Ganz klar: Die E-Mail-Bewerbung ist bald die dominierende Form der Jobsuche. Nahezu drei von vier Fach- und Führungskräften (72 Prozent) bevorzugen inzwischen die E-Mail-Bewerbung – ganze sechs Prozent mehr als im vergangenen Jahr und sogar 33 Prozent mehr als noch 2006. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Stepstone-Umfrage, für die rund 6600 Fach- und Führungskräfte in Deutschland zu ihrem Bewerbungsverhalten befragt wurden (siehe auch Grafik).

Umgekehrt bewirbt sich aktuell nur noch gut jeder Zehnte (12 Prozent) per Post – 2006 waren das noch 42 Prozent. Der Anteil derjenigen, die sich am liebsten über ein Online-Formular bewerben, ist ebenfalls von 16 Prozent (2010) auf 10 Prozent gesunken.

Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Online-Bewerbung die postalische Bewerbung zunehmend ablöst und in weiten Teilen schon abgelöst hat. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand: Kosten für Papier, Porto, Verpackung und Bewerbungsmappen entfallen dabei. Und einmal professionell angefertigte Bewerbungsfotos werden digital gespeichert und können beliebig oft kopiert werden. Alerdings gelten auch bei der Bewerbung per E-Mail zahlreiche Grundsätze einer klassischen Bewerbung per Post:

5 Tipps für die Online-Bewerbung

  • Vorbereitung. Bevor Sie mit der Bewerbung loslegen, sollten Sie zunächst alle relevanten Informationen über das Zielunternehmen und den anvisierten Job recherchieren, zum Beispiel auf der Firmenhomepage, im Karriere-Blog (falls es eines gibt) oder auf der Fanseite in Facebook. Sollten dabei wichtige Fragen entstehen oder offen bleiben, dürfen Sie ruhig in der Personalabteilung anmailen und nachfragen. Allerdings bitte nur gezielt, knapp und konkret. Das zeichnet Sie als zielstrebig aus. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich nach dem richtigen Ansprechpartner für die E-Mail-Bewerbung und dessen Adresse fragen. Und bitte verschicken Sie jede Bewerbung einzeln und individuell. Serienmails sind ein absolutes No-Go.
  • Format. Falls das Unternehmen für die Online-Bewerbung ein spezielles Formular auf dessen Homepage anbietet, sollten Sie das auch nutzen – und zwar alle Felder und möglichst ausführlich. Um Tippfehler zu vermeiden, sollten Sie die entsprechenden Textbausteine bereits in Ruhe und offline vorformulieren. Es schadet auch nicht, diese von einem Freund oder Profi gegenlesen zu lassen. Achtung bei Sonderzeichen! Das Euro-Symbol kann etwa bei Gehaltsvorstellungen zu unfreiwilliger Verwirrung führen, wenn die Programmversion des Empfängers ein anderes Zeichen daraus macht. Besser gleich EUR schreiben. Ebenso sollten Sie formatierte Dateien, wie Ihren Lebenslauf oder eingescannte Zeugnisse bereithalten. Das gilt freilich auch für die Variante, dass Sie Ihre Bewerbung per E-Mail verschicken und diese Dokumente anhängen. Achtung: Überfrachten Sie die E-Mail nicht. In den meisten Fällen dient eher dazu, auf die Bewerbung Leselust zu machen und die entsprechenden Anhänge – auch das Anschreiben – hinzuweisen. Und wählen Sie als Absender bitte unbedingt (!) eine neutrale E-Mail-Adresse, also nicht HotGirl69@hotmail.com, sondern Vorname.Nachname@Provider.de.
  • Gestaltung. Insbesondere bei E-Mail-Bewerbungen kommt der Betreffzeile besondere Bedeutung zu: Sie ist das Entree zur Ihrer Bewerbung und vermittelt gleich einen ersten (und wichtigen) Eindruck beim Arbeitgeber in spe. Falls Sie sich auf eine konkrete Stellenanzeige bewerben, sollte der Betreff das Wort „Bewerbung“, den Job, auf den Sie sich bewerben sowie (falls vorhanden) die Kennziffer der Stellenanzeige enthalten. Das erleichtert der Personalabteilung Ihre Bewerbung sofort zuzuordnen. Bei sogenannten Blindbewerbungen sollte ebenfalls der Begriff „Bewerbung“ fallen, gefolgt von einer persönlichen Anrede und einem Slogan. Reizwörter erhöhen die Chance, Interesse zu wecken und gelesen zu werden. Also nicht “Bewerbung für einen Job”, sondern konkret: „Meine Bewerbung als Vertriebsleiter / Ihre Anzeige“. Überdies gilt: Halten Sie sich mit Formatierungs-Brimborium zurück. Ständig wechselnde Schriften (Fonts, fett, kursiv) oder Hintergründe sehen irgendwann nicht mehr interessant, sondern kitschig, verspielt und unseriös aus. Schlichte Eleganz kommt besser an. Die E-Mail selbst sollte zudem mit einer Signatur enden, die Ihren vollständigen Namen, Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer(n) und vielleicht auch einen Link zu Ihrer Homepage oder zu Ihrem Online-Netzwerk-Account enthält. Und ganz wichtig: Auch wenn es sich um eine E-Mail oder ein Online-Formular handelt: ein lockerer Jargon ist tabu.
  • Anlagen. Achtung: Fügen Sie Ihrer Online-Bewerbung weder zu viele noch zu große Anhänge bei. Die ganze Bewerbung könnte sonst im Spam-Ordner landen. Bei der ersten Bewerbung erwarten Arbeitgeber ein Anschreiben, Lebenslauf, die wichtigsten Zeugnisse sowie manchmal auch Arbeitsproben. Das Bewerbungsfoto sollte Sie lieber im Lebenslauf integrieren. Und alle Dateien zusammen sollten nicht größer als vier Megabyte sein sowie sinnvoll und eindeutig benannt werden. Also nicht nur „Lebenslauf.doc“, sondern besser „Lebenslauf_Susanne_Mustermann.doc“. Noch besser ist, Sie speichern Ihre Anhänge stets im PDF-Format ab, dabei gehen keine Formatierungen verloren. Und ganz wichtig: Wenn Sie angefügte Unterlagen ankündigen, vergewissern Sie sich vor dem Abschicken, dass diese auch wirklich vom E-Mail-Programm hochgeladen wurden. Ein vergessener Anhang wirkt wie eine erste Schlampigkeit und wirft kein gutes Licht auf die Qualität Ihrer Arbeit.
  • Homepage. Es gilt inzwischen als modern, einen Link zu einer eigenen Bewerbungs-Homepage mitzuschicken. Ich bin da eher skeptisch. Erstens, weil diese nie eine akkurate und vollständige Bewerbung ersetzen darf (und kann); zweitens, weil sie nur selten ergänzende Informationen bietet. Wenn überhaupt, sollten Sie eher den Link zu Ihrem Blog angeben, das Sie als Branchenexperten oder vernetzten Kommunikator ausweist. Ein Bewerberprofil lediglich im Internet zu hinterlegen, halte ich für überflüssigen und effektheischenden Schnickschnack.

