Urlaub-Südsee-Strand-Arbeitsrecht
Egal, ob Osterurlaub, Sommerurlaub, Herbstferien oder Weihnachtsurlaub - im Berufsleben als Beschäftigter muss Urlaub immer beantragt und vom Chef genehmigt werden. Umgekehrt gibt es aber auch so etwas wie einen Urlaubsanspruch, der im Arbeitsvertrag festgeschrieben ist. Trotzdem kommt es dabei immer wieder zu Stretfällen. Damit bei Ihrem nächste Urlaub arbeitsrechtlich nichts schief geht, haben wir dem Arbeitsrechtler und Karrierebibel-Kolumnisten Peter Groll die wichtigsten Fragen zum Thema Arbeitsrecht & Urlaub gestellt. Hier seine Antworten...

Was das Arbeitsrecht zum Urlaub sagt

Die wichtigsten und immer wieder gestellten Fragen zum Thema Urlaub, was der Chef darf und worauf Mitarbeiter Ansprüche haben...

  • Wer hat alles Urlaubsanspruch?

    Arbeitnehmer haben einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Zu den Arbeitnehmern gehören auch Auszubildende. Der Urlaubsanspruch ist im Bundesurlaubsgesetz geregelt. Möglicherweise finden sich im Arbeitsvertrag, einem anwendbaren Tarifvertrag oder auch in einer Betriebsvereinbarung weitere Regelungen zum Thema Urlaub.

  • Wie lang ist der gesetzliche Mindesturlaub?

    Die gesetzliche Mindestdauer des Urlaubs beträgt bei einer 5-Tage-Woche 20 Werktage und bei einer 6-Tage-Woche 24 Werktage, sie entspricht damit immer umgerechnet einem Urlaub von vier Wochen im Jahr. Wer nur vier Tage in der Woche arbeitet, hat einen Anspruch auf 16 Arbeitstage Urlaub, bei einer 3-Tage-Woche zwölf Urlaubstage und so weiter. Arbeitsverträge und Tarifverträge sehen regelmäßig einen höheren Urlaubsanspruch vor. Schwerbehinderte können für jedes Jahr fünf Tage zusätzlichen Sonderurlaub beanspruchen.

  • Ab wann besteht der Urlaubsanspruch?

    Der volle Urlaubsanspruch besteht bei einem neuen Arbeitgeber erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten. Vor Ablauf der Wartezeit kann man pro vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses ein Zwölftel des Jahresurlaubs beanspruchen. Nach vier Monaten können damit zum Beispiel 4/12 des gesetzlichen Urlaubsanspruchs von 20 Urlaubstagen und damit 6,66 Urlaubstage genommen werden. Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, sind auf volle Urlaubstage aufzurunden. Im obigen Beispiel also 7 Tage.

  • Wie viel Urlaub steht mir zu, wenn ich nur noch bis zum 30. Juni beschäftigt bin?

    Wer in der ersten Jahreshälfte ausscheidet, hat immer nur einen anteiligen Urlaubsanspruch im Umfang von einem Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Beschäftigungsmonat. Bei fünf Arbeitstagen pro Woche also 6/12 seines Jahresurlaubs von 20 Tagen, das heißt bei sechs Monaten (1,66 x 6 =) 9,99 beziehungsweise gerundet zehn Urlaubstage. Scheidet man in der zweiten Jahreshälfte aus, kann der ganze Urlaub genommen werden. Der alte Arbeitgeber erteilt eine Urlaubsbescheinigung, sodass der neue Arbeitgeber keinen Urlaub mehr gewähren muss.

  • Wer bestimmt, wann ich Urlaub habe?

    Der Arbeitgeber entscheidet über die Lage des Urlaubs, wobei Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen sind. Wenn dringende betriebliche Belange oder die Urlaubswünsche anderer, sozial schutzwürdigerer Arbeitnehmer entgegenstehen, kann sich der Arbeitgeber dem zeitlichen Wunsch des Arbeitnehmers ausnahmsweise verweigern. In Betrieben mit einem Betriebsrat werden regelmäßig Grundsätze zur Urlaubserteilung aufgestellt, manchmal sogar feste Urlaubspläne.

  • Muss ich mir den Urlaub genehmigen lassen?

    Ja, unbedingt. Ausschließlich der Arbeitgeber kann Urlaub genehmigen. Die mit dem Arbeitgeber nicht abgesprochene Selbstbeurlaubung stellt einen Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung dar, die je nach Lage des Falles auch als fristlose Kündigung ausgesprochen werden kann.

  • Was kann ich machen, wenn mir der Chef meinen Wunschtermin verweigert?

    Dann gilt es schnell zu handeln. Wenn bereits Urlaub geplant wurde und dieser demnächst angetreten werden soll, kann man den Urlaub mittels einer einstweiligen Verfügung beim Arbeitsgericht beantragen, mit der der Arbeitsgeber zur Urlaubsgewährung verpflichtet wird. Ein solches Eilverfahren kann innerhalb weniger Tage durchgeführt werden, belastet aber natürlich das Verhältnis zum Arbeitgeber. Das muss einem klar sein.

