Personaler haben wenig Zeit. Und gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise bekommen sie mehr Bewerbungen als Stellen verfügbar sind. Wenn sie überhaupt jemanden einstellen, dann Kandidaten, die in der Lage sind, aussagekräftige Bewerbungen zu formulieren, die schnell auf den Punkt kommen. Ebenso wenig schätzen sie Massensendungen aus dem Baukastensystem. Wer am Tag mehrere Bewerbungen liest, merkt schnell, welche davon individuell formuliert wurde und welche aus der Stanzmaschine stammt. Vor allem der Lebenslauf ist immer wieder anfällig für Fehler. Und das beinhaltet keinesfalls nur die bekannten formalen, grammatikalen oder orthografischen Fehler. Die folgende Top10 listet nach meinen Recherchen die schlimmsten Bewerbungssünden im Lebenslauf auf. Sie dürfen aber gerne eine andere Rangfolge kommentieren:
| 10. | Berufsziel |
| 9. | Hobbies |
| 8. | Informationen, die für den Job nicht relevant sind |
| 7. | Urlaubsfoto |
| 6. | Familien-Infos (Mutter: Hausfrau, Vater: Studienrat) |
| 5. | Gehaltsvorstellungen |
| 4. | Redundanzen |
| 3. | Religiöse Ansichten |
| 2. | Politische Meinungen |
| 1. | Lücken, fehlende Angaben |







Jochen
Wie sieht es eigentlich mit Hobbies aus die darauf schließen lassen, dass man soziale Kompenzen hat. Zum Beispiel Trainer einer Sportsportmannschaft, Ehrenamtliche Tätigkeiten und solche Dinge?
Finde ich irgendwie nicht unwichtig und in jedenfall erwähnenswert.
Oder?
Marcel Widmer
Ich bin mit fast allen Punkten einverstanden (und grinse jeweils bei Angaben wie “Gehalt nach Vereinbarung” – ja was denn sonst?).
Anders sehe ich das bei Lücken (Lücken sind nicht per se schlecht, wer wesentliche Lücken erwähnt, zeigt Offenheit) und bei Hobbies (sie geben mir ein “abgerundetes Bild”, vor allem wenn es um Themen geht, die (der andere?) Jochen erwähnt).
DreamFlasher
Wieso nicht die Familie erwähnen? Das wird sonst überall empfohlen?
Kristin Schmidt
@DreamFlasher: Überall? Meines Wissens haben Inhalte zur Familie schon seit längerem nichts mehr in Lebensläufen verloren!?
Bzgl. Hobbies: Dachte eigentlich das gehört auf jeden Fall in den Lebenslauf?
Markus
Was Vater und Mutter für Berufe haben (hatten) ist maximal noch bei der Ausbildungsplatzsuche erwähnenswert. Bei den persönlichen Angaben sollte allerdings schon was über den eigenen Familiienstand stehen. Hobbies empfehle ich nur zu erwähnen, wenn sie tatsächlich einen positiven Bezug zum Anforderungsprofil der Stelle haben.
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Nerdsnacks
Gehaltsvorstellungen werden teilweise sogar erwartet!
Aber Hobbies gehören meiner Meinung nach schon in eine Bewerbung. Sie machen den Bewerber etwas “runder”. Natürlich sollte da nicht unbedingt, “Party, saufen und Sex” drinstehen, aber wie Jochen sagte, können Hobbies soziale Kompetenzen vermitteln und den Bewerber einfach persönlicher machen.
Michael
…es kommt auf die ausgeschriebene Stelle an.
Religiöse Ansichten: im sozialbereich gibt es (leider) immer noch sehr viele Organisationen, welche Wert darauf legen, dass ihre Mitarbeiter brav ihre Kirchensteuer bei einer christlichen Gemeinde abliefern – traurig – is aber so. (betr. politische Ansichten ist die Geschichte ja ähnlich)
Hobbies: Ich bin der Meinung, dass die angabe gewisser Hobbies sich durchaus positiv auswirken können – passt man jedoch nicht auf schlägt dieser Effekt ganz schnell ins Negative um.
Die anderen Punkte sehe ich im Prinzip genauso – aber wie gesagt ist es immer eine Frage der Stelle und ob man noch etwas reinpacken kann, was sich gut für eben diese macht ;-)
Jochen Mai
Okay, ich ergänze an dieser Stelle mal die kursierenden Argumente:
Gehalt: Nicht im Lebenslauf – allenfalls im Anschreiben und nur, wenn es ausdrücklich verlangt wurde. Ansonsten ist das Teil des Jobinterviews. Der Lebenslauf soll ja die bisherige Vita darstellen. Er ist keine Verhandlungsgrundlage.
Eltern: Antiquiert. Ist schon aufgrund des AGG fraglich. Was soll das über die Qualifikation des Bewerbers aussagen, dass die Mutter Hausfrau oder Einzelhandelskauffrau ist?! Schon aus taktischen Gründen sollte man das weglassen. Leistung zählt – nicht Herkunft! Jedenfalls in der Theorie.
