechen. Erwischt ein Überraschungsanruf Sie im ungünstigsten Moment, wird kein Unternehmen Ihr Gesuch auf eine Verschiebung des Telefonats ablehnen. Bieten Sie Ausweichtermine an!
  • Stimme beachten. Achten Sie auf eine deutliche und selbstbewusste Sprechweise. Atmung, Lautstärke und vor allem Tempo regulieren – die meisten Menschen sprechen bei Nervosität zu schnell.
  • Ausdrucksweise bedenken. Manche Menschen verfallen am Telefon automatisch in umgangssprachliche Wortschätze – beim Bewerbungsgespräch völlig unangebracht. “Äh”, “öhm” und Füllwörter möglichst vermeiden.
  • Ablenkung verhindern. Eigentlich selbstverständlich: Während des Telefonats nicht essen, nicht rauchen, nicht am Laptop tippen und nicht fernsehen. Handy ausschalten nicht vergessen!
  • Wasser bereitstellen. Vor Nervosität kann Ihnen der Hals austrocknen; halten Sie daher ein Glas stilles Wasser bereit. Keinen Sprudel – Sie wollen schließlich nicht aufstoßen.
  • Englisch erwarten. Gerade bei internationalen Großkonzernen wechselt der Interviewer auch mal ins Englische. Er wird Sie in der Regel vorher darauf hinweisen, sodass Sie umdenken können – ruhig bleiben!
  • Pausen akzeptieren. Wie beim Smalltalk gilt: Kurze Pausen im Gespräch gehören dazu. Nutzen Sie die Sekunden, um Ihre Gedanken zu sammeln und Gesagtes zu bedenken.
  • Nachfragen anwenden. Sie können nicht jeden Satz beim ersten Mal verstehen – wenn Sie eine Frage nicht verstanden haben, bitten Sie um Wiederholung. Ein Nachfrageverbot ist Unsinn.
  • Vortritt lassen. Fallen Sie dem Interviewer nicht ins Wort und lassen Sie ihn ausreden – schließlich ist er in der Regel derjenige, der das Gespräch führt.
  • Persönlich verabschieden. Merken Sie sich den Namen des Interviewers und sprechen Sie ihn damit an. Das gilt besonders für den Abschied: “Herr/Frau [...], danke für das nette Gespräch!”

Bonus-Tipps für Video-Interviews via Skype & co.

  1. Ziehen Sie zum Videointerview zwar eine seriöse Kleidung an (Anzug, Kostüm), aber auch eine, in der Sie sich wohl fühlen. Das sieht man Ihnen sprichwörtlich an.
  2. Etwas Maske muss sein, auch bei Männern. Ein glänzendes Gesicht wirkt einfach unschön. Puder hilft. Wer keines hat, kann sein Gesicht auch vorsichtig (!) mit einem Papiertuch abrubbeln.
  3. Zeigen Sie sich von Ihrer Schokoladenseite. Jeder Mensch hat eine Gesichtshälfte mit der er besser aussieht. Finden Sie heraus, welche das ist – und stellen Sie die Kamera so hin, dass diese optimal zur Geltung kommt.
  4. Sprechen Sie stets in verständlichen, einfachen und nicht gestelzten Worten. Vor allem aber: Formulieren Sie kurze Hauptsätze.