Wie bei der klassischen Bewerbung sind auch bei der Onlinevariante einige Fehltritte möglich. Die meisten davon lassen sich jedoch leicht vermeiden, wenn man sie kennt. Ihre Chancen dazu stehen gerade gut, denn hier folgen die…

6 schlimmsten Patzer bei der Online-Bewerbung

Zu viele Dateien verschicken. Ihre Bewerbung sollte aus einer E-Mail mit einem PDF-Anhang bestehen. Also Zeugnisse, Fotos und weitere Dokumente nicht einzeln anhängen. Lästig! Mit der passenden Gratissoftware lassen sich solche Seiten bequem zu einer Datei zusammen.
Betreffzeile vergessen. Ohne dem passenden Betreff kann der Personalverantwortliche die E-Mail nicht einordnen. Es erschwert seine Arbeit und erhöht nicht gerade sein Wohlwollen. Wenigstens so was wie „Bewerbung auf die Stelle als […]“ sollten Sie in den Betreff schreiben. Kreativere Formulierungen sind freilich besser.
Etikette vernachlässigen. Auch wenn Sie eine E-Mail schreiben: Jede versendete Nachricht ist ein Nachweis Ihrer Reife und Professionalität. Dazu passen weder Smileys, Abkürzungen, noch durchgehende Kleinschreibung. Grammatik- und Kommafehler verbieten sich ohnehin.
Fotos einscannen. Das Bewerbungsfoto ist ein elementarer Bestandteil Ihrer Bewerbung. Amateurhafte Scanversuche hinterlassen einen schalen Beigeschmack. Lassen! Besser: Neue Bewerbungsfotos direkt vom Fotographen digital mitgeben lassen – auf CD oder Stick.
Falschen Kanal benutzen. Wenn ein Unternehmen die Bewerbung über ein Online-Formular anbietet, dann will es auch keine Extra-E-Mails erhalten. Deshalb: Beachten Sie den feinen Unterschied zwischen einer Onlinebewerbung und einer E-Mail-Bewerbung.
Anhang vergessen. Der peinlichste Fauxpas passiert meist zum Schluss: Da kreiert jemand ein tolles PDF, schreibt eine professionelle E-Mail – und vergisst dann das PDF als Anhang mitzuschicken. Bevor Sie also auf “Senden” klicken, checken Sie alle Anhänge!