  • Kann mich der Chef im Urlaub zurückrufen und muss ich erreichbar sein?

    Nein, in der Regel nicht. Ein Widerruf der Urlaubsgewährung ist nur in extremen Ausnahmefällen möglich, die in der Praxis kaum zu finden sind. Weder „zwingende Notwendigkeiten“ noch Not- und Erhaltungsarbeiten im Betrieb gestatten es dem Arbeitgeber durch einseitige Erklärung die Arbeitspflicht wiederherzustellen. Der Arbeitnehmer ist deshalb auch nicht verpflichtet, seine Urlaubsanschrift zu hinterlassen oder telefonisch erreichbar zu sein. Soweit Arbeitnehmer in der betrieblichen Praxis einem sogenannten Rückruf folgen, erreichbar sind oder den Urlaub unterbrechen, geschieht das freiwillig im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber.

  • Was tun, wenn mein Arbeitgeber meinen gewährten Urlaub dennoch widerruft?

    Das kommt darauf an. Es gilt: Der einmal gewährte Urlaub steht dem Arbeitnehmer rechtlich zu. Aber: Wird vor Urlaubsantritt der Urlaub widerrufen, darf man diesen erst einmal nicht antreten. Auch in einem solchen Fall muss mit Hilfe des Arbeitsgerichts die Entscheidung des Arbeitgebers korrigiert werden. Wer sich selbst beurlaubt, riskiert schwerwiegende rechtliche Konsequenzen bis hin zur fristlosen Kündigung. Wird der gewährte Urlaub hingegen erst nach Urlaubsantritt widerrufen, so besteht kein Handlungsdruck. Eine solche Erklärung führt nicht dazu, dass der Arbeitnehmer den Urlaub abbrechen oder rechtliche Schritte ergreifen müsste.

  • Ich habe meinen Jahresurlaub nicht verbraucht, was kann ich tun?

    Vielen Arbeitnehmern ist es gleichgültig, ob sie ihren Urlaub im laufenden Kalenderjahr nehmen oder erst innerhalb der ersten drei Monate des folgenden Jahres (oder vielleicht sogar noch später). So etwas kann gut gehen, wenn man sich darüber mit dem Arbeitgeber einig ist. Rechtlich gesehen ist es ziemlich riskant: Der Urlaubsanspruch geht nämlich im Allgemeinen unwiederbringlich unter, wenn man ihn nicht im laufenden Kalenderjahr (bis zum 31. Dezember) in Anspruch nimmt. Die Übertragung des Urlaubs auf die ersten drei Monate des Folgejahres ist eine Ausnahme, die nur unter engen gesetzlichen Voraussetzungen möglich ist. Hier müssen dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe (zum Beispiel eine Erkrankung) für eine Übertragung des Urlaubs vorliegen. Der Urlaub ist dann bis spätestens bis zum 31. März des Folgejahres nehmen, da er sonst endgültig verfällt. Eine Ausnahme von diesen Regeln kann sich aber aus einer betrieblichen Übung ergeben, falls der Arbeitgeber seit Jahr und Tag bei allen Arbeitnehmern ohne Ausnahme mit der Übertragung des Urlaubs auf das Folgejahr einverstanden ist. Klingt kompliziert, ist es leider auch.

  • Was muss ich tun, wenn ich während des Urlaubs krank werde?

    Krankheit sticht Urlaub, lautet eine Faustregel - weil man dann eben keine Urlaubsfreude und Erholung mehr hat. Der Urlaubszweck ist damit nicht mehr gegeben. Wer ein ärztliches Attest vorlegen kann, der behält für die Dauer der attestierten Arbeitsunfähigkeit seinen Urlaubsanspruch zurück: 10 Tage genehmigter Urlaub, 5 Tage davon krank, macht 5 Tage Urlaub, die später „erneut“ beantragt werden können.

  • Verlängert sich bei Erkrankung der Urlaub automatisch um die Krankheitstage?

    Nein. Automatisch wird nur der Urlaubsanspruch um die Krankheitstage verlängert, nicht aber der bereits angetretene und genehmigte Urlaub. Man kann also die Anzahl der Krankheitstage nicht einfach hinten dranhängen. Das wäre wieder eine Selbstbeurlaubung, die zur Kündigung führen kann.

  • Was passiert, wenn man im Urlaub und im Ausland krank wird?

    Erst einmal ärgern, dann um einen Arzt kümmern und den Arbeitgeber dabei nicht vergessen. Wenn man sich während der Erkrankung im Ausland aufhält, ist man dazu verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, ihre voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung mitzuteilen. Gesetzlich Krankenversicherte müssen darüber hinaus auch der Krankenkasse ihre Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer anzeigen.

Mündliche Zusage: Wie erinnere ich den Chef an meinen Urlaub?

BlueSkyImage/shutterstock.comWie schon erwähnt, liegt die Entscheidung, wann Sie Ihren Urlaub nehmen dürfen, beim Chef allein. Der ist aber angehalten Ihre Urlaubswünsche zu berücksichtigen - es sei denn, diesen stehen "dringende betriebliche Belange" entgegen. Darüber, was genau unter diesen Punkt fällt, entzünden sich immer wieder Auseinandersetzungen.