Hobbies: Umstritten. Das alte Argument, dass man Hobbies nennen sollte, die soziale Kompetenzen untermauern (Teamplay, Führung, etc.), wird inzwischen ad absurdum geführt, weil es sich dabei häufig nur um Lebenslauf-Schminke handelt. So wie der Spanienurlaub noch keine Spanischkenntnisse erzeugt. Der zweite Grund: Man setzt sich damit kaum ab – Hobbies, das erwähnen heute allenfalls noch die Lebenslauflangeweiler. Wenn überhaupt geht man eher dazu über, konkrete Erfolge zu erwähnen. Also etwa ehrenamtliche Projekte, die man geleitet und erfolgreich abgeschlossen hat. Das ist deutlich seltener, hebt also mehr ab und dokumentiert obendrein wirkliche Kompetenzen.
Manuel
Schöne Bewerbungen die wir hier schon bekommen haben enthielten:
„Skateboardfahren im Team“ und „Freizeitgestaltung mit Freunden“ wo jeweils absolut offensichtlich war, dass derjenige sich wirklich lange Gedanken darüber gemacht haben muss was er schreiben kann, um bloß seine Teamfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Manuel
(Ich muss dazu allerdings erwähnen, dass es sich dabei auch um Bewerbungen für einen Ausbildungplatz handelte)
Ulrich
Hallo…
wir haben gerade einen Azubi/eine Azubine gesucht …. unsere Top Punkte
- viele sind nicht in der Lage ihren Namen im Lebenslauf und auf dem Anschreiben identisch zu schreiben
- schlimmste Bewerbungsfotos waren dabei!! (Beispiel, Frau mit schwarzen Haaren vor scharzem Hintergrund!! Wo fangen die Haare an und wo hört der Hintergrund auf??) Urlaubsfotos waren auch dabei sowie GANZKÖRPERFOTOS (für einen Bürojob!)
- Lebenslauf stimmt nicht mit Profilen in “social networks” überein
- unterschiedliche Datumsangaben
- unterschiedliche Altersangaben (im Lebenslauf und im Anschreiben, ah! Ein Geburtsdatum, dann kann man ja selbst rechnen)
- Rechtschreibfehler OHNE ENDE (in den Lebensläufen, von den Anschreiben ganz zu schweigen)
- Es wird im Lebenslauf auf Dinger verwiesen, von denen man keine Ahnung hat (dumm nur, das es im Gespräch angesprochen wird).
Kann ich beliebig fortführen :-(
Marsha
Super, danke für die Liste. Aber es geht auch noch schlimmer: Hatte letztlich einen Lebenslauf auf dem Tisch liegen, bei dem alle Punkte der Top 10 (außer 5) in ausführlichster Weise vorkamen. Er war dazu noch in Textform ala “mein schönstes Ferienerlebnis” geschrieben. Länge: 5 DINA4 Seiten! Die wirklich wichtigen Sachen zu Ausbildung und Studium sind dabei untergegangen.
Finde, man sollte Bewerbungstraining auf alle Fälle in Schule und im Studium anbieten. Es ist echt traurig, was man so von manch gebildeter Person abgeliefert bekommt.
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blogfeuer
Sorry. Aber keine Gehaltsvorstellungen?? Fast jede aktuelle Firma wünscht dies in den Unterlagen. Zur Not kann man auch gerne eine Gehaltsspanne angeben, etc…
Dies zeigt u.A: auch, dass man seinen eigenen Marktwert kennt.
Jochen Mai
@Blogfeuer: Gehaltsvorstellungen sind doch nicht Teil deiner Vita!!! Die gehören ins Anschreiben (falls verlangt), aber nicht in den Lebenslauf.
Kittyluka
Meine Lieblingshobbies in den Bewerbungen die ich so bekommen habe waren bisher “Kochen mit meiner Schwester” und “Sex”. Hab herzlich gelacht.
Müssen eigentlich Kinder im Lebenslauf erwähnt werden?
Jochen Mai
@Kittyluka: “Sex”??? Iss nicht wahr?!
Edda Pulst
Hobbies gehören aus meiner Sicht in den Lebenslauf, lassen sie doch auf die Persönlichkeit schließen, z.B. Durchhaltevermögen bei “Skitourengehen” ;-))
HCS
Zum ersten Punkt in der Liste, ich habe sehr gute Erfahrungen mit einem Punkt: “berufliche Ziele” gemacht. Da standen dann zB. Abschlüsse von Lehrgängen oder ähnlichem, um meinem zukünftigem Arbeitgeber eine Richtung zu zeigen, in die ich mich entwickeln möchte.
Aber eben kein konkretes Hierarchiestufen -Ziel.
Grüße
Michael
Ja, und der dritte Karnevalsverein im dem man tätig ist muss auch nicht drin sein, ausser es passt thematisch. Fokus auf die Wichtigsten Social activities ist hier wünschenswert
Oliver
Stimmt, Politische Meinungen sind Freizeit und nicht das Office.
Johannes
Stimme großteils zu. Etwas anderer Ansicht bin ich bzgl. der Angabe von Hobbies, die m.E. je nach Situation durchaus sinnvoll sein kann. Dies gilt z.B. bei (Team-)Sport ab 40+ sowie Hobbys, die auf Grund ihrer Außergewöhnlichkeit beim Personaler Interesse erwecken könnten.
Weiterhin, sofern ich “Religiöse Ansichten” zutreffend interpretiere, halte ich die Angabe der Konfession bei Institutionen mit kirchlichem Träger – also insbesondere Krankenhäuser, Kindergärten etc. – für durchaus hilfreich.