"Dringend" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Urlaubsgewährung für den Arbeitgeber zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Betriebsablaufes führen würde. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  • konkrete Situation des Betriebes
  • Bedeutung des Arbeitnehmers im Betrieb
  • Tätigkeit des Arbeitnehmers

Vor diesem Hintergrund können beispielsweise personelle Engpässe oder ein großer unerwarteter Auftrag dazu führen, dass der Urlaub verschoben werden muss.

Ein weiterer Streitpunkt ist, wer wann Urlaub nehmen kann. Besonders in der Ferienzeit wollen viele Arbeitnehmer Urlaub haben. Was passiert, wenn Sie und ein Kollege gleichzeitig Urlaub nehmen wollen? Wer hat Vorrang? Können Sie sich mit Ihrem Kollegen nicht einigen, liegt die Entscheidung bei Ihrem Vorgesetzten. In der Regel wird dieser nach folgenden Kriterien entscheiden:

  • Wie viele schulpflichtige Kinder hat der Arbeitnehmer?
  • Ist er verheiratet oder ledig?
  • Gibt es besondere gesundheitliche Umstände, die berücksichtigt werden müssen?
  • Wie lange arbeitet der Arbeitnehmer für das Unternehmen?

Deswegen gibt es Unternehmen, die dazu übergegangen sind, Urlaubspläne einzuführen. Sind keine besonderen sozialen Kriterien zu berücksichtigen, gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, malt zuerst.

Arbeitsrecht: Die mündliche Zusage des Chefs

Wie viel aber ist eine mündliche Urlaubszusage wert? Vielleicht standen Sie mit dem Chef gemeinsam in der Teeküche und haben sich einen Kaffee gekocht und die Chance beim Schopf gepackt, ihn auf das Thema Urlaub anzusprechen. Dieser hat sich recht positiv geäußert und sagte: "Ich wüsste nicht, was dagegen spricht". Freudestrahlend sind Sie zurück an Ihren Schreibtisch gegangen und haben bereits begonnen Urlaubspläne zu schmieden. Doch Wochen später haben Sie noch nichts von Ihrem Chef zu diesem Thema gehört.

Können Sie sich nun auf die Zusage verlassen?

Grundsätzlich gilt, dass auch eine mündliche Zusage eingehalten werden sollte. Doch müssten Sie zuerst nachweisen, dass Ihr Chef diese gegeben hat. Erst die schriftliche Genehmigung ist für Sie die Absicherung, dass Sie auch in Urlaub gehen dürfen.

Sie befinden sich in einer Zwickmühle: Erinnern Sie Ihren Chef nicht an die Zusage, könnte er abstreiten eine solche getroffen zu haben, sind Sie jedoch zu ungeduldig und fragen ständig nach, verärgert ihn das.

Wir empfehlen daher:

Schreiben Sie nach der Zusage eine E-Mail, in der Sie dezent an die mündliche Zusage erinnern. Argumentieren Sie darin, dass Sie gerne mit der Urlaubsplanung beginnen und sich deswegen über eine zeitnahe Antwort freuen würden. Wählen Sie einen aussagekräftigen Betreff, damit Ihr Chef die E-Mail sofort zuordnen kann. Schreiben Sie nicht lange um den heißen Brei herum, sondern kommen Sie zügig auf den Punkt.

Vor allem auf die richtige Formulierung kommt es an: Sätze wie "Sie sagten mir den Urlaub Mitte Juli zu" klingen fordernd und bringen Ihren Chef in Bedrängnis. Besser ist eine Formulierung wie: "Ich wollte sicher gehen, dass ich unser Gespräch richtig verstanden habe und den Urlaub beantragen kann". Damit stellen Sie Ihre Anfrage in einen Kontext und lassen diese wie eine Bitte klingen und nicht wie eine Forderung.

Extra-Tipp

Wenn Sie mit Ihrem Chef über Urlaub sprechen, achten Sie auf den Zeitpunkt. Ist er gerade gestresst? Sprechen Sie ihn zwischen zwei Terminen an? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er sich an seine Zusage nicht mehr erinnern wird. Warten Sie lieber einen ruhigen Moment für dieses Gespräch ab.

Am besten ist es, wenn er direkt im Office-Kalender nachschaut, ob ihr Wunsch mit anderen Wünschen oder Terminen kollidiert. Wenn Ihr Chef sich Ihren Wunschtermin bereits notiert, können Sie davon ausgehen, dass er sich an die mündliche Zusage erinnert.

Sobald Ihr Urlaub schriftlich genehmigt wurde, kann der Chef diesen nicht mehr einfach widerrufen. Nachträgliche Änderungen können nur in beidseitigem Einverständnis vorgenommen werden. Treten jedoch besondere betriebliche Interessen auf und Ihr Chef äußert den Wunsch, Ihren Urlaub zu widerrufen, müssen Sie diesem zustimmen. Ihr Chef darf Ihren Urlaub also nicht einfach streichen